Teil 31 – Kassel

Neugeborene Babys blutrünstig zwischen Kaffee und Frühstücksei opfern und sich irgendwann, um die vierte Dimension zu erreichen, im Gruppen Kumbaja selbst flambieren?
Syanon also! Außer das mein verjunktes Hirn Assoziationen dieser Art für mich bereitstellte, konnte ich mir halt nicht gerade viel darunter vorstellen.
Hörte sich halt wie so ne Sekte an und hätte doch auch glatt mal ’n Ableger von Scientology seien können. Zumindest was den Namen angeht.

Auch wenn nicht ganz so extrem, aber dennoch, die die Option zu haben ohne Wenn und Aber, umgehend, zu jeder Zeit, in dem Laden, auch noch ohne jegliche Wartezeit, aufgenommen zu werden, musste ja an irgendwelche Bedingungen geknüpft sein.
Und auch der, nach Betätigung der Klingel, im straffen Militärschritt auf uns zukommende Leiter der Einrichtung, spiegelte nicht gerade ein „Herzliches Willkommen“ wieder.

Wie ausgekackter Dünnschiss fühlten wir uns, als wir nach der langen Fahrt endlich dort ankamen.
Den, kurz vor der Ankunft eingelegten Tankstopp, den mein Vater für ’ne kleine Kaffeepause nutzte, nahmen wir zum Anlass, unseren Geist und Körper mit der legalen Droge Alkohol aufzuputschen.
Wir beglückten unsere Leber, mit so viel Alk, wie wir nur ergattern konnten.

Zum Glück war die alte Dame, die Ihre dicken Hüften hinterm Tresen parkte, nicht allzu pfiffig und wie es aussah mehr daran interessiert sich von Ihrer RTL Mittagsserie berieseln zu lassen, anstatt das Inventar mit Leib und Leben zu schützen.
Mehrer kleine Fläschchen, des guten Tropfen Namens Bonnekamp, wanderten so ungehindert in unsere Hosentaschen.
Wir pflanzten uns, auf den Kleinen, mit grünem Gras bedecktem Hügel, hinter der Tanke und schütteten einen nach dem anderen in uns rein.
Jede Ablenkung war willkommen, und mit der Aussicht auf das „Bevorstehende“, sowieso mehr als nur nötig.

Und so standen wir also ca ne halbe Stunde später, vor dem etwas grimmig dreinschauenden Leiter, der uns nach Öffnen des großen Tores, irgendwie abwertend von oben bis unten musterte. Im Anhang zwei Lakaien, die ziemlich erniedrigt und fertig aussahen, als hätten sie gerade ihre persönliche Folter Stunde beim Chef hinter sich.
Wobei, schlimmer Affe inkl. der Hoffnung, dass wir beide dabei waren einige Gramm feinsten Heroins mit in den Laden zu schmuggeln, könnte wohl auch ’n Grund für deren ausgelutschte Optik gewesen sein.

So jedenfalls, war es bei mir immer, als ich auf Entgiftung war.
Immer wenn sich die Türen öffneten, ein neuer Klient eintraf und in die Gruppe kam, hoffte ich darauf durch ihn, in Form von reingeschmuggelten Heroins, dem qualvollen kalten Entzug ’ne kleine Pause zu gönnen.
Kam aber außer einmal nie wieder vor.
Spätestens bei der persönlichen Kontrolle durch einer der Pfleger, inklusive gründlicher Durchforstung aller körpereigenen Öffnungen, flogen 99% aller Schmuggelversuche gnadenlos auf.

„Ja ja.. Es stimmt schon. Wir nehmen jeden auf! Jeder kann zu uns kommen. Zu jeder Zeit!“, erklärte er uns mit lauter Stimme und verschränkten Armen.

Oh ja. Es gibt diese Art von Menschen, die einem vom ersten Moment an, unsympathisch sind. Und an Mcfly’s Gesichtsausdruck konnte ich definitiv erkennen, dass er nicht anders dachte.
Der einzige, der etwas Euphorie in den Augen hatte, war wohl mein Vater, so spielte er doch mit dem Gedanken uns endlich an einem Ort abliefern zu können, an dem Ungewissheit und Sorge unsererseits, mal nicht im Vordergrund stehen würden.
Voll und ganz verständlich, oder nicht?!

Einige Katzen kreuzten unseren Weg, als wir das Gelände betraten. Ein großer Bauernhof und andere kleinere Gebäude, waren auf dem weiten Grundstück verteilt. Viel Gras, Bäume und Wiese.
Der Typ redete ununterbrochen während er uns alles zeigte, doch so richtig zu, hörte ich nicht mehr.
Mir war schlecht, von den vielen Kleinen, mit hochprozentigem Alk befüllten Fläschchen, die noch kurz zuvor, in Rekordzeit den Weg in unsere Mägen gefunden hatten. Und außerdem verspürte ich ein leichtes Pochen aus Richtung Backenzahn.
Leicht zerrte ich an McFlys Pulli, der auch ohne Worte sofort wusste was ich wollte und reichte mir kurz darauf den Tabak rüber.
Und gerade als ich dabei war mir im Gehen „eine“ zu drehen, stoppte der Typ plötzlich schlagartig, so dass ich meine Fresse fast in seinem Hintern geparkt hätte.

„Ja also, da könnt ihr euch jetzt direkt mal dran gewöhnen, dass es das hier nicht mehr gibt!“, wie ein stolzer Truthahn pustete er sich vor mir auf.

„Wie jetzt? Was??“, verdutzt schaute ich nach oben, während ich das Paper der Zigarette mit meiner Zunge befeuchtete und diese zu Ende rollte.

Ich war mir immer noch nicht genau sicher was er jetzt meinte und gerade, als ich mir die Kippe anzünden wollte, ertönte ein lautes „NEIN!“.

Fuck Man! Selbst mein Vater zuckte glaube ich kurz zusammen und war etwas erschrocken, über den krassen Wechsel in seiner Stimme.

„Hier wird nicht geraucht! Regeln! Wie ich schon sagte, hier gibt es Regeln, und dies ist eine davon!“, sichtlich angestrengt, um seiner Stimme wieder die nötige Ruhe und Seriosität zu verleihen, zeigte er auf den kleinen braunen Mülleimer, welcher neben dem Eingang stand.
„Ihr könnt euren Tabak dort in der Tonne entsorgen!“, ergänzte er.
Mit großen Augen und irgendwie entsetzt, schauten wir beide ihn an.
„Ist das jetzt wirklich ihr ernst?“, erwiderte McFly.
„Ich meine. Das ist doch alles, was uns bleibt. Der „Scheiss“ ist doch schon schwer genug. Wie sollen wir denn da auch noch auf Kippen und vielleicht mal ’nen Kaffee verzichten??“, ergänzte ich, mit einem mehr als fragenden Ton in meiner Stimme.
„Seht Ihr?! Genau das ist es, was Ihr Lernen müsst. Ihr müsst euer typisches Suchtverhalten, welches ihr euch mit viel Geduld und Ausdauer über Jahre angelernt habt, endlich einmal durchbrechen.“, erwiderte er.
„Ja aber, haben wir dafür nicht auch noch nach dem Entzug, alle Zeit der Welt?“, McFly’s weit aufgerissene Augen sprachen ihre eigene Sprache.

„Wie gesagt, „REGELN“! Wir haben hier einige und dies gehört dazu. Ihr werdet auch genug beschäftigt sein, um gar nicht ans Rauchen zu denken! Wir stehen hier alle um 5Uhr30 morgens auf und nach einem guten Frühstück gehts an die Arbeit.“, ergänzte er.

Halb 6 Aufstehen? Arbeiten? Rauchverbot?????
Wir brauchten wohl einen guten Moment, um den Zusammenhang dieser Wörter herzustellen.
Das Alles harmonierte irgendwie überhaupt nicht in unserem Verständnis.
Abgesehen davon, dass einem auf Turkey, ein gutes Frühstück so ziemlich scheißegal sein dürfte, waren wir uns beide irgendwie nicht mehr so richtig sicher, wo wir uns gerade befanden.
„Man muss hier vom ersten Tag an auf kaltem Entzug arbeiten?“, McFly stolperte über den Schnürsenkel seines offenen Schuhs.

Ich fing ihn auf, und vollendete seine Frage mit einem etwas länger anhaltenden „Jaaaaaa?“ und „Wirklich jetzt?“, meinerseits.
„Richtig! So ist dass. Alle gehen arbeiten, ohne Ausnahme. Vom ersten Tag an!“, antwortete er.

