Teil 13 – Shore, Auf Wiedersehen ???

Immer wieder redete ich mit Dania darüber, mit der Shore aufzuhören.
Vielmehr redete Sie meist, und ich war nur der Teil, der dafür sorgte, dass das Ganze nicht in einem Monolog endete.
Im Grunde wollte ich ja irgendwie auch. Zumindest ein kleiner Teil in mir hatte vor, das Zeug aus meinem Leben zu verbannen.
Ich wollte leben, Spaß haben, und vor allem frei sein.
Doch Freiheit und Abhängigkeit sind nun mal zwei Eigenschaften, die sich gegenseitig in den Arsch beißen.
Fuck man, ja. Ich wollte ja aufhören. Nur nicht jetzt, nur nicht hier, nur nicht verfickt noch mal heute!
Die andere Seite in mir sträubte sich dagegen, auf dieses Gefühl, welches Shore in mir erzeugte, zu verzichten.
Das braune Pulver, das wie es schien alle negativen Eigenschaften in mir für den Moment zu unterdrücken, und es schaffte nur das Beste zum Vorschein zu bringen.

Meiner Meinung nach gibt es zwei verschiedene Typen von Konsumenten. Da gibt es die einen, die die Drogen wirklich nur wegen des Kicks, des Spaßes nehmen. Um einfach mal abschalten und richtig High sein zu können.
Und dann sind da die anderen. Die, die irgendetwas mit der Droge kompensieren wollen.
Eine Lücke füllen, die tief in Ihnen klafft. Ängste, Sehnsucht, Einsamkeit.
Ein schwarzes Loch, welches unaufhaltsam zu wachsen scheint und sich mit jedem Blow oder Hit in Mut, Stärke und Zufriedenheit wandelt.
Ich denke es dürfte ein Leichtes sein, um zu Verstehen, welche dieser beiden Gruppen weniger Probleme mit Drogen haben, oder überhaupt erst in eine Abhängigkeit abrutschen wird.
Doch bitte springt jetzt nicht auf, und ballert Euch Drogen rein, weil ihr davon ausgeht dass Ihr psychisch stabile Menschen seit, und bei Euch ja alles kontrolliert ablaufen wird. Nee nee Man, so einfach läuft der Hase nicht!
Immerhin ist da ja auch noch die physische Komponente, die einem gewaltig den Spass an der Sache verderben kann. Und gehen wir jetzt mal von Shore aus, dann kann ich Euch nur eins sagen. Probiert gar nicht erst unter den „glücklichen“ 0,0001 Prozent zu sein, bei denen es klappt, den Konsum dieses braunen Pulvers, auf ein gelegentliches Wochenend-Ereignis zu beschränken. Ihr werdet nicht dazu gehören.
Des Weiteren ist es auch sehr oft so, dass ursprünglich psychisch stabile Menschen, nach einer jahrelangen Suchtgeschichte, eben alles andere als stabil sind. Plötzlich tauchen Probleme auf, von denen man nicht mal ansatzweise dachte, dass diese auch nur da seien könnten.

Wie auch immer, nach mehreren Wochen immer wiederkehrender Diskussionen, und auch familiären Druck, gab ich schließlich nach.
Morgen am Dienstag sollte der Spaß losgehen.
Dania hatte noch bis zum kommenden Montag Ferien, und da ich sowieso oft bei Ihr, für mehrere Tage, übernachtete, war es somit kein Problem den Entzug bei Ihr durchzuziehen.
Ich hatte keinen Plan, was mich erwarten würde. Natürlich wusste ich wie ein Entzug in der Theorie aussieht, doch etwas in der Theorie zu wissen, und es am eigenen Leib zu erfahren, sind nun mal zwei verschiedene Sachen.
Und eigentlich hätte ich auf diese Erfahrung auch sofort verzichten können.
Die Erzählungen vom Cold Turkey gingen von, „leichter Grippe“, bis hin zu „Einmal durch die Hölle und zurück“.
Und außer Hasch und zwei bis drei Benzos (Schlaftabletten) gab es, bzw. hatte ich nichts, was den Entzug hätte lindern können.

Selbst die Entgiftung in einem Krankenhaus war zu dieser Zeit immer „kalt“.
Oh ja Man, nicht wie heute, wo die Junkies jeden Morgen mit ’nem Schlückchen Methadon oder Codein verwöhnt, und dann langsam Tag für Tag abdosiert, werden. Nee man. Da konntest Du froh sein, wenn du dir mal ‘ne halbe Valium von der Nachtschwester, zu der du nach einer stundenlangen Kotzorgie, auf allen Vieren angekrochen kamst, erbetteln konntest.
Damals war die Devise. Die Junkies müssen das merken. Die müssen richtig leiden, denn nur so können Sie erkennen, was für eine Scheiße Sie gebaut haben.
Durch die Hölle müssen die gehen, um dem Teufel danach den Rücken kehren zu können und Einsicht zu erlangen.
Dass die meisten Druffis sowieso schon die Hölle hinter sich hatten, wurde dabei natürlich vollkommen außer Acht gelassen.
Na ja, früher hatte man Leuten in der Psychiatrie auch die Köpfe aufgeschnitten, oder eine Lobotomie an den armen Schweinen vollzogen und sie als geheilt erklärt. Drauf geschissen, wenn danach Ihr einziger Lebensinhalt daraus bestand den Punkt auf einer Tapete anzustarren, oder wie Zombies den Gang Auf und Ab zu schlurfen. Immerhin waren ja die psychischen Probleme nicht mehr da.

Dienstagvormittag. Ich stieg gerade aus dem Bus an der Haltestelle, unten an der Dellbrücker Kirche, aus.
Meine letzte Shore hatte ich gestern komplett weggeraucht, und das Aluröhrchen, war noch alles, was davon übrig war.
Ich war nicht affig, da es bestimmt an die zwei Gramm waren, die ich, bis spät in die Nacht hin, vernichtet hatte. Es dürfte zwischen drei und halb vier morgens gewesen sein, als der letzte Blow (flüssiges Heroin) auf meiner Folie, wie ein Klecks Öl Hin und Her rutschte, in Qualm aufging, und von meinen Lungenflügeln absorbiert wurde.
Ich steuerte den kleinen Parkplatz, direkt hinter dem Bistro, welches heute Caprice heißt, an.
In einer geschützten Ecke öffnete ich das Röhrchen, und schon beim ersten Anblick bereute ich es gewaltig, mir nicht etwas von dem Dope für heute aufgehoben zu haben.
Alleine dieser Gedanke schaffte es, mir ein unwohles Gefühl und einige Schweißperlen auf die Stirn zu zaubern.
Es ist schon komisch wie sehr die Psyche eine Rolle in diesem Spiel der Sucht spielt.
Vier oder fünf Züge schaffte ich, aus dem letzten bisschen rauszuholen.
Nervosität stieg in mir an, als ich das Röhrchen zusammen knüllte, und mit dem Fuß in ein Gebüsch kickte.
„Fuck Man, ich pack das nicht. Ich will das nicht!“, dachte ich mir, und ging zurück zur Bahnhaltestelle.

