Denn sie wissen nicht was sie tun…

Die Demokratie ist gestürzt – das totalitäre System an der Macht. Der Diktator Namens Sucht tyrannisiert sein Volk. Er befiehlt, wir folgen. Schlimmer als je zuvor.

Doch nichts ist mehr wie früher. Wo ist es hin, das gute Gefühl? Der warme Schutzmantel, das tolle High? Wo ist sie hin, die verdammte Illusion der endlosen Freiheit, gepaart mit dem ultimativen Ego Boost?

Alles futsch! Nichts mehr da, außer dem auf links gedrehten Magen inkl. schlechtem Gewissen, welches sich selbst mit ’nem fünfer Beutel feinstem China White nicht mehr ins Jenseits ballern lassen würde. Ist es der Stoff oder ist er derjenige? 

Es funktioniert einfach nicht mehr. Die einzige immer dagewesene Konstante hat den Schwanz eingezogen. Was zum Teufel macht man, wenn die Droge nicht mehr funktioniert, doch der Tyrann immer noch da ist? Paradoxe Sache das! Unlogisch und einfach nur abgefuckt! 

Bis spät in die Nacht konsumiert er zwanghaft Krümel für Krümel. Lässt das braune Pulver verflüssigt, über die, mit schwarzen Ruß verschmierten, Bleche laufen. Nur das Flackern des fast ausgebrannten Teelichts und das kleine Oberlicht, der mit viel Geschirr voll gestellten Spüle, werfen einen kleinen Lichtkegel in die dunkle Küche.

Er hockt vor dem schmalen Eckfenster und pustet angestrengt nach und nach den Qualm des Heroins, gepaart mit dem des Tabaks, hinaus. Zehn, fünfzehn oder zwanzig Feuerzeuge, neben Fetzen von Alufolie, Tabakfiltern und Blättchen, vor ihm liegend auf dem weiß grauen Fliesenboden verteilt.

*Klick*… *Klick* … *Klick*  

Genervt geht er Alle der Reihe nach durch, bis er schließlich eins erwischt welches noch nicht ganz den Geist aufgegeben hat. Die kleine Flamme reicht aus um die nächste Bahn Shore in Qualm aufgehen zu lassen. Diese Prozedur, dieses fast schon heilige Ritual – Früher Gold – heute maximal der Gegenwert eines ausgekotzten Haufen Scheiße.

Das Tier starrt ihn an. Fixiert ihn seit Minuten schon, mit seinen grüngrauen Augen. Ohne zu blinzeln, schaut nicht ein Mal weg, als wolle er ihm sein schlechtes Gewissen links und rechts um die Ohren pfeffern. 

Die letzte Bahn, die letzten kleinen Punkte – Alles muss in Rauch aufgehen! Stechende Brust. Verkrustete, mit schwarzem Teer überzogene Lungenflügel und aufgedunsene Leber.   Unkaputtbar oder wie war das noch? Kleine naive Fotze  – War früher und ist lange her! Schmerzend und bettelnder Körper, doch Wünsche aus dieser Richtung werden seit langem gekonnt ignoriert.  Der Kopf ist der verfickte König.

Vor dem letzten Gramm schon, hätte er aufhören können. Die Rezeptoren mehr als bis zum Anschlag gesättigt. Das Blech beiseite legen und sich genüsslich zurücklehnen können. Doch STOP! Genuss?!?  Falsches Wort, falscher Kontext. Substituieren wir es lieber mit Qual. Und wieder. Paradoxe Sache das!

Warum den Scheiß nicht einfach wegschmeißen? Oft getan! Mehr als einmal hat das Zeug den Scheißpott von innen gesehen. Nur um dann 3 Tage später den Fehler, durch Einkauf der doppelten Menge, wieder gut zu machen. Ich sag’s doch, Man! Paradoxe, abgefuckte Sache das! 

US-Anthropologin Helen Fisher behauptet, der stärkste Trieb der Menschheit sei die Liebe. Überlebenskünstler MadMike behaupte, es sei die Sucht.

Alles muss weg! Nichts darf mehr übrig bleiben. Kein noch so kleiner Krümel darf mehr in der Plastikdose, welcher ursprünglich mal der Behälter für Ohropax war, zu sehen sein. Er kann erst aufhören wenn jedes Blech zusammengeknüllt, den Weg in den verbeulten Mülleimer gefunden hat. Alles nur um Morgen eventuell den einen Tag zu erwischen, an dem er den verfickten Kreislauf nicht erneut zum Laufen bringt. Alles nur um sich die Möglichkeit zu nehmen,  dem verfickten Suchtdruck am nächsten Morgen ein Häppchen zum Frühstück vorzuwerfen. Nur um diesen einen Tag, diesen einen Moment zu erwischen. Einmal durch die richtige Tür zu gehen.