„So, und jetzt müssen wir nur noch abklären, wer von Euch beiden hier bleibt.“, fügte er, nach einer Weile der Stille, schließlich noch hinzu.

Okay! STOP!! Moment jetzt!
Bis hierher war ja für uns alles schon Hardcore genug, doch als wir diesen letzten Satz hörten……
Ich meine, in dem Moment grenzten diese Regeln für uns ja teilweise schon an Körperverletzung und wären uns fast ne globale Meldung bei Amnesty International wert gewesen, doch all das hätten wir in dem Moment wirklich in Kauf genommen. Zumindest versucht hätten wir es.
Auch wenn es nicht die beste Voraussetzung für das Vorhaben gewesen wäre, doch alleine schon um es meinem Vater zu beweisen, hätte ich es in dieser Einrichtung versucht. Außerdem wollten wir beide ja auch irgendwie den Absprung schaffen. Irgendwie halt schon.
Doch als dieser letzte Satz fiel, fing alles an zu kippen.
Und selbst mein Vater wusste wohl von dem Moment an, wie das Ganze ausgehen würde.

„Wie bitte meinen Sie das jetzt? Wie, wer von uns hier bleibt? Was soll das denn jetzt?“, die Worte verließen abwechselnd unsere Münder und überschlugen sich hektisch.
„Ja also… So ist das nunmal. Ihr beide seid Freunde, und wie es aussieht auch noch ziemlich gute. Das geht hier nicht!
Wir können hier nur Einen aufnehmen. Der Andere kann ja nach Berlin in die Einrichtung gehen.“, er setzte sich auf die kleine, „etwas“ unstabil wirkende Holzbank, die aussah als hätten zwei Junkies das Teil, während eines psychotischen Anfalls, ausgelöst von einer Woche Dauerkonsum Meth, zusammen gezimmert. So krumm und schief stand sie da.

Auch mein alter Herr merkte schnell, dass selbst Überredungsversuche eines verzweifelten Vaters, hier auf taube Ohren stoßen und die Mehrfache Bitte uns doch beide aufzunehmen, prallte einfach an dem Leiter ab. Seine, wie es schien für Ihn in Stein gemeißelten heiligen Regeln, zu umgehen, war für ihn einfach absolut unmöglich. Da war nichts mehr dran zu machen.
Ich blickte hinüber zu meinem Vater.
Die eben noch, in seinem Gesicht gezeichnete Euphorie und Hoffnung wich schnell, und breit machte sich ein Ausdruck voller Verzweiflung, Traurigkeit und Wut. Ein Blick, den ich nur allzugut kannte.
Und es tat mir so leid! Er tat mir so verdammt leid.
Ich weiss, dass ich damals nicht allzu oft ein schlechtes Gewissen hatte. Zu sehr war ich meinem Film verankert.
Doch an diesem Tag, in diesem Moment, fühlte ich mich so dermaßen mies und beschissen! Viel mehr als nur ein schlechtes Gewissen.
Es tat mir alles so verdammt leid! Für einen Moment lang fühlte es sich an, als müsste ich all den Schmerz, Wut und die Trauer meines Vaters ertragen, die er über die letzten Jahre mit sich herumschleppte. Jederzeit damit zu rechnen, diese eine Nachricht zu erhalten, in der es hieß, sein abgefuckter Sohn, sei mit ’ner verfickten Nadel im Arm verreckt!
Ich schluckte mehrmals und atmete tief ein.
Wieder eine Hoffnung zerstört, doch McFly und ich konnten uns einfach nicht trennen in dieser Situation.
Die ganzen letzten Jahre sind wir zusammen durch diese Scheiße stolziert. Wir beide waren einfach alles was wir hatten und wenn, so waren wir uns sicher, würden wir es nur zusammen schaffen!
Beim Verlassen des Geländes kramte ich noch den Tabak aus der braunen Tonne und so standen wir also nach ‘ner viertel Stunde, wieder vor dem Tor.
„Tja, das war’s dann also mal wieder. Wieder mal alles umsonst.“, mein Vater zuckte mit seinen Schultern und starrte uns an.
Außer „was ist das auch für ein Drecksladen?!“, fiel mir oder McFly nichts Schlaues ein, was wir hätten sagen können.
Es fing an leicht zu regnen und wir standen noch eine Weile so da, ohne etwas zu sagen, bis ich die Stille schließlich unterbrach.
„Wir werden nach Berlin fahren und es dort probieren. Vielleicht werden wir dort ja beide aufgenommen. Und wenn nicht….?“,

Einen Moment lang schwieg ich…

„Und wenn nicht, dann wird einer von uns dort bleiben und der andere fährt wieder hierher zurück!“
Ob ich wirklich selbst an diese Worte glaubte?
Keine verdammte Ahnung.
Ich wusste nur, dass ich meinem Vater irgendwie Hoffnung machen wollte, machen musste.
Ob er meine Worte auch nur ansatzweise für bare Münze hielt? Wahrscheinlich genau so viel, wie wir es in dem Moment taten.
„Ja, dann macht das Mal. Ich muss jetzt wieder zurückfahren.“, antwortete er mit leiser Stimme.
Ich umarmte meinen Vater kurz, wir verabschiedeten uns und dann ging er zurück zu seinem Auto.
Nach einigen Metern stoppte er und kam zurück.
Er zückte sein Portemonnaie und drückte mir noch 50 Mark in die Hand.
Dann drehte er sich langsam um, stieg ein und fuhr weg.

War‘s der Alkohol? Der kurz vor dem Turkey stehende geschwächte Körper? Ich weiss nur dass mir irgendwann die Tränen herunter liefern und ich kurze Zeit später, für einen Moment lang, wirklich wie ein Schlosshund heulte.
Irgendwie kam alles auf einmal hoch! Die Wut auf diesen abgefuckten Laden Namens Synanon. Die Wut auf die Shore. Die Wut auf das abgefuckte Leben und die Wut auf mich selber.
Die Hoffnung meines Vaters wieder zerschmettert zu haben.
Alles kam hoch und ich war echt fertig! Tja, und genau jetzt wollte ich im Grunde nur eins! Dem Overload in meinem Hirn ‘ne Verfickte Freifahrt auf die Amnesie Station verpassen! Braunes Pulver! Das Feuer mit Feuer bekämpfen!
Ohne meinen Bruder wäre ich jetzt total am Ende, doch so fing ich mich schließlich wieder und rappelte mich auf.
Auf „Play“ drücken und weitermachen. Wir marschierten Richtung Bahnhof und ließen Scientology, äh, ich meine Synanon, hinter uns.

Ich weiß nicht mehr warum wir letztendlich in dem Zug, Richtung Kassel, gelandet sind.
War‘s die erste Bahn, die kam? Hat uns die Farbe der Waggons gefallen? Was zum Teufel weiß ich denn schon!
Auf jeden Fall saßen wir etwas später in dem ICE mit Endziel Kassel. Ach Fuck, saßen traf wohl eher nur auf McFly zu. Ich wiederum windete mich eher auf dem Boden des fast leeren Gruppenabteils. Die verdammten Zahnschmerzen, das subtile hinterlistige Pochen, aus Richtung des oberen Backenzahns, mutierte nach und nach zu einem Schmerz, welcher kaum noch auszuhalten war. Es fühlte sich an, als würde jemand im Sekunden Takt meinen Zahn mit Hochstrom foltern.
Immer wieder stieß ich meinen Kopf gegen die Glasscheibe und stöhnte, wie das Ferkel beim Schlachter.
McFly konnte gerade noch so den Schaffner davon überzeugen, uns doch nicht an der nächsten Haltestelle rauszuwerfen.
Der war ziemlich sauer, nachdem ich ihm einige Schimpfwörter an den Kopf geworfen hatte.
Seine ungeduldige Art nach den Tickets zu fragen, und irgendein anderer Spruch, aber gaben mir echt den Rest.
Man sollte einen Mann mit Zahnschmerzen einfach nicht provozieren.