Ich wollte soeben in die Linie 15 Richtung Holweide einsteigen, als ich jemand meinen Namen rufen hörte.
Ich drehte mich um und sah Tony, wie er gerade die Hauptstraße hinunter schlenderte.
Hmm, ich überlegte kurz, hielt dann aber inne, und ließ die Straßenbahn ohne mich abziehen.
Tony und seinen Bruder kannte ich schon als kleiner Junge. Wir sind zusammen auf die gleiche Grundschule gegangen, und spielten als Kinder immer zusammen in dem großen Wald, zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach.
Mit Drogen hatte Tony, der Jugoslawe war, nichts am Hut. Sein einmaliges Hasch Erlebnis, inklusive darauffolgendem Paranoia Flash, hatten ihm gereicht.
Das hieß aber nicht, dass Tony frei von Süchten war.
Oh nein, Tony hatte ein großes Laster, und das war das Zocken.
Hast du Tony gesucht, dann musstest Du nur in einer der vielen Spielhallen, rund um Dellbrück und Holweide, nachschauen.
Der Junge verzockte wirklich alles, was er besaß.
Sobald er die Schwelle einer Spielhalle übertrat, war er wie in Trance, und in einer anderen Welt.
Teilweise war er dann teilweise gar nicht mehr ansprechbar. Man sah ihn nur noch, wie einen Verrückten, zwischen den fünf bis sechs Automaten, die er gleichzeitig in Beschlag nahm, Hin und Her rasen.
Später wurde das noch so schlimm, dass er wirklich alles versetzte, was in seinem Besitz war, und ein dicker Berg von Schulde, kam noch als Bonus oben drauf.
Dann, für ihn ganz unten angekommen, schaffte er zum Glück den Absprung, in dem er ins Ausland ging, und dort eine lange Therapie in Angriff nahm.

„Hey Mike. Was machste Jung? Lang nicht mehr gesehen.“, rief er mir entgegen, noch während er die Straße hinunter ging.

„Tony Man, du alter Hund du. Alles klar?“, erwiderte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Cool dich mal wieder zu treffen. Was geht?“, Tony wischte sich die Reste seiner Pizza, die er soeben weggeschmissen hatte, aus den Mundwinkeln.

„Ich muss mit der nächsten Bahn weiter zu Dania. Die wartet auf mich.“, ich setzte mich auf das Geländer an der Bahnhaltestelle.

„Ach was. Ich hab grad gewonnen. Ich lad dich ein Mann. Nur ein Bierchen. Komm schon, wir ham uns so lange nicht mehr gesehen.“, Tony spuckte auf den Boden und zündete sich ’ne Kippe an.

Na ja, was soll ich sagen. Aus einem Bier wurden zwanzig, inklusive ein paar Kurze. Und obwohl ich morgens nur die Reste vom Röhrchen geraucht hatte, ging es mir gut. Ich hatte Spaß, war abgelenkt, und vergaß sogar teilweise, was mich in den nächsten Tagen erwarten würde.
Irgendwann landeten wir dann bei ’nem Kumpel von Tony, der auch in Holweide wohnte. Ich kann mich nur an Kartenspielen erinnern, und weiß dann nur noch dass Tony, und ich, stinkbesoffen auf irgendeiner Wiese lagen, und uns halb tot lachten.
Dania, die seit Mittag auf mich wartete, war stinksauer, dachte Sie doch ich hätte mein Vorhaben abzukicken, schon längst über Bord geworfen.
Umso überraschter war sie dann, als ich doch noch gegen acht Uhr abends bei Ihr auftauchte.

Ein Eimer, ein Röhrchen löslicher Vitamine, ein paar Flaschen Wasser, ca. 20 Gramm Hasch und drei Rohpse (Rohypnol ~ Schlaftabletten), welche Arkan mir kurz vorher noch vorbeigebracht hatte, sollten mein Arsenal für den kommenden Höllentrip sein.
Nervosität, und ein unwohles Gefühl in der Magengegend, machen sich in mir breit.
Noch lenkt mich der Alkoholspiegel in meinem Blut etwas ab. Sowohl psychisch, als auch physisch.
Immerhin war es schon über 12 Std. her, seit meinem letzten Blech, welches nur aus ein paar Zügen bestand. Ein Affentöter, und nicht mehr.
Die Uhr zeigte 22:30 an. Ich lag mit Dania auf der aufgeklappten Couch und vor uns flimmerte der kleine Röhrenfernseher. Irgendeine Verfickte Serie, deren Dialoge mich aggressiv werden ließen.
War ich eben noch aktiv mit Tony unterwegs und abgelenkt, wurde ich nun, durch die Ruhe, immer nervöser.

„Wo ist das Dope? Ich brauch ’n Köpfchen!“. Gesagt getan, in Windeseile baute ich ’ne dicke fette Mischung.
Wir rauchten ein Köpfchen nach dem anderen, bis wir beide schließlich, ineinander verschlungen, weggepennten.
Ich konnte, erstaunlicherweise, gar nicht mal so schlecht schlafen.
Zwei oder dreimal wurde ich zwar wach, konnte mich dann aber wieder ganz gut in den Schlaf kiffen, sodass die Nacht, ohne große Vorkommnisse, überstanden war. Gegen halb acht dann öffnete ich die Augen. Dania schlief noch friedlich, und ich beobachtete sie für einen Moment.
Mir war kalt, meine Nase lief und ich musste, ohne Pause, gähnen. Unruhe machte sich in mir breit, aber es war alles noch auszuhalten. Und ja, es fühlt sich wirklich an wie eine Grippe.

„Bleibt es etwa so? Komm ich noch mal davon?“, Fragen kreisten durch meinen Kopf, und im Moment war es sowieso mehr der psychische Druck und die Gewohnheit, die mich zu einem Blech greifen lassen wollten.

