Der nächste Teil……….

Drei Worte: „Zürich, Letten, Platzspitz“ 

*foto von 20min.ch

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Teil 26 – Hau rein Bodensee…..

Nach zwei Tagen erst fand ich McFly, der gerade halb-tot, unten an der Uferpromenade am dösen war, wieder.
So wie es aussah, hatte er gerade einen Zwei-Tages-Marathon inklusive Acid und Ecstasy, im Land der Techno Freuden, hinter sich.
Neben ihm saß Pille, der junge Punk aus dem Jugendheim, mit dem wir noch vor kurzem zusammen auf dem Bullenrevier gelandet sind.

Sechs, sieben vielleicht auch acht Wochen, machten wir nun mittlerweile die Gegend, rund um den Bodensee unsicher.
Die Tage vergingen. Shore wurde mal wieder mit sehr viel Benzos und Alk substituiert, was natürlich  nach so einem, über einige Tage andauernden Konsum Ritt, gerade Anfangs alles andere als einfach war.
Natürlich war man extrem schlapp.
Natürlich hatte man immer wieder mal Hitzewallungen und Schweißausbrüche.
Natürlich begrüßte dich das penetrante Kopfgeficke mit ’nem höhnischem Grinsen in der Fresse!
Es war nicht so als hätte man wieder bei Null angefangen. Nee Man, dein Körper wusste genau was du ihm da gibst, stellte sich umgehend wieder darauf ein und wollte im Grunde auch sofort nichts anderes, als das braune Pulver in Dauermedikation verschrieben zu bekommen.
Dem allen beiseite, war es aber wie gesagt, dennoch auszuhalten und ich hatte es einigermaßen gut im Griff. Zumindest wenn ich aktuell darauf zurückblicke.

Doch heute, an diesem schönen sonnigen Tag am kleinen Kurort Überlingen, sollte mir doch tatsächlich mein letzter Luxus entrissen werden.
Fuck Man, was heißt hier bitte Luxus? Mein „Über“-lebenselixier, mein letzter Stützpfeiler, mein verfickter Fels in der Brandung.

Ich saß mal wieder in dem stark überfüllten Wartezimmer meines Lieblings Arztes und wartete darauf endlich von der, immer grimmig reinschauenden Arzthelferin ausgerufen zu werden.
Als es endlich so weit war, begrüßte ich wie immer den Arzt, machte mich auf das kurze Standard-Gespräch bereit um dann schon innerlich mit dem Rezept in der Hand wieder heraus zu spazieren.
Doch Fuck Man, Nix da Bro! Zu früh gefreut.
Gerade als ich damit anfangen wollte, meinem Freund in weiß die zurechtgelegten Standard-Floskeln, auf liebevolle Art und Weise vor den Latz zu knallen, unterbrach er mich.
Schon nach den ersten Worten merkte ich, dass hier irgendetwas gar nicht so nach Plan lief und als er dann auch noch anfing, auf dezente Art und Weise einige Pillen-Schachteln, die alles andere als nach meinen lieb gewonnenen Rohypnol Tabletten aussahen, auf den Tisch zu schieben, wusste ich, dass hier definitiv irgendjemand vergessen hatte mein Drehbuch zu lesen!
Den endgültigen Gnadenstoß aber  gab mir dann schließlich das Wort „Pflanzlich“,  welches eine der Schachteln in hellgrüner Schrift verzierte und der darauffolgende Befehl, der mit Highspeed durch meine Hirnsynapsen bretterte, löste in mir Hitzewallungen aus.
Am liebsten hätte ich mir sofort den, vor mir liegenden, Rezeptblock geschnappt und die Beine in die Hand genommen.
Doch es blieb bei dem Gedanken und nach einer ellenlangen Moralpredigt marschierte ich doch tatsächlich mit den verfickten Placebopillen und ohne ein Rezept für meine heiß geliebten Wunderpillen, aus der Praxis hinaus.

Tja, diese Quelle war wohl nun endgültig versiegt. Da war nichts mehr zu machen. Da konnte ich reden, betteln und sonstige Geschichten aus den Ärmeln ziehen, und glaubt mir bitte eins …   Damals zu der Zeit, wenn es um meinen heiß geliebten Stoff ging, da konnte ich wirklich „Reden“ und Leute überzeugen als gäbe es kein Morgen. Manchmal war ich selbst von mir überrascht, wie weit doch meine Überzeugungskräfte reichten, was für eine Energie und Einfallsreichtum ich entwickelte, nur um mein Ziel zu erreichen.
Glaubt mir, sind die Konsequenzen schlimm genug, entfalten sich ungeahnte Fähigkeiten.
Und eine schlimmere Konsequenz, als ohne „Stoff“ dazustehen, gab es damals für mich nicht.
Doch hier war definitiv Schicht im Schach.
Der Arzt stellte sich komplett stur und machte mir ohne Zweifel klar, dass sein Bauchladen für mich ab jetzt 24 Std. geschlossen sei.
So kam es mir sehr gelegen, dass wir seit dem gestrigen Tag planten mal wieder ’nen kleinen Kurztrip, Richtung Stuttgart zu machen.
Pille wollte mitkommen und auch ein Kumpel von ihm, der gerade aus einer entfernteren Stadt ankam und mal wieder Reißaus von Zuhause genommen hatte.
Der Plan war, die kommende Nacht noch bei Pille im Jugendheim zu verbringen, um uns dann arschfrüh, am nächsten Morgen, aus Überlingen zu verpissen.
Gegen Mitternacht ließ uns Pille rein und wir schlichen erneut hinunter in den alten Heizungskeller, wo wir die restlichen Stunden so etwas wie Schlaf finden wollten.
Oh Mann, ich kann mich noch allzu gut an diese Nacht erinnern, denn an Schlaf war für mich absolut nichts zu denken.
Mal wieder, auf ein Neues! Diese abgefuckten Sodbrennen, die ich ja so sehr liebte. Aber mal ehrlich. Es dürfte eigentlich kein Wunder gewesen sein, bei der damaligen Auswahl an Lebensmitteln, welche unregelmäßig den Weg in unsere Mägen fanden.
Anscheinend übertrugen wir das Wort Junk auch auf die Auswahl unserer Nahrungsmittel.
Ständig schoss es mir die Magensäure über meine Speiseröhre hinauf in den Mundraum, wo ich dann entweder von Schluckreflexen geplagt, die ganze Suppe wieder nach unten würgte oder aber mich dieser in einer Ecke des Heizungskellers entledigte. Fuck Man, diese Sodbrennen erreichten tatsächlich ein komplett neues Level in dieser Nacht, und während die andern kiffend irgendwelche Punksongs im Gruppengesang von sich gaben, drehte ich mich spuckend Hin und Her.

Stuttgart die 2te.
Eingedrückt zwischen Kirschen und Äpfeln, quetschte ich mich von der Rückbank des kleinen Transporters hervor und stolperte auf die Straße.
Bis an den Vorplatz, des alten Stuttgarter Bahnhofs hatte uns der nette Bauer gebracht, der auf den Weg war Paletten voller Obst an den Man zu bringen.
Wir hatten uns getrennt, denn seien wir mal ganz ehrlich …. zu viert am Straßenrand, wäre unsere Chancen mitgenommen zu werden, wohl in den einstelligen Prozentbereich gesunken. Und dass zwei Punks mit dabei waren, deren Optik, für die meisten unserer Mitmenschen wohl eher das Gegenteil von einem vertrauenswürdigen Gefühl herbeirufen würde, machte es auch nicht einfacher.
So warteten wir also nun im Inneren des Hauptbahnhofes auf die beiden anderen Chaoten. Und wir warteten lange. Die beiden hatten wohl nicht so viel Glück wie wir und Stunden später kamen sie endlich frustriert und abgefuckt an getrottet.
Na ja, immerhin nutzten McFly und ich, die Zeit des Wartens wenigstens damit unsere finanziellen Mitteln etwas in die Höhe zu pushen, und so hatten wir bei Ankunft der beiden, unsere Taschen vollgestopft mit Kippen, die wir grade dabei waren zu verticken.

Später dann teilten wir uns auf, um weitere Kohle zu machen.
McFly ging mit Pille, und ich mit dem anderen, an dessen Namen ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann.
Wie Tage dieser Art verlaufen, habt ihr ja mittlerweile schon oft genug von mir gehört.
Kohle klar machen, Dope besorgen, Ballern und Wiederholen. Typischer Druffi-Alltag halt. Immerhin fühlten wir uns in Stuttgart auch schon wie zu Hause und so lief alles rund.
Trotzdem, mit faul rumliegen hat so was ja Null zu tun. Man ist ständig auf den Beinen. Eine Jagd ohne Pause! So ging das ganze Spiel für die nächsten fünf oder sechs Tage.

Zum Teufel, man könnte fast eine Sportart daraus machen, so intensiv ist dieser „Lifestyle“.
Wie heißt dieser neue Sporttrend aus dem Amiland noch mal?
Crossfit? Stimmt.
Fuckin‘ Halleluja, was heißt hier bitte Crossfit??!!
Macht Cross-Junk daraus!
Ihr wollt abnehmen? Ihr wollt Eure Pfunde nur so purzeln sehen. Dann kommt zu Cross-Junk!
Der ultimative Hardcore Sport.
Fetze im Parcours-Style durch die Innenstädte Deutschlands. Lass dich jagen von Einsatzkräften in Grün. Zeige deine Stärke und prügel dich mit ausgewählten und stadtbekannten Dealern der offenen Szene. Hier kannst du dich beweisen und zeigen, was in dir steckt.
Doch auch deine Intelligenz und Feinmotorik werden bei dieser einzigartigen Sportart bis aufs Gründlichste gefordert und auf den Prüfstand gestellt. Ziehe mit hinterhältigen Tricks und üblen Maschen deine Mitjunkies über den Tisch. Pansche deine Drogen so schlau, dass diese sich immer noch verkaufen lassen aber den höchstmöglichen Gewinn abwerfen.
Lasse deine Wasserpfeife, die Du nur aus einem Taschentuch, einem Stück Holz und dem blutigen Tampon einer 16jährigen Jungfrau gebaut hast, von der dreiköpfigen hochkarätigen Fachjury bewerten.
Das alles, um am Ende ein Platz auf dem Siegertreppchen zu ergattern, und von drei abgefuckten Crack Nutten den Hauptpreis entgegen zu nehmen.
Werde der „Ultimative Junk“, hier bei Cross-Junk!
Hmm, meint Ihr wirklich so etwas würde ….. ich meine Olympiade und so… Hmm…????

Okay, Fuck it! Stop! Genug gesponnen, zurück zu meinem Leben.
Den ganzen Tag schon, war McFly nicht mehr auffindbar.
Der Kumpel von Pille war mittlerweile auch wieder in Richtung Heimat abgehauen. War ihm wohl alles etwas zu stressig, und unseren Kurztrip nach Stuttgart hatte er sich wohl doch etwas anders vorgestellt. Doch so war es nun mal. Sobald McFly und mich, die Fänge einer Großstadt, mit all ihren dunklen und dreckigen Ecken in den Bann gezogen hatte, gab es für uns nur das eine. Uns dem voll und ganz hinzugeben. Es war wie ein Schalter, der umgelegt wurde. Ein Weg, ein Ziel und das so schnell und so oft wie möglich.
Pille rauchte gerade seinen dicken Joint, während ich mir meinen Druck, in der Ecke einer unserer Stammplätze, fertig machte.
Und gerade als ich meinen Kopf über den kleinen Mauervorsprung steckte, welcher uns vor den neugierigen Blicken, der restlichen nichtkonsumierenden Bevölkerung Stuttgarts schützte, sah ich McFly der gerade mit ’nem Mädel im Anhang die lange Seitenstraße, hinauf spaziert kam.
Er hatte sie am vorherigen Tag kennengelernt und war mit Ihr die Nacht auf Tour gewesen.
Die beiden waren kurz vorher auf Streetworker gestoßen und irgendwie hatten sie wohl die Möglichkeit ’ne kleine Bude/Zimmer zu bekommen, in einem Haus, welches wohl nur für Frauen oder Paare gedacht war. Also keine Single Männer.

Okay, der Plan war nun folgender.
Die beiden Turteltäubchen machen die Bude klar, und wir andern beiden probieren uns dann die Nächte irgendwie reinzuschmuggeln.
Tja, guter Plan, aber dabei blieb es dann auch, denn nach dieser Nacht, die wir noch gemeinsam zu viert, in unserer Stamm Tiefgarage verbrachten, sahen wir die beiden nicht mehr wieder.
Die beiden gingen vor um alles klarzumachen und wollten dann noch am selben Tag, bzw. spätestens morgen zurückkommen.
Tag 1, Tag 2, Tag 3, kein McFly mehr aufzufinden.

Pille hielt es noch drei oder vier weitere Tage in Stuttgart aus, bis ihn der Ruf einer weichen Matratze den Rückweg nach Überlingen antreten ließ.
Und ich? Es dauert noch weitere 7 oder 8 Tage bis ich irgendwann die Schnauze voll hatte und mich in einen Zug, mit dem Endziel Köln, setzte.
Ein komisches Gefühl nach längerer Zeit, wieder in Köln einzufahren.
Ja Mann, sogar der Geruch kann mir so vertraut vor.
Doch was nun?
Nach einer inhalierten halben Kippe, die ich noch hinterm Ohr stecken hatte und der kurzen Mini Tanz Aufführung eines Alkis, der wie es aussah, nach seiner Definition eine ziemlich erfolgreiche Nacht hinter sich hatte, checkte ich mal meine Taschen ab.
Ein knappen Zehner Hasch, ein Blister, minus zwei herausgedrückte Rohypnol Tabletten und ca. 20 Mark.
Nicht die Welt, aber gab schon schlimmere Tage.
Also erst mal ’nen kostenlosen Kaffee und dann Richtung Neumarkt. Der Platz wo sich seit bestimmt 30 Jahren oder länger, die offene Kölner Drogenszene, auch noch heute, befand.

Immer wieder dachte ich an McFly. Wo zum Teufel war er bloß. Mir war schon klar, dass er sich nicht einfach so verpissen würde, und ich fühlte mich alles andere als gut bei der Sache. Irgendwie hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, Stuttgart ohne ihn verlassen zu haben.
Aber was hätte ich noch machen sollen?  ‚Ne ganze Woche hab ich nach ihm gesucht. Alle Plätze in Dauerrotation abgelaufen und sogar in Krankenhäusern hatte ich angerufen und nachgefragt. Doch nichts! Er war einfach nicht mehr auffindbar.
Hatten die Bullen ihn gefickt und sitzt er nun frustriert in einer kahlen Zelle fest?
Hatte er die Möglichkeit gehabt, an einem riesen Coup teilzunehmen, und steht er bald mit ’nem verfickten Koffer voller Geld vor mir?
Hat er sich ’ne Überdosis geschossen und ich erfahre erst in einigen Tagen davon?
Alles Szenarien welche, durch unseren damaligen Lebensstil bedingt, im Bereich des Möglichen lagen.
Am Bodensee war es kein großes Problem, wenn wir uns mal ein oder zwei Tage nicht gesehen hatten. In dem kleinen Kaff musste man sich zwangsläufig irgendwann wieder über den Weg laufen.
Doch in Stuttgart jemanden zu finden, ähnelte der berühmten Suche, nach der Nadel im Heuhaufen, und ich wusste auch, wenn er wieder auftaucht und mich nicht finden würde, er sich ebenfalls nach Köln aufmacht.

Es war ziemlich früh am Morgen, und es bedurfte schon viel Glück jemanden um diese Zeit auf der Szene anzutreffen.
Der Neumarkt, also die Szene ist zu Fuß ca. 15 Minuten vom Kölner Hauptbahnhof entfernt.
Eine Bahnhaltestelle, Ober und Unterirdisch, und praktisch der Punkt, wo fast alle Kölner Bahnlinien zusammentreffen.
Die eigentlich recht beschauliche offene Szene, zumindest wenn man es mit anderen Großstädten vergleicht, befindet sich im oberen Bereich.
Mann lässt sich von der Rolltreppe nach oben fahren und landet dort praktisch unmittelbar.
Eigentlich war es für uns immer der allerletzte Ort, den wir aufsuchten, um berauschende Mittel zu erwerben. Die Nachteile waren einfach zu groß um gegen einen guten privaten Kontakt zu konkurrieren. Aber das sind offene Drogenszene ja fast alle.
Es ähnelte einem Zoo, in dem die meisten Tiere auf Dauerdiät gestellt wurden. Ausgehungerte Raubtiere, die lauernd auf Ihre Beute, in Form von unerfahrenen Neulingen, oder anderer schwächeren Opfer, warteten.
Es war viel Rotz im Umlauf, die Gefahr abgezogen zu werden war groß und für die Bullen war es, auf so einem offenen Platz, auch ein Leichtes sich die Pusher und Junkies wie fette Fische aus einem Teich zu angeln.
Köder auswerfen, auf Biss warten, etwas zappeln lassen und schon hatten sie ihre Beute und somit auch die Pluspunkte für das abendliche Abschlussgespräch mit dem Oberhauptkommissar.

Gerade mal drei oder vier Leute gammelten neben dem kleinen Kiosk, dessen türkischer Besitzer soeben für den Verkaufstag klarmachte.
Ich hatte Glück. Trotz der Flaute an Junks, hatte ich nach etwa 20 Minuten bis auf eine, alle meiner Rohypnol Tabletten vertickt und somit genug für ein Päcken zusammen.
Wie überall, waren die kleinen rautenförmigen Pillen der Arzneimittel Firma Roche, sehr beliebt um gingen weg wie warme Semmeln.
Und dann, gerade als ich mit einem, soeben auf der Szene erscheinenden Jugoslawen, am Diskutieren war, fasste mich jemand von hinten an meine Schulter.
Erschrocken drehte ich mich um und erblickte eine junge, wirklich extrem hübsche Dame, in männlicher Begleitung. Doch dabei blieb’s dann auch schon, denn die grün weiße Kleidung welche beide trugen, versaute doch wirklich gnadenlos jedes noch so schöne Gesicht.