Ankunft Kassel Wilhelmshöhe.
McFly musste mich förmlich aus dem Zug schieben, da ich vor Schmerzen schon halb im Delirium war.
Wir hatten keine Ahnung wo zum Teufel wir uns hier befanden.
Es war dunkel und außerdem war es verdammt kalt.
Wir marschierten den Gleis entlang in Richtung Haupthalle, null Ahnung wohin oder wie genau es weiter gehen sollte.
Im Grunde war ja irgendwie Berlin angepeilt, doch im Moment hatten wir beide nur ein anderes Ziel vor Auge.
Die Schmerzen waren unerträglich und Erleichterung gab es nur in einer Form!
Nicht dass wir dafür jemals einen Grund gebraucht hätten, denn auch McFly dachte an nichts anderes mehr.
Und was macht man also, wenn man spät Abends in den Hafen einer fremden Stadt einläuft, kein Schwein kennt und dringend auf der Suche nach illegalen Substanzen ist?
Kassel war mir zwar nicht unbekannt, doch zuletzt war ich dort als kleiner Stumpen und in dem Alter hatte ich sicher andere Prioritäten, als Shore und andere bewusstseinserweiternde Substanzen nachzujagen.
Im 13. Stock eines Hochhauskomplexes, in dem kleinen Vorort von Kassel Namens Niederzwehren, verbrachte ich meine ersten Lebensjahre, bevor wir dann schließlich nach Köln umgezogen sind. Da war ich dann sieben Jahre alt.

Tja, was macht man also nun, um an die Substanz seiner Wahl zu gelangen?
Richtig! Man fragt den ersten abgefuckten Junkie.
Findet man, wie in unserem Fall, keins solcher edlen Exemplare, tut’s zur Not auch irgendein Jugendlicher.
Immerhin dürfte die Szene so bekannt sein, wie jede andere Sehenswürdigkeit. Zumindest zur damaligen Zeit, als diese öffentlichen Plätze noch ganz anderen Ausmaße, was Größe und Anmut betraf, annahmen.
Sogar ‘nen Bullen könnte man getrost fragen, immerhin weiß keiner besser, wo sich die lokale Drogenszene befindet. Natürlich sollte man die Taschen, in diesem Fall, nicht voller Drogen haben, denn man weiß ja nie. Aber stimmt die Geschichte, dann ist das alles kein Problem.

Gesagt, getan … Am Ende des Bahnhofsvorplatzes, auf einer der Bänke, der vielen Bushaltestellen, erspähten wir ‘nen jüngeren Typen.
Mit seiner viel zu weiten Schlabberhose und der Kangol Mütze auf seinem Kopf, schien er die beste Auskunftsquelle darzustellen und vor allem auch gar keine so schlechte Wahl zu sein.
„Ey Jung.. Alles klar?“, fragte McFly ihn, während wir, freundlich lächelnd, auf ihn zugingen.
„Ist der Bus schon weg?“, ergänzte er.

Ich setzte mich neben ihn, auf die verbogene Bank, welche wahrscheinlich von irgendeinem pubertierenden Jugendlichen, im Vollrausch und als Akt des Zuspruchs an die eigene Männlichkeit, in viel Liebe zum Detail, fachmännisch zertreten wurde.
„Ähm …. nee, der muss gleich noch kommen.“, antwortete er etwas zögernd.

Seine roten Augen sprachen für sich!
Wahrscheinlich kam er grade von ’nem Kiffermarathon, inklusive einiger Biere, mit seinen Kumpels.
„Ah, cool. Hey hör mal. Wir beide sind nicht von hier. Wir suchen ’nen Kollegen von uns. Der war hier in der Nähe auf Therapie. Na ja, du weißt schon. Drogen und so ’n Scheiss. Auf jeden Fall ist der heute Morgen von dort abgehauen und wir machen uns jetzt ziemliche Sorgen.
Weißt du wo hier in dem Ort die ganzen Drogen Leute abhängen? Also die öffentliche Drogenszene und so?“, ich dreht mir ’ne Fluppe und bot ihm auch eine an.

„Ähm… Hmmm… Ähm.. Ach so, ihr meint das ganze harte Zeug und so?“, erwiderte er fragend mit großen Augen.
„Ja Man. Der ganze harte Scheiss. Wir müssen den schnell finden, bevor er Scheiße baut!“, ergänzte McFly.

„Ja, also…. Im Zentrum am HBF hängen die alle ab. Ihr könnt mit dem Zug dorthin. Ist nur eine Station weiter, die Ihr fahren müsst.“, erwiderte er und drehte sich dann dankend ’ne Kippe.

Ging doch schnell, und ganz ohne Google. Also zurück Richtung Bahngleis.

Ankunft Kassel HBF.
Wir hatten Glück, denn das im Zug erworbene Ticket, reichte noch für die Weiterfahrt bis zum HBF.
Schließlich war jeder weitere Pfennig für das kommende Produkt eingeplant.
Es war spät und es fühlte sich echt an als würde es von Minute zu Minute kälter werden. Wirklich verschissen kalt!

Der HBF war ziemlich überschaubar. Ein ziemlich altes, nicht allzugroßes Gebäude und am Ende gerade mal fünf oder sechs Gleise. In dem Inneraum ein kleiner Supermarkt, ein paar kleinere Läden und ’ne Kneipe, in der sich Pendler, Wartende und frustrierte Ehemänner noch schnell, vor der Abfahrt oder Ankunft, die Kante geben konnten.
Kein Vergleich zu den Bahnhöfen größerer Städte aka Köln, Stuttgart oder Frankfurt.

„Alter, was ’n das für ’n popeliger Bahnhof? Hier läuft doch nie im Leben was!“, frustriert kickte ich die verbeulte Cola Dose in die Luft, während ich mit meiner rechten Hand auf meine Backe drückte.
Der Zahn pochte und pochte.
Der Grundschmerz hatte zwar etwas nachgelassen, doch immer wieder, so aus dem Nichts Herraus, fühlte es sich an als würde jemand den offenen Nerv meines Zahns, als Gitarrensaite zweckentfremden, und darauf Beethovens Neunte spielen.
Dann zuckte ich zusammen, und schrie ein lautes „Fuck“ durch die Nacht, sodass selbst McFly sich jedes Mal erschrak.
Verdammte Zahnschmerzen! Es gab echt nichts Schlimmeres und wir beide konnten ein Lied davon singen.

„Hmm, sieht echt Scheiße aus. Wirklich voll das Kaff!“, erwiderte McFly.

„Aber lass uns erst mal alles abgehen hier.“, er hüpfte drei, vier Schritte nach vorne und griff beherzt nach der verbeulten Dose.

Und nicht etwa um mir das Thema Umweltschutz näher zu bringen. Nee Man, so eine, in der Mitte geteilte Dose, ließ sich eben auch als Ersatz für einen Löffel nutzen.
(Anm.d.Red. Ein Halleluja auf das Thema Hygiene und auf all meine vorhandenen Gliedmaßen!)
Doch unsere Zweifel waren gross, ob diese Dose, an diesem Abend, zu dieser späten Stunde und verdammten Kälte, überhaupt noch zum Einsatz kommen würde.

Wir verließen den Bahnhof, gingen den kleinen Treppenvorsprung hinunter und betraten den echt mickrigen Vorplatz.
Auf der rechten Seite waren die Endhaltestellen einiger Buslinien, links ’ne kleine Pommesbude und vor uns, in der Mitte des Platzes, ein Brunnen, der zu dieser Jahreszeit aber nicht mit Wasser befüllt war.
Rechts neben dem Brunnen führte eine Treppe weiter hinunter zur U-Bahn. Links und rechts davon jeweils eine Rolltreppe, die aber am Arsch waren.
Frustriert folgten wir dieser, bis McFly plötzlich mittig auf der Treppe stehen blieb.

„Hmmm… Altaaa.. .!“, er streckte seinen Kopf nach oben und fing an zu schnüffeln, wie ein Wildschwein auf der Trüffelsuche.

Ich hüpfte die restlichen Stufen hinunter und blieb stehen.
„Ja Man! Du hast Recht!,“ grinsend schaute ich zu McFly rüber.

Ich sag’s ja, Mcfly‘s Geruchssinn!
Da hatte selbst ’n ausgebildeter K9 Spürhund Probleme mitzuhalten.
Unten dann angekommen, machte sich dieser unverkennbare, süßliche Geruch, ein Mix aus billigem Marihuana, aufgekochtem Heroin und frischem Blut, in unseren Nasen, in all seiner Pracht und Schönheit, breit.