Zum Glück wurde Dania dann wach, und unterbrach meinen Wunsch, dem Suchtdruck nachgeben zu wollen. Ich kriegte sogar ’nen Kaffee runter an dem Morgen, und für Dania war es natürlich direkt Anlass zu Glauben, ich hätte mir grad n‘ Blech geraucht, während Sie noch schlief.
Wir fetzten uns eine Weile, und ich war kurz davor zu gehen, bis Sie sich schließlich irgendwann wieder beruhigte. Fuck man, ich war selbst freudig verwundert. Die Mengen, die ich ohne Pause in den letzten Jahren konsumierte, waren enorm.
Aber hätte ich etwa so tun sollen, als ob es mir schlechter ging, als ich mich fühlte? Zu meinem Ersetzen war dies aber schon bald nicht mehr nötig.

Wir schauten Fern und rauchten ein paar Joints. Gegen Mittag dann, musste Dania kurz mit Ihrer Mutter weg, ein paar Sachen besorgen. Ihr Vater war schon längst auf der Arbeit, und ich war nun allein im Haus.
Und obwohl Dania mich vorher eine gefühlte Stunde bequatschte, und bekniet hatte, keinen Mist zu bauen, kämpfte ich nun mit dem kleinen Teufelchen in mir, das mich anflehte, dem Druck nachzugeben und alles hinzuschmeißen.
Ich fing an zu schwitzen, und die Nervosität wurde immer heftiger. So langsam spürte ich auch, wie mein Magen anfing, etwas zu rebellieren.
Ich griff zu meiner Jeans, die neben der Couch lag, zog das Döschen, in dem sich die drei Rohpse (Schlaftabletten) befanden aus der Hosentasche, und überlegte kurz.

„Ach Fuck, was soll’s.“, dachte ich mir, und schluckte zwei der Pillen.

Eigentlich wollte ich sie ja für den Höhepunkt des Entzuges aufheben, doch im Moment wollte ich einfach nur „anders“ fühlen, und außerdem spürte ich, wie es mir nach und nach, schlechter ging.
Ich klaute mir noch schnell zwei Dosen Bier, aus dem Alk Vorrat von Danias Dad, schob dann ne VHS-Kassette in den Rekorder, legte mich wieder hin, und wartete drauf, dass die Pillen wirken. Ich probierte etwas von dem Käsetoast zu essen, welchen Dania mir auf einem Teller, neben der Couch platziert hatte, bevor Sie ging. Doch außer einem Bissen kriegte ich nichts runter.
Mein Magen drehte sich, und meine Beine fingen an, mich verrückt zu machen. Nach Vernichtung der zwei Dosen Bier, und zwei weiteren Köpfchen, döste ich schließlich für eine kurze Zeit weg.

Dania war inzwischen wieder da, und ich wälzte mich den ganzen Nachmittag Hin und Her. Der Tag schleppte sich, wie ein alter zäher Kaugummi, vor sich hin.
Kalt, warm, kalt, warm, Decke weg, Decke her etc. etc. So spielte es sich den ganzen Nachmittag ab. Ohne das Hasch wäre ich wahrscheinlich komplett durchgedreht. Ich kiffte ein Köpfchen nach dem anderen, um irgendwie abgelenkt zu sein, und letztendlich schaffte ich es den Tag vorübergehen zu lassen.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich träumte, nur noch dass es ein echt abgefuckter stranger Scheiß war, der mich aufschrecken ließ.
03:00 Uhr zeigte der kleine Radiowecker an. Mir war heiß und ich schwitze wie ein Schwein. Ich krabbelte nach vorne, zu dem kleinen Glastisch, auf dem das Hasch lag. Mit verschwitzten Händen fing ich an, eine neue Mischung zu bauen. Mir war eiskalt und gleichzeitig schwitzte ich. Ich beugte mich zurück, zog die Decke zu mir und warf mir diese über meine Schultern.
Ich legte den Kopf auf meine Knie und verweilte für eine Zeit in dieser Position. Gedanken schossen durch meinen Kopf, und nervös zuckte ich mit meinem Fuß Auf und Ab. Das Gähnen wollte nun gar nicht mehr aufhören, und meine Augen tränten als hätte ich wie ein Schlosshund geheult.

Endlich war das Dope fertig, und ich schüttete die komplette zwei Gramm Mischung in das Köpfchen der kleinen Glas Wasserpfeife. Ich zog so fest und lange ich nur konnte, um mich dann nach ’nem kurzen Huster, samt Pfeife wieder zurück auf die Matratze fallen zu lassen. Die letzte Rohypnol warf ich mir auch noch schnell ein.
Das Hasch, sowie die Benzodiazepine in meinem Blut, leisteten schließlich Ihren Beitrag und ließen mich dann irgendwann, in Fötus Position, wieder einschlafen. Wenn auch nur kurz. Keine Ahnung, wie oft ich in dieser Nacht noch wach wurde, ich weiß nur, dass es mir nach jedem erneuten Öffnen meiner Augen, um einiges schlechter ging. Und immer diese abgefuckten, so real und intensiven Träume, die wie Kurzfilme in meinem Kopf aufflimmerten.

Das letzte Mal zeigte der kleine schwarze Wecker 6.30 Uhr, mit seiner blinkenden neongelben Schrift, an. Mein Magen meldete sich, und ich hing würgend über dem Eimer, den Dania direkt neben der Couch positioniert hatte. Doch alles, was rauskam, war etwas Magensäure und Spucke. Kotzen war und ist für mich schon immer eine Qual gewesen. Ich bewundere Leute, die auf Kommando ihren Mageninhalt nach draußen befördern können, und dann so tun, als ob nichts gewesen ist. Für mich fühlt sich so eine Kotzorgie immer an, wie ein Kampf um Leben und Tod an.
Mit aller Gewalt kiffte ich mich wieder in den Schlaf. Ich träumte von Shore und Drogen aller Art.

Langsam öffnete ich die Augen, und aus dem Augenwinkel sah ich Dania, die gerade dabei war in ein Wurstbrötchen zu beißen.
Mir wurde schlecht. Der Turkey schlug mir mit voller Wucht in die Fresse. Mein Shirt war komplett durchnässt, und mir ging es richtig scheiße.