Totale absurde Scheiße! Zu 99,9 Prozent wird dieser eine Tag nicht kommen. Illusion, Wunschdenken, Realitätsverlust. Backflash! Das Band der Kassette dreht sich in Dauerschleife zurück. Wie am Tag zuvor, der Woche und dem Monat zuvor. Du kleiner Spaßt, was in Gottes Namen tust du hier?

Ein Gnadenstoß, ein verfickter Gnadenstoß! Ein Schritt in den freien Fall, ein Atemzug im kühlen Nass, ein goldener Schuss, aufgefangen in dem Schoß singender Engel. Morgen wahrscheinlich und auch übermorgen nicht. Doch irgendwann dann vielleicht. 

Das Leid, der Mut des Einen, der die Eier hat abzudrücken, ist die erbärmliche, angstverzerrte Feigheit des Anderen. Das Bild der Feigen kleinen Ratte, die sich klammheimlich aus dem Leben stielt. Ihr kleinen Wichser ihr! 

Doch wer weiß – Vielleicht ist er ja morgen doch da. Dieser eine Tag, dieser eine besondere Moment.

MadMike 7.09.2017  

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Über MadMike

Das ist meine Geschichte, mein Leben. Ich schreibe diese nicht mit erhobenem Zeigefinger, noch wird hier etwas beschönigt. Es ist einfach "Mein Leben"! Dies soll keine Drogen-Verherrlichung darstellen! Drogen haben mir unfassbar viel genommen und mein Leben auf eine peverse Art und Weise kontrolliert! Frei zu sein, ist das Höchste aller Güter, welches wir Menschen besitzen dürfen und wer glaubt mit dem "Zeug" frei zu sein, unterliegt einer großen Illusion. Ich probiere meine Geschichte immer so zu schreiben, wie ich zu dem jeweiligen Zeitpunkt gefühlt und gedacht habe. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich nicht auch weiterentwickelt habe und aktuell bestimmte Dinge anders sehe. Dies hier soll kein Drogenpräventions-Projekt sein, doch ich denke, dass jeder mit ein bisschen Verstand in seiner Birne, es schaffen wird von alleine die richtigen Schlüsse zu ziehen. Euer MadMike...
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15 Antworten zu Denn sie wissen nicht was sie tun…

  1. Alice Wunder schreibt:

    Cool, dass die Energie noch zum Schreiben reicht.

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  2. Baumfee schreibt:

    Klasse geschrieben, wie gut, dass es lange vorbei ist! Jeder Rausch wird früher oder später bezahlt werden müssen! Eigene Erfahrung!

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  3. ZAZIE schreibt:

    Bin nur eine überlebende Kosüchtige, ich kann deine Sehnsucht spüren.
    Trotzdem hoffe ich, du findest den Mut zum weiterleben.
    Nichts würde ich so gern lesen, wie Worte des Überlebens… das andere hab ich schon durch…

    Gefällt 1 Person

  4. Libra schreibt:

    Schnürt mir richtig die Brust zu beim Lesen…. Pass auf dich auf!

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  5. Zora schreibt:

    Ich hoffe es geht dir gut Mike.
    Je mehr ich diesen Text gelesen habe umso vertrauer kamen mir die Worte vor. Früher oder später kommt wohl jeder, dem Shore das gibt wofür es sich lohnt sein ganzes Leben aufzugeben, an den Punkt, wo selbst das Gift, nicht mehr vergessen lässt was man alles bereit war für ein wenig Stoff zu tun und aufzugeben.
    Spreche leider aus Erfahrung und ich kann nur jedem Raten, der noch dabei ist mit dem Gedanken zu spielen, es auszuprobieren. LASST ES BLEIBEN!
    Die Droge hat euch schneller im Griff als ihr beim Dealer den nächsten 10er holen seid. Und sie lässt Seiten an euch auftauchen, von denen ihr nie gedacht hättet, dass sie in euch schlummern und die ihr eventuell sogar bei andern Leuten verabscheut habt.
    Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen, aber ich muss dir ein ganz großes Lob ausprechen. Deine Texte sind so gut geschrieben, glaub mir du könntest damit Geld verdienen. Mach bitte weiter 🙂

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  6. Dein Blog ist super, bitte bleib dran!

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  7. ilkalein schreibt:

    Pass auf dich auf, Mikey

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  8. exuser schreibt:

    Jo mike ,
    Der beste blog denn ich je gelesen hab sehr spannende story auch wenn ich shore nie wirklich angerührt kann mich mit dir identifizieren . Bin jetzt 19 und hab 7 entzüge 3 therapien und knast hintermir und bin jetzt ca ein jahr clean . Hoffe bald kommt ein neues kapitel . Schöne grüsse aus berlin

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