Auf den, mit viel schlechten Graffiti beschmierten Durchgang, lungerten alle paar Meter, der Optik nach zu urteilen, Dauerkonsumenten herrum.
Fuck Man, das war doch ein Anfang und der Anblick von diesem wahllos zusammengewürfelten Haufen verlorener und kaputter Existenzen, hatte uns, bis dato, glaube ich noch so viel Freude bereitet.
Der Gang war nicht sehr lang. Er teilte sich an einer Stelle um dann an zwei Punkten, wieder nach oben, zu den gegenüberliegenden Straßen zu führen.
Doch zwei Treppen führten nochmals eine Etage tiefer, zu den Haltestellen der U-Bahn oder auch gradewegs in den Anus des verfickten Leibhaftigen! Und glaubt mir, mit der Aussicht den heranrollenden Affen wegzukicken und den Zahnschmerzen etwas Erleichterung zu gönnen, hätte ich mich auch in diesen mit genug Vaseline hinein gequetscht.

Also ab nach unten, in Richtung Epicenter.
Nur allzu vertraute Szenarien beglückten uns.
Schon komisch, egal wo, es ist immer dasselbe. Immer das gleiche Rudelverhalten, dieser grazilen Rasse namens „Junkus Interuptus“.

In der einen Ecke blutiges Massaker, in Form von verzweifelter Venen Stecherei, an anderen Stellen dem Schein nach glücklich und zufriedene Individuen, die nach getaner Arbeit, im Halbschlaf, in den unmöglichsten Positionen, den Boden küssten.
Von zu viel Koks oder anderen aufputschenden Substanzen, überdrehte Junks, die ohne Pause der hektischen Kugel eines Flippers Konkurrenz machten, hier und da mal ne gediegene Schlägerei und und und… etc.. etc.
Aber was soll ich sagen. Mittlerweile kennt Ihr das ja schon Alle.
Eben das typische Bild einer offen Drogenszene.
Aber wieso zum Teufel, sollte es auch woanders anders sein?!
Wie auch schon einige Male von mir beschrieben, ist der Drogenkauf auf einer offenen Szene russischem Roulette gleichzusetzen. Glück und Pech liegen unmittelbar beieinander und passt du nicht auf, wirst du gefickt und stehst am Ende „Ohne Alles“ da.
Und Zeitdruck, in Form eines Affen, ist eine Variabel die das alles nicht besser macht.
Nacheinander checkten wir alle ab. Bloß niemand anlabern, dem das Wort „Turkey“, inklusive tellergroßer Pupillen, praktisch schon auf der Stirn geschrieben schien.
Schließlich quatschten wir ’nen Typen an, der gerade dabei war seinem Kollegen, eine bis zum Anschlag, mit dunkler brauner Suppe befüllte 5ml Pumpe, in die Vene zu jagen.
Vor allem, wie er dies tat, ließ mich doch etwas verwundern.
Er stach nicht „normal“ in die Vene hinein, sonder klopfte von hinten auf den Kolben der Spritze, sodass Diese Stück für Stück, in Richtung Ziellinie rutschte.
Er schnippte regelrecht, auf die gleiche Art und Weise, wie man bei Langeweile, fette Nasenpopel durch die Luft befördert.
Man konnte sehen wie schwer es ihm fiel, sich auf diesen einen Arbeitsschritt zu konzentrieren.
Nur die immer wiederkehrenden, lautstark ausgesprochenen, Worte „Hey“, „Man“ oder „ALTAAAA!!“, seines Gegenüber, hielten ihn davor ab, die Augen endgültig nach hinten zu rollen und noch hier und jetzt, in den sanften Schlaf der heiligen Opiatengel zu gleiten.
Fuck, was war der Typ „brigge“.
Genau der Richtige zum Fragen, und wir konnten nur hoffen, dass sein Zustand ein Indiz für die Qualität, der hier zu erwerbenden Drogen war.
„Hey Kollege. Alles klar? Wo kriegt man den gutes „Braunes“ hier?“, ich schielte zu ihm rüber, während ich meine Kippe befeuerte.

„Hmm.. Ahhh…“, keine weitere Reaktion mehr.
Nun gut, meine Worte zu entschlüsseln und dem Typen das Dope in die Venen zu jagen, war wohl doch etwas zu viel, für sein weich gekochtes Hirn.
Für Multitasking sollte man dann doch wahrscheinlich besser auf Meth oder Koks zurückgreifen.
Also auf ein Neues. Gleiche Frage, langsamere und voluminösere Aussprache, nur um sicher zu gehen, dass die Schallwellen meiner Worte auch wirklich den präfontalen Cortex, welcher laut Wiki für die essenziellen Aufgaben einer Konversation zuständig ist, erreichten.

„Ahh…Ähh..“, erneute Pause, bis sich schließlich etwas regte.

Er zog die Pumpe, nach erfolgreichem Abschuss, aus der Armbeuge des nun zufrieden und glücklich dreinschauenden Typen.
Drehte langsam seinen Kopf in unsere Richtung, entschied sich dann aber plötzlich doch dazu einen Abstecher, in Richtung abgewichsten Fußboden zu machen.

„Nein, nein, nein!! Warte man!“, ich konnte ihn grad noch so abfangen und wieder in die Horizontale bringen.
„Kollege! Sag mal! Wer hat den hier was jutes? „, laut und deutlich formulierte McFly die Worte erneut.

„Hmm… Ahhh… Braunes?“

-PAUSE-

„Hmm … Ahhh“

-Pause-

Nach mehreren Pausen kam schließlich irgendwann dann doch ein ganzer Satz.

„Aaahm ….Ja Man. Klar doch….. Äähm…. Helf mir mal hoch“, wahrschein war es die mögliche Aussicht auf eine kleine Provision, die seinem vernebelten Hirn, letztendlich wieder etwas Leben einhauchte.

McFly zog ihn an seiner viel zu großen schwarzen Cordjacke nach oben.
Er stand auf und wir marschierten zu dritt, die Treppe hinunter zu dem Bahngleis.
Ganz hinten, da wo der Bahnsteig endete, hüpfte er runter auf die Schienen und marschierte über diese durch den Tunnel, der sich um eine Kurve zog.
Ich schaute kurz zu McFly rüber, sah wie er mit den Schultern zuckte und wir beide folgten ihm.
Zum Glück war der Tunnel nicht lang, und man musste sich schon wirklich sehr dumm anstellen, um sich von einer herranrollende Bahn, die Fresse zermatschen zu lassen.
(Wobei… wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Hmm)

Alle paar Meter kamen uns Druffis entgegen, und quetschten sich an und vorbei.
Es waren vielleicht gerade mal 50 Meter bis zum Eingang und wir waren echt überrascht.
Hinter dem Tunnel lag ein größeres offenes Gelände. Bäume, Gestrüpp, einige kleinere Hügel links und rechts neben den Bahnschienen, die in einer größeren Kurve in den Tunnel führten.
Und mitten drinnen alles voller Junkies. Wir hatten also das Herz dieser Stadt, die öffentliche Drogenszene, nach nicht allzu langer Suche gefunden.
Nicht falsch verstehen, von der Größe her war es kein Vergleich mit z. B. dem Letten in Zürich aber dennoch waren wir überrascht, weil wir es echt nicht erwartet hätten.
Unser Einkauf war schnell getätigt. Zurück in der U-Bahn suchten wir uns ’ne ruhige Ecke und schnell bekamen wir die nächste Überraschung wie einen Schlag in die Fresse serviert.
Ich meine, man konnte ja nicht immer erwarten 1A Drogen von bester Qualität zu ergattern. Aber dies hier??!!
Unmittelbar nachdem der Kolben der Spritze auf Anschlag war, kam der große Knall. Und nein nicht dieser Knall. Ein Knall in Form von ……… „Nichts“.
Verdammt war das Zeug schlecht!
Der Affe war gerade mal im Ansatz vernichtet.
Auch unsere Hoffnung einfach mal den falschen Anbieter erwischt zu haben, wurde die kommenden Tage gnadenlos zerschmettert.
Es war einfach, durch die Bank weg, alles komplett für den Arsch. Zumindest für uns beide.

Waren wir etwa zu verwöhnt? Wurden wir in der Vergangenheit etwa nur mit dem feinsten Stoff gesegnet? Nee Man, ganz bestimmt nicht. Zufälligerweise sind wir halt genau an dem Ort gelandet, an dem die Qualitätskontrolle des deutsche Reinheitsgebotes total versagte.
Ich meine, war man von Geburt seiner Junky Existenz an, nur dieses Pulver gewöhnt, war das wahrscheinlich gar nicht so das Problem, doch kam man, wie wir, von auswärts, war man, kurz und knapp gesagt, einfach nur gearscht.
Unser Kampf gegen den Affen, mutierte also nun von einem Getto Faustkampf mit drei Polen, in einen Atomkrieg mit der Weltmacht USA.
Und eigentlich war dies auch mit der Hauptgrund weshalb wir uns nach einigen Tagen wieder verpissen wollten. Aber es kam halt doch anders. Wir blieben trotz all dem erst einmal und schlugen uns weiter durch.