„Naja, Standard Kontrolle halt. So schlimm kann’s schon nicht werden.“, dachte ich mir.

Mein Hasch brütete fröhlich in meiner Unterhose, eingeklemmt zwischen linkem und rechtem Ei, vor sich hin. Braunes hatte ich nicht auf Tasche, zumindest noch nicht und die einzelne Rohypnol Tablette, welche in der vorderen Mini Tasche meiner Jeans steckte, wird schon nicht auffallen.

„Also Leute. Macht euren beschissenen Job und das bitte möglichst schnell“, nuschelte ich in so leisem Kauderwelsch vor mich hin, sodass nicht mal ich es verstehen konnte.

Wir marschierten mit den beiden auf die andere Straßenseite, wo sie Ihre grüne Minna geparkt hatten.

„So, dann mal Eure Ausweise bitte! Das Spiel dürfte ihr ja sicher schon kennen.“, forderte uns, die „mittlerweile“ zu purer Hässlichkeit mutierte, Polizistin auf.

Ich zückte meinen Reisepass, da ich ja aktuell keinen Perso hatte und die grüne Hexe verschwand mit den beiden Dokumenten zu Ihrer Bullenkutsche, während der Typ sein weiteres Standardprogramm mit uns durchzog.
Es dauerte auch nicht lange und da kam der Schrecken auf zwei Beinen, schnellen Schrittes, wieder zurück.
Sie unterbrach ihren Kollegen, der gerade dabei war die Taschen des Jugos von innen nach außen zu drehen, nahm ihn beiseite und flüsterte leise etwas zu ihm rüber.
Okay, mit der darauf folgenden Aktion war ich irgendwie überhaupt nicht einverstanden.

Zielstrebig zückte Kojak seine Handschellen und kam auf uns beide zu.
Und noch als ich dachte, „welcher alten Oma hat hier mein jugoslawischer Freund wohl die Handtasche entrissen“, war ich doch glatt derjenige, der im nächsten Moment, mit viel zu fest angebrachten Handschellen, auf der verfickten Rückbank des Bullen-Mobils saß.

„Ähm, hallo ?! Herr und Frau Streifenhörnchen… Meine lieben, hart arbeitenden Staatsdiener…. Ähm, hier kann nur ein Fehler vorliegen. Sie haben hier definitiv die falsche Person.“,  nun gut, meine Wortwahl dürfte wohl etwas anders ausgefallen sein, aber der Inhalt spiegelte in etwa das wieder, welches ich zum Ausdruck bringen wollte.

Die beiden ignorierten mich so gut es nur ging und auf meine Fragen erhielt dich immer nur ein, „Jaja, bleiben sie mal ruhig. Das hat schon alles seine Richtigkeit. Gegen sie liegt ein Haftbefehl vor. Das erfahren Sie schon alles noch.“

Verdammte abgefuckte scheiße. Musste das denn jetzt sein?! Die nächsten Stunden sollten doch ganz anders ablaufen. Eigentlich sollte ich doch nun mit einem dicken Päcken in der Hand auf dem Weg ins Schlummerland sein, stattdessen saß ich nun, mit zwei Affen als Chauffeur, auf der Rückbank dieses rollenden Scheißhaufens.

„Das Leben ist ’ne Bitch, manchmal?! Passte wohl nur allzu gut auf diese Situation.

Wo bei es unserem damaligen Leben eher viel zu oft passte.

Nee Man, das Leben war nicht manchmal ’ne Bitch, sondern in unserem Fall wohl eher ’ne Verfickte nymphomanische Schlampe, die sich an jeder Ecke, ohne Gummi, das Hirn rausvögeln lassen hatte.
Wie auch immer. Wenigstens schaffte ich es noch unbemerkt, die Rohypnol in meinem Mund zu versenken. Und der Bobbel Hasch? Es war nicht allzu schwer diesen, vor Eintreffen des Reviers, von meinen zwei Eiern zu befreien und der Schwerkraft zu überlassen. Wo dieser dann letztendlich gelandet ist, stand auf ’nem anderen Blatt. In der Bullenkiste? Irgendwo auf dem Weg, Ankunft Revier oder Eingang? Keine Ahnung. Ich war mir noch nicht mal sicher, ob dieser letztendlich überhaupt den Weg nach draußen gefunden hatte und nicht doch, irgendwo in meiner Hose hängen geblieben war.

Ankunft Polizeistation Köln-Neumarkt.
Nachdem ich wieder einmal komplett Blank ziehen musste, inklusive des freudigen Ereignisses dem jungen „Angestellten“, mein Arschloch zu präsentieren, hatte ich also nun das Vergnügen in eine der luxuriösen Suiten Einzug zu nehmen.
Leider musste ich auch hier schon meinen ersten Kritikpunkt an das Haus richten.
Ich meine, okay! Wir befanden uns in der Hauptsaison. Dieser Urlaubsort ist begehrt und vielleicht hätte ich früher buchen sollen, aber dennoch sollte ein Establishment, dessen guter Ruf ihm voraus eilte, in der Lage sein die Wünsche seiner Kunden, ausnahmslos zu befriedigen.
Und so kam es halt, dass ich mein Zimmer mit zwei anderen Gesetzesbrecher teilen musste.
Na wenigstens handelte es sich hier um zwei sehr ruhige Zeitgenossen.
Ein kurzes Hallo war alles was die beiden von sich gaben. Ansonsten schliefen sie, zu 90% mit Ihrem Körper zu Wand gedreht, auf eines der Luxus-Betten.
Ach, und ich hatte übrigens Glück, was den Bobbel Hasch betraf. Er tauchte nicht mehr auf.

Da lag ich also nun. Auf Polizeireviere war ich schon öfters und auch Zellen hatte ich das eine oder andere mal, von innen begutachtet, aber irgendwie hatte ich hier ein anderes, ungutes Gefühl bei der Sache.
Und vor allem wusste ich verfickt noch mal, immer noch nicht den genauen Grund, weshalb ich hier war.
Ich bekam immer nur die aufschlussreiche Antwort. „Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Das genaue Erfahren sie noch.“
Na toll. Für mich gab es nur eine schlüssige Erklärung. Aus irgendeinem Grund wurde meine Bewährung widerrufen und ich machte mich schon innerlich darauf gefasst etwas längere Zeit, in einem dieser 6 Quadratmeter großen Räume zu verbringen.
Ein wirklich beschissenes Gefühl und umso mehr ich darüber nachdachte desto schlimmer wurde es. Fuck Man, bist du jetzt etwa einen Level aufgestiegen?
Ich hatte Schmacht und wollte unbedingt eine rauchen. Kippen hatte ich bei Ankunft keine, sonst hätte ich mir diese von einem der Angestellten geben lassen können und auch meine neuen Mitbewohner konnten mir da nicht aushelfen.
Sowieso sahen die beiden aus als bestünde alles was sie in letzter Zeit besaßen, aus der Kleidung, die sie am Leibe trugen.

Aber Moment. Es gab ja noch den VIP Zimmer Service. Die kleine, extra für solche Fälle eingerichtete Sprechanlage, neben der Tür.
Hier mal eine kleine Zusammenfassung über die nachfolgenden Dialoge mit der Rezeption.

Bimm, Bimm (aka das Läuten der Klingel).

Zimmer-Service: „JA!“
Gast aka MadMike: „Ähm, ich hab ein Problem. Ich habe wirklich extremen Schmacht. Könnten Sie m….
ZS: „NEIN!“

Okay, nicht die feine Art einem Gast einfach so ins Wort zu fallen, aber die haben wohl viel zu tun grad. Warten wir mal etwas.
Ca. 15 Minuten später.

-Bimm – Bimm …….

ZS.: JAA MENSCH! WAS IST DENN LOS?“
MM.: Ähm …., ja also, ich hatte vorhin schon mal nachgefragt. Mir geht es nicht gut und wenn ich eine rauchen könnte, dann….
ZS: „VERDAMMT NOCHMAL, GLAUBST DU WIRKLICH WIR HABEN NICHTS BESSERES ZU TUN, ALS DEN LEUTEN HIER KIPPEN NACHZUTRAGEN?! RUHE JETZT!“

Mein Fresse, Leute chillt mal. Ich war derjenige, der sich aufregen müsste. Immerhin saß ich hier, in diesem Loch fest!
Nachdem sich die oben beschriebenen Dialoge noch zwei oder drei Mal wiederholten, und die lieben Polizisten kurz davor waren mich freiwillig wieder rauszuschmeißen, wechselte ich mal die Strategie.

Bimm, Bimm …(aka ihr wisst ja schon).
ZS.
: „VERDAMMTE SCHEISSE NOCHMAL! JETZT REICHTS MIR ECHT! DIESER KNOPF IST FÜR EINEN NOTFALL GEDACHT UND NICHT UM UNS IN DAUERSCHLEIFE MIT ZIGARETTEN ZU NERVEN!
MM.: „Ganz ruhig, darum geht’s doch gar nicht. Ich müsste mal auf Toilette.
ZS.: „Ahh…Ja.. War ja klar.. Es kommt nachher jemand.

Nachher? Na toll! Ich legte mich zurück auf die unbequeme Holzbank und ging, zum bestimmt dritten Male, die ganzen Sprüche und Malereien durch, welche Gäste vor mir auf den Wänden der Suite hinterlassen hatten.
Ein „Tag“(Unterschrift), welches ich lustigerweise ganz genau einer Person zuordnen konnte, erzeugte besonders ein Schmunzeln in meinem Gesicht.
Thorsten war sein Name und ich erkannte sofort seine Malerei. Ein Typ, der aussah wie ein Zigeuner, und früher mal zeitweise in der Parallelklasse von mir und Arkan war. Schon damals verewigte er sich an fast jeder Mauer des Schulgebäudes und ich erkannte es sofort wieder.
Wir waren die Chaoten der Schule und bei ihm war schon damals klar, welchen Weg er mal einschlagen würde.
Tja, wie klein die Welt doch war bzw. ist.

Zu meiner Freude stellte sich raus, dass das „Nachher“ in ’ner halben Stunde rum war und so marschierte ich mit „nem Bullen im Anhang, dessen Optik gerade mal das 16. Lebensjahr ankratzen ließ, zur Toilette.
Während ich den Strahl laufen ließ und der Bulle mich dabei mit Argusaugen beobachtete, probierte ich also noch mal mein Glück.

„Ähm. Ich weiß, ich hatte schon einige Male nachgefragt, aber könnten Sie mir nicht wirklich den riesen Gefallen tun und schauen ob sie für mich eine Zigarette organisieren können?“, fragte ich ihn mit aller Höflichkeit, die ich in den Satz legen konnte.

„Mir geht es wirklich nicht gut. Sie wissen ja dass ich abhängig bin und so eine Zigarette würde mir jetzt wirklich etwas aushelfen.“, ergänzte ich.

„Hmm, Ja. Okay, ich schaue mal, was ich machen kann und frag nachher mal einen Kollegen der raucht.“, erwiderte er, auf dem Rückweg zur Zelle.

Na das hörte sich doch mal vielversprechender an, als die vorherigen Aussagen. Und tatsächlich, zusammen mit dem Abendmahl, welches durch seine Vielfalt und Einzigartigkeit, jedem 5 Sterne Restaurant den Rang ablaufen hätte können, hielt ich doch tatsächlich, etwas zu Rauchen, in meiner Hand. Ich hatte sogar so eine Mini Packung Kippen erhalten. So eine kleine Schachtel mit drei oder vier Kippen, welche oft in Werbeaktionen verteilt wurden.
Schnell schob ich die angebissene Scheibe Graubrot beiseite, exte den Früchtetee in einem Zug weg, um mir dann, mit den ebenfalls mitgelieferten Streichhölzern, genüsslich die Zigarette anzustecken.
Schon komisch wie sehr man sich, über so etwas Simples wie ’ne verfickte Kippe freuen konnte. Und schon echt abgefuckt, wie mies es doch war in so einer Situation festzuhängen. Abhängig von anderen zu sein, eingeschlossen in so ’nem beschissenen Loch, mit der Ungewissheit nicht zu wissen, wann man wieder die Luft der Freiheit atmen durfte.
So etwas Tag für Tag, Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte lange durchzumachen??!!
Nee nee , verfickt noch mal Nee Man! Dafür hab ich mich definitiv nicht angemeldet.

Wenigstens hatte ich mittlerweile eine etwas aufschlussreichere Antwort für meinen Aufenthalt erhalten.
Ich glaube, mit ein Anlass war wohl noch eine andere Sache, mit der ich im Grunde überhaupt nichts zu tun hatte, bzw. wirklich unschuldig war.
Kurz bevor wir uns zum Bodensee aufmachten, hing ich mal ’nen Tag auf der Szene in Köln ab.
Ein Typ aus Köln Kalk, den ich über den Micha mal kennengelernt hatte……
Micha? Ihr könnt euch erinnern? Der Typ der mit uns mal nach Holland gefahren ist und sich auf der Toilette des Asylantenheims ’nen Druck gesetzt hatte.
Na ja, ich lief also mit dem Typen, ich glaube er war Türke, eine Straße, in der Nähe der Szene entlang.
Leute, das alles ist wirklich extrem viele Jahre her. Ich weiß auch nicht mehr, warum wir da langgelaufen sind, etc.
Fakt war, dass ich diesen Typen wirklich kaum kannte und wahrscheinlich einfach nur mit ihm etwas Shore klar machen wollte.
Na ja, was dann passierte, ging ziemlich schnell.

Ein Geschäft neben uns. Der Laden war leer, bzw. Kein Mitarbeiter vor Ort.
Ohne etwas zu sagen ging der Türke also hinein, fummelte an der Kasse rum und kam plötzlich wie ein Blitz wieder hinausgelaufen.
Natürlich, wie es nicht anders kommen konnte, hinter ihm dann doch noch der Besitzer aus dem Laden.
Fuck Man, und ich stand da nun total perplex.
Was mach ich also? Im Grunde hätte ich eigentlich stehen bleiben können und gar nichts machen sollen. Ich wusste davon nichts und es war definitiv nicht meine Idee. Stattdessen nahm ich aber ebenfalls die Beine in die Hand und bretterte los. Wahrscheinlich die Macht der Gewohnheit.
Was ich noch in Erinnerung habe ist, dass der Ladenbesitzer ein ziemlich massiger Typ war.
Irgendwann tauchte ein großes Metall-Tor am Ende der Straße auf.
Ich hetzte also auf dieses Tor zu, klettere irgendwie, vom Adrenalin gepusht darüber, komme auf die andere Seite und gebe weiter Gas. Ich weiß noch, dass meine beiden Arme total verkratzt waren, von den dicht bewachsenen Büschen, welche direkt hinter dem Zaun waren.
Der Türke warf seine Beute, glaube es war ein Etui o.ä., noch hinüber und probierte hinter her zu kommen.
Das klappt aber wohl nicht sehr gut, und dann … alles was ich mich noch erinnern kann, ist dass ich beim umdrehen während des Laufens, die beiden zusammen am rangeln sah.
Tja, das war‘s und eigentlich dachte ich auch, die Sache sei damit für mich gegessen. Ich hatte das Thema abgehakt und nicht mehr weiter drüber nachgedacht.

Aber von wegen. Den Türken haben sie natürlich gefickt und so wie es aussah, wollte der kleine Penner die ganze Sache auf mich schieben.
Und während wir am Bodensee waren, hatte ich wohl mehrere Aufforderungen zur Aussage bei der Polizei erhalten.
Dort bin ich natürlich nicht aufgetaucht und der Rest ist dann Geschichte.

Ich versicherte den Bullen immer wieder, dass ich nun definitiv wieder an meiner Meldeadresse aufzufinden sei und sie sollen doch so nett sein, mich bitte wieder gehen lassen.
Doch dies zog wohl nicht und so wurden wir abends, alle drei in eine andere Großraumzelle, mit Betten zum Schlafen verfrachtet.
Was für ein Abfuck! Euer Ernst? Ich sollte hier übernachten?
Von da an dachte ich wirklich, das sei es nun gewesen. Du bleibst jetzt hier, kommst dann direkt vor den Richter und von da an weiter in den Jugendknast.
Umso überraschter war ich dann wirklich über den weiteren Ablauf. Irgendwann gegen Nachmittag, der Schlüssel drehte sich um, und die schwere Zellentür wurde geöffnet.

„Herr Mad?! Sie können gehen.“, der gleiche Polizist, der das Vergnügen hatte, auf meinen Schwanz, beim Wasser lassen zu schauen, stand vor mir und schaute mich an.

Ich konnte es verdammt nicht glauben und kann gar nicht beschreiben wie gut sich diese Worte, des Mannes in Grün, für mich anhörten.
Ich meine, eine Nacht in Haft war alles andere als schlimm.
Es war vielmehr diese verfickte Ungewissheit und die Gedanken, die einem ständig durch den Kopf schwirrten. Das Gefühl nicht zu wissen, in diesem Scheißladen versauern zu müssen, oder aber doch noch mal mit viel Glück, davonzukommen.
Freiheit ist nun mal das höchste Gut, welches wir Menschen besitzen, und so sehr man das dieses Wort auch mit dem täglichen Schuss Shore, den man sich in seine Venen jagt, in Verbindung bringt …. Spätestens in so einem Umfeld verliert dieses Wort jegliche Bedeutung und Ausleben dieser Eigenschaft beschränkt sich allerhöchstens nur noch darauf, selbst entscheiden zu können zu welchem Zeitpunkt man seine Innereien auf dem Scheißpott entleert.