„Lieber Gott, bitte lass mich wieder einschlafen!“, dachte ich mir, während ich mich mühsam aufrappelte und mich, umschlungen mit der Decke, hinsetzte.

„Ich pack das nicht! Ich dreh gleich durch!“, waren die ersten Worte, die über meine Lippen kamen.

Mein Körper, mein Geist, jede Faser in mir schrie förmlich nach Endorphinen. Ich fühlte mich nackt, verletzlich und komplett leer. Alles war so unnatürlich, und meine Haut fühlte sich an als hätte sie jemand von innen nach außen gedreht. Es war als hätte jemand einen lebenswichtigen Baustein aus meiner Seele gerissen. Einen Baustein, ohne den nichts mehr in meinem Körper funktionierte, wie es soll. Jede Berührung löste in mir ein Unbehagen, ein Ekel aus. Mir war kalt und ich fror, doch sobald ich die Decke über mich zog, fing ich an zu schwitzen.
Ich stöhnte laut und ließ ich mich wieder nach hinten fallen. Mit einer verfickten Grippe hatte das nicht mehr viel zu tun.

„Hey komm, Du schaffst das schon! Wir packen das!“, Dania legte sich zu mir und Ihren Arm über mich.

„Fuck man, Schatz. Ich bin mir da echt nicht sicher. Das ist echt übel! Und wenn ich nur heute was nehme?! Nur heute ganz wenig …“, und schon entwickelte sich eine Diskussion zwischen uns beiden, der ich aber dann letztendlich schnell, wegen fehlender Kraft, nachgab.

Soeben verließ Danias Mutter das Haus auf dem Weg zur Arbeit. Wir waren nun alleine, und ich drängte Dania dazu, nach unten zu gehen und nachzuschauen, was Sie an Medikamenten im Haus findet. Und wenn es nur Verfickte Baldrian sind.
Nach fünf Minuten kam Sie, mit einer Tüte in der Hand wieder, und leerte diese vor mir, auf der Couch, aus.

Aspirin? Nope.
Paracetamol? Weg damit.
Ibuprofen? Neee.
Lorazepan? STOP!! Halleluja!

Mein Herz schlug schneller, und nervös öffnete ich die Schachtel. Ein Blister komplett leer. FUCK! Ich zog den Zweiten aus der Schachtel, und siehe da. Acht Tabletten waren noch drinnen.

„Hey Schatz, wir müssen aufpassen. Meine Mum merkt das sonst. Du kannst höchstens …“, und noch bevor sie ihren Satz vollenden konnte, verschwanden drei Tabletten in meinem Mund.

„Baby, ich bin am Arsch. Mir geht es wirklich dreckig! Glaubst Du wirklich, dass mir da eine von diesen Smarties hilft? Und außerdem sind die Pillen eh bestimmt von deinem Opa.“, ich legte mich zurück und machte mir ein weiteres Köpfchen klar.

Danias Opa verstarb vor ca. einem Monat. Er hatte Alzheimer und lebte die letzten Jahre bei Danias Eltern, unten in einer kleinen Einliegerwohnung.

„Ja, was soll’s.“, Dania zuckte mit den Schultern und brachte die restlichen Tabletten wieder zurück nach unten.

Nach etwa 30 Minuten trat die Wirkung der Tabletten nein, und ich wurde etwas ruhiger. Ich schaffte es sogar mich eine Zeit lang auf den stumpfen Inhalt, der hochintelligenten RTL Vormittagsserie, zu konzentrieren. Gegen 17 Uhr dann ein erneuter Peak. Mit Mühe schaffte ich es gerade noch meinen Kopf, über den Eimer zu bringen. Sodbrennen hatte mich aus dem Halbschlaf gerissen, und jetzt hing ich ohne Unterbrechung über dem Eimer. Mein Magen verkrampfte schmerzvoll. Ich stöhnte und jammerte wie ein Schwein beim Schlachter, mit dem Unterschied, dass für das Schwein ein schnelles Ende in Sicht ist, und sich bei mir die Kotzorgie qualvoll in eine gefühlte Unendlichkeit hinzog. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit ließ der Brechreiz nach, und als ob es nicht genug wäre, meldet sich nun meine andere Körperöffnung.

„Ahhh … Fuck man, ich kann nicht mehr!“, ich rappelte mich auf, und völlig geschwächt torkelte ich in Richtung Toilette, die sich zu meiner Freude auch noch eine Etage tiefer befand.

Was für ein elendiges Gefühl. Und alles könnte innerhalb einer Sekunde vorbei sein. Nur ein kleiner Zug, und alles hätte wieder Sinn.
Am Klo angekommen, fühlt es sich an als würden sich die Niagarafälle durch mein Arschloch entleeren.
Saß ich überhaupt jemals auf dieser Toilette ohne ein Blech in der Hand zu haben?! Die Erinnerungen daran trieben mich gerade in den Wahnsinn. Ich überlegte, ob vielleicht noch irgendwo Reste im Haus sein könnten, machte mich dann aber schließlich auf den Rückweg in Danias Zimmer, der mir vorkam wie der Verfickte Jakobsweg. Auf der steilen Holztreppe machte ich auf halber Strecke schlapp, und lag nun, jammernd, wie ein Häufchen Elend, mit meinem Körper, auf mehreren Stufen verteilt, bis Dania mich schließlich nach mehreren Minuten nach oben schliff.

Dania war wirklich süß. Sie probierte alles, um mir den Entzug zu erleichtern, und das rechnete ich Ihr immer hoch an. Doch es gab nur eins, was mir in dem Moment richtig helfen könnte.
Nur ein kleines bisschen von dem braunen Pulver, welches für mich die Welt bedeutete. Aber alleine Ihre Anwesenheit machte das Ganze schon etwas erträglicher.
Nachts Ihren Körper zu spüren, ihre Hand auf meinem Bauch zu fühlen, der nach einer endlosen Kotzorgie so extrem verkrampft war und schmerzte. Ihre aufmunternden Worte, die zwar in dem Moment, links rein und recht rausgingen, aber insgesamt gesehen, eine große Hilfe waren.
Jemand, der einen in seinen schwächsten Momenten erlebt, und für ihn da ist. Die Gewissheit zu haben, dass da einfach jemand ist. Ist das etwa Liebe?
Wie auch immer, jetzt lasst uns mal nicht allzu sentimental werde.
Doch machen wir uns nichts vor. Ohne Dania hätte ich mit Sicherheit schon längst abgebrochen und wäre auf direktem Wege zum nächsten Pusher. So hielt ich aber noch durch.