Der Winter kam nun auch noch ganz plötzlich und Schnee fiel über Kassel.
Schnell mussten wir feststellen, dass hier in der Gegend, die Temperaturen noch um einiges tiefer fielen, als im guten alten Köln.
Es war arschkalt! Tagsüber lungerten wir oben im Hauptbahnhof und auf der Szene herum.
Und die Nächte? Tja, die einzige Möglichkeit, unseren gefrorenen Ärschen etwas kostenlose Wärme zu gönnen, war der beheizte Warteraum des Hauptbahnhofs.
Ein kleiner 5×5 Meter großer Raum, mit unbequemen, aus Stahl gebauten Sitzen, verankert an den Wänden.
Doch leider war selbst hier nicht an eine ruhige Nacht zu denken.
Ich weiß noch genau wie sehr ich das erste Mal erschrak.

Gerade als ich, zusammengekauert in Fötus Position, den Kopf tief im Kragen meiner Jacke vergraben, auf einem 3er Element der Bänke, in einen Traum gleiten zu schien, schreckte ich auf und fiel nach vorne von der Bank auf den Boden.
McFly der gegenüber die gleiche Position eingenommen hatte, ging es nicht anders, nur das er noch lautstark einiges an Schimpfwörter um sich warf.

Da sah ich die beiden Typen vor uns stehen. Zwei, in geleckter Uniform bekleidete Möchtegern Polizisten, aka Securitys standen vor uns.
Doch das war es nicht, was uns wie verrückt aus dem Schlaf riss.
Nee Man, es waren die zwei voll ausgewachsenen Deutschen Schäferhunde, welche die beiden stolz mit Maulkorb an der Leine führten.
Sie ließen die beiden Köter im Duett, in voller Lautstärke, bellen als gäbe es kein Morgen.
Die beiden Tölen war außer Rand und Band, bellten und fletschten Ihre Zähne als würde sie in uns zwei fette Nackensteaks sehen. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie verdammt laut es war und wie es sich anfühlte so aus seinem Schlaf gerissen zu werden.
Das ganze ging solange, bis schließlich ein Kommando der beiden ertönte und Ruhe war.

„Raus hier!“, brüllte uns der kleine Dicke an.
„Maximal eine Stunde wird sich hier aufgehalten! Und dann auch nur mit gültigem Bahnticket!“, ergänzte der andere und schien sich dabei zu freuen wie ein Schuljunge, der gerade sein auswendig gelerntes Referat aufgesagt hatte.

„Euer Ernst jetzt?! Habt ihr mal rausgeschaut?? Es ist schweinekalt!“, wütend rieb sie McFly seine Augen.

„Meine Fresse! Es ist kein Schwein gerade hier im Bahnhof. Jetzt seid mal bitte nicht so und lasst uns hier einige Stunden schlafen.“, ergänzte ich genervt.

Aber nee Mann, nichts zu machen! Die beiden Möchtegern Cops nahmen ihren hoch anspruchsvollen Job todernst und führten sich so auf, als wäre der Bahnhof ihr privates Wohnzimmer.
So also liefen die kommenden Nächte, ohne wenn und aber, ab. Immer das gleiche Spiel.
Mit müh und Not ’ne halbe Stunde Schlaf abgreifen nur um dann von den zwei Dreckstölen (ich liebe Hunde! ) aus dem Schlaf gerissen zu werden, draußen ne Weile den Arsch abfrieren und den Kreislauf von vorne beginnen.
Obwohl wir, wie gesagt, jeden Tag mit dem Gedanken spielten uns, aufgrund der massiven Qualitätsunterschiede, wieder aus Kassel zu verpissen, gewöhnten wir uns irgendwie an die kleine Stadt.
Wir lernten schnell Leute kennen und vergrößerten so unser Netzwerk. Und schließlich machten wir noch Bekanntschaft mit etwas anderem.
Und zwar Substitute und andere Leckerlies der Pharmaindustrie.
Im Grunde war bis dato die Hauptsubstanz unserer Wahl eben Shore aka Heroin.
In Köln hatte ich mir zwar das ein oder andere Mal so genannte Remies (Remidacen mit Codein als Wirkstoff) auf der Szene besorgt, um mir den Entzug etwas zu erleichtern, aber andere Substitute waren halt nicht so verbreitet.
Auch hatte ich mir das ein oder andere Mal ein Döschen Methadon aus Holland mitgenommen, aber das war’s dann auch schon.
Doch das änderte sich halt als wir in Kassel eintrafen.
Schon ein paar mal hatte ich den Typen, mit der Vokuhila Frisur, auf der Szene brüllen hören “ Pola …. Wer braucht Pola?“, aber bis dato immer getrost ignoriert.
Doch als McFly und ich an diesem Morgen, wieder halb totgefroren auf der Szene waren, und erneut vor der Wahl standen unsere schwer erbeutete Kohle in Pulver, welches zu 98% aus Mannitol (Milchzucker) bestand, zu investieren, überlegten wir, dem Ganzen mal ’ne Chance zu geben.

Das kleine dunkelbraune Fläschchen Polamidon, wechselte also schnell den Besitzer.
Der Toiletten Türsteher, der einige Tage zuvor die Klotür aufgetreten hatte, und die zerrissene Cola-Dose, inkl. aufgekochter Shore, welche sich zwischen meinen beiden Knien befand, mit einem gekonnten Kick ins Jenseits befördert, schien zum Glück gerade nicht vor Ort zu sein.
So marschierte ich, bis ans Ende der Reihe zur letzten Kabine.
Ich hockte mich seitenverkehrt auf die Schüssel, holte meine frische Pumpe hinaus und zog mir 3 oder 4 ml, von dem Reinen, nicht wie heute üblich, mit Sirup vermixten, Polamidon auf.
Ich hatte ja am Bodensee, zusammen mit Chris, schon einmal etwas von dem Pola geballert, doch da die Dosis da spürte ich nicht all zu viel und so machte ich mir auch hier keine riesen Hoffnungen.

Ein Vorteil an der ganzen Sache war, dass man hier nichts aufkochen musste. Kein Klicken vom Feuerzeug, welches mitunter immer eines der ersten Anzeichen war das hier ein Junk sein Geschäft verrichtete und auch sonst ging alles viel schneller.
Nachdem ich drei bis viermal durch das stark vernarbte Gewebe, welche sich um meine Lieblingsvene an der Armbeuge gebildet hatte, durchstach, schoss das dunkle Blut in den Kolben der Spritze zurück.
Kurz durchatmen und abdrücken.
Die warme Welle schoss durch meinen Körper und die Strapazen der Nacht lösten sich in Sekunden auf. Ein zufriedenes entspanntes Gefühl machte sich in meinem Körper breit. Ich lehnte mich zurück, zog die halbe Zigarette aus meiner linken Jackentasche und zündete sie an.
Ich war zufrieden und es fühlte sich gut an.
Genau dies sind die Momente auf die man als abgefuckter Junkie hinarbeitet. Das klein bisschen Paradis auf der abgewichsten Bahnhofstoilette.
Ich hatte nicht damit gerechnet. Besser als der Dreck der hier die Runde machte, war es sowieso! Und auch besser als damals mit Chris.
2 bis 3ml reichten mir pro Schuss aus. Einen morgens und dann noch mal ’nen zweiten gegen Abend und manchmal noch einer dazwischen.
So vergingen einige Tage und die Mission Entgiften vergrub sich mal wieder tief in die letzten Ecken unserer Kleinhirne.
Obwohl wir in den letzten Jahren immer einen auf Zigeuner machten und nie allzu lang an einem Ort verweilten, kam es, dass Kassel für „längere“ unsere neues Zuhause wurde.
Shore gab’s also nur noch selten, stattdessen halt wie gesagt, immer mehr die guten Alternativen der Pharmaindustrie.
Codein/Dehydrocodein, Polamidon oder Methadon wurden zu unseren neuen besten Freunden.
Und bei mir gesellten sich Benzodiazepine irgendwann auch noch regelmäßig dazu, was zurückgeblickt, wirklich schlimmer als alles andere war.
Ich meine, ich hatte immer wieder mal Phasen in denen ich Benzos konsumierte, die längste davon wahrscheinlich in Überlingen.
Aber schließlich endeten diese auch immer wieder, doch in Kassel ……. Na ja, später dazu mir.