Meine Fresse war ich froh diesen Drecksladen wieder verlassen zu können.
Ein unglaubliches Gefühl!
Und so tanzte ich gegen Abend mal wieder in meinem Elternhaus an.
Natürlich gab es erst mal eine ellenlange Diskussion. Wo, wieso, weshalb, warum, seit wann, wie lange, etc., und erst nachdem ich mehrmals hoch und heilig versprochen hatte, dass diesmal alles anders und ich auf dem besten Wege sei, mein Leben komplett in den Griff zu kriegen, öffneten sich für mich die heiligen Tore.

Wow, wie sehr einem doch ein vollgepackter Kühlschrank begeistern konnte und nachdem ich mir wahllos den Magen vollgeschlagen hatte, in den Genuss einer heißen Dusche kam, verfiel ich für die nächsten 14 Stunden in einen Komaschlaf.
Der Fakt, dass ich mir kurze Zeit vorher ’nen dicken Knaller gesetzt hatte, trug dazu natürlich erheblich bei.
Immerhin hatte ich ja noch Kohle, die ich beim Verlassen des Reviers zurückbekam, stand natürlich schon lange vorher fest.
Doch wieso ich letztendlich überhaupt wieder gehen konnte?
Ich meine, dass damals der Haftrichter mit meinem Vater in Kontakt getreten ist und dieser bestätigt hatte, dass ich nun wieder fest an meiner Meldeadresse anzutreffen war. Ich glaube, dass mein Vater sogar seinen Anwalt mit eingeschaltet hatte und dieser ebenfalls mit dem Haftrichter oder Staatsanwaltschaft gesprochen hatte. Doch ich kann mich da auch irren.
Ich werde aber mal probieren ihn bei der nächsten Gelegenheit darauf anzusprechen, wobei dies wirklich nicht so einfach ist.
Mit ihm über die damalige Zeit zu sprechen ist alles andere als einfach, da es nicht gerade sein Lieblingsthema ist.

An dieser Stelle möchte ich aber noch mal sagen, wie sehr ich meinem Vater, für so vieles dankbar bin! Selbst wenn ich oft (selbst verschuldet) rausgeflogen bin, lange und weit von zuhause weg war …. Er hatte mich nie ganz fallen gelassen und war immer irgendwie für mich da. Aber dazu später noch mehr. Glaubt mir, meine Geschichte wird noch einige Überraschungen für Euch aufweisen.
Natürlich musste ich später aber nochmal bei der Polizei antanzen, Aussagen machen, etc.
Nur soviel dazu. Der Türke, aka kleiner linker Wichser, kam mit seiner Masche nicht durch!

Also nun wieder zurück in Kölle. Zurück in meinem alten Zimmer und Bett.
Fuck Man, wo zum Teufel war McFly. Ich war mir fast sicher, dass er irgendwie im Bau gelandet sei.
Meinen Eltern versicherte ich immer wieder, ich sei nun wirklich clean. Mein Vater forderte sogar eine Urinkontrolle, aber irgendwie konnte ich mich glaub ich immer davor drücken.
Die Tage wechselten sich zunächst folgendermaßen ab.
Ein Tag Shore, der nächste Tag Hasch und Rohypnol, und so weiter bis es schließlich nach und nach wieder immer mehr in Richtung Pulver tendierte.
Ich traf meine Kumpels und auch Dania wieder. Sie hatte für kurze Zeit eine andere Beziehung zu einem wirklichen Vollidioten, den ich noch nie leiden konnte. Es hielt aber wohl nicht sehr lange und so kam es, dass wir eines Abends sogar eine Session unseres berühmten Marathon Sex aufleben ließen.
Der Sex war Bombe, doch was den Rest betraf? Irgendetwas hatte sich geändert zwischen uns beiden und so blieb es bei diesem einen kleinen „Zwischenfall“.

Wir hingen gerade bei Pitt ab und vernichteten ’ne dicke 4 oder 5 Kippen Mischung, als es plötzlich an der Tür klingelte.
Und wer stand da verfickt noch mal?
Mr. „Wo zum Teufel bist du abgeblieben McFly“!! Ich konnte es verdammt noch mal nicht glauben und war heilfroh ihn in einem Stück wiederzusehen.
Er durfte ebenfalls wieder in seinem Elternhaus wohnen, vorausgesetzt er würde sich umgehend einen Job suchen, was er auch wirklich sofort getan hatte.
In seiner Hand hielt er einen Zeitarbeitsvertrag der Firma Centra.
Geplaneter Arbeitsplatz: Die sehr bekannte Firma Krüger in Bergisch Gladbach.
Na ihr wisst schon, dieser ganze instant Scheiß. Kakao, Kaffee, Cappuccino etc. etc….
Da die Bude voll und Pit sowieso manchmal ein Arsch war, ließ er McFly nicht hinein und so verabschiedete ich mich und marschierte mit McFly durch Dellbrück
Und wo war er nun in Stuttgart verblieben? Ach Leute was gibts da zu erzählen?
Die beiden wurden ungeplant in ein 50 bis 60 km weiter entfernteres Dorf verfrachtet.
Aus der Bude ist McFly dann aber schließlich nach zwei Tagen wieder rausgeflogen. Dann gab es auch noch Stress mit Bullen, er ist auch auf einer Wache gelandet. Etc…etc….etc..
Ach Fuck Man, ihr kennt das doch alle 😉
Dieser typische Bullshit und Nebenwirkungen, welche halt, vorausgesetzt man entscheidet sich für ein Leben dieser Art, so auftreten und einem den Alltag versüßen.
Wie auch immer, die Hauptsache war ja sowieso das McFly wieder gesund und in einem Stück vor mir stand.
Das Dream-Team war nun also wieder vereint.

Hmm.. Firma Krüger also.
Ich überlegte kurz und durfte mich zwei Tage später, nach einem kurzen Vorstellungsgespräch bei der Firma Centra, nun also ebenfalls ganz offiziell in die Liste der legalen Ausbeutungsopfer einreihen. Denn was anderes sollte denn Zeitarbeit bitte schon sein. Vor allem damals.
Aber was soll’s. Da wir beide im Duett nun mal am besten funktionierten, zog ich einfach nach und zwischendurch mal wirklich ganz anständiger und seriöser Arbeit nachzugehen…. ?
So etwas stand zwar definitiv nicht ganz oben auf meiner Wunschliste, aber dennoch durfte es einige Leute in meinem Umfeld sehr zufrieden stellen und meiner aktuelle Wohnsituation einen fetten Einlauf Harmonie verpassen.
Bares gab es in wöchentlichen Abschlägen und so tuckerten McFly und ich jeden Freitag, je nach eingeteilter Schicht, mal morgens mal nachmittags, zur Centra Filiale nach Köln, wo wir unseren „fetten“ Barscheck in Empfang nahmen.
Na ja, fett ist relativ, für den einen mögen 300 DM ein halbes Jahresgehalt sein, doch für uns war es gerade genug um unsere Pulverdose wieder aufzufüllen, denn pünktlich jeden Freitag, setzten wir uns nach der Geldeinnahme in den Zug, Richtung Holland.
Das Dope, welches wir über die Grenze schmuggelten reichte gerade mal so, um die nächste Woche turkeyfrei und je nachdem auch mal hackebreit bei Krüger zu überstehen.
Ist mehr da, wandert auch mehr in deinen Blutkreislauf, und so kam es nicht nur einmal vor, dass Donnerstag der Beute totale Ebbe anzeigte und wir den ganzen Freitag, hundeelend auf Turkey überstehen mussten.
Kann es etwas Schlimmeres geben, als Säcke voller Kakao, mit ’nem Affen in den Knochen, von A nach B zu schleppen?
Sagt ihr’s mir bitte!
Und dazu dieser verfickte Gestank, von diesem ganzen Instant-Pulver Zeug! Tagelang hat es teilweise gedauert, bis man den aus der Nase hatte.

So, und wie lange funktioniert so ein Spiel nun? Könnte ja eigentlich immer so weitergehen. Shore holen Arbeiten, Shore holen Arbeiten, etc..
Doch das klappte nie lange. Einige Wochen und dann war Schluss. Irgendetwas kam immer dazwischen, irgendetwas lief plötzlich anders als geplant und schon war die Routine gestört.
Und gerade damals.. In unserem Alter war Disziplin sowieso alles andere als ’ne Tugend.
Und zu der Zeit war nunmal, wie ich auch schon oft schrieb, alles etwas komplizierter.
Allein der Fakt, dass die Hauptkommunikationsmittel aus Festnetz und dem Postbrief bestanden erschwerte die Entstand- und Aufrechterhaltung des eigenen Opiatspiegels um ein vielfaches.
Und so vergingen Wochen, Monate und wie nicht anders zu erwarten, war bald wieder alles ganz genau beim Alten.
Wir standen beide wieder kurz davor, von zuhause rauszufliegen, und auch die restlichen Umstände passten sich gnadenlos unserem Lebensstil an.

Tja und ratet mal, was wir beide dann planten?

MADMIKE 11.08.2016

 

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Teil 26 ist in Arbeit 😉

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#Schreibblockade

Fuck Man! Seit Tagen sitze ich immer wieder vorm‘ PC oder Handy, probiere Teil 26 zu schreiben und es kommt einfach nix bei rum.

Es ist ja nicht so dass ich nach dem Inhalt suchen muss. Nee Man, die Geschichte wurde ja schon vor Jahren geschrieben und steht fest. Es sind vielmehr die Worte, die einfach nicht heraus wollen.

Auch wenn ich schon ein paar mal gehört habe dass meine Art zu schreiben eigentlich „ganz okay“ ist. Leute, Schreiben fällt mir wirklich nicht leicht. Ich muss irgendwie immer in der richtigen Stimmung sein, den richtigen Vibe haben, damit es läuft. Und irgendwie ist beides davon, in den letzten Tagen überhaupt nicht so der Fall.

TOTALE VERFICKTE SCHREIBBLOCKADE !!

Gibt es da ein Mittel gegen? Irgend eine Wunderpille? Muss ich mir vielleicht ein Ohr abschneiden oder brauche ich zwei nackte Musen, die mich beglücken und durchs Zimmer tanzen, während ich schreibe? Sagt Ihr’s mir.                                           

Gibt es wirklich Leute die sich einfach hinsetzen und sofort los schreiben können bis zum Ende? Wahrscheinlich, doch ich bin wohl das absolute Gegenteil davon.

Naja wie auch immer, ich hoffe mal dass es bald wieder läuft und  bin für jeden Geheimtipp dankbar!

MadMike

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TEIL 25 – Ein Shake, aber nicht aus Milch!

Die Beine hochgelegt auf den kleinen Marmortisch, ließ ich mich von der blonden RTL Schnecke aka Moderatorin hypnotisieren. Sie war wohl gerade dabei, Ihre hochintelligente Show davor zu bewahren, das noch letzte bisschen übriggebliebene Niveau, entrissen zu bekommen. Die fünf eingeladenen, noch „intelligenteren“ Gäste, diskutierten anscheinend gerade über das hochinteressante Thema „Sex mit dem Ex“ und wahren kurz davor sich gegenseitig die Fresse einzuschlagen.
Oh ja Man, diese verfickten Talk Shows namens Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer, etc. Wahrscheinlich ein Vorreiter, für diesen ganzen Scripted-Reality Bullshit, welcher heute den Leuten zum Fraß vorgeworfen wird.

Na ja, ich war ziemlich breit von der ganzen Shore, die ich meinem Körper im Laufe des Tages gegönnt hatte. Immer wieder fielen meine Augen zu und ich sackte für kurzen Sekunden weg, nur um dann wieder hektisch aufzuschrecken und mir ohne Pause mein Gesicht, oder andere Stellen am Körper, zu kratzen.
Ein Zustand den jeder Süchtige so sehr liebt und für Außenstehende meist ein ziemlich erschreckendes, oder teilweise sogar lustiges Bild darstellt.
Nach und nach sackt man immer mehr in sich zusammen, die Muskeln werden träge und am Ende landet man meist, angezogen von der Schwerkraft, in den unmöglichsten Körperpositionen.
Es fühlt sich an, als würde der Körper in einen Schlafzustand übergehen während der Geist aber noch teilweise wach ist.
Die Rezeptoren gesättigt bis ins letzte Eck. Ein Ritt ins Nirvana. Ein Land ohne Fragen, Zweifel, Ängste und Sorgen. Ein unechter Zustand, der sich nicht echter anfühlen könnte. Noch ein Stückchen weiter und man würde an der Himmelspforte anklopfen. Aber es ist genau dieser Moment, der alles so einfach erscheinen lässt. Diese unendliche Zufriedenheit einfach nur im „Hier und Jetzt“ zu sein. Und doch ist es alle nur „Fake“.

Der dicke Beutel Koks grinste mich frech an. Die ca. 10 Gramm, das dicken Päcken Braune und etwas Kohle, waren meine Provision, die ich von Kalle für die Organisation der Drogen bekam. Schaut man sich das Chance/Risiko Verhältnis an, wahrscheinlich ein schlechter Deal, aber damals für mich mehr als nur ein totschlagendes Argument.
Fuck, selbst heute wird mir noch komisch, wenn ich den Gedanken zu Ende Spinne, wie es weiter abgelaufen wäre, hätten die Bullen mich in Aachen mit der Tasche erwischt.
Nee Man, für den Knast wäre, bzw. bin ich absolut nicht geeignet. Aber Fuck, wer ist das schon?
Obwohl, ich habe mal einige Tage mit zwei Typen in einer Zelle verbracht. Ich glaube es waren Polen, oder Russen und die beiden waren wirklich froh die nächsten Monate in der Kiste zu verbringen. Es war Winteranfang, saukalt und die beiden feierten jeden Knast-Eintopf, wie kleinen Kinder Ihre Schokolade zu Weihnachten.

Bevor wir zu Kalle gefahren sind, stoppten wir noch bei einer Apotheke, welche an diesem Abend Notdienst hatte.
Meine Rechtfertigung ich sei Diabetiker, welcher ich der Apothekerin auf deren Nachfrage, wofür ich denn den zehner Pack Insulinspritzen bräuchte, vor den Latz knallte, überzeugte diese wohl nicht so ganz.
Nicht dass es sie überhaupt etwas anginge, aber so war es damals nun mal und ich konnte mich sogar glücklich schätzen dass Sie mir letztendlich, nach einer kurzen Diskussion und mit lang gezogener Fresse, den Beutel mit den Pumpen überreichte.
Im Grunde eine ganz üble Sache! Ihr denkt, der Spritzen-Einkauf wäre etwas ganz Normales für einen suchtkranken Menschen?
Heutzutage wohl eher, aber damals hatte dies schon fast Ähnlichkeit mit dem Erwerb illegaler Substanzen.
Vor allem in den größeren Hauptstädten Deutschlands war es absolut keine Seltenheit von den Mitarbeitern einer Apotheke wie Abschaum behandelt, und nach einer Anfrage zum Spritzenkauf ganz schnell vor die Tür gesetzt zu werden.

Wieder mal ein Paradebeispiel für die damalige Sichtweise der Gesellschaft auf suchtkranke Menschen.
Ich meine was zum Teufel ging den in deren kleinen verkorksten Köpfen vor?
Glaubten sie wirklich, etwas „Gutes“ mit diesem Verhalten an den Tag zu legen und einem Junkie, indem sie ihm Spritzen verweigern, zum Aufhören verhelfen?
Oh ja Man! Süchtige gehen durch die Hölle, machen Sachen die sie selber hassen, nur um dann nach einer Absage in der Apotheke, alles stehen und liegen zu lassen und von heute auf morgen aufzuhören. Absolut schlüssig!
Aber es gab noch mehr Solcher, nur so von Intelligenz strotzender, schlaue Aktionen.
Bullen, die einen Junkie gerade dabei erwischten wie er sich sein Zeug, für das er die letzten 12 Stunden irgendwie Kohle zusammengekratzt hatte, aufkochte und mit einem genussvollen Tritt, den Löffel oder die Dose weg kickten.
Was zum Teufel glaubten Sie wohl, damit gerade angerichtet zu haben?
Okay, Drogen waren und sind nun mal illegal und viele würden jetzt argumentieren, dass ein Polizist gar keine andere Wahl hätte, sich anders zu verhalten.
Doch, hatte er definitiv, wenn er sich der Folgen für so eine Aktion bewusst machen würde.

Dann gab es unter anderem noch die schlaue Idee, mit einem Handbohrer Löcher in die Löffel der Junkies zu bohren um sie so davon abzuhalten ihr Zeug aufzukochen.
Meine verfickte Fresse! Wenn solche lächerlichen Aktionen nicht die größte Bestätigung dafür sind, wie falsch doch die damalige Drogenpolitik war und auch heute noch größtenteils ist, dann weiss ich es auch nicht mehr.
Na ja, spätestens als dann Krankheiten wie HIV und Hepatitis auftauchten und sich wie ein Lauffeuer unter den Druffis verbreiteten, fand ein Umdenken statt.
Glaubt jetzt aber bitte bloß nicht, dass anfangs die gutherzige Intention dahinter steckte, den ach so armen Suchtkranken zu helfen und Ihnen das ohnehin schon schwere Leben etwas zu erleichtern. Nee Man, vielmehr waren es eher die Sorgen und Angst davor, dass sich Krankheiten wie eben diese, auch auf die „normale“ Bevölkerung übertragen und verbreiten könnten.
Und so was gilt es natürlich umgehend einzudämmen!
Na ja, wie auch immer. Scheiß auf die Intensionen, die dahinter steckten. Was zählte, war das Ergebnis und das war nun mal auch für die andere Seite gut. Und immerhin fand ja auch dann, nach und nach ein komplettes Umdenken statt.