Ich wälzte mich Hin und Her auf der Couch. Was man auch versucht, es ist nicht möglich eine komfortable Position zu finden. Man friert ohne Decke, und sobald man sich zudeckt, schwitzt man wie ein Schwein in der Sauna.
Und die Beine! Diese verfickten Beine! Es ist als würden sie laufen, nein, rennen wollen, obwohl jegliche Kraft dafür fehlt, und es ist einfach nicht möglich, diese ruhig zu halten. Es fühlte sich an, als würden tausend Nadeln in ihnen stecken.
In monotonem Rhythmus tritt ich abwechselnd, ohne Pause, mit beiden Beinen auf die Matratze ein.
Immer wieder zog ich von dem Joint, den Dania mir in kurzen Abständen zum Mund führte, bis ich plötzlich aufstoßen musste, und fühlte wie mein Mund sich mit Mageninhalt, der nur noch aus Restflüssigkeit und Magensäure bestand, füllte. In allerletzter Sekunde schaffe ich es noch, mich zum Eimer zu drehen.

„Pillen …Arghh… Pillen!“, nuschelte ich, in den kurzen Momenten, zwischen Brechreiz und Spucken.

„Was Schatz?“, fragte Dania, die nun hinter mir hockte und Ihre Hand auf meinem Rücken reibt.

„Die restlichen Pillen. Gib mir die restlichen Pillen. Mach bitte. Sofort!“, dieses Gefühl wenn der Brechreiz langsam nachlässt, war unbeschreiblich.

Es fühlte sich an, als hätte man einen Krieg mit seinem eigenen Körper geführt, und nach tagelanger Schlacht nun endlich den Frieden gefunden.

„Jetzt?! Alle?!“, erwiderte Dania.

„Jaaa Schatz. JETZT UND ALLE!“, völlig fertig und total entkräftet, ließ ich mich zurück auf die Couch fallen.

Dania reichte mir die Pillen rüber, und ohne zu zögern, schluckte ich alle noch Übrigen. Dania hatte vorhin noch zwei Dosen Bier mit hochgebracht, und vorsichtig spülte ich die Pillen damit runter.
Bloß nicht wieder kotzen!!
Ich rollte mich zur Seite und atmete kurz durch. Meiner Körper war durch die letzte Kotzorgie so geschwächt, dass ich für einen kurzen Moment so etwas wie Ruhe verspürte, und es sogar schaffte mich auf den Bullshit, der im Fernseher lief, zu konzentrieren.
Gekrümmt lag ich auf der Seite und stöhnte leise, schon fast meditativ, vor mich hin.
Ich rauchte noch ein bis zwei dicke Köpfchen und schaffte es, das halbe Bier herunterzuwürgen.
Schließlich setzte langsam die Wirkung ein und ich wurde ruhiger.

Wisst ihr, was das Allerschlimmste an all den Qualen, den Schmerzen, der Kotzerei, den Schweißausbrüchen, den Krämpfen, etc. ist? Es sind nicht nur die körperlichen Symptome, sondern das Wissen, das all dieser Horror, diese üblen Qualen, in einer, nur hundertstel Sekunde vorbei sein könnten. Und dieses Wissen fickt einen auf übelste Weise. Es ist so gewaltig, und so dermaßen präsent, dass man das Gefühl hat, komplett verrückt zu werden. Dieses Wissen ist der schlimmste Mindfuck, den man sich nur vorstellen kann. Es ist ein Gefühl von endloser Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und brutalster Abhängigkeit.
Es sind genau diese Gefühle, die Süchtige immer wieder in das wiederholende, gleiche Muster verfallen lassen.
Einem Außenstehenden dies zu erklären, begreiflich zu machen, ist ein schier unmögliches Unterfangen!

Der Tag war der Horror. Immer wieder musste ich kotzen, obwohl es nichts mehr in meinem Magen gab, was noch nach draußen befördert werden hätte können. Man fühlt sich so unendlich schlapp, und doch schafft man es nicht, auch nur für einen kurzen Moment ruhig liegen zu bleiben. Mittlerweile hatten sich noch echt schlimme Krämpfe dazugesellt. Absolut brutal! Eine falsche Bewegung, und ich lag schreiend auf dem Parkettboden, hämmerte auf meine Beine ein, um dem verzweifelt ein Ende zu setzen.
Schließlich brach die Nacht hinein, und ich wusste beim besten Willen nicht, wie ich diese überstehen soll.
Dania überraschte mich so gegen 10 Uhr abends, mit noch zwei Lorazepam Tabletten, die sie vorher für mich gebunkert hatte, worüber ich wirklich happy war. Doch viel gebracht hatten diese nicht mehr.

Die Nacht zog sich so dermaßen langsam vor sich hin, und Minuten wurden zu gefühlten Stunden.
Wann immer mir mein Körper ein wenig Ruhe schenkte, und ich es schaffte, für einen kurzen Moment ruhig liegen zu bleiben, versuchte ich alles nur Mögliche, um mich irgendwie abzulenken.
Ich zählte die kleinen schwarzen Punkte, die als Muster auf der Tapete angebracht waren. Oder die einzelnen hellbraunen Parkettstreifen, die quer auf dem Boden durch Danias Zimmer verliefen. Beides schaffte ich nicht mal ansatzweise erfolgreich, da mir jegliche Konzentration fehlte.
Aber egal, Hauptsache ablenken. Irgendwie ablenken und dieses Verfickte Nacht vorübergehen lassen.

Der vierte Tag startete ähnlich wie der davor, doch schon gegen Mittag merkte ich, dass es mir langsam etwas besser ging.
Dania ließ mir ein heißes Bad ein, mit irgendwelchen Kräuterzusätzen und danach fühlte ich mich sogar wieder etwas menschlich.
Auch für Sie hatte dieses Bad einen gewaltigen Nutzen, denn nach dieser Schwitzorgie, hatte ich wahrscheinlich nicht mehr gerade nach roten Rosen gerochen.
Das Bettzeug wechselte sie sowieso dreimal am Tag, da es komplett durchnässt war.
Gegen Abend wurde es dann noch mal etwas schlimmer, aber nicht so heftig wie an dem Tag zuvor.
Ich übergab mich einmal und hatte danach wieder mit Sodbrennen zu kämpfen.