Es war der Morgen als wir drei, Andre, ein Typ, den wir zuvor am Hauptbahnhof kennengelernt hatten, war mit dabei, im Wartezimmer des Sozialamts saßen.
Zum ersten Mal, nach all den Jahren auf der Straße, probierten wir Unterstützung vom Staat zu erhalten.
Ich war der Erste der dran war und nach einem kurzen Gespräch hatte ich einen Stempel mit der Aufschrift OFW (ohne festen Wohnsitz) auf meinem Perso.
Damit konnte man sich nun sein sogenanntes Tagesgeld abholen. Ich weiß es nicht mehr genau aber ich glaube es waren so um die 12 bis 14 Mark pro Tag.
Dies konnte man sich nicht im gleichen Haus abholen, sondern man müsste ca. einen halben Kilometer, zu einem anderen Gebäude laufen.
Da die anderen beiden noch das Gespräch vor sich hatten, ging ich schon mal vor. Wir verabredeten uns für danach auf der Szene, welche sich direkt zwischen den beiden Gebäuden befand und auf der ich mich ca 20 Minuten später, mit etwas Kohle in der Tasche, befand.

Da ich ’nen heftigen Affen hatte, und gerade nichts anderes da war, griff ich auf das braune Pulver zurück.
Ich war gerade dabei aufzukochen, als sich ’n Typ neben mich hockte und anfing Shore zusammen mit ein paar Benzos auf ’nem Löffel aufzukochen.

„Du ballerst dir die Benzos?“, fragte ich ihn während ich mit einem Auge zu ihm rüber schielte.

„Klar Man!“, erwiderte er prompt. „Will ja wenigstens irgendetwas davon spüren“.
Ich hatte fertig aufgezogen, doch wartete ich und beobachtete den Typen weiter.
Nachdem er das Heroin fertig aufgekocht hatte, legte er die Rohypnol Tablette auf den Löffel.
Mit dem Boden des Kolbens seiner Spritze, zerstampfte er diese, bis sie sich nach und nach in der braunen Suppe auflöste. Noch mal kurz warm gemacht, dann alles aufgezogen und ’nen Moment später landete alles in der Vene seines Handrückens.
Seine verdrehten Augen, offener Mund und lallende Sprache, reichten mir aus.
Ich starrte auf meine Pumpe, blickte zu ihm rüber, wieder zurück auf die befüllte Pumpe in meiner Hand und nach ein paar Sekunden marschierte ich zu dem fetten Jugoslawen rüber, der mich irgendwie immer an Jabba de Hut aus der Star Wars Trilogie, erinnerte.

„Haste ma ’ne Rhopse da?“, fragte ich ihn nervös.

Die schätzungsweise 200 Kilogramm schwere Masse, setzten sich in Bewegung, und Jabba, der auf den Resten einer Holzbank saß, stand mit sichtbarer Anstrengung auf. Er kramte in seinen Taschen rum und holte zwei Riegel Rohypnol hervor.

„Wieviel brauchste?“, nuschelte er leise. „Einen, zwei Riegel?“

„Nee Man, brauche nur ‘ne Einzelne.“, antwortete ich.

„Eine? Man Ey.“, sichtlich genervt presste er eine Pille aus dem Blister und drückte mir diese mit dem Worten „zwei fünfzig“ in die Hand.

Ich kramte die Kohle hervor und verschwand wieder.
Der Typ, der mich auf die Pillenballeraktion gebracht hatte, war mittlerweile dabei die typische „Ich-bin-breit-wie-tausend-Man“- Position einzunehmen, bedeutet Oberkörper im 180° Grad Winkel zum Unterkörper, nach vorne gebeugt und den Kopf in Wischmoppposition.

Meine, zum Aufkochen benutzte Cola Dose, lag noch an gleicher Stelle.
Ich drückte die aufgekocht Shore zurück auf die Dose, legte die 2mg Rohypnol Tablette hinein und wiederholte das eben beschriebene Prozedere.
Die mittlerweile, schon um Gnade winselnde Vene in meiner Linken Armbeuge, musste mal wieder irgendwie herhalten.
Nach zwei oder drei Versuchen schoss endlich das dunkelrote Blut hervor.
Ein seltsamer chemischer Geschmack machte sich in meinem Mund breit und dann schlug es auch schon ein wie eine Bombe.

Der Mix aus Shore und der kleinen weißen Pille verrichtete seinen Dienst einwandfrei, verdrängte alles für den Moment Unwichtige in den Hintergrund und ließ mich im gedankenfrei im Hier und Jetzt verweilen.
Mir ging es gut. Der unpotente braune Dreck mutierte mithilfe dieser kleinen unschuldigen runden Pille, in eine PS Bombe.
Ein verdammter Segen für den Augenblick, doch wahrscheinlich ’n fetter Arschtritt für die Zukunft.
Meine gelegentliche Affinität zu den, von der Pharmaindustrie hergestellten Pillen, wechselte unter diesen Umständen schon bald zu einer Dauerunterkunft im Hotel Benzodiazepin.

Kassel wurde also zu unserem neuen Spielplatz. Die erste Zeit war wirklich beschissen wegen dieser verdammten Kälte im Winter. Es war so schweinekalt und Platte zu machen war wirklich hart.
Tagsüber hingen wir auf der Szene, oder im Nautilus, das kleine Kontakt Café direkt gegenüber vom Hauptbahnhof, wo man billig seinen Kaffee und Müsli bekam, und gebrauchten Spritzen gegen Neue austauschen konnte, ab. Ansonsten hieß es halt, das Übliche. Kohle machen, weiterleben, überleben.

Da wie gesagt nach und nach Shore immer öfters gegen Pharma Shit ausgetauscht wurde, war es nur die logische Konsequenz, bis wir uns direkt auf die Suche nach der Quelle machten.
Wieso zum Teufel sollten wir das drei bis vierfache auf der Szene hinblättern, wenn es die Möglichkeit gab, die Quelle direkt anzuzapfen?
Auch wenn es mehrere Ärzte gab, so stach doch ein Name besonders immer wieder hervor. Dr Krüger war der Name, der auf der Szene immer so seine Runde machte.
Der Arzt auf den man sich verlassen könne, so hieß es.
Gesagt getan. Nach ca. 45 Minuten Busfahrt saß ich im Wartezimmer von dem Doc.
Es war spät abends, kurz vor Arbeitsende und außer einem Patienten, der wohl gerade drinnen war, war keiner mehr da.

Ok Leute, an dieser Stelle schon mal ein kleiner Hinweis . Das leere Wartezimmer bei diesem Arzt, war ein Bild, welches sich nicht mehr wiederholen sollte. Glaubt mir, was ich bei diesem sogenannten Arzt noch alles erlebt habe, grenzt schon fast an Unglaubwürdigkeit. Aber dazu kommt bestimmt auch noch mehr in den nächsten Teilen.
Vielleicht liest ja sogar mal einer aus der damaligen Zeit hier mit, der diesen Arzt selber mal kennengelernt hat.

Ich war dran. Der pummelige Doktor öffnete die Tür und ich verschwand mit ihm, in seinem Behandlungszimmer.
Er schien ganz alleine in seiner Praxis zu sein, zumindest konnte ich keine Sprechstundenhilfe entdecken.

Mit Ärzten hatte ich ja mittlerweile so meine Erfahrungen und die Gratwanderung zwischen Einschleimen, Mitleid und Einfordern, um das gewünschte Mittel seiner Wahl zu ergattern, beherrschte ich mittlerweile ja echt perfekt.
Also leierte ich auch hier meine, schon vorher parat gelegte Geschichte, runter.
Doch schnell unterbrach mich der gute Herr Krüger.

„Ist ja okay. Mach mal langsam.“, er lehnte sich zurück in den opulenten Ledersessel.

„Was brauchste denn mein Junge?“, ergänzte er.

Moment bitte. Ist das jetzt ’ne verdammte Fangfrage oder wie?! Etwas unruhig, strich ich mit meinen Fingern über Mund und Nase.