Es dauerte nicht lange bevor der ersten Haufen weisses Pulver, auf dem Suppenlöffel landete und kurz darauf in flüssigem Zustand in einer meinen Venen verschwand.
Um eines vorweg zu nehmen. An diesem Abend merkte ich das erste Mal, was für eine krasse ambivalente Wirkung dieses Zeug schaffte, in mir herbeizurufen.
Man könnte den Abend eigentlich in drei verschiedene Abschnitte aufteilen (wie ich, glaube ich, auch schon mal in Teil 4, der ja als einziger Teil nicht in die synchronische Reihenfolge meiner Beiträge passt, schrieb)
Das erste Drittel war noch überwiegend von Euphorie geprägt. Alles war noch perfekt und ich feierte das geile Feeling.
Flachte nach einer Minute, die erste Kick-Welle nach dem Druck etwas ab, in der ich grundsätzlich nichts anderes machen konnte als mir die Ohren zuzuhalten und meinem Blut dabei zuzuhören, wie es von meinem rhythmisch schlagenden Herz, durch meinen Körper gepumpt wurde, schnellte ich auf und hüpfte euphorisch durch das ganze Haus.
So was müsste ganz schön bescheuert für einen Außenstehenden aussehen, der gerade nicht weiß was hier abgeht.
Mir selber laut zu redend, wie krass doch der Kick gerade sei, raste ich von A nach B, von B nach C, nur um dann schließlich wieder, nach drei weiteren Kreisen zwischen Küche Wohnzimmer und Bad, mit fuchtelnden Händen am Ausgangspunkt A zu landen.
Und diese Prozedur wiederholte sich also nun, je nach Größe des zuvor verschossenen Venen-Cocktail, im 10 bis 15 Minuten Takt.
Naja, für Kalle hatte die ganze Orgie wenigstens ein Vorteil, so sah doch spätestens nach dem dritten oder vierten Druck, seine Küche wie geleckt aus.

Das zweite Drittel ähnelte dem Ersten, nur dass hier nach und nach nur noch die reine Gier überhand gewann. Logisches, rationales Denken findet hier kaum noch statt, und eine zufriedene Sättigung mit dem weißen Pulver zu erreichen, ist schier unmöglich.
Bei keiner anderen Droge ist der Kick so intensiv und einzigartig doch gleichzeitig so mies, abgefuckt und asozial.
Wie schon oft gesagt, ich rede hier von meinen persönlichen Erfahrungen!
Es mag Leute geben die mehr und andere die weniger auf dem weißen Pulver klar kommen. Und am Anfang denkt, weiß, bzw. ist sich sowieso sicher, dass man selber zur 2. Gruppe gehört und diese auch immer repräsentieren wird.
Doch eins hab ich in all den Jahren fast immer beobachtet. Leute die einen langen Zeitraum heftig auf Koks unterwegs sind, und damit meine ich nicht ab und zu mal ne Line, sondern täglichen intravenösen Konsum in hohen Mengen, erreichen zwangsläufig immer irgendwann in der Zukunft einen Punkt, an dem es gnadenlos bergab geht.
Und glaubt bitte nicht, weil Ihr seit einem oder zwei Jahren eine Phase habt in der eigentlich alles gut läuft und ihr alles eingermaßen unter Kontrolle habt, dass sich dieser Zustand, wie ein roter Faden, weiter durch euer Leben ziehen wird.

Das letzte Drittel, man könnte sagen, war von den heftigsten aller Gefühlen geprägt!
Die ganze Aktion nahm hier schon fast manische und psychotische Züge an.
Mittlerweile war es 4 oder 5 Uhr morgens und der weiße, pulvrige Haufen war mittlerweile zu einem kleinen Häufchen mutiert.
Nach jedem Druck fing ich nun an, im Kreisradius von 2 Metern, den Boden nach Kokskrümel abzusuchen.
Panik machte sich langsam in mir breit. Sowohl körperlich als auch in meiner, mittlerweile extrem matschigen Birne. Die Interpretationen auf bestimmte Dinge, Geräusche fingen so langsam an mich auf übelste Weise zu penetrieren.
Ich hetzte von Fenster zu Fenster, nur um mir das Gegenteil zu beweisen dass nicht gerade das gesamte Grundstück von Einsatzkräften des SEK belagert wurde und ein Rammbock, an dem zwei Bullen klebten, durch die Tür geflogen kommt.
Und einmal nachsehen reichte da nicht. Nein! Fuck Man, nach jedem Druck lief ich erneut paranoid meine Patrouille durchs Haus.

Die Drogen versteckte ich immer wieder an anderen Stellen. Wohlgemerkt im Minutentakt und so wanderte der Beutel Koks von der ausgeleierten Couchritze, rüber ins Bad unter den grünen Vorleger, verschwand dann in einer Keksdose welche sich in der Küche befand, um dann schließlich wieder von meinen zwei Eiern in der Unterhose gewärmt zu werden. Diese kleine Rundreise bestritt er dann noch so einige Male in dieser Nacht (Abweichungen nicht ausgeschlossen).
Eigentlich hört sich dieser Zustand ja so gar nicht mehr nach Spass an oder?
Im Grunde ist es auch ein absolut ekliges Gefühl, und auch wenn ich mir über die nicht so schöne Seite, welche Kokain mir offenbarte, bewusst war und diese kannte, so war es an diesem Abend noch mal ein ganz anderes Level!
Na ja, ich denke mal der Fakt dass ich die ganze Nacht während der Koks Orgie alleine war und natürlich die immense Menge, die ich vernichtet hatte, trug da seinen nicht ganz unerheblichen Teil zu bei.

Ich wusste genau dass ab einer bestimmten Menge, dieser Zustand nur noch heftiger werden würde, dennoch saß ich aber im nächsten Moment wieder an gleicher Stelle, vor meinem Suppenlöffel um mir den nächsten Schuss fertigzumachen. Nur um den kurzen kleinen Moment der Euphorie, des Kicks auszukosten. Sag ich doch, ein verfickt paradoxer Zustand!
Der schnelle und intensivem Flash, ließ mich den „Preis“ für den Abfuck danach zahlen.
Ja Man, dieser kurze Kick ist immerhin noch das gleiche geile Gefühl. Und diese kurzen paar Sekunden waren es damals absolut wert es in Kauf zu nehmen, dass ich mich danach um so viel länger, wie ein Stück Scheiße fühlte.
Druck-Kick-Paranoia, Druck-Kick-Paranoia, Shore, Druck-Kick-Paranoia etc….etc….etc.
Aber in Zukunft sollten diese Koka Orgien noch ganz andere Ausmaße annehmen und dies war da erst der Anfang.

Um euch ein Bild machen zu können, wie gierig dieses Zeug mich machte. Vincent und Kalle tauchten morgens, es war bestimmt 9 oder 10 Uhr, wieder auf.
Ich saß gerade draußen, auf dem kleinen Mauervorsprung vor der Eingangstür und rauchte ’ne Kippe. Drinnen hatte ich es wegen oben beschriebener Zustände einfach nicht mehr ausgehalten. Die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin und mein weichgespültes Hirn schloss sich dem ausnahmslos und hingebungsvoll an. Zu mehr als einem belanglosen Zwitschern, wäre mein Hirn, welches sich wirklich zu dem Zeitpunkt wie eine schwabbelige breiige Masse anfühlte, auch definitiv nicht in der Lage gewesen!
Als ich dann also mit den beiden wieder das Haus betrat, und im Wohnzimmer auf den, noch übrig gebliebenen Rest im Beutel, welcher nun zur Abwechslung mal „auf“ dem Tisch lag starrte, wurde mir echt bewusst, dass tatsächlich bis auf drei oder vier Lines alles weg und ausnahmslos in meinem Körper gelandet war. Und das natürlich auf kürzestem Wege.
Meinen extrem matschigen Zustand zu beseitigen, schaffte der letzte kleine Gute Nacht-Druck inkl. kleinem Blech Shore, welches Vince und ich uns noch gönnten zwar nur ansatzweiße, aber wenigstens konnte ich mich nach einer Weile vertikal ablegen und im Dunkeln in irgendeinem undefinierbaren Zustand zwischen Schlaf und wach sein, verfallen.

Der nächste Abend:
Wir beschlossen zu dritt in den, einige KM entfernten, Club zu fahren.
Ein paar Line koks ziehen, etwas verticken und Spass haben. So war es geplant, doch ich kam in den Genuss auf ganz andere Weise Spaß zu haben!
Kurz bevor wir uns aufmachten, setzten Vincent und ich uns noch ’nen fetten Cocktail.
Sozusagen die Basis, die Grundlage für den Abend setzen.
Dann 20min später, wir standen gerade vor dem Club und laberten mit einem der Türsteher, als ich die erste Veränderung in meinem Körper merkte.
Kopfschmerzen klopften so langsam und subtil bei mir an.
Gibt Schlimmeres und ich dachte mir erst mal nichts Großartiges dabei, doch als es nach und nach immer heftiger wurde und auch noch mein Magen anfing zu rebellieren, merkte ich langsam, dass da irgendwas definitiv falsch läuft.
Die tiefen Bässe, der laut dröhnenden Techno Mucke, knallten und hämmerten förmlich wie ein Vorschlaghammer auf mich ein.

„Was zum Teufel geht da bitte ab?“, dachte ich mir nur.

Es fühlte sich an als würde Bauarbeiter Horst, eine imaginäre Strasse, welche sich von meinem linken Ohr quer durch meinem Kopf hinüber zu meinem rechten Ohr zog, mit seinem Lieblings-Vorschlaghammer aufreißen.
Immer wieder kniff ich meine Augen schmerzerfüllt zusammen, bis ich schließlich Vincent, mit einem dezenten Zug am T-Shirt dazu aufforderte, mit raus zum Auto zu kommen.
Meine erste Intention war etwas Shore, von der übrigens nun gar nicht mehr so viel da war, nachzulegen. Fuck Man, ich wusste überhaupt nicht, was mit mir los war.

„Was‘ los jung? Haste die zwei Mädels, hinten in der Ecke gesehen?“, gut gelaunt folgte mir Vincent, im Rhytmus der Musik hüpfend, in Richtung Ausgang.

„Mädels?? Nee, Man. Alter, mir geht’s grade richtig beschissen!
Keine Ahnung was hier grade abgeht, aber irgendwas stimmt nicht“, ich fror immer mehr und zog mir meine Jacke über.

Wir marschierten zum Auto, wo auch Vincent ’n kleines Blech rauchen wollte.
Ich öffnete die hintere Tür und setzte mich auf die Rückbank.
Mir wurde immer kälter und mein Kopf schien förmlich zu explodieren.
Als Vincent mir das Blech nach hinten reichte, zog ich einmal kurz an und verabschiedete mich dann ganz schnell von der Idee das restliche Blech zu Ende zu rauchen.
Mir war kotzübel! Mein Magen brodelte und ich konnte wirklich gar nichts von diesen Gefühlen einordnen.
Ich entschloss mich im Auto zu bleiben, während Vincent sich nach einer weiteren Line Koks, wieder auf in den Club machte.

Ich wusste es damals noch nicht aber ich hatte mir einen wunderschönen Shake geballert. Nein Mann, kein verdammten Milchshake und auch keinen sexy Bootie-Shake
Was ein Shake ist? Verunreinigtes Dope, irgendein Dreck, Bakterien, Keime oder sogar ein klitzekleines Stück des Filters, welcher durch die feine Nadel mit in die Pumpe und somit auch in deine Blutbahn gerutscht ist.
Der Name kommt wahrscheinlich von dem extremen Zittern, welche nur eine der Reaktionen deines Körpers darauf ist, diese „Vergiftung“ zu bekämpfen.

Und dieses Zittern ist wirklich so intensiv und abartig.
Die nächsten zwei oder drei Stunden waren wirklich die absolute Hölle. Meine Zähne klapperten wie nach einer Überdosis XTC. Am ganzen Leib zitterte ich, wie ein Fisch, den man soeben aus seinem Habitat gerissen und auf ein Stück Land geschmissen hatte.
Immer wieder öffnete ich die Tür des Jeeps und verzierte mit einem fetten Strahl, farbenfroher Innereien meinerseits, den dunklen Bürgersteig.
Mein Kopf, mein Körper glühten förmlich, sodass man problemlos ein Spiegelei auf einer meine Arschbacken hätte zubereiten können.
Fuck, ich dachte wirklich das war’s! Tod, Exitus, elendig verreckt auf der Rückbank eines schwarzen Jeeps.
Kurz und knapp, ein absolut einmaliges Erlebnis. Ja man, ein Erlebnis welches ich auch in der Zukunft noch einige Male auskosten durfte.

Immer wieder forderte mein, nur noch auf 50% laufendes Hirn, meinen Körper dazu auf sich in Gang zu setzen, in den Club zu marschieren und Kalle zu überreden mich zu ihm nach Hause zu fahren. Ins Bett, Fuck Man ja, ich wollte mich nur noch in ein Bett legen und diesen abgefuckten, echt üblen Zustand vorbeigehen lassen.
Doch ich schaffte es einfach nicht, die Fötusposition, in der ich mich befand, aufzugehen.
Da lag ich also nun. Meine Knie bis an die Brust gezogen, die Hände fest gegen beide Schläfe gedrückt. Zittrig und laut stöhnend, folgte jeder meiner Atemzüge ein krächzendes „Ahhhh“.
Jede noch so kleine Bewegung von mir und ich löste ein Erdbeben der Stärke 20 in meiner Kopfregion aus.
Wasser … ! Ich hatte durst, fühlte mich förmlich ausgetrocknet und dehydriert, doch außer einer Dose Bier und der Kühlflüssigkeit des Wagens, gab es nichts, was in greifbarer Nähe war. Und ich sage es mal so. Hätte ich mich für eins der beiden entscheiden müssen? Ich hätte wohl lange überlegt, so einen Ekel löste der Gedanke, meinen Mageninhalt in diesem Zustand mit flüssigem Brot zu füllen, in mir aus.
Passanten, die den Jeep passierten, dachten wahrscheinlich, dem Stöhnen nach zu urteilen, hier haben zwei Turteltäubchen besonders viel Spass und ficken sich gerade die Seele aus dem Leib.
Oh Man, wie sehr ich mir doch wünschte, dass dem so gewesen wäre.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit des Leidens, tauchte Vincent schließlich endlich auf.
Seinen Worten nach zu urteilen, sah ich wohl noch schlimmer aus, als ich mich fühlte und es bedurfte keiner großen Überredungskunst meinerseits, ihn davon zu überzeugen, mich in ein Bett zu bringen.
Kalle war zwar etwas genervt, fuhr mich aber dann schließlich zu ihm nach Hause.
Ich kroch nach oben in das Gästezimmer, schloss die Tür, zog die Rollladen runter und krabbelte mit letzter Kraft unter die große braune Wolldecke.
Eine Eimer brachte Kalle mir noch, dem ich auch noch ein oder zweimal meine Kotze, ohne Vorwarnung, reindrückte.

Auch die nächsten Stunden waren nicht von weniger Qualen geprägt. Es gibt leichte Shakes und dann wirklich üble. Es war ja das erste Mal, dass ich den Genuss, dieses tollen Erlebnis kahm, doch den in den kommenden Jahren, immer wieder mal erlebten Shakes nach zu urteilen, konnte man diesen Shake definitiv in die zweite Kategorie stecken.
Zitternd, stöhnend und immer wieder den nebenstehenden Eimer vollkotzend, verbrachte ich die restliche Nacht zwischen Halbschlaf und Wach sein.
Gegen fünf oder sechs Uhr morgens erhob ich mich wieder. Geräusche drangen nach oben in mein Zimmer.
Ich setzte mich für einen Moment auf die Bettkante, atmete tief durch und rappelte mich dann auf.
Ein Gefühl als hätte ich drei Nächte lang durchgesoffen. Ich war wackelig auf den Beinen und ein Blick in den kleinen Wandspiegel sagte mir eindeutig, das meine Fresse mit dieser Optik wohl keinen verdammten Schönheitspreis absahnen würde.
Mit kleinen Schritten marschierte ich die Treppe hinunter und mein Kopf dröhnt immer noch etwas.

Ich öffnete die Wohnzimmertür und da saßen Vincent und Kalle mit einem weiteren Pärchen.
Es schien, als hätten sie die Drogen Afterhour Party, in Kalles Hütte verlagert.
Auf dem Tisch, ein gut gemischtes Potpourri verschiedenster Drogen. Einige Line Koks, etwas Hasch und mehrere Ecstasy Pillen, die wohl dem Pärchen zuzuordnen waren.
Ich setzte mich neben Vincent auf die Couch und auch die Blicke der anderen bestätigten wohl eindeutig mein topfittes äußeres Erscheinungsbild.
Für einen Moment versuchte ich, den hyperaktiven und aufgekratzten Gesprächen der anderen zu verfolgen, musste dann aber schnell feststellen, dass mein Hirn dazu wohl noch absolut nicht in der Lage war.
Nachdem ich weitere fünf Minuten auf irgendeinen imaginären Punkt in der Ferne starte, griff ich schließlich nach vorne in meine Rechte Jeanstasche.
Ich holte das Päcken mit der restlichen Shore, welche sich mittlerweile auch auf einen kleinen Rest reduziert hatte hinaus, riss mir ein Stück von der Alufolie ab und den Rest kennt ihr ja mittlerweile.
Etwas Shore auf die Alu geknallt und einen tiefen Zug für den Weltfrieden.
So nach und nach füllte sich mein Körper wieder mit etwas „Leben“ und nach ‘ner weiteren halben Stunde inkl. zwei aufgenommener Aspirin, war ich wieder einigermaßen hergestellt.