Am Tag Nr. fünf sah alles schon wieder viel besser aus. An viel Schlaf war zwar die Nacht immer noch nicht zu denken, aber wenigstens war es nicht mehr ganz so qualvoll.
Langsam konnte ich sogar wieder etwas Nahrung aufnehmen, ohne diese umgehend, auf schnellstem Wege wieder nach draußen zu befördern.
Auch all die anderen Symptome flachten langsam wieder etwas ab, und es war alles wieder einigermaßen auszuhalten. Ich hatte noch Durchfall, war extrem schlapp und meine Beine nervten noch etwas, aber dies war nichts, im Vergleich zu den vorherigen Tagen.
Arkan kam kurz vorbei und brachte mir so ne alte Spielekonsole mit, und so verbrachten wir den halben Tag mit zocken.

Tag Nr. Sechs.
Gegen fünf Uhr morgens riss ich meine Augen auf. Wieder so ein stranger Traum. Meine Fresse, was zum Teufel ging bloß in meinem Kopf ab. So langsam schienen sich meine Körperfunktionen wieder gefangen zu haben.
Vor allem die extreme Nervosität und diese verdammten Restless Legs fügten sich langsam wieder dem Normalzustand.
Mir war kalt. Ich drehte mich um, und beobachtete neidisch für einen Moment Dania, wie sie friedlich vor sich hin schlief.
Dann fiel mein Blick auf den kleinen Glastisch, wo das letzte, kleine Stückchen Haschisch lag.

Es dauert ca. zehn Minuten, bis ich es schaffte meine aktuelle, unter der dicken Wolldecke kauernde, Position aufzugeben, und mit einem lauten Seufzer nach vorne zur Tischplatte rutschte.
Schnell baute ich mit dem letzten Bobbel Hasch ’ne Mischung und robbte zurück, in meine Ausgangsposition.
Ich rauchte einen dicken Kopf und pustete den Qualm in Richtung Fenster.
Meine Gedanken überschlugen sich. War ich die letzten Tage doch so sehr mit dem körperlichen Entzug beschäftigt, drängten sich die Gedanken nun unaufhaltsam in den Vordergrund.
Jeder noch so kleine Gedanke endete mit ’nem dicken Blech Shore in meinem Kopf.
Und glaubt mir. Der körperliche Entzug ist das eine. Hier gibt es einen Anfang und ein Ende, doch der Kopf rattert ohne Unterbrechung. Keine Pause, keine Auszeit! Die Gedanken jagen einen, und sobald das Schlimmste überstanden ist, geht der zweite Kampf los.
Eine Eisschicht, so dünn, wie ein Blatt Papier, die jeden Moment zu brechen schien, und all die qualvollen Tage sinnlos und zunichtemachte.

Manche Sachen fühlten sich sogar gar nicht schlecht an.
Man riecht, sieht und fühlt plötzlich wieder ganz anders. Irgendwie Intensiver. All das wurde vorher durch die Shore beeinflusst und unterdrückt.
Aber genauso wie die Shore die positiven Sachen unterdrückt hatte, so auch die negativen. Und diese zu spüren ist nun mal alles andere als toll.
Und da war diese Leere wieder, dieses komische Gefühl in meiner Magengegend. Genau dieses Gefühl, welches ich schon als kleines Kind immer mal wieder spürte, und nie in der Lage war einzuordnen oder zu benennen.

Es war Montagmorgen, und gleich würde Dania zu Schule gehen.
Und ich? Wir hatten ausgemacht, dass ich bei Ihr zuhause bleibe, und auf sie warte.
Ich zündete mir ’ne Kippe an, und stellte mich ans Dachfenster.
Dania wurde langsam wach.

„Hey Schatz. Wie geht’s Dir? Schon lange wach?“, fragte Sie mich, mit verschlafener Stimme.

„Moin süße, besser. Auf jedenfall viel besser.“ Ich warf die Kippe aus dem Fenster und legte mich zurück auf die Couch.

Dania sprang auf, und ging runter ins Bad, um sich für die Schule fertigzumachen.
Ich starrte weiter aus dem Fenster, und lies meine Gedanken rattern.
Teufel/Engelchen, Ying/Yang, Gut/Böse, Clean/Drauf, Versager/Gewinner, Hass/Lieb, Leben/Tod, etc… etc.
Ein totales Chaos herrschte in meinem Schädel, und ich sehnte mich so sehr nach Ruhe. Einfach nur Ruhe!
Als Dania wieder hochkam, waren Ihre Haare noch nass. Sie zog das Handtuch beiseite, welches um Ihre Hüfte gewickelt war. Und Fuck man, sie sah verdammt sexy aus.
Sie zündete sich ’ne Kippe an, und legte sich zu mir aufs Sofa.
Dann drehte Sie sich plötzlich um, steckte Ihre Kippe in den Aschenbecher und legte sich auf mich. Ich lag auf dem Rücken, spürte Ihren ganzen Körper auf meinem und Ihr nasses Haar in meinem Gesicht.
Meine Fresse. So intensiv und echt habe ich schon lange nicht mehr gefühlt! Es war der Wahnsinn und machte mich fast verrückt.

„Schatz. Bitte mach kein Scheiß gleich, wenn Du alleine bist, ja?!“, sie rieb Ihren Kopf an meinem, und küsste mich im Nacken.

„Nein Kleene. Werde ich nicht.“, ich drückte meinen Körper etwas fester an Ihren, ohne meiner Antwort großartig Bedeutung zu schenken, da ich sowieso grad komplett woanders mit meinen Gedanken war.

„Das ist mein Ernst. Werf die restlichen Tage bitte nicht einfach so weg! Ich dreh durch, wenn Du scheiße baust!“, erwiderte sie mit ernster Miene im Gesicht, die sich aber kurz darauf in ein Grinsen ändert, als sie bemerkte, dass sich etwas in meiner Short bewegte.

Oh Mann. So erregt war ich schon lange nicht mehr. Die Gefühle waren so heftig, so real, so ….. keine Ahnung. Am ganzen Körper hatte ich Gänsehaut. Als Dania dann auch noch anfing, mich überall ab zu küssen, war es um mich geschehen. Ich explodierte, also im wahrsten Sinne des Wortes. Ich EXPLODIERTE!! 😉
Verdammt man, es war so als hätte mein Körper all diese Gefühle wieder zum ersten Mal erlebt. Es war toll, aber gleichzeitig war es auch komisch. Man fühlt sich so ungeschützt, so angreifbar. Es ist schwer zu beschreiben.