„Ähm… Jaa….Also….“, immer noch verwundert über die direkte Frage des Arztes, stammelte ich einige Wörter vor mich hin, bis mich der Doc erneut unterbrach.

„Also, Polamidon ist jetzt schlecht. Ich kann dir Codein aufschreiben.“, das Leder des Stuhls gab quietschende Töne von sich, als die bestimmt 120 Kilo schwere Fleischmasse, auf dem Sessel Hin und Her rutschte.

„Ähm… Ja.. Natürlich… Sicher.. Das wäre perfekt. Ähm, ich meine, das würde mir wirklich sehr weiterhelfen. Ich halte diesen ganzen Druck wirklich nicht mehr aus. Dieses Leben ist schrecklich und ich möchte es endlich …..“, und gerade als ich wieder voll in meinem Konzept war und den armen hilflosen Junkie zum Besten geben wollte, unterbrach er mich erneut.

„Jaja, ich verstehe das schon. Also das macht 10Mark pro Rezept. Brauchst du noch was zum Schlafen“, fragte er mich trocken, während er etwas auf seinem Block kritzelte.
„Will ich noch etwas zum schlafen????!!!!! Ob ich noch etwas zum Schlafen brauche??????“, Fuck Man, ich muss jetzt gerade tief und fest am schlafen sein, dacht ich mir. Ja man, du musst träumen, redete ich mir ein. Du liegst gerade wahrscheinlich, mal wieder viel zu breit, auf der ungemütlichen Stahlbank, der mit dem großen Loch in der Mitte, wo man sich immer Arsch oder Eier einklemmt, im Vorraum des Banhofs.
Ich kniff ein paar Mal meine Augen zusammen.

„Zum Schlafen? Das wäre wirklich sehr hilfreich! Ich hab so extreme Schlafprobleme.“, unruhig glitt mein Blick durch die kleine Praxis. Ziemlich chaotisch war hier alles. Nicht dreckig, aber halt ein großes Durcheinander. Bücher, Dokumente lagen überall verteilt.

„Ich schreib dir mal fürs erste ein weiteres Rezept über 40 Rohypnol auf.“, das dürfte dann ja für die nächsten Tage erst mal reichen.
Rohypnol??!! Fucking Halleluja. Innerlich schrie und feierte ich gerade, als hätte ich das entscheidende Tor im Finale einer Weltmeisterschaft geschossen.
Ich muss ihn gefunden haben. Den Heiligen Gral, den Messias in Weiss. Den ultimativen Junkie Orgasmus in Form eines schrulligen alten Arztes. Genau so und nicht anders, fühlte und dachte ich damals!

„Danke Herr Doktor. Das hilft mir wirklich sehr weiter.“, ich kramte die 20 Mark aus meinen Taschen, tauschte diese gegen die Rezepte und verabschiedete mich.

So verließ sich also gerade mal zehn Minuten später wieder die Praxis und ging in Richtung McFly, der einige hundert Meter weiter, an der Bushaltestelle, auf mich wartete.
Mit Rezepten über ’nem halben Liter DHC Codeinsaft (Dihydrocodein..) und 40 Rohypnol Tabletten in der Tasche, ging es also wieder zurück Richtung HBF.
Zehn Rohypnol Tabletten waren schnell vertickt. Mit der Kohle konnten wir den kompletten Rest der Privatrezepte auslösen und hatten also so die nächsten Tage erst mal ausgesorgt.
Und sollte die Munition ausgehen? Der Weg zur Quelle war nun geebnet.

Leute, wenn Ihr bis jetzt all meine Teile gelesen habt, dann wisst Ihr ja, dass ich bis dato schon immer Benzodiazepinen nicht gerade abgeneigt war. Ich liebte dieses Gefühl, genauso, wie ich das braune Pulver liebte.
Mein „Glück“ war halt immer, das entweder irgendwann die Quelle versiegte, wir weitergezogen sind oder sonst irgend ein Umstand dafür sorgte, dass sich die kleinen runden Pillen, wieder aus meinem Leben verpissten.
Doch nun in Kassel angekommen? Mit diesem Arzt am Start?
Tja, vorab nur soviel, hier erreichte der ganze „Spass“ ein komplett neues Level!

Aber dazu mehr im nächsten Teil.
Euer MadMike

#teil31 #madmike #blechtänzer #turkeyuncut

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Über MadMike

Das ist meine Geschichte, mein Leben. Ich schreibe diese nicht mit erhobenem Zeigefinger, noch wird hier etwas beschönigt. Es ist einfach "Mein Leben"! Dies soll keine Drogen-Verherrlichung darstellen! Drogen haben mir unfassbar viel genommen und mein Leben auf eine peverse Art und Weise kontrolliert! Frei zu sein, ist das Höchste aller Güter, welches wir Menschen besitzen dürfen und wer glaubt mit dem "Zeug" frei zu sein, unterliegt einer großen Illusion. Ich probiere meine Geschichte immer so zu schreiben, wie ich zu dem jeweiligen Zeitpunkt gefühlt und gedacht habe. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich nicht auch weiterentwickelt habe und aktuell bestimmte Dinge anders sehe. Dies hier soll kein Drogenpräventions-Projekt sein, doch ich denke, dass jeder mit ein bisschen Verstand in seiner Birne, es schaffen wird von alleine die richtigen Schlüsse zu ziehen. Euer MadMike...
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35 Antworten zu Teil 31 – Kassel

  1. Rotkehlchen schreibt:

    Hammer!! Damit hast du mir jetzt noch den Abend gerettet 👍👍
    Respekt, dass du trotz der langen Pause den Blog nicht aufgegeben hast – ich denke, ich hätte mich nicht mehr motivieren können 😉

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  2. ilkalein schreibt:

    schön, dass du wieder da bist

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  3. Katinka schreibt:

    Oh weia, das kenne ich. Nix ist schlimmer als die fucking Benzos.
    Wäre ich damals bei Shore geblieben, wäre alles halb so wild gewesen, aber die Benzos haben mich echt richtig rein gerissen.
    Üble Sache……

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  4. Wanze schreibt:

    Schön dass Du wieder da bist! Die Scheiße mit den Benzodiazepinen ballern kenne ich auch! Bei uns war es planum auch unter Temazepam bekannt kleine weiße oder grüne Eier die man war machte den öligen Inhalt mit auf den Löffel drückte und sich mit minderwertiger Schore ins Nirwana schoss. Es war bei mir zum Schluss so dass ich anstatt 4 Bobbels Kugeln oder wie auch immer ihr das nennt nur noch zwei kaufte und dazu drei Planum welche 5 € kosten und mich völlig Abschoss was nach einem halben Jahr aber völligste abwesenheit jeglicher Venen nach sich hatte und eine fette Thrombose im linken Bein die mich fast selbiges gekostet hatte! Ich bin seit Jahren clean na ja ein paar Jährchen aber als ich das las gerade juckte ich mich sehr in der Leistengegend und in den Fingern juckte es mich auch weil mir dieses Feeling wieder einfiel, das ist vergleichbar mit flunis und ja es ist wahr minderwertige Schore wird dadurch zum Turbo! Danach bin ich richtig abgerutscht das hat was bei mir ausgelöst was selbst Heroin nicht geschafft hat! Den ultimativen Kick! Die ganzkörper Narkose… gottseidank nach heutigen denken ist das vorbei aber trotzdem las ich es gerade lehnte mich zurück und dachte an dem Moment wo das erste Mal diese Mischung durch meine Adern strömte! Vielen Dank dass du dein Wort gehalten hast. Auch Pola ballern kenne ich aber auch nur im Zusammenhang mit den Eiern! Zum Schluss hatte ich 15 ml Polamidon und 10 Planum auf der Pumpe und hab mich damit regelmäßig fast über den Jordan geschossen! Deine Geschichte kann ich also voll nachvollziehen!

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  5. Retro schreibt:

    Mike, welcome back.
    Sehr schön das es weitergeht!!

    Piece out brother

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  6. Marco schreibt:

    Endlich bist du wieder da!!! Hatte mir schon ehrlich sorgen um dich gemacht.

    Das warten hat sich gelohnt, sehr guter Teil.

    Ich hoffe, dass du zum regelmäßigen schreiben zurück findest.

    Fette Grüße und danke!

