Teil 26 ist in Arbeit 😉

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#Schreibblockade

Fuck Man! Seit Tagen sitze ich immer wieder vorm‘ PC oder Handy, probiere Teil 26 zu schreiben und es kommt einfach nix bei rum.

Es ist ja nicht so dass ich nach dem Inhalt suchen muss. Nee Man, die Geschichte wurde ja schon vor Jahren geschrieben und steht fest. Es sind vielmehr die Worte, die einfach nicht heraus wollen.

Auch wenn ich schon ein paar mal gehört habe dass meine Art zu schreiben eigentlich „ganz okay“ ist. Leute, Schreiben fällt mir wirklich nicht leicht. Ich muss irgendwie immer in der richtigen Stimmung sein, den richtigen Vibe haben, damit es läuft. Und irgendwie ist beides davon, in den letzten Tagen überhaupt nicht so der Fall.

TOTALE VERFICKTE SCHREIBBLOCKADE !!

Gibt es da ein Mittel gegen? Irgend eine Wunderpille? Muss ich mir vielleicht ein Ohr abschneiden oder brauche ich zwei nackte Musen, die mich beglücken und durchs Zimmer tanzen, während ich schreibe? Sagt Ihr’s mir.                                           

Gibt es wirklich Leute die sich einfach hinsetzen und sofort los schreiben können bis zum Ende? Wahrscheinlich, doch ich bin wohl das absolute Gegenteil davon.

Naja wie auch immer, ich hoffe mal dass es bald wieder läuft und  bin für jeden Geheimtipp dankbar!

MadMike

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TEIL 25 – Ein Shake, aber nicht aus Milch!

Die Beine hochgelegt auf den kleinen Marmortisch, ließ ich mich von der blonden RTL Schnecke aka Moderatorin hypnotisieren. Sie war wohl gerade dabei, Ihre hochintelligente Show davor zu bewahren, das noch letzte bisschen übriggebliebene Niveau, entrissen zu bekommen. Die fünf eingeladenen, noch „intelligenteren“ Gäste, diskutierten anscheinend gerade über das hochinteressante Thema „Sex mit dem Ex“ und wahren kurz davor sich gegenseitig die Fresse einzuschlagen.
Oh ja Man, diese verfickten Talk Shows namens Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer, etc. Wahrscheinlich ein Vorreiter, für diesen ganzen Scripted-Reality Bullshit, welcher heute den Leuten zum Fraß vorgeworfen wird.

Na ja, ich war ziemlich breit von der ganzen Shore, die ich meinem Körper im Laufe des Tages gegönnt hatte. Immer wieder fielen meine Augen zu und ich sackte für kurzen Sekunden weg, nur um dann wieder hektisch aufzuschrecken und mir ohne Pause mein Gesicht, oder andere Stellen am Körper, zu kratzen.
Ein Zustand den jeder Süchtige so sehr liebt und für Außenstehende meist ein ziemlich erschreckendes, oder teilweise sogar lustiges Bild darstellt.
Nach und nach sackt man immer mehr in sich zusammen, die Muskeln werden träge und am Ende landet man meist, angezogen von der Schwerkraft, in den unmöglichsten Körperpositionen.
Es fühlt sich an, als würde der Körper in einen Schlafzustand übergehen während der Geist aber noch teilweise wach ist.
Die Rezeptoren gesättigt bis ins letzte Eck. Ein Ritt ins Nirvana. Ein Land ohne Fragen, Zweifel, Ängste und Sorgen. Ein unechter Zustand, der sich nicht echter anfühlen könnte. Noch ein Stückchen weiter und man würde an der Himmelspforte anklopfen. Aber es ist genau dieser Moment, der alles so einfach erscheinen lässt. Diese unendliche Zufriedenheit einfach nur im „Hier und Jetzt“ zu sein. Und doch ist es alle nur „Fake“.