Ich verbrachte noch den Vormittag bei Kalle und machte mich dann auf die Suche nach McFly.

To be continued …..
MADMIKE 22.06.2016

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Teil 24 – Drogeneinkauf in Holland

Ein Bekannter von Vincent, um einige Jahre älter, der wohl eher in die Kategorie „dicke Brieftasche“ einzuordnen war, wollte mal gerne so richtig einkaufen. Und damit meine ich keinen Großeinkauf im nächst liegenden Edeka. Nee Man, er wollte sein Privatsortiment illegaler Substanzen, mal so richtig aufstocken. „Viel“ ist natürlich relativ und jeder stellt sich darunter etwas anderes vor, aber es sollten halt nicht nur ein paar Grämmchen werden. Einmal richtig in die Vollen. Und am besten von allem etwas. Ein paar Ecstasy, etwas Hasch und um die Sammlung zu vervollständigen, natürlich auch noch ’nen fetten Batzen Koks.
Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme, als ich dies alles hörte.
Immerhin ’ne verdammt gute Möglichkeit meinen Opiat Rezeptoren mal wieder ordentlich zum Tanzen zu bringen.

Alleine wollte er mich erst mal kennenlernen, und so wartete ich unten in der Nähe vom Taxistand auf ihn.
Ich war extrem gespannt darauf den Typen das erste Mal zu sehen. Irgendwann kam dann ein fetter Geländewagen, Chromfelgen und getunt bis zum Anschlag, um die Ecke gerollt.
Die Tür öffnete sich und er begrüßte mich. Was für ein geiler Wagen, dachte ich nur und hüpfte auf den Beifahrersitz.
Ich staunte erst mal kurz als ich den Typen vor mir erblickte. Meine Fresse, was für ein Brecher! Der war bestimmt zwei Meter groß und breit wie ’ne verdammte Mauer. Dann noch so ’ne typische Vokuhila Frisur, welche in den Achtzigerjahren In, und eigentlich nur in die Kategorie „Absolut peinlich“ einzuordnen waren. Ganz ehrlich? Zuhälter war der erste Begriff, der mir durch den Kopf ging, als ich mir überlegte, welche Berufswahl dieser sympathisch erscheinende Man wohl ergriffen haben würde. Eigentlich fühlte ich mich erst mal gar nicht so wohl bei der ganzen Sache, aber wie sagt man doch so schön? Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover, und nachdem wir einige Minuten miteinander gequatscht hatten, verflogen meine Sorgen.
Er schien sogar richtig nett zu sein und hatte irgendwie eine Art an sich, die überhaupt nicht zu seinem krassen äußeren Erscheinungsbild passte.
Wir fuhren eine Runde durch Überlingen, besprachen die Aktion und beim Aussteigen drückte er mir noch mal eben so zwei Blaue in die Hand.

Danach lief das Ganze ziemlich spontan und schnell ab. McFly war glaub ich gerade auf E mit ’n paar Leuten unterwegs.
Nachdem ich erst noch telefonisch probiert hatte XTC Teile im Wert von 5 Riesen klarzumachen, saßen wir also nun zu dritt im ICE Richtung Heerlen.
Wie ich später erfuhr, dachten die beiden Typen aus Köln, die ich angerufen hatte, ich wollte sie mit dieser nicht gerade kleinen Menge abziehen.
Na ja, wie auch immer. Wir kamen spät abends in Aachen und anschließend Heerlen an.
Um dieses Uhrzeit wollte mich nicht  mehr auf die Suche machen, also checkten wir in ein kleines Hotel ein.
Kalle in einem, Vincent und ich zusammen in dem daneben liegenden Raum.
Oben angekommen, checkten Vincent und ich erst mal das kleine Zimmer ab.

„Alter, leg dich hin. Chill mal was“, Vincent, der sich soeben wie ein nasser Sack und mit lautem Stöhnen, auf eins der Betten fallen lassen hatte, merkte mir wohl meine Unruhe an.

„Hmm? Was meinste?“, nervös ging ich in dem kleinen Raum, dessen braun orangene Tapete mich an meine Kindheit erinnerte, Auf und Ab.

„Was‘ los Man? Komm, lass uns noch „Einen“ rauchen und dann pennen“, Vincent stopfte sich gerade den Rest eines Käsesandwichs, welches er beim Aussteigen aus dem ICE, noch schnell von einem unbeaufsichtigten Getränkewagen mitgehen lassen hatte, in seinen Mund.

„Hmm, jaja mach mal“, ich starrte durch das Fenster runter, auf die durch Laternen  ausgeleuchtete Straße.

In meinem Kopf schwirrte gerade etwas ganz anderes herum. Die Gier nach etwas Braunem klopfte immer penetranter bei mir an, umso näher wir uns der holländischen Grenze näherten.

„Hey, ich komme gleich wieder.“, wie von der Tarantel gestochen schnappte ich mir meine Jacke und hetzte aus dem Zimmer.

Hektisch klopfte ich an Kalles Zimmer.

„Ja man, was gibts“, Kalle öffnete, in Shorts und mit Kippe im Mund, die Tür.

„Hey Kalle. Gib ma‘ eben 50 Mark bitte.“, mit großen Augen grinste ich Ihn fordernd an.

„Was? Wozu? Warum jetzt?“, er drehte sich um und ich hielt die Tür mit meinem Fuß offen.

„Ja Man. Mach mal bitte. Ich brauch die. Ist auch wegen morgen und so.“, ich betrat sein Zimmer und nahm mir ’ne Marlboro aus seiner Packung, welche auf dem kleinen Beistelltisch neben dem Bett lag.
Kalle überlegte kurz, zückte dann aber, mit einem alles und nichts aussagenden kurzen Stöhnen, sein braunes Leder Portemonnaie und drückte mir die 50 Mark in die Hand.
Ein kurzes „Danke und Tschüss“ und ich verschwand ich wieder. Hetzte dann die Treppen hinunter und schnell dem Typen hinterher, den ich eben noch vom Fenster aus mit meinen mittlerweile perfekt justierten und in feinster Symbiose laufenden Shore-Sensoren als möglichen Konsumenten identifiziert hatte.
Ich erwischte ihn und er hatte sogar doch tatsächlich Dope auf Tasche. Mit drei Kugeln und um 50 Mark ärmer, kam ich wieder zurück aufs Zimmer, wo Vincent mit seinem fetten Arsch hackebreit auf dem Bett lag.

„Bingo Alter, Bingo!“, ich riss die Tür auf und hetzte durch‘s Zimmer.

„Nee ne? Echt jetzt? Krass!“, Vincent rappelte sich auf und starrte erfreut auf die drei kleinen, in Folie eingeschweißten Kügelchen.

„Ja Man! Folie? Hast du Alu?“, unruhig suchte ich jede nur mögliche Stelle, nach einem Stück Alu ab. Nichts!

„Komm Man! Beweg mal deinen faulen Arsch und hilf mir suchen. Willst bestimmt mitrauchen, oder nicht?“, mittlerweile war ich bei meinen Klamotten angekommen und drehte jede Tasche 2mal nach außen.

„Äh ja, schon Man. Ich meine klar!“, Vincent, der wie es schien eine ganze 1 Gramm Mischung, innerhalb der letzten halben Stunde in sich aufgenommen hatte, bewegte endlich seinen faulen Arsch und half mir suchen.

Dann, nach weiteren fünf Minuten, fiel mein Blick auf den kleinen, im Schrank eingebauten Kühlschrank, welcher unter dem Fernseher stand.
Ich öffnete ihn und entdeckte mit großer Freude eine Tafel weiße Milka Schokolade.

„Jawohl! Geht doch!“, ich riss die äußere Verpackung runter, entfernte die weiße Schokolade, und mit den Worten „Mach mal ’n Röhrchen“, fackelte ich die Folie mit meinem Feuerzeug ab. Wahrscheinlich kostete die Tafel Schokolade aus der Minibar, genauso viel wie einer der drei Kügelchen, aber das war mir in dem Moment eigentlich scheißegal.

Schnell riss ich einen der Bobbel mit meinen Schneidezähnen auf, und schüttete alles auf die Folie.

„Moment! Nein Man! Das kann doch nicht …“, ich feuchtete meinen Zeigefinger mit etwas Spucke an, nahm ein wenig des Pulvers auf und leckte es mit meiner Zunge ab. Ich wiederholte den Vorgang mit dem nächsten Bobbel und dann auch mit dem letzten.

„DIE KLEINE MIESE FOTZE! ARGHHH! DU KLEINE VERDAMMTE RATTE!!!“, den darauffolgenden Wutausbruch, in Worte zu fassen, würde jetzt die lyrische Kompetenz meinerseits komplett überschreiten.

Ich war kurz davor komplett auszurasten. Dieser kleine Drecksack, hatte mich doch tatsächlich abgezogen.
Es war alles, aber nur keine Shore, in den drei mit Folie verpackten Bobbel. Voller Wut kickte ich den kleinen Holz-Mülleimer, der mit einem lauten Knall gegen eins der Fenster flog und diese dezent zu vibrieren brachte.

„Alter, Man!“, Vincent riss die Augen auf und auch ich, muss zugeben, hatte für einen kurzen Moment damit gerechnet, dass die morgige Hotelrechnung um einiges höher ausfallen würde.

Na ja, die Scheibe hielt dem fliegendem Papierkorb stand, und schließlich konnte mich nebst einem Zug von Vincents fett gebautem Joint, dann letztendlich das Klopfen anderer Hotelgäste, welche wohl nicht gerade über meinen lautstarken Wutausbruch begeistert waren, wieder etwas Ruhiger werden.
So was fuckte extrem ab! Normalerweise hätte ich jetzt noch meine Beine in die Hand genommen und wäre solange durch die Nacht geirrt bis ich den kleinen Wichser erwischt hätte.
Aber was soll’s. Zum einen war ich nicht schlimm affig, und zum anderen wusste ich, wie die kommenden Tage ablaufen werden.
So kam es sogar, dass ich einige Köpfchen später mit Vincent über die ganze Sache schmunzeln musste.
Und außerdem, man trifft sich immer zweimal im Leben.

Aber dennoch war es scheiße! Ganz mies ist so was, wenn du voll auf Turkey bist, mit müh und Not irgendwie Kohle für einen kleinen Affentöter klargemacht hast und dann feststellen musst, dass Du irgendeinen verfickten Dreck gekauft hast. Diesen Frust, dieses Gefühl zu beschreiben, ist schier unmöglich! Aber so war, oder ist es nun mal. In diesem Umfeld, dieser Scene, geht es um das nackte Überleben. Hier heißt es Fressen oder selber zum Fraß werden.

Der nächste Morgen. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf, in Richtung Bahnhof.
Kalle setzten wir in ein Café, direkt am Hauptbahnhof in Heerlen.
Er wollte etwas im Hintergrund bleiben, was für mich vollkommen okay war, zumindest damals. Immerhin bezahlte er alles.
Als Erstes stand auf unserer Einkaufsliste das Hasch.
Ich fuhr mit Vincent direkt zu einem Coffeeshop, den ich kannte. Beziehungsweise ich kannte den Laden, mehr aber auch nicht.
Wir kauften erst mal zwei Gramm und hauten uns dann, inkl. Wasserpfeife, in eine ruhige Ecke. Schon nach dem ersten dicken Köpfchen, merkte ich, und auch Vincent, wie dermaßen breit wir wurden.
So breit, dass wir überhaupt nicht mehr in der Lage waren, unser ursprüngliches Ziel zu verfolgen. Und so dauerte es geschlagene 45 Minuten, bis einer von uns beiden auch nur ansatzweise wieder fit war um ein Gespräch mit dem, ich glaube türkischen Besitzer, zu starten.
Hätte auch beim ersten Anlauf nicht klappen können, doch weitere 30 Minuten später standen wir zusammen mit einem Kollegen des Besitzers, in einer kleinen Wohnung, nur einige Minuten entfernt vom Coffeeshop. Vor uns ein Anblick für Götter!! Drei oder vier dicke pralle Tüten, gefüllt mit dem besten Gras und Hasch. Dem Typen eine überziehen, alles abgreifen und ab nach Jamaika? Hmm … näh, lieber doch net.
Nach Hin und Her Feilschen wechselten 400 Gramm wirklich gutes Hasch den Besitzer.
Fragt mich nicht, wieviel wir bezahlt hatten. Wäre es meine Kohle gewesen, könnt ich mich wahrscheinlich noch daran erinnern, aber so…

Nächste Station Mr. Shore und Mrs. Koks. Nachdem wir das Hasch bei Kalle im Café abgeliefert hatten, machte ich mich alleine rüber auf die andere Straßenseite, zur Szene am HBF.
Vincent, der immer noch so aussah als wäre er kurz davor aus den Latschen zu kippen, ließ ich bei Kalle. Die kurze aber echt intensive Hash-Orgie im Coffeeshop hatte ihn total weggeschossen. Das Zeug welches wir geraucht hatten, war aber auch extrem potent.
Und so machte ich mich geradewegs runter in den Tunnel, welcher die beiden Bahngleise miteinander verband.
Es war kurz vor Mittag und überall liefen Druffis rum. In dem Tunnel waren bestimmt an die 15 Leute. In einer Ecke waren sie am Basen (Koks rauchen) und in der anderen saßen Junkies und zerstochen sich gegenseitig Ihre letzten noch übrig gebliebenden Venen. Der Rest verteilte sich im Tunnel und tat das, was Süchtige am besten können. Husteln und Ballern.

Doch bevor ich mich auf die Suche nach einem passenden Lieferanten für unseren Großeinkauf machte, musste ich vorerst meine Gier befriedigen.
Von einem der Afrikaner holte ich mir eine Kugel Braunes und eine kleine Kugel Weißes, für das gewisse Extra. Für die besondere Würze sozusagen. Die Kirsche auf der Sahne, das Topping auf dem Cake!
Auf Drogenszenen fand man immer Leute die Kohle damit machten, indem Sie frische Pumpen und andere Accessoires, die es für einen erfolgreichen Schuss in den Himmel brauchte, für einen kleinen Obolus anboten. So auch hier, und so hockte ich fünf Minuten später, neben zwei Koks rauchenden Holländer und kochte mir mein Zeug auf.
Noch schnell die fertige braune Suppe mit dem weißen Pulver verfeinert und los ging der Spaß.

Wow! Auf eins konnte man sich bei unseren holländischen Nachbarn fast immer verlassen. Ich meine, Frau Antje überzeugte nicht nur mit 1a löchrigem Käse. Nee Man, auch das Dope, welches man dort bekam, war fast immer von astreiner Qualität. Zumindest solange man sich nicht ganz doof anstellte, oder aber nachts um 12 von irgendeinem abgefuckten Junkie übers Ohr gehauen wurde.
Es dauerte geschlagene drei Kippen und min. 10 Minuten, bis ich wieder in der Lage war, meinen Körper in die Vertikale zu richten und einen einigermaßen klaren Kopf zu fassen.

Ich schlenderte weiter, und nachdem ich endlich einen Typen abgewimmelte hatte, der breit wie tausend Mann war und mir schon seit Minuten mit seinem holländischen Gebabbel auf den Sack ging, kam ich schließlich mit einem, ich glaube er war Marokkaner, ins Gespräch.
Er war gut gekleidet und sah nicht so aus als würde er selber konsumieren. Ein gutes Zeichen. Denn den kommenden Deal, wollte ich sicher nicht über einen abgefuckten Junkie, der nur auf seinen eigenen Profit aus ist, klar machen.
Ich hatte ein gutes Gefühl bei dem Typen, und dies ist schließlich das einzige worauf man sich bei Geschäfte dieser Art verlassen konnte. Wir besprachen einige Einzelheiten und gingen dann in Richtung Café.
Fünf Minuten später saßen wir zur viert in einem Taxi, auf dem Weg zu einer abgelegen kleinen Wohnung, einige KM außerhalb Heerlen.
Es war schon gut jemand wie Kalle mit am Start zu haben, denn alleine sein imposantes Erscheinungsbild, ließ es Leute gut überlegen irgendetwas Linkes abzuziehen.
Obwohl er wahrscheinlich alleine komplett aufgeschmissen wäre hier, da er nun mal kaum Ahnung von Drogen, und deren Beschaffung hatte.
Für ihn war das ein komplett neues Geschäftsfeld.
Außer ab und zu mal einen kleinen Joint und ganz selten mal ne kleine Line Koks, nahm er selber gar nichts. Es ging im rein um den Gewinn.

Hatte ich eigentlich schon erzählt, dass er zwei Wochen zuvor von irgend so einem Typen aus Überlingen übers Ohr gehauen wurde?
Es ging um eine Menge Geld und eine Menge Koks, und schließlich hatte am Ende Kalle keines von beiden.
Dies war auch mit ein Grund warum wir jetzt alle hier in Holland waren.
Naja, ich wollte aber definitiv nicht in der Haut des Typen stecken, wenn Kalle ihn mal erwischen sollte.