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  7. Henning schreibt:

    Hey Mike, altes Haus.
    Schön mal wieder etwas von dir zu hören! Nachdem ich gesehen habe, dass Teil 31 am Start ist, habe ich das erstmal zum Anlass genommen, um nochmal ganz von vorne anzufangen. Hat mich 3 Abende gekostet, aber die waren es wert. 😉 Und wie auch beim letzten Mal haben mich deine Texte mal wieder total mitgerissen. Ich liebe deinen Stil zu schreiben und selbst wenn du mein stinklangweiliges Leben gelebt hättest, du könntest daraus trotzdem eine richtig geile Story basteln, da bin ich mir sicher. 😉
    Ich freue mich tierisch, dass du am Ball bleibst, auch wenn es dir momentan aus welchen Gründen auch immer schwer zu fallen scheint, die passenden Worte zu finden. Aber nimm dir die Zeit, die du brauchst. Schließlich sollst du ja die Messlatte, die du dir selbst ganz schön hoch gelegt hast mit deinen bisherigen Texten, weiter überspringen können. Und auch Teil 31 war mal wieder ein Genuss.
    Halt die Ohren steif, mein Bruder! Ich hoffe, es geht dir gut!
    Es grüßt
    Henning

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  8. jakobswegohnegeld schreibt:

    Kommt mir irgendwie bekannt vor… Love and Peace

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  9. jakobswegohnegeld schreibt:

    Yeahhh man…. ich sehe mich…. ich bin nickt allein

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  10. Tom schreibt:

    Hey Mike,

    liest sich echt wieder klasse.
    Bin ein Fan von deinem Block.

    Halt die Ohren steif.
    Gruß Tom

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  11. fliegermaedchen schreibt:

    Schön, dass du wieder zurück bist! Bin schon sehr gespannt auf deine Benzo-Stories…

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  12. Herrvau schreibt:

    Sehr cool das es weiter geht.
    Habe mal im ER gepostet das du einen weiteren Teil veröffentlichst hast.
    Hast echt nen tollen Stil.
    Eigentlich müsste das mal ein Verleger Lesen! Haste mal überlegt dich da an jemanden zu wenden?
    Mach weiter so, ich bin schon auf den nächsten Teil gespannt.

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  13. Frank schreibt:

    Ich habe zwar noch nie Drogen genommen, aber ich lese diese Geschichten immer außerordentlich gerne.

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  14. Tobias Reinhard-Miltz schreibt:

    Geilomat !!! Halleluja endlich wieder was neues von dir. Der Abend ist gerettet

    Hoffe dir geht es gut !!

    Gruß tobias

    Ps qualität braucht zeit

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  15. Frank schreibt:

    Jo Mike,

    schön das es ENDLICH weitergeht.
    Liest sich echt wieder richtig gut,

    Halt die Ohren steif!!

    Gruß Frank

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  16. bibbche schreibt:

    Yes, da ist er wieder, mittlerweile haben wir Geduld gelernt.
    Danke für Deine Geschichten, bin immer sehr gespannt und freue mich, wenn sie so lang sind, könnte immer weiter gehen. Es liest sich zu gut! Lass Dir Zeit…

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  17. Bine schreibt:

    Mike,

    sehr schön das du endlich weitergeschrieben hast.
    Ich fiebere nun schon seit deinem ersten Beitrag mit.

    Ich habe selber nichts mit der Szene zu tun.
    Du schreibst dies aber sehr persönlich so dass man
    einen direkten Zugang zu deinem erlebten bekommt.

    Ich hoffe du schreibst nun wieder regelmäßig weiter.

    Grüße an dich und alles Gute aus Down Under
    Bine

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  18. jakobswegohnegeld schreibt:

    Jo… da weiss….gehe ich vpn den guten alten 2 mg aus…. ihr werdet schrecklich vermisst…..love and peace

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  19. Feivel1978 schreibt:

    Bin zufällig über deinen Blog gestolpert und habe sämtliche Kapitel in einem Rutsch gelesen. Hat über 6 Stunden gedauert mit gedrosseltem Internet.

    Du hast einen fesselnden Schreibstil und solltest tatsächlich über Verlegung mittels eines Verlag nachdenken. Erstaunlich, an wieviele Details du dich erinnern kannst!
    Du schreibst wunderbar plastisch, man kann sich die Situationen gut ausmalen im Kopf.

    Und jedes Mal diese Verzweiflung….Nacht, Kälte, Regen, irgendwo im Nirgendwo, ohne Kohle und „Medikamente“….solche hässlichen Situationen, super beschrieben!

    Hab zwar auch die eine und andere Erfahrung mit Drogen (Kiffe, LSD, Extasy, Meth,…), aber keine dominierte mein Leben. Nicht mal Kaffee oder Rauchen. Glückerweise geht mir jede Substanz nach mehrmaliger Anwendung auf die Nerven, lediglich Alkohol muss ich mit Vorsicht genießen.

    Daher finde ich deine Geschichte wahnsinnig interessant. Vor Heroin habe ich riesigen Respekt, aber als alter Mann irgendwann, kurz vor dem Ende, würde ich es doch gern kennenlernen.

    Ich freue mich auf weitere Kapitel und wünsche dir alles Gute!

    Gefällt 1 Person

  20. Marie schreibt:

    Wow, durch Zufall bin ich auf deinen Blog gestoßen und konnte gar nicht mehr aufhören ihn förmlich zu verschlingen! Deine Art zu schreiben ist einfach ein Genuss.
    Vielen Dank und Respekt an deine Offenheit deine Geschichte mit uns zu teilen. In vielem was du berichtest erkenne ich mich selbst wieder. Bin seit einem Jahr clean von Benzos und seit kurzem auch von Opiaten/Shore. Das was da in seinem ab geht, gerade diese Flucht vor den eigenen Gefühlen, bringst du einfach perfekt auf den Punkt. Und gleichzeitig merkt man diese Zerrissenheit, da ja nun dieser Lifestyle auch nicht immerzu negativ ist.

    Freue mich sehr auf weitere Teile und wünsche dir alles erdenklich Gute!
    Wie wäre es mit einem Buch?

    Gefällt 1 Person

  21. Marc schreibt:

    Moin Mike,

    eigentlich verfolge ich deinen Block gerne.
    Aber irgendwie geht es seit nunmehr gut einem Jahr nicht mehr weiter.

    Schade!!

    Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft.

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  22. Lisa schreibt:

    Hallo Mike,

    alles gut?

    Liebe Grüße

    Lisa

    Gefällt 1 Person

  23. Dave schreibt:

    Hey Mike
    Ich habe nun deinen Blog zum 2. Mal durchgelesen. Bitte hör nicht auf zu Schreiben. Du hast ein Gottestalent. Da brauchts kein LSD um die Geschichte bildlich und lebhaft vorzustellen.
    Gruss aus der Nähe der Brücke am Letten, auf welchem das Beinmassaker stattfand.
    LG

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  24. PEter Dolsen schreibt:

    Hey Mike wieder mal ein unfassbar gut gestalteter weiterer Abschnitt. Das Ende dieses Abschnitts macht es wieder unheimlich spannend auf den nächsten Teil zu warten. Also lass uns da bitte nicht zu lange schmoren. Wünsche dir in deinem Leben alle Gute und hoffentlich bleibst du neben ein paar kleinen unbedeutenden Rückfällen für die Zukunft drogenfrei.

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  25. Micha schreibt:

    Hey Mike! Hab heute seit langem Mal wieder reingeschaut. Hatte mich eigentlich auf neuen Lesestoff gefreut, aber sieht wohl nicht so toll aus bei Dir momentan !? Kenn ich wohl, bin jetzt seit über 20 Jahre dabei, über 15 im Programm. Habe auch immer wieder Cleanphasen, die meiste Zeit aber drauf. Mein Favorit ist Metha oder Braunes und dann halt Alk drauf. Bekomme Take Home aber die Tabs halten max. 2-3 Tage. Habe mir aber wenigstens das Ballern abgewöhnt. Na, will auch zu viel schreiben. Hoffe geht dir einigermaßen gut und wenn Du fit bist, schreib Mal wieder was. Die Storys haben mir gut gefallen. Das meiste auch so oder ähnlich schon erlebt. Wie es halt so läuft! Dann hau rein und alles gute!
    Beste Grüsse, Micha

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  26. Nick schreibt:

    Mike, wie steht’s momentan?
    Ich versuche mal meine Tante zu fragen ob deine Geschichten nicht veröffentlicht werden könnten, sie hat eine leitende Stelle beim Händler Verlag.
    Ich hoffe dir geht’s gut, Grüße von mir und der Wunsch, dass du weiterschreibst!

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