Der dicke Beutel Koks grinste mich frech an. Die ca. 10 Gramm, das dicken Päcken Braune und etwas Kohle, waren meine Provision, die ich von Kalle für die Organisation der Drogen bekam. Schaut man sich das Chance/Risiko Verhältnis an, wahrscheinlich ein schlechter Deal, aber damals für mich mehr als nur ein totschlagendes Argument.
Fuck, selbst heute wird mir noch komisch, wenn ich den Gedanken zu Ende Spinne, wie es weiter abgelaufen wäre, hätten die Bullen mich in Aachen mit der Tasche erwischt.
Nee Man, für den Knast wäre, bzw. bin ich absolut nicht geeignet. Aber Fuck, wer ist das schon?
Obwohl, ich habe mal einige Tage mit zwei Typen in einer Zelle verbracht. Ich glaube es waren Polen, oder Russen und die beiden waren wirklich froh die nächsten Monate in der Kiste zu verbringen. Es war Winteranfang, saukalt und die beiden feierten jeden Knast-Eintopf, wie kleinen Kinder Ihre Schokolade zu Weihnachten.

Bevor wir zu Kalle gefahren sind, stoppten wir noch bei einer Apotheke, welche an diesem Abend Notdienst hatte.
Meine Rechtfertigung ich sei Diabetiker, welcher ich der Apothekerin auf deren Nachfrage, wofür ich denn den zehner Pack Insulinspritzen bräuchte, vor den Latz knallte, überzeugte diese wohl nicht so ganz.
Nicht dass es sie überhaupt etwas anginge, aber so war es damals nun mal und ich konnte mich sogar glücklich schätzen dass Sie mir letztendlich, nach einer kurzen Diskussion und mit lang gezogener Fresse, den Beutel mit den Pumpen überreichte.
Im Grunde eine ganz üble Sache! Ihr denkt, der Spritzen-Einkauf wäre etwas ganz Normales für einen suchtkranken Menschen?
Heutzutage wohl eher, aber damals hatte dies schon fast Ähnlichkeit mit dem Erwerb illegaler Substanzen.
Vor allem in den größeren Hauptstädten Deutschlands war es absolut keine Seltenheit von den Mitarbeitern einer Apotheke wie Abschaum behandelt, und nach einer Anfrage zum Spritzenkauf ganz schnell vor die Tür gesetzt zu werden.

Wieder mal ein Paradebeispiel für die damalige Sichtweise der Gesellschaft auf suchtkranke Menschen.
Ich meine was zum Teufel ging den in deren kleinen verkorksten Köpfen vor?
Glaubten sie wirklich, etwas „Gutes“ mit diesem Verhalten an den Tag zu legen und einem Junkie, indem sie ihm Spritzen verweigern, zum Aufhören verhelfen?
Oh ja Man! Süchtige gehen durch die Hölle, machen Sachen die sie selber hassen, nur um dann nach einer Absage in der Apotheke, alles stehen und liegen zu lassen und von heute auf morgen aufzuhören. Absolut schlüssig!
Aber es gab noch mehr Solcher, nur so von Intelligenz strotzender, schlaue Aktionen.
Bullen, die einen Junkie gerade dabei erwischten wie er sich sein Zeug, für das er die letzten 12 Stunden irgendwie Kohle zusammengekratzt hatte, aufkochte und mit einem genussvollen Tritt, den Löffel oder die Dose weg kickten.
Was zum Teufel glaubten Sie wohl, damit gerade angerichtet zu haben?
Okay, Drogen waren und sind nun mal illegal und viele würden jetzt argumentieren, dass ein Polizist gar keine andere Wahl hätte, sich anders zu verhalten.
Doch, hatte er definitiv, wenn er sich der Folgen für so eine Aktion bewusst machen würde.

Dann gab es unter anderem noch die schlaue Idee, mit einem Handbohrer Löcher in die Löffel der Junkies zu bohren um sie so davon abzuhalten ihr Zeug aufzukochen.
Meine verfickte Fresse! Wenn solche lächerlichen Aktionen nicht die größte Bestätigung dafür sind, wie falsch doch die damalige Drogenpolitik war und auch heute noch größtenteils ist, dann weiss ich es auch nicht mehr.
Na ja, spätestens als dann Krankheiten wie HIV und Hepatitis auftauchten und sich wie ein Lauffeuer unter den Druffis verbreiteten, fand ein Umdenken statt.
Glaubt jetzt aber bitte bloß nicht, dass anfangs die gutherzige Intention dahinter steckte, den ach so armen Suchtkranken zu helfen und Ihnen das ohnehin schon schwere Leben etwas zu erleichtern. Nee Man, vielmehr waren es eher die Sorgen und Angst davor, dass sich Krankheiten wie eben diese, auch auf die „normale“ Bevölkerung übertragen und verbreiten könnten.
Und so was gilt es natürlich umgehend einzudämmen!
Na ja, wie auch immer. Scheiß auf die Intensionen, die dahinter steckten. Was zählte, war das Ergebnis und das war nun mal auch für die andere Seite gut. Und immerhin fand ja auch dann, nach und nach ein komplettes Umdenken statt.