Schon beim Eintreten in die Wohnung, merkte man diese einzig und allein, nur einem Zweck diente und hier keiner regulär wohnte.
Um einen kleinen Glastisch herum, setzten wir uns hin und nachdem der Marokkaner einige Worte auf Arabisch mit seinen zwei Kollegen wechselte, verließ einer von beiden den Raum und kam kurze Zeit später mit einem großen schwarzen Koffer in der Hand zurück.
Meine Verfickte Fresse!! Ich musste mir mehrmals die Augen reiben, als sich der Inhalt des Koffers vor uns offenbarte.
Zwei, mit jeweils braunen und weißen, dicken Klumpen gefüllte Tüten, grinsten uns förmlich an.

Der Marokk griff einmal beherzt in die Tüte mit der Shore und knallte mit dem Wort „Testen?“, einen dicken Batzen auf den runden Glastisch, dessen Spuren übrigens eindeutig aussagten, dass es sich hierbei um eine Standard-Prozedur hielt und diese nicht nur einmal im Monat stattfand.
Nachdem ich ein Stück Alu bekam, legte ich etwas auf und startete einfach mal.
Wow! Das Zeug war einfach nur Bombe. Man merkte sofort, dass hier kaum Streckmittel am Start waren. Ein dicker dunkelbrauner, fast schwarzer Fleck formte sich, nachdem ich das Alu von unten erhitzte.
Der Geschmack war extrem intensiv, aber gleichzeitig sanft und überhaupt nicht aggressiv.
Die Spur, die die Shore auf der Alu hinterließ, war genauso wie sie sein sollte! Es war die goldene Mitte. Hast du zum Beispiel Shore erwischt, die zum größten Teil mit Mannitol gestreckt ist, hinterlässt das Zeug fast überhaupt keine Spur und es läuft extrem schnell und lange Hin und Her.
Andere Streckmittel wiederum verbrennen sofort und hinterlassen tiefschwarze Punkte und Spuren.
Nein Man, das Zeug welches wir hier vor uns liegen hatten, war von astreiner Qualität!
Nur zweimal ließ ich den Drachen hin und herlaufen, und reichte dann das Blech rüber zu Vincent. Ich war auf seine Meinung gespannt, immerhin hatte ich schon einiges intus. Aber auch ihm ging es nicht anders. Sein zufriedenes Grinsen und seine, nach nur ein paar Zügen, schwer werdenden Augenlider, sagten definitiv mehr aus als tausend Worte.

Dann ging es weiter zum guten Koks. Auch hier ließ ich Vincent den Vortritt.
Gekonnt formte der Marokkaner, zügig mit seiner Scheckkarte, sieben oder acht Lines, die nun in ihrer vollen Pracht und Schönheit den Glastisch verzierten.
Vincent rollte ein Röhrchen aus einem 50 Mark Schein, warf seinen internen Staubsauger an, und das weiße Pulver verschwand widerstandslos in seinen Nasenlöchern.
Auch Kalle lies es sich nicht nehmen und ein kurzes „Wow“ später, zierte eine Line weniger den runden Tisch.
Ich feuchtete meinen Zeigefinger mit etwas Spucke an, presste diesen einmal kurz auf eine Ecke des Glastisches und verrieb, die nun auf der Spitze meines Fingers klebenden Kokskrümel, auf meinem Zahnfleisch.
Auch hier das gleiche. Ein ganz sanfter, subtiler Geschmack. Es tat sich erst mal gar nichts. Keine Betäubung o.ä.
Viele denken immer dass gutes Koks, „sofort intensiv“ betäuben muss. Ein Irrglaube. Meistens entsteht dieser Effekt, weil es z. B. mit Lidocain oder anderen betäubenden Substanzen gestreckt ist. Nein Mann, Koks betäubt definitiv, aber es kommt ganz sanft und langsam. Hat man richtig gutes astreines Weißes, dann ist das Runterkommen auch gar nicht so schlimm. Der Kick hält sehr lange an und schwächt dann auch wieder langsam und sanft ab.

Nachdem sich die drei Marokkaner die Nase gepudert hatten, ließ ich mir es natürlich auch nicht nehmen und könnte mir die letzte dicke Line.
Jetzt erst spürte ich auch, wie mein Zahnfleisch eine leichte Betäubung annahm.
Die Line kam genau so, wie ich es dachte. Das Zeug stand dem astreinen Braunem wirklich in gar nichts nach. Es war genauso top!! Diese ambivalente Wirkung von Heroin und Koks ist einfach nur einmalig. Es ist als könnte man gleichzeitig schlafen und einen 1000 Meter Lauf bestreiten. Man ist im Abstand von Sekunden entspannt und aufgeputscht.
Mit den drei Marokkanern hatten wir wirklich einen absoluten Volltreffer gemacht.

Nach weiteren 15 bis 20 Minuten des Feilschen um einen guten Preis, verließen wir die Wohnung schließlich wieder.
Auch hier, fragt mich nicht wie viel genau wir dort geholt und ausgegeben haben. Ich weiß es wirklich nicht mehr genau, aber es war verfickt noch mal viel.
Über 100 Gramm koks und um die 30 Gramm Shore.
Und das Dope war so gut dass man problemlos das Doppelte daraus hätte machen und es immer noch mit Kusshand an den Man bringen können.
Da standen wir nun also 5 Minuten später, zu dritt inkl. einer braunen Aktentasche, gefüllt mit einem Portfolio verschiedener Drogen, die das Gesamtgewicht eines halben Kilos ankratzten oder sogar überstiegen.

Wir befanden uns nur ca. fünf Kilometer entfernt von der deutschen, sogenannten grünen Grenze und wollten nur eins. So schnell wie nur möglich das Dope, „am besten natürlich“ ungefickt, rüber auf die germanische Seite bringen.
Wir hatten Glück und erwischten nach einigen Minuten ein Taxi, und so ließen wir uns, bis circa einem Kilometer vor die Grenze chauffieren. Vorher zogen Vincent und ich uns aber noch zwei Blaumänner über, die wir mitgenommen hatten. Etwas was ich oft tat, wenn ich nach Holland fuhr. Warum könnt Ihr Euch ja denken.
Vincent hatte das Vergnügen mit der Tasche in der Hand über die Grenze zu spazieren.
Kalle ging als Erster vor und wir konnten aus der Ferne beobachten, wie er problemlos rüberkam. Kein Zoll oder Bullen.
Dann hieß es Augen zu und durch, und auf den Gott des ewigen Glückes hoffen.
Wir marschierten wir Richtung Grenze.
Ein kurzes Herzklopfen und wir betraten wieder deutschen Grund. Keine Bullen, kein Zoll.

Dachte ich großartig darüber nach was passieren hätte können, wenn wir hier und jetzt mit fast einem Kilo Drogen gefickt werden würden? Nö Man. Vielleicht kurz, vielleicht für ein paar Sekunden. Vielleicht in dem Moment wo wir mit dem Pulver die Grenze überquerten. Aber das war’s dann auch schon! Ich war einfach immer nur im Hier und Jetzt. Und das am besten mit genügend Drogen in meiner Blutbahn. Vielleicht hat deshalb auch alles immer so gut geklappt.
Einige Kilometer hinter der deutschen Grenze schnappten wir uns wieder ein Taxi, mit dem Ziel Aachen HBF.
Dort verstauten wir die Drogen in einem Schließfach und fuhren dann mit einem Zug weiter nach Amsterdam.
Die beiden waren noch nie da, und jetzt wo der Einkauf gut verstaut war, wollten wir dort einfach noch einen Abend Spaß haben und chillen.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und zwackte mir vorher noch einen guten Beutel Shore ab, der meine und Vincents Rezeptoren unter Dauerbeschuss halten sollte.
Und außer einem kleinen Vorfall entsprach der Abend auch genau unseren Vorstellungen.

Angekommen in Amsterdam, schlenderten wir über die Straßen in der Nähe des Hauptbahnhofes.
Kalle und Vincent machten gerade einen Stopp in irgendeinem Laden und ich lief etwas weiter, Ausschau haltend nach einem vernünftigen Coffeeshop.
Plötzlich wurde ich von hinten angerempelt und im nächsten Moment stehen vier oder fünf, ich glaube es waren Türken, fluchend um mich herum.
Der eine, in der Hand haltend, ein aus Papier gefaltetes Päcken und will mir doch glatt weiß machen, ich sei dafür verantwortlich, das sein verficktes „imaginäres“ Gramm Shore oder Koks nun auf den Straßen von Amsterdam verteilt liegt. Und natürlich wollen Sie jetzt Schadensersatz.
Die kleinen Fotzen! Ich meine, wir alle hatten unsere Wege um unsere Sucht zu finanzieren, aber auf diese dreiste Art und Weise?!
Natürlich war in dem Päcken gar nichts drinnen, und den Teller großen Pupillen zu urteilen nach, war der Grund sofort klar!
Es wurden lautstarke Worte gewechselt, bis die Ottos schließlich anfingen mich herumzuschubsen.

„Gib Kohle her, gib Kohle her!“, forderte der lockige Typ mich immer wieder auf!

„Was Kohle?! Verpisst euch! Sucht euch einen anderen Deppen der auf eure Masche reinfällt!“, ich riss mich von der Locke los, der immer wieder anfing an meiner Jacke zu zerren.

Dann schubste mich jemand von hinten. Ich drehte mich um und antwortete mit gleicher Geste, sodass einer von den Vieren ein paar Meter zurück stolperte und auf seinem Arsch landete.
Naja, was soll man schon großartig gegen vier oder fünf Typen in so einer Situation machen?! Die Schubserei ging weiter, und einige Momente später lag ich ebenfalls auf meinem Arsch in einem der kleinen Souvenirläden, dessen Verkäuferin sich nun auch lautstark einmischte.
Und dann, gerade als ich in dem kleinen Glasspiegel, der auf der Wand vor mir angebracht war, beobachten konnte wie zwei der Fotzen wieder auf mich zukamen, klatschte es plötzlich so dermaßen laut, das selbst ich mich erst schreckte. Es hörte sich an als würde jemand eine Peitsche mit voller Wucht, in der Luft knallen lassen.
Ich rappelte mich wieder auf, drehte mich um, und da stand ein grinsender Kalle vor mir der mir mit den Worten „Dich kann man ja auch nicht allein lassen“, wieder auf die Beine half.
So wie es aussah, hatten die Fotzen keinen Bock sich mit dem zwei Meter großen Fleischberg anzulegen. Zwei nahmen anscheinend schon beim Anblick von Kalle ihre Beine in die Hand, und die beiden andern machten nach der Aktion die Fliegen. Na wenigstens konnte ich noch kurz die, von Kalles flacher Hand verzierte, in schönster dunkelroter Farbe strahlende, dicke Backe von Locke begutachten, bevor sich auch er letztendlich verpisste.
Wie ich schon sagte. Es war definitiv von Vorteil ein Masse-Monster wie Kalle mit dabei zu haben. ^^

Der restliche Abend verlief ohne große Vorkommnisse. Wir entschlossen uns die geplante Aktion noch nach XTC Pillen zu schauen, für dieses Mal auf Eis zu legen.
Wir chillten in einem der größten Coffeeshops Amsterdams, und fuhren dann spät am Abend, mit dem letzten Zug wieder zurück nach Überlingen.
Natürlich mussten wir da noch einen Zwischenstopp in Aachen machen, um unseren gut gelagerten Großeinkauf abzuholen.
Ich sag Euch Leute, dort ist mir mein verficktes Herz noch mal so richtig in die Hose gerutscht.

In Aachen angekommen, hatten wir noch gute 20 Minuten, bis unser Anschluss Zug Richtung Überlingen die Biege machte.
Vincent und ich marschierten also runter in den Bahnhofsvorraum, und da er nun mal das einmalige Vergnügen hatte mit rund 500 Gramm an Drogen über die Grenze zu spazieren, erklärte ich mich bereit, die braune Aktentasche aus dem Schließfach zu bergen.
Schon verrückt! Heutzutage würde ich von Paranoia geplagt, wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit auffallen und gefickt werden. Aber damals? Kein Problem Man. Einfach machen, ohne großartig nachzudenken.
Ich meine, schauen wir uns doch mal an, was genau ich von dieser ganzen Holland Aktion damals überhaupt gehabt habe.
Für einige Tage kostenlose Drogen, ’n bisschen Kleingeld und ’n bezahlten Kurzurlaub bei unseren käseliebhabenden Nachbarn. Und das alles bezahlt mit der Möglichkeit, für einige Jahre bei Duschen permanent aufpassen zu müssen, auf keinen Fall die Seife fallen zu lassen. Ich mein Fuck Man. Stellt euch vor die hätten mich mit der Tasche gefickt. McFly hätte mich definitiv für ne lange Zeit nicht mehr wiedergesehen. Und fasst wäre es dazu auch gekommen.

Ich holte also unseren Einkauf aus dem Schließfach, während Vincent einige Fressereien aus einer Bäckerei klar machte.
Ich musste einen längeren Gang zurückgehen und die Bäckerei war um die Ecke, direkt neben einer Treppe, welche hoch zu unserem Gleis führte.
Ich stolzierte also mit der Aktentasche in der Hand den Gang entlang und unmittelbar nachdem ich um die Ecke bog und Vincent, der sich gerade ein Brötchen reinstopfte, mit einem meiner schlauen Sprüche beglücken wollte ….  Ich meine wirklich Sekunden davor, merkte ich gerade noch, wie er von zwei Zivis belästigt wurde.
Fuck Man, mein Mund war noch geöffnet und ich schaffte es gerade noch so, die Wörter welche kurz davor waren meine Fresse zu verlassen in ein unterschwelliges Husten umzuwandeln, und an den Dreien vorbeizugehen.
Mit Herzrasen, weichen Knien und Tunnelblick ging ich geradeaus weiter. Fuck Man, Herzrasen ist gut, meine Pumpe war kurz davor zu explodieren!
Ich ging zu einem Snackautomaten, über dessen Spiegel ich noch beobachten konnte wie Vincent seinen Ausweis vorzeigen musste, zog mir irgendeinen Scheiß, drehte dann um und marschierte schnellen Schrittes die Treppe hoch hinauf zum Gleis.
Ich weiß wirklich nicht, ob Gott zu dieser Zeit selber drauf war und ein Herz für Junkies hatte.
Keine Verfickte Ahnung. Ich weiß nur, dass wenn ich um nur fünf Sekunden früher die Ecke passiert hätte, der nächste Teil in meinem Blog mal wieder einen Titel mit dem Namen „JVA – Ich komme“, tragen würde.
Der Hauptbahnhof in Aachen war nun mal arschbekannt bei den Bullen und dort wurde fast genauso viel und oft kontrolliert wie an den Grenzübergängen. Mit ein Grund, weshalb McFly und ich bei unseren sonstigen Holland-Tripps, diesen Bahnhof mieden und eine andere An und Abfahrt nahmen.
Wie ich auch immer. Zum Glück hatte Vincent überhaupt nichts mehr auf Tasche und kurze Zeit später saßen wir drei im Zug Richtung Überlingen.
Die Rückfahrt war ziemlich geil. Ich war so dermaßen breit und verbrachte die ganze Fahrt über in dem Nachbar-Abteil, wo ich ein ziemlich heißes Eisen, mit meinem, durch Koks und Sugar ausgelöstem Laberflash, beglückte.

Zurück in Überlingen:
McFly war, wie ich erfuhr, immer noch auf seiner chemischen Rundreise und wahrscheinlich irgendwo mit irgendwem abgesackt.
Ich saß nun mit Kalle und Vincent, auf der schwarzen Ledercouch und wir drei begutachteten die vor uns liegenden, in voller Pracht scheinenden Drogen.
Kalles Haus war wirklich schön. Ein kleines, auf einer kleinen Erhöhung liegendes, freistehendes Häuschen.
Fuck Man, jetzt mal ehrlich. Ich weiß wirklich nicht, was Kalle sonst so in seinem Leben getrieben hatte. Ob er einen ehrlichen Job hatte, ob er reich geerbt hatte oder aber ob er wirklich Zuhälter war. Wirklich, wo ich jetzt hier sitze, schreibe und drüber nachdenke. Ich weiß und ich denke ich wusste es auch damals nicht.
Aber wie auch immer, war mir zu der Zeit sowieso egal.

Es war mittlerweile später am Abend. Kalle hatte so einen Sportwagen. Neben seinem dicken Geländewagen.
Irgend so einen braunen Ami-Schlitten. Mustang, Pontiac oder Ähnliches.
Es war auf jeden Fall ein 2-Sitzer und Kalle wollte unbedingt mit dieser Kiste an dem Abend losziehen. Er hatte zwar, glaube ich so einen kleinen Notsitz, aber ich entschied mich, darauf zu verzichten und den Abend alleine bei Kalle zu verbringen.

Aber Hey, was heißt denn hier alleine? Nee Mann, ganz alleine war ich natürlich nicht, und so hatte ich vor, mir einen schönen gemütlichen Familienabend zu machen. Einen Abend mit Opa Sugar und Oma Whity. Meine beiden Lieblings-Verwandten.
Vincent packte noch ’ne Menge an kleinen Päcks ab, die sie an dem Abend im Club an den Mann bringen wollten und dann verpissten die beiden sich.
Da saß ich also nun. Alleine in dem Haus, vor mir liegend mein Anteil. Ein dicker 15 Gramm schwerer Beutel Koks und daneben ein echt fettes Päcken Shore.
Sich ein Bild über den Ablauf des bevorstehenden Abends und der kommenden Nacht zu machen, dürfte Euch, glaube ich, nicht sehr schwerfallen.

Wisst Ihr eigentlich was ein „Shake“ ist? Ganz üble Sache…
Aber dazu mehr im nächsten Teil.