Dania hob Ihren Kopf nach oben, griff mit Ihrer Hand nach rechts, und mit einem Lachen und den Worten „Kippe danach?“, steckte sie mir ‘ne Zigarette in den Mund.

Wir lachten beide. Dann stand Sie auf und machte sich fertig für die Schule.
Sie redete noch eine gefühlte Ewigkeit auf mich ein, bevor sie sich schließlich auf den Weg zur Schule machte.

Niemand war nun mehr im Haus. Ich saß immer noch auf der Couch. Es herrschte eine Totenstille, und ich starrte auf den Fernseher, der noch nicht mal eingeschaltet war. Und da waren sie wieder, diese Gedanken. Diese Stimme in meinem Kopf, die von nichts anderes redete, als von diesem einzigartigen Gefühl. Diese Eigendynamik, die sich nicht steuern, oder auch nur in geringster Weise kontrollieren ließ.
Fuck Man!! FUCK!!! Es ist doch alles gut gerade, probierte ich mir mit lauter Stimme einzureden.
Doch es half alles nichts. Diese Verfickte Leere in mir breitete sich unaufhaltsam, und ohne Gnade, weiter aus.
Mir war kalt und ich zog die Decke über meine Beine. Wieso haben unsere verfickten Gehirne keinen Reset Knopf? Shutdown, Runterfahren, Neu Starten, oder irgendein verdammtes Update einspielen. Ne neue Software und alles läuft wieder einwandfrei.
Ich saß bestimmt noch eine halbe Stunde oder länger in dieser Position. Wie in Trance, ohne mich großartig zu bewegen.

Dann plötzlich, in einer hundertstel Sekunde, in einem nano Moment, passierte etwas in mir. Es war als hätte jemand einen Schalter umgelegt, und die Kontrolle über meinen Körper an sich gerissen. Wie ferngesteuert sprang ich auf, zog meine Klamotten an und hetzte aus dem Haus.
Jegliches Denken war ausgeschaltet. Es fand keine Bewertung oder Maßregelung mehr in mir statt. Stattdessen hatte ich nur noch ein Ziel im Kopf.
Als hätte jemand ein GPS in mir aktiviert, und das Ziel mit Großbuchstaben in mein Hirn gehämmert.

SHORE – HEROIN – SUGAR – H – SMACK

Konsequenzen, Gewissen, Mitleid, Gefühle, alles war weg! Es existierte nur noch dieser eine Begriff in mir, als hänge mein Leben davon ab. All meine Energie wurde nur noch darauf gelenkt.
Dieses Gefühl war so stark und machtvoll, das es mir schon fast Angst machte.
Ich meine, wie soll ein normaler Menschenverstand so etwas kapieren? Da quält man sich fünf Tage elendig ab, geht durch die Hölle, und sobald es auch nur ansatzweise besser ist, schmeißt man alles wieder hin?!
Fuck man, Sucht folgt keiner Logik. Sucht ist einfach nur ein reiner Instinkt, der so stark ist, dass er alle anderen Bedürfnisse in den Schatten stellt und gnadenlos überrollt.

Es hatte keine Minute gedauert, bis ich angezogen war und unten an der Haustür stand.
Schweiß stand mir auf der Stirn. Mit einem lauten Knall schloss ich die Tür hinter mir. Ich ging kurz in die Hocke, hielt die Hände in mein Gesicht, und verweilte für einen Moment in dieser Position. Ich wollte schreien, aber dann rannte ich los.

To be contiuned……….

MadMike

#madmike, #turkey, #entzug, #heroin, #shore, #entgiftung

 

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Über MadMike

Das ist meine Geschichte, mein Leben. Ich schreibe diese nicht mit erhobenem Zeigefinger, noch wird hier etwas beschönigt. Es ist einfach "Mein Leben"! Dies soll keine Drogen-Verherrlichung darstellen! Drogen haben mir unfassbar viel genommen und mein Leben auf eine peverse Art und Weise kontrolliert! Frei zu sein, ist das Höchste aller Güter, welches wir Menschen besitzen dürfen und wer glaubt mit dem "Zeug" frei zu sein, unterliegt einer großen Illusion. Ich probiere meine Geschichte immer so zu schreiben, wie ich zu dem jeweiligen Zeitpunkt gefühlt und gedacht habe. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich nicht auch weiterentwickelt habe und aktuell bestimmte Dinge anders sehe. Dies hier soll kein Drogenpräventions-Projekt sein, doch ich denke, dass jeder mit ein bisschen Verstand in seiner Birne, es schaffen wird von alleine die richtigen Schlüsse zu ziehen. Euer MadMike...
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11 Antworten zu Teil 13 – Shore, Auf Wiedersehen ???

  1. DieMut schreibt:

    Hi. Ich habe keinerlei Ahnung von Drogen, bin auf deine -in klammern- erklärungen immer gespannt was das denn nun is.
    Ich finde das ganze thema interessant allerdings auch sehr erschreckend. Was mich wundert, wieviel (bitte nicht falsch verstehen ) du als süchtiger noch im alltag schaffst. Blog so ausführlich und (sehr sehr) gut schreiben ? Oder ist diese suchtzeit aus deiner Vergangenheit? Kann ich mir kaum vorstellen bei der detaillierten Beschreibung… finde dazu aber auch keine infos auf deiner Seite.
    Ich wünsche dir absolut von ganzem Herzen das du den scheiß vergessen kannst! !
    Würde mich freuen wenn du dir mal meine Geschichte ansiehst… ich habe nicht die wahl… ich hab zwar benzos und opioide auf Krankenkassenkosten ,bin aber auch bei notfall- höchstdosen noch nie in „sowas wie n trip“ geraten… weiss nicht warum. Ich glaube aber auch das ich dies nicht überstehen würde auch wenn ich mir einen joint für mein Leben „vornehme“ *bekloppt,oder?* Liebe Grüße

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    • MadMike schreibt:

      Hey,

      Also da wo ich aktuell bin, also Teil 13, da ist schon einigee Jahre her.
      Weißt Du, diese Zeit war so intensiv und ist auch heute noch so präsent, dass ich da überhaupt keine Probleme habe, mich an die kleinsten Details zu erinnern.
      Aktuell ist mein Leben, nicht mehr so wie früher, ich glaube so ein intensives und heftiges Leben (Strasse,etc), kann man auch nur eine bestimmte Zeit durchziehen. Aber ich will da ja gar nicht soviel verraten, denn irgendwann werde ich in meiner Geschichte/Blog, ja auch zu dem aktuellen Zeitpunkt kommen, und dann werde ich matürlich darüber schreiben ^^.
      Ob ich noch süchtig bin oder nicht, wie ich lebe, wird dann alles aufgedeckt.