Es dauerte nicht lange bevor der ersten Haufen weisses Pulver, auf dem Suppenlöffel landete und kurz darauf in flüssigem Zustand in einer meinen Venen verschwand.
Um eines vorweg zu nehmen. An diesem Abend merkte ich das erste Mal, was für eine krasse ambivalente Wirkung dieses Zeug schaffte, in mir herbeizurufen.
Man könnte den Abend eigentlich in drei verschiedene Abschnitte aufteilen (wie ich, glaube ich, auch schon mal in Teil 4, der ja als einziger Teil nicht in die synchronische Reihenfolge meiner Beiträge passt, schrieb)
Das erste Drittel war noch überwiegend von Euphorie geprägt. Alles war noch perfekt und ich feierte das geile Feeling.
Flachte nach einer Minute, die erste Kick-Welle nach dem Druck etwas ab, in der ich grundsätzlich nichts anderes machen konnte als mir die Ohren zuzuhalten und meinem Blut dabei zuzuhören, wie es von meinem rhythmisch schlagenden Herz, durch meinen Körper gepumpt wurde, schnellte ich auf und hüpfte euphorisch durch das ganze Haus.
So was müsste ganz schön bescheuert für einen Außenstehenden aussehen, der gerade nicht weiß was hier abgeht.
Mir selber laut zu redend, wie krass doch der Kick gerade sei, raste ich von A nach B, von B nach C, nur um dann schließlich wieder, nach drei weiteren Kreisen zwischen Küche Wohnzimmer und Bad, mit fuchtelnden Händen am Ausgangspunkt A zu landen.
Und diese Prozedur wiederholte sich also nun, je nach Größe des zuvor verschossenen Venen-Cocktail, im 10 bis 15 Minuten Takt.
Naja, für Kalle hatte die ganze Orgie wenigstens ein Vorteil, so sah doch spätestens nach dem dritten oder vierten Druck, seine Küche wie geleckt aus.

Das zweite Drittel ähnelte dem Ersten, nur dass hier nach und nach nur noch die reine Gier überhand gewann. Logisches, rationales Denken findet hier kaum noch statt, und eine zufriedene Sättigung mit dem weißen Pulver zu erreichen, ist schier unmöglich.
Bei keiner anderen Droge ist der Kick so intensiv und einzigartig doch gleichzeitig so mies, abgefuckt und asozial.
Wie schon oft gesagt, ich rede hier von meinen persönlichen Erfahrungen!
Es mag Leute geben die mehr und andere die weniger auf dem weißen Pulver klar kommen. Und am Anfang denkt, weiß, bzw. ist sich sowieso sicher, dass man selber zur 2. Gruppe gehört und diese auch immer repräsentieren wird.
Doch eins hab ich in all den Jahren fast immer beobachtet. Leute die einen langen Zeitraum heftig auf Koks unterwegs sind, und damit meine ich nicht ab und zu mal ne Line, sondern täglichen intravenösen Konsum in hohen Mengen, erreichen zwangsläufig immer irgendwann in der Zukunft einen Punkt, an dem es gnadenlos bergab geht.
Und glaubt bitte nicht, weil Ihr seit einem oder zwei Jahren eine Phase habt in der eigentlich alles gut läuft und ihr alles eingermaßen unter Kontrolle habt, dass sich dieser Zustand, wie ein roter Faden, weiter durch euer Leben ziehen wird.