#MadMike

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TEIL 23 – GRAS AM SACK

Es dauerte wie gesagt nicht lange und wir waren in ganz Überlingen bekannt wie bunte Hunde.
Man kann es wohl das typische Dorf Syndrom nennen. Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer und dies kann man wohl als gut, sowie auch als schlecht ansehen.
Da unsere Haupt Betätigung nun mal aus der aus der kostenfreien Beschaffung verschiedener Produktpaletten des Einzelhandels bestand, wohl eher als negativ anzusehen. Diese altbekannten „Versucht-es-erst-gar-nicht-hier-Blicke“ ernteten wir nun auch hier immer öfters.
Fehlte nur noch das irgendwann im ganzen Dorf Flyer verteilt werden würden, und Aushänge an den Schaufenstern von uns zu sehen sein.
Wie früher, diese REWARD-Zettel aus dem Wilden Westen.
Zum Glück gab es aber noch den ein oder anderen größeren Supermarkt, in welchem wir noch einigermaßen in der Masse untergingen und unsere Arbeit gewissenhaft erbringen konnten.

Auf der anderen Seite brauchten wir aber ja auch nicht mehr so viel Kohle wie sonst, da die tägliche Jagd nach dem braunen Pulver, ja tatsächlich „erst mal“ wegfiel.
Und wir lernten wir halt immer mehr neue Leute kennen
Ständig wurden wir von irgendwelchen Jugendlichen Kids angesprochen.

„Hey, seid ihr nicht die beiden die aus Köln kommen?“,

„Seid ihr nicht die beiden die Kippen verkaufen“,

„Habt ihr Gras da?“, und so weiter, etc. etc.

Umso mehr Leute wir kannten, desto mehr Möglichkeiten boten sich für uns an, die Nächte nicht in der verfickten Kälte zu verbringen.
Und natürlich lernten wir auch coole Leute kennen.
Wir schliefen mal hier, mal dort und dann mal wieder eine Nacht im Freien.
Und Shore? Ja, die war wirklich erst mal vom Tisch. Zumindest war der tägliche Konsum unterbrochen, und das nach echt langer Zeit.
Stattdessen waren die Rohypnol aber nun täglich da. Zumindest für mich, denn McFly naschte nur ganz selten von dem Candy.

Ganz Clean? Ohne alles? Das war ein Zustand, auf dem ich noch nicht klar kam.
Irgendetwas musste noch da sein. Irgendein Anker, an dem ich mich festhalten konnte. Irgendeine Veränderung. Der Realität nackt und ungeschützt ins Auge zu schauen, sich seinen Gefühlen zu stellen, fiel mir einfach schwer. Zu sehr hatte ich mich an dieses Gefühl, diese Veränderung welche Shore in mir herbeirief, gewöhnt. Konsumierst du über eine lange Zeit Opiate, deckst du Probleme auf, von denen du nicht mal ansatzweise wusstest dass sie überhaupt existieren könnten.

Warum sind Opiate wohl die perfekte Alltagsdroge?
Nun, sie machen alles leichter. Alles läuft wie von alleine und Probleme existieren dann einfach nicht mehr. Alle negativen Eigenschaften, all die Probleme die du normalerweise hast mit bestimmten Dingen, in bestimmten Situationen, sind komplett ausgemerzt! Ein unsichtbarer Mantel der alles abblockt. Ängste, Zweifel, Kummer, Wut, Stress, etc. Alles wie ausradiert.
Doch wie heißt es doch so schön? Nur der Tod ist umsonst.
Genauso wie es in die eine Richtung geht, fütterst und nährst du auch in die komplett andere. Und wehe du hörst mal auf. Man verliert seine Mitte komplett und es gibt nur noch das eine, so wie das andere Extrem!
Natürlich ist das nicht am Anfang so, in den ersten Monaten, im ersten Jahr oder auch noch später.  Und manche haben auch mehr, andere wiederrum weniger daran zu knabbern. Aber eins ist sicher, wie das Amen in der Kirche. Zwangsläufig wird jeder irgendwann mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert werden!
Dann stehst du am Abgrund und weißt genau dass es dieses magische Pulver gibt, welches deine Verfickte kleine Welt wieder rosarot erscheinen lassen kann.
Und so stattete ich meinem neuen Lieblings Arzt regelmäßig meine Besuche ab, bekam jedes Mal ein Rezept mit meinen Wunderpillen in die Hand gedrückt und verließ mit guter Laune die Praxis wieder.
Ein paar Rohpse, ein dickes Köpfchen aus der Bong, 1-2 Dosen Bier und die Sonne schien mir wieder aus dem Arsch.
Doch wie schon gesagt, hätte ich gewusst welche Probleme mir diese Pillen in der Zukunft noch bereiten würden, ich hätte mir nie die Finger daran verbrannt.

Einen kleinen Mini-Ausflug ins Land der Opiate hatten McFly und ich aber auch.
Durch reinen Zufall, ihr kennt diese Zufälle ja, hatte ich, als wir die Pappen in der Kneipe holten erfahren, wo in Konstanz mit dem braunen Pulver gedealt wurde.
Die Szene, wenn man überhaupt Szene dazu sagen konnte, befand sich in einer kleinen Spielhalle.
Diese lag im ersten Stock eines Einkaufszentrum. So eine Mall, wie sie in jeder größeren Stadt zu finden ist.
Dort traf man auf ein paar Ticker, hauptsächlich Jugos und Türken, die das Dope in kleinen Päcken an dem Man brachten.
Wäre wenigstens die Menge okay gewesen, doch so starten wir an diesem Tag frustriert auf das kleine Häufchen Pulver, welches wir nach Öffnen des weißen, aus Zeitungspapier gefalteten Päcken, erblickten.
Es war mehr ein kurzes Hallo sagen, anstatt einer großen Willkommens Orgie. Verfickt frustrierend! Selbst ich war sogar der Meinung, dass wir die eben dafür ausgegebenen 50 D-Mark besser in etwas anderes investiert hätten. Und das hieß schon etwas.

Wir waren auf der Suche nach etwas Hasch oder Gras, als wir auf Piko trafen.
Er kam gerade von der Schule und irgendwie kamen wir ins Gespräch.
Wie das halt so ist bzw. war, er kannte jemanden der jemand kannte, der auch wiederum jemand kannte und so liefen wir mit ihm einige Stellen ab.
Es war hauptsächlich Gras welches man in Überlingen, im Gegensatz zu den meisten anderen Orten zu der Zeit, bekam.
Und die Qualität? Na ja, ich will es mal so sagen. Die Leute, die sich der Produktion dieser gut riechenden Pflanzen annahmen, hatten nicht gerade den grünsten aller grünen Daumen.
Das Zeug, welches wahrscheinlich hauptsächlich Outdoor in einer geschützten Ecke von Omas Kleingarten angebaut wurde, kratzte wenn es hochkam, gerade mal den mittleren Standard-Level an.
Nach mehreren Absagen, trafen wir schließlich in einer kleinen Kneipe auf einen Typen, und zehn Minuten später wechselte eine volle Tüte Gras den Besitzer.
Dreiste 150 DM wollte der Typ, der dem Aussehen nach mindestens drei Tuben Gel in seine blonden Haare geklatscht hatte, zuerst haben, dachte er wahrscheinlich wir wären irgendwelche Trottel aus dem Hinterland. Letztendlich einigten wir uns dann aber auf 70 oder 80 Mark, was für die 20 bis 25 Gramm Gras, Marke durchschnittlicher Selbstanbau, ganz okay war.
Wird chillten den Tag über zu dritt, und gegen Abend dann machte uns Piko den Vorschlag bei ihm zu pennen. Vorausgesetzt seine Eltern seien damit einverstanden.
Und wir hatten mal wieder Glück, und so verbrachten wir die Nacht in diesem besagten Kellerraum.

Zwei übereinander gestapelte, etwas größere Matratzen, ein kleiner schwarz-weiß Fernseher neben einigen, mit Konserven bestückten Regalen. So sah unser Zimmer für die nächsten Nächte aus, denn es blieb nicht nur bei dieser einen Nacht. Die recht jungen Eltern von Piko waren echt ziemlich cool, und erlaubten uns erst mal vorübergehend die kommenden Nächte bei Ihnen im Keller zu verbringen. Vorausgesetzt wir verhalten uns ordentlich, was hieße keine Orgien, keine Partys und keine Drogen etc. Drogen? Was zum Teufel ist das bitte? Wir doch nicht!
Wie zum Teufel kamen die beide denn darauf dass wir etwas mit diesen illegalen Substanzen aka Drogen zu tun haben könnten?
Wir verstanden uns von Anfang an wirklich gut mit den beiden.
Eines Abends lud uns der Vater sogar noch nach oben ein und vernichtete mit uns ein paar Bierchen inkl. einiger Kurze. Umso später der Abend, desto lustiger wurde er. Wir hatten ’ne Menge gelacht und er erzählte uns von seiner wilden Zeit. Wie er vor seinem Studium durch ganz Italien und Spanien gezogen ist. Im Grunde verkauften wir ihm unseren Aufenthalt im Bodensee ja, mit ähnlichem Hintergrund. Natürlich ließen wir den Drogen Aspekt dabei außen vor.

Jeden Morgen bevor Piko zur Schule musste, machte er einen Abstecher zu uns in den Kellerraum, weckte uns auf und rauchte ein Morgen-Köpfchen mit uns zusammen.
Danach wartete sogar noch ein gut gedeckter Frühstückstisch, oben in der Küche, auf uns. Ich kann mich noch gut erinnern dass wir immer diesen Grafschafter Goldsaft gefressen haben.
Leider mussten wir uns die kommenden drei Nächte einen anderen Schlafplatz suchen, da die Familie übers Wochenende nicht zu Hause war.

Die erste Nacht verbrachten wir mal wieder in dem kleinen Vorraum der Kreissparkasse.
Es gab definitiv schlimmere Schlafplätze. Der Raum war gut beheizt und somit war es dort gut auszuhalten. Mit ein paar Bierchen und einer unserer selbst gebauten Wasserpfeifen, welche wir noch schnell vorher aus Versteck Nr.2 holten (mittlerweile hatten wir an vier oder fünf Stellen, im ganzen Dorf verteilt, Wasserpfeifen von uns versteckt.), hatten wir auch so eine Menge Spaß die Nacht über.
Nachdem wir am nächsten Tag etwas Kohle gemacht, und uns eins unserer Standard Frühstücke für Champions gegönnt hatten, marschierten wir runter ans Ufer zum Bodensee.
Gegen Nachmittag lernten wir dort Pille kennen. Er war gerade mit seinem Betreuer und zwei anderen Kids im Dorf unterwegs. Aus ’nem großen Jugendheim etwas außerhalb vom Dorf kamen die, erledigten ’n paar Sachen, wie Arztbesuche und anderen lebensnotwendigen Scheiß.
Pille und ein anderes Mädel waren schon fertig, und so warteten die beiden unten am Ufer, auf den Betreuer, der mit den anderen Kids noch beim Arzt war.

„Ey … Psst …. Habt Ihr was zu rauchen?“

McFly und ich lagen grade flach mit unseren Rücken auf dem großen Steinabsatz und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

„Ey … Pst …. Hey … Ihr… habt ihr was da?“, schließlich hörte ich das Geflüster und drehte meinen Kopf nach rechts. Und da erblickte ich Pille zum ersten Mal.

Zerrissene Jeans, Springerstiefel mit roten Schnürsenkel und einen Kapuzenpullover, aus so einer Art Poncho Material.
Und darin steckte halt Pille. Ein total dünner schlaksiger Typ mit zotteligen Haaren.

„Sehen wir etwa so aus als würden wir Drogen konsumieren?“, ich grinste ihn und das Mädel an, während ich McFly anstupste, der wie es aussah, noch gar nichts davon mitbekommen hatte.

Die beiden setzen sich zu uns und so kamen wir ins Gespräch.
Wir drückten Ihnen einen Zehner von unserem Gras ab und luden sie dann noch auf einen dicken Joint ein.
Pille schien echt in Ordnung zu sein und wir kamen sofort gut miteinander klar. Später machte er uns sogar noch das Angebot die Nacht bei ihm im Jugendheim zu verbringen.
Natürlich inoffiziell denn so etwas wurde selbstverständlich nicht geduldet.
Er erklärte uns den Weg, und wir verabredeten uns zu einer bestimmten Zeit, an einer bestimmten Stelle, draußen vor dem Jugendheim.

Wir dachten schon er hätte uns vergessen, und als es dann auch noch anfing wie aus Eimern zu pissen und wir uns gerade auf dem Rückweg machen wollten, kam Pille schließlich, eine Verfickte Stunde zu spät, um die Ecke stolziert.
Im Jugendheim waren alle schon am schlafen, so dass wir leise durch einen Hintereingang hinein schlichen und auf leisen Sohlen hoch zu Pilles Zimmer marschierten.
Ein Eimer, eine dicke 3 Kippen-Mischung Gras und Pilles nervige Stroboskop Lampe, welche er partout nicht ausmachen wollte.
So verlief die nächste Stunde, bis wir uns dann schließlich runter in den Heizungskeller machten, wo McFly und ich die restlichen Stunden der Nacht so gut es ging pennen wollten. Auf Pilles Zimmer zu schlafen war leider nicht möglich, da die Jugendbetreuer immer wieder mal Runden durchs Haus machten und die Zimmer kontrollierten. Das sein Zimmer bei diesen Kontrollen immer an erster und letzter Stelle dran war, dürfte wohl kein Geheimnis sein.
Aber wenigstens wurde der Raum durch die Heizungsrohre gut aufgeheizt und da wir noch auf dem Weg nach unten einen Stopp in der Großküche, inkl. 30 minütigen Nutella Orgie machten, schliefen wir wenigstens mit vollen Magen ein.

Frühmorgens weckte uns Pille auf und wir verpissen uns alle drei, noch bevor das ganze Jugendheim zum Leben erwachen würde.
Er verbrachte den ganzen Tag, der sich nicht großartig von den anderen unterschied, mit uns.
Kohle klar machen, neues Rezept organisieren, Gras rauchen und das Dorf auf den Kopf stellen.
Gegen späten Abend, es muss so um die 23 Uhr gewesen sein, landeten wir dann auf der abgelegenen Ecke eines Friedhofes. Hier, auf der braunen Holzbank, konnte man in Ruhe sein Ganja rauchen, und wenn das Gras gut genug war, sogar eine recht aufschlussreiche Unterhaltung mit einer der Leichen führen. Pille hatte vor, die ganze Nacht mit uns zu verbringen und sich erst wieder am nächsten Tag im Jugendheim blicken zu lassen.
„Bullen! Fuck Man!“, wir waren gerade auf dem Rückweg und wollten den Friedhof verlassen, als ich mich diese Worte aufschrecken ließen.

Der VW Bulli raste auf uns zu und bremste mit quietschenden Reifen ab.
Auf die Schnelle gab es keinen möglichen Fluchtweg, denn wir hätten nutzen können, um eine Konfrontation mit den lustigen und herzensguten Zeitgenossen in Grün,  aus dem Weg zu gehen.
Der Friedhof war hoch umzäunt, die Bullen standen vor dem einzigen Eingang und außer der Möglichkeit uns unser eigenes Grab zu schaufeln und darin abzutauchen, gab es nichts mehr.
Die beiden sprangen aus dem Auto, und hetzten hektisch auf uns zu.
Spätestens da war uns klar, dass es sich hier nicht um eine Standard Kontrolle halten würde und die Bullen mehr als wir wussten.

„Aha. Da haben wir Euch ja!“, der etwas fülligere Marshall stolzierte auf McFly zu, während der Jüngere auf Pille und mich zukam.

„Haben Sie uns? Wieso wollen Sie uns denn haben?“, antwortet McFly mit leicht zynischer Stimme.

Ich dachte mir das gleiche, während ich mir ’ne Kippe anzündete.
Wieso zum Teufel haben die uns den gesucht? Stehen die auf uns? Wollen die ein Date, oder etwa eine Darkroom-Orgie zu fünft, mit uns haben? Hat uns etwa jemand beim Kiffen beobachtet und sich in seinem Umfeld gestört gefühlt?
Irgendwann nervten einem diese ständigen Kontrollen einfach nur noch. Aber Hey, wir sind ja gerade Clean was die Shore betraf, also kein Grund zur Sorge. Und obwohl wir gerade noch ein Köpfchen nach dem anderen weggeballert hatten, fiel mir jetzt erst wieder ein, dass in der Vordertasche meiner Jeans ja ein noch gut gefüllter Beutel Gras steckte. FUCK MAN !!!!!!
Wollte ich eben noch mit einer weiteren zynischen und provozierenden Antwort kontern, behielt ich diese nun doch besser für mich, und spielte stattdessen den verwunderten, in allen Bereichen kooperativen Anstands-Bürger. Soweit dies natürlich unsere Grund-Attitude auch nur annähern zuließ.

„Und der Herr Maier. Mal wieder.“, ertönte es fast zeitgleich aus den Mündern beider Polizisten.

War ja klar, Pille schien wohl auch schon ein beschriebenes Blatt hier zu sein.
Die Cops fanden ’nen halben Joint, den McFly noch probiert hatte gefühlvoll wegzuschnippen.
Wir durften in Ihrem Wagen platz nehmen, und bekamen eine kostenlose Fahrt aufs Polizeirevier.
Auf der Rückbank des VW Bullis erfuhren wir dann auch den ursprünglichen Grund, für den Low Budget SEK Einsatz.
Die Bullen waren auf der Suche nach Pille.
Die kleine Sacknase hatte uns natürlich nicht erzählt dass es totalen Ärger geben würde, wenn er und sein Arsch die Nacht nicht im Jugendheim auftauchen würden. Immerhin war er erst 17 und somit nicht volljährig.