      Leider ist dein Blog nicht mehr online bzw wurde gelöscht, sonst hätte ich mir ihn gerne mal angesehen.

      Wünsche dir alles Gute und pass gut auf dich auf!

      MadMike👊👊

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  2. FräuleinF schreibt:

    Huhu!

    Absolut eindrucksvoll geschrieben! Man saugt jedes Wort auf und fühlt sich, als ob man die Situation live mit dir durchlebt hat. Man möchte am liebsten garnicht aufhören zu lesen.

    Die Sichtweise von Dania würde mich sehr interessieren. Es muss fürchterlich sein, einen Menschen, den man liebt, so zu sehen. Und auch die Enttäuschung, dass du es nicht geschafft hast, …. Hast du noch Kontakt zu ihr?

    Ich bin so verdammt froh, dass ich bei solchen Erlebnissen nicht mitreden kann. Der Buprenorphin Entzug ist ja echt pipifax dagegen.

    Danke, dass du so schnell den nächsten Teil geschrieben hast 🙂

    Liebe Grüße

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    • MadMike schreibt:

      Wow, danke für dein Feedback!

      Da hast du recht. Es ist schon ziemlich heftig wenn man auf der anderen Seite steht. Für Angehörige ist es meist noch um einiges schlimmer als für den Süchtigen selbst.
      Ich habe ihr das immer alles sehr hoch angerechnet!

      Dania habe ich zuletzt mal kurz vor 9 oder 10 Jahren gesehen. Wir haben uns irgendwann einfach komplet auseinander gelebt.
      Dennoch…Sie war, bzw ist ein ganz besonderer Mensch, und wird immer einen Platz in meinem Herzen haben!!

      Alles gute Dir !!
      MadMike 👊👊

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  3. Libra schreibt:

    Bei den letzten Zeilen musste ich weinen. Kein Scheiß. Ich glaube weil ich in meiner Story eher Danias Rolle besetze. Und weil ich gleichzeitig diesen Schalter kenne. Meiner ist vielleicht nicht mit deinem zu vergleichen. Aber ich kenne das Denkmuster, das Prinzip, wenn dein Menschenverstand einfach stehen bleibt und etwas anderes die Führung übernimmt.

    Und ich kenne die Verzweiflung, die kommt, wenn einem viel viel später bewusst wird, dass das der Moment war an dem man an der Weggabelung stand…

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    • MadMike schreibt:

      Hey, dann wird es wohl Zeit, dass ich mal etwas Lustiges schreibe, und dich zum Lachen bringe^^.

      Tja, Sucht ist schon etwas heftiges. Da gibt, wie schon gesagt, keine Regeln, kein Manuskript, keine Vorgaben. Es ist einfach nur ein reiner Instinkt und dieser ist so extrem stark. Man möchte so sehr auf der einen Seite,, doch die Macht die es hat, ist unbeschreiblich!
      Dennoch lohnt es sich immer zu kämpfen!

      Wünsche dir nur das Allerbeste!
      Pass gut auf dich auf.

      MadMike👊👊

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      • Libra schreibt:

        Etwas Lustiges von dir könnte mir gefallen 🙂
        Ja, das habe ich nach langer Zeit auch verstanden. Sucht ist wie ein Tier, ein Lebewesen mit eigener Dynamik und Bedürfnissen und je nachdem wie ausgewachsen es ist, verdrängt es die eigene Persönlichkeit immer mehr. Es war hart, das zu lernen.

        Danke für die lieben Wünsche und pass auch du auf dich auf!

        Libra

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  4. fliegermaedchen schreibt:

    Mit deinen „Mindfuck-Zeilen“ hast du die Problematik meiner Meinung nach voll auf den Punkt gebracht, und ich stimme dir definitiv zu, dass das einer der Aspekte ist, den Außenstehende am Wenigsten verstehen können. Zumindest habe ich oft den Eindruck.

    LG vom Fliegermädchen

    PS: Ich weiß nicht, ob es angebracht ist, das zu sagen, aber ich muss immer wieder grinsen weil ich deine Beiträge lese weil deine Formulierungen teilweise einfach genial sind, auch wenn es eigentlich ein ernstes Thema ist 😀

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    • MadMike schreibt:

      Hey Fliegermädchen,

      Dem ist so! Wie soll man dies auch einem Außenstehenden erklären können? Mit Logik ist das nun mal nicht viel zu machen.

      Na das hoff ich doch, dass du beim durchlesen immer mal wieder grinst!
      Nur weil etwas einen ernsten Hintergrund hat, bedeutet es ja noch lange nicht dass da kein Humor in der Schreibweise sein darf!

      Liebe Grüsse
      MadMike 👊👊

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  5. Hirnpolizei schreibt:

    Die beste Beschreibung eines Cold Turkeys ist IMO diese:

    „Ein Turkey kommt einer extrem schlimmen Grippe gleich – allerdings auch nur teilweise…
    Denn bei einer Grippe weißt du, es hilft alles nichts. Du weißt ganz genau mit Tabletten dauert sie acht Tage, ohne Tabletten eine Woche. Und du bleibst liegen um dich zu kurieren.

    Bist du hingegen entzügig, sieht das mit nem ‚Heilmittel‘ schon ganz anders aus.
    Wenn du WEIßT, dass eine Messerspitze des pulverisierten Opiats sämtliche Qualen beendet, dann stehst du auf und besorgst dir das Medikament.“ 😉

    Das ist allerdings, wie du weißt, nur ein winziger Bruchteil der Problematik.

    Hat man körperlich entgiftet, beginnt der eigentliche Kampf erst. Der findet im Kopf statt und ist im Grunde ein Ding, das lebenslänglich ist.

    Ich bin mittlerweile über 10 Jahre Heroin frei, Opiat frei, doch es gibt immer noch Kämpfe. Auch wenn Diese vergleichsweise unter „Kinderkram“ einzuordnen sind.

    Die kontinuierliche Zufuhr von Bewusstsein verändernden Substanzen beeinflussen das Verhalten des Hirns unwiederbringlich.

    LG Veve

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