Da saßen wir nun, auf dem Flur des kleinen Polizeireviers in Überlingen. Mal wieder. Eigentlich könnten wir mal anfangen ein Bewertungssystem für die verschiedenen Polizeireviere zu entwickeln. Ähnlich dem eines Sternesystems für Hotels.
Sozusagen eine Punkteskala für verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel die Inneneinrichtung, die Freundlichkeit der Angestellten, Qualität der Pritschen, Servicequalität der grün gekleideten Mitarbeiter, etc.
Wäre doch gar keine schlechte Idee.
So könnten sich neue angehende Kleinkriminelle den perfekten Ort ihrer kleinen Gaunereien, anhand des kommenden, möglichen Aufenthaltes im Bullen Revier, aussuchen.

Ähnlich wie unser damaliger, in mühevoller Kleinarbeit angelegter, aber leider verloren gegangener, Szene Führer.
Ein Potpourri aller deutschen Drogenszenen, fein säuberlich in all seine Vor und Nachteile zerlegt.
Die Qualität der Drogen, die Freundlichkeit der Fachverkäufer, die Fluchtmöglichkeiten und sogar Abzugs-Risiko waren nur einige der Punkte welche wir bewertet hatten.
Wieso denn auch nicht? Für jeden Scheiß gibt es jegliche Art von Führer. Einen Bordellführer, einen Lebensmittelführer, ein Restaurant-Führer, wieso zum Teufel dann auch nicht einen verfickten Drogenszene Führer?
Zumindest damals erschien uns dies absolut schlüssig und sinnvoll, und wir waren uns sicher dass uns ein Verleger dieses einzigartige Schriftstück nur so aus den Händen reißen würde. Ach was sage ich, den verfickten Pulitzerpreis hätten wir damit abgesahnt.
Eine Schande dass es dieses höchst intellektuell hochwertige Meisterwerk dennoch nie bis zur Druckreife geschafft hat.

Nebeneinander aufgereiht saßen wir nun auf drei Holzstühlen, die mich an meine Schulzeit erinnerten, auf dem langen schmalen Flur.
Einer der beiden Bullen positionierte sich vor uns, verschränkte seine Arme und strafte uns mit einem dieser typischen Blicke, welche Cops gerne nutzen um ihrer Überlegenheit auszudrücken.
Natürlich verfehlte dieser erzwungene Ausdruck des Gegenüber, wie immer seinen Zweck total bei uns und statt der erwarteten Reaktion wie z.b. kleinlaut in totaler Scham zu versinken oder weinerlich alle Fehler zuzugeben, hatten wir mal wieder Mühe uns zu beherrschen und nicht in einen unserer typischen Lachanfälle zu verfallen.

Ihr könnt Euch noch an einen der vorherigen Teile erinnern? Den, als ich auf dem Bullenrevier mit einigen Freunden in Köln Mülheim war? Der Dicke Shore-Beutel, der sich in meiner Tasche befand und dann sich praktisch wie von alleine in Luft auflöste?
Oh Man. Gleiche Situation, anderer Ort, andere Droge.
Den dicken Gras Beutel auf gleicher Weise verschwinden zu lassen wie damals den Shore Beutel, dürfte wohl ein sehr schwieriges Unterfangen werden, bzw. meine anatomischen Gegebenheiten währen dem wohl definitiv nicht gewachsen.

Pille musste zuerst in den kleinen Nebenraum und es kam wie es kommen musste.
Leise bekamen wir mit, wie er aufgefordert wurde „blank“ zu ziehen.
Fuck Man! Irgendetwas musste ich unternehmen.
Immer wieder schaute ich McFly mit großen und verdrehten Augen an. Natürlich wusste auch er genau was sich in der vorderen Tasche meiner Jeans befand.
Das gute war halt, dass wir beide uns blind verstanden und so bedurfte es nur ein oder zwei Blicke von mir, bis er kapierte was ich von ihm wollte.
McFly spielte den Clown und lenkte so die Aufmerksamkeit auf sich.
Immer wieder stand der auf, stellte sinnfreie Fragen und nervte den Bullen permanent damit auf Toilette gehen zu müssen.
So schaffte ich es in einem kurzen Augenblick blitzschnell den Beutel h von meiner Rechten in die linke Hosentasche zu befördern.
Zu meinem Glück war in genau dieser Tasche eben ein Loch, welches ich in den letzten Tagen immer mal wieder bei Langeweile dafür nutzte, um an meinen Eiern rumzuspielen. Hey Man, wir hatten halt keine Smartphones zu dieser Zeit.
Jetzt bedurfte es nicht mehr viel und während ich mich sitzend nach vorne beugte, schaffte ich es den Beutel Gras durch das Loch hindurch, in meine Unterhose zu stecken.

McFly war der nächste und zum Glück konnte ich diesmal mitkriegen dass er sich nur bis zur Unterhose ausziehen musste.
Dennoch war ich mir fast sicher dass dies alles schief laufen und ich komplett auffliegen würde.

„So, nun der letzte von unseren drei Spezialisten hier“, der Bulle rief mich in den Raum.

„Hast ja schon mitbekommen. Dann mal los. Runter mit den Sachen.“, ergänzte er, während er an seinem Kaffee nippte.

„Ganz schön kalt hier drinnen. Habt ihr etwa keine Heizung? „, widerwillig und nur schleppend fing ich an meine Klamotten abzulegen.
Meine Jeans zog ich als letztes aus.
Ich tat so als würde ich gewaltig frieren. Beugte mich ständig und tippelte auf der Stelle herum.
Beim Ausziehen meiner Jeans, probierte ich noch so gut es ging den Beutel Gras so zu richten dass er ziemlich mittig saß. Aber dennoch. Fuck, ich konnte spüren wie groß die Beule in meiner Unterhose war, und als ich von oben hinabblickte, sah das ganze nicht viel besser aus. Und der Verfickte Geruch. Meine Fresse, das kann doch einfach nicht gut gehen.
Immer wieder rieb ich meine Hände an den Oberschenkeln, und meckerte darüber wie kalt es doch sei.
Alles nur um irgendwie etwas von der Beule in meiner Hose abzulenken.
„Ja ja. Jetzt ist mal langsam gut hier. Einmal im Kreis drehen bitte der Herr.“, der Bulle saß immer noch mit seinem Kaffee in der Hand, hinter seinem Schreibtisch und begutachtete mich.

Meine Nerven Mann. Aber dann nach einer gefühlten Ewigkeit ertönte schließlich der Satz:

„Okay. Kannst dich wieder anziehen“.

Wow. Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren und ließen meinen Puls, der sich die letzten zwei Minuten über selbstständig gemacht und einen Ausflug in Richtung Himalaja-Gebirge gestartet hatte, wieder langsam in Richtung Heimat antreten. Ich konnte es einfach nicht glauben. Welchen Schutzengel muss ich wohl bestochen haben, dass ich immer wieder aus solchen Situationen herauskomme?
Mein Verfickte Fresse!

Auch McFly konnte es einfach nicht glauben, als ich mit einem Grinsen im Gesicht welches sich diagonal von Ohr A zu Ohr B zog wieder aus dem Raum auf ihn zukam und mich neben ihn setzte.
Wenn unsere Blicke sprechen könnten, könnt ihr euch sicher vorstellen wie diese sich in diesem Moment anhören würden.
Mittlerweile war auch schon der ziemlich genervte Sozialarbeiter auf dem Revier eingetrudelt um Pille einzusammeln.
Natürlich aber nicht ohne Pille vorher noch eine kostenlose Standpauke inklusive Zukunftsprognose seines ja „ach so erbärmlichen“ Lebens aufzutischen, sollte er nicht umgehend hier und jetzt die Notbremse ziehen und sein Leben um 180 Grad ändern.
Der Typ hatte sozusagen mit seiner pädagogischen Faust einmal richtig ausgeholt und zugeschlagen, und da wir nun mal auch gerade anwesend waren bekamen wir auch noch unser Fett weg.
Das obwohl wir den Typen, der sich mit seinem grünen Wollpullover und braunen Sandalen aufspielte wie unser Vater, vor noch nie gesehen hatten.
Na ja, wie ich auch immer. Damals stießen solche Ansagen und Moral-Predigten sowieso nur auf taube Ohren unsererseits und wir machten uns absolut keinen Kopf darum.
Wir, das Dream-Team, hatten doch sowieso alles unter Kontrolle.
Wir verabschiedeten uns von Pille und verließen das Polizeirevier.
Ein fetter Sieg für uns und ein absolut geiles Gefühl die zwei Dorfbullen so verarscht zu haben.

Die nächsten Tage, Wochen und der erste Monat verging. Wir lebten so vor uns hin in dem kleinen Dorf namens Überlingen.
Eine Zeit lang probierten wir sogar beide ’nen echt Job zu bekommen.
Ja Man, ’nen richtigen echten Job. So mit frühem Aufstehen, Mittagspause, nervigen Chef, und allem was sonst noch dazu gehört.
Aber mal ganz ehrlich, wie hätte das denn auch funktionieren können. Ohne festen Wohnsitz bzw. Adresse, ohne Bankkonto, etc., war das Ganze wohl eh ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.  Aber was soll’s, der verfickte Wille zählte doch auch. Wir hatten es versucht und das war doch auch schon was wert.
Zumindest reichte es uns für den Moment aus und war gut genug um den Punkt „Jobsuche“ mit einem imaginären Haken unsererseits zu verzieren.

Vincent hieß er. Er dürfte so etwa drei oder vier Jahre älter als ich gewesen sein.
Ich war gerade alleine unten im Dorf. Es kam ab und zu mal vor das McFly und ich getrennt unterwegs waren. Er hing gerade mit irgendwelchen anderen Leuten ab und ich war irgendwo anders im Dorf unterwegs. Grundsätzlich trafen wir uns aber immer abends, oder aber spätestens am nächsten Tag dann wieder.
Vincent parkte seinen alten rostigen VW Polo, auf dem kleinen Parkplatz, neben dem Taxistand, und kam auf mich zu. Er sprach mich direkt an.

„Hey, alles klar? Ein Kollege hat mir von dir erzählt. Du nimmst auch Shore, oder?“, er reichte mir seine Hand, und grüßte mich freundschaftlich.

„Ich? Was man nicht alles so hört heutzutage.“, ich grinste ihn an, frei nach dem Motto, ganz genau du hast den richtigen Mann vor dir stehen.
Vincent sah nicht aus wie ein typischer Junkie. Er war auch nicht durchgehen drauf, sondern hatte immer mal wieder längere Phasen indem er sich den Opiaten voll und ganz hingab.

„Hast du was da? Ich such grad was.“, fragte er mich, und setzte sich neben mich, auf die Holzbank unten am Ufer.

„Nee, schön war’s Mann! Ich hab ein paar Benzos. Sonst nichts.“, ich zog die Kippenschachtel aus meiner Jackentasche, und stellte genervt fest dass diese leer war.

„Hast du mal ’ne Kippe?“, ergänzte ich.

„Klar Man. Ich heiße übrigens Vincent.“, er holte eine Schachtel Marlboro hervor, und warf sie zu mir rüber.

„Kannste mir eine von deinen Pillen verkaufen?“, schob er noch schnell hinterher.

„Hmm … „, ich überlegte kurz, holte dann die Rohypnol Schachtel hervor, presste zwei Tabletten aus dem Blister, und drückte sie ihm in die Hand.

„Hier Man. Geht aufs Haus.“, ich grinste und zündete mir die Marlboro an.

Wir unterhielten uns noch eine Weile und dann schließlich fragte er mich, ob ich Bock hätte mitzufahren um was klar zu machen.
Hmm naja, Mission Clean werden oder wie war das noch?  Nach ein paar irrationalen Denkvorgängen, inklusiver zwei für mich selbst zurechtgelegten Rechtfertigungen später, und ich beförderte meinem Arsch auf den Beifahrersitz der Rostlaube, welche Vincent liebevoll seinen „Rolls“ nannte.

Er starte seinen „Polo“ und wir zogen los. Zuerst fuhren wir eine beaknnte Stelle, etwas außerhalb von Überlingen ab. Doch da war tote Hose und so machten wir uns an diesem späten Nachmittag noch auf in Richtung Schweiz.
Dass die Grenze so sehr nah war, war mir bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst.
Wir fuhren nach Schaffhausen. Eine kleine Gemeinde, circa 50 km entfernt von Überlingen. Ob es dort überhaupt eine richtige offene Drogenszene gab? Ich weiß es gar nicht, denn wir fuhren direkt zu einer Kneipe, in der Vincent darauf kurz verschwand.
Nervös wartete ich im Auto und schließlich kam er mit einem Grinsen in der Fresse wieder.

Nächster Stopp, irgendeine verdunkelte Ecke auf irgendeinem abgelegenen Parkplatz.
Alleine der nach leichtem Essig riechende Qualm, der beim aufkochen der braunen Suppe langsam den Innenraum des Wagen füllte, reichte schon aus um meine Synapsen im Dreieck springen zu lassen.
Als wäre es erst gestern gewesen, so kam es mir vor und doch war es so lange her. Viel zu lange! Ich konnte es nicht mehr abwarten.
Die Vorfreude auf den kommenden Druck stieg ins Unmessbare. Über einen Monat habe ich dich beiseite gestoßen und ignoriert.
Für einen Moment fühlte es sich an als wäre ich wieder voll auf Turkey.
Mein Magen verkrampfte, meine Hände zitterten und Schweiß stand mir auf der Stirn.
Vincent zog die braune Suppe auf, teilte alles in zwei frischen Pumpen auf und drücke mir eine in die Hand.
Mehrmals klopfte ich auf den Kolben der Spritze, um die kleinen Luftbläschen nach oben schießen zu lassen. Dann ließ ich die ganze Luft entweichen, indem ich den Kolben langsam nach oben drückte, bis die ganze Spritze nur noch mit der braunschwarzen Flüssigkeit gefüllt war und ein kleiner Tropfen oben austrat.
Kurz warf ich einen Blick nach links zu Vincent, der gerade dabei war den langen Ärmel seines Pulli hochzukrempeln.
Dann überlegte ich kurz, riss mit einem Handgriff den Ledergürtel aus meiner Jeans, wickelte ihn über meine linke Armbeuge und zog ihn fest.
Immer wieder presste ich meine Faust zusammen, bis sich die dicke Vene an meiner Armbeuge hervorhob.
Ich atmete kurz tief ein und dann setze ich an. Ich traf sofort. Wie eine tiefrote Wolke schoss das Blut, angezogen durch das Vakuum der Pumpe, hervor und füllte den Kolben.
Langsam und gefühlvoll drückte ich ab.
BOOM !!!!! FUCKIN HALLELUJA !!! WAS FÜR EIN KICK!!

Die Wärme schoss wie eine heiße Welle durch meinen ganzen Körper. Jeder Muskel in meinem Körper entspannte sich in sekundenschnelle und mein Hirn wechselte von Denken auf das ultimative „Sein“.
Fast zeitgleich ließen Vincent und ich, uns in den Autositz zurück fallen. Da ist er! Dieser Moment in dem ich einfach nur bin. Existieren in der ultimativen Art und Form. In seiner puren reinen Essenz! Und doch ist alles nur FAKE. Nichts kommt von dir. Alles wird dir nur vorgespielt, und dass so gut dass Du es selbst nicht merkst! Und dann, mit einem verfickten Schlag in die Fresse, reisst man Dir dieses Gefühl wieder weg. Und dann stehst Du da. Nackt und verletzlich.
Ach ja, mein alter Freund und schlimmster Feind. Meine Liebe und mein Hass. Die Hoffnung für den Augenblick. Die Erlösung für den Moment. Kann ich mich dir leisten, lässt du mich nie im Stich, doch die Jagd nach dir wird mich noch ins Grab bringen. Das so vertraute Gefühl. Die Antwort auf all meine Fragen. Ich weiß du hast mich genauso stark vermisst.

Zurück in Überlingen, immer noch breit wie tausend Man, verabschiedete ich mich von Vincent.
McFly traf ich circa eine halbe Stunde später in dem kleinen Bistro unten am Ufer. Er saß dort mit zwei Mädels und ich gesellte mich dazu. Natürlich bemerkte er sofort meinen Zustand und sein Blick sagte mir immer wieder „Du alter Sack, gib’s zu, du bist voll breit!“.
Ich sagte ihm später dass ich einfach nur ‚ne Menge gekifft hatte und 1-2 Rhopse mehr wie sonst genommen hätte.
Ich wollte ihn einfach nicht wieder heiß auf das Zeug machen.

Mittlerweile dürften wir fast zwei Monate in Überlingen verbracht haben. Auf Vincent traf ich immer mal wieder und Shore war dann halt auch immer am Start. Dennoch hielt es sich in Grenzen und belief sich auf vielleicht drei oder Mal.
So aber auch an dem einen Abend. Vincent kam gerade mal wieder aus Schaffhausen und so verbrachten wir den Nachmittag in seiner Rostlaube, auf dem großen Parkplatz am Wald, etwas außerhalb von Überlingen. Natürlich nicht ohne etwas „Leckeres“ zu kochen und auf die besondere Art und Weise zu dinieren.
Dann erzählt er mir schließlich von der „großen“ Sache.
Ein Typ, bzw. ein Bekannter, ein paar Jahre älter, wollte wohl gerne mal so richtig einkaufen.
Nicht ein paar Grämmchen, sondern einmal richtig in die Vollen. Und am besten von allem etwas. Ein „paar“ bzw. ein „paar viele“ Ecstasy, etwas Hasch, und um die Sammlung zu vervollständigen natürlich auch noch einen fetten Batzen Koks.

MADMIKE

To be continued ………

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