Das letzte Drittel, man könnte sagen, war von den heftigsten aller Gefühlen geprägt!
Die ganze Aktion nahm hier schon fast manische und psychotische Züge an.
Mittlerweile war es 4 oder 5 Uhr morgens und der weiße, pulvrige Haufen war mittlerweile zu einem kleinen Häufchen mutiert.
Nach jedem Druck fing ich nun an, im Kreisradius von 2 Metern, den Boden nach Kokskrümel abzusuchen.
Panik machte sich langsam in mir breit. Sowohl körperlich als auch in meiner, mittlerweile extrem matschigen Birne. Die Interpretationen auf bestimmte Dinge, Geräusche fingen so langsam an mich auf übelste Weise zu penetrieren.
Ich hetzte von Fenster zu Fenster, nur um mir das Gegenteil zu beweisen dass nicht gerade das gesamte Grundstück von Einsatzkräften des SEK belagert wurde und ein Rammbock, an dem zwei Bullen klebten, durch die Tür geflogen kommt.
Und einmal nachsehen reichte da nicht. Nein! Fuck Man, nach jedem Druck lief ich erneut paranoid meine Patrouille durchs Haus.

Die Drogen versteckte ich immer wieder an anderen Stellen. Wohlgemerkt im Minutentakt und so wanderte der Beutel Koks von der ausgeleierten Couchritze, rüber ins Bad unter den grünen Vorleger, verschwand dann in einer Keksdose welche sich in der Küche befand, um dann schließlich wieder von meinen zwei Eiern in der Unterhose gewärmt zu werden. Diese kleine Rundreise bestritt er dann noch so einige Male in dieser Nacht (Abweichungen nicht ausgeschlossen).
Eigentlich hört sich dieser Zustand ja so gar nicht mehr nach Spass an oder?
Im Grunde ist es auch ein absolut ekliges Gefühl, und auch wenn ich mir über die nicht so schöne Seite, welche Kokain mir offenbarte, bewusst war und diese kannte, so war es an diesem Abend noch mal ein ganz anderes Level!
Na ja, ich denke mal der Fakt dass ich die ganze Nacht während der Koks Orgie alleine war und natürlich die immense Menge, die ich vernichtet hatte, trug da seinen nicht ganz unerheblichen Teil zu bei.

Ich wusste genau dass ab einer bestimmten Menge, dieser Zustand nur noch heftiger werden würde, dennoch saß ich aber im nächsten Moment wieder an gleicher Stelle, vor meinem Suppenlöffel um mir den nächsten Schuss fertigzumachen. Nur um den kurzen kleinen Moment der Euphorie, des Kicks auszukosten. Sag ich doch, ein verfickt paradoxer Zustand!
Der schnelle und intensivem Flash, ließ mich den „Preis“ für den Abfuck danach zahlen.
Ja Man, dieser kurze Kick ist immerhin noch das gleiche geile Gefühl. Und diese kurzen paar Sekunden waren es damals absolut wert es in Kauf zu nehmen, dass ich mich danach um so viel länger, wie ein Stück Scheiße fühlte.
Druck-Kick-Paranoia, Druck-Kick-Paranoia, Shore, Druck-Kick-Paranoia etc….etc….etc.
Aber in Zukunft sollten diese Koka Orgien noch ganz andere Ausmaße annehmen und dies war da erst der Anfang.

Um euch ein Bild machen zu können, wie gierig dieses Zeug mich machte. Vincent und Kalle tauchten morgens, es war bestimmt 9 oder 10 Uhr, wieder auf.
Ich saß gerade draußen, auf dem kleinen Mauervorsprung vor der Eingangstür und rauchte ’ne Kippe. Drinnen hatte ich es wegen oben beschriebener Zustände einfach nicht mehr ausgehalten. Die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin und mein weichgespültes Hirn schloss sich dem ausnahmslos und hingebungsvoll an. Zu mehr als einem belanglosen Zwitschern, wäre mein Hirn, welches sich wirklich zu dem Zeitpunkt wie eine schwabbelige breiige Masse anfühlte, auch definitiv nicht in der Lage gewesen!
Als ich dann also mit den beiden wieder das Haus betrat, und im Wohnzimmer auf den, noch übrig gebliebenen Rest im Beutel, welcher nun zur Abwechslung mal „auf“ dem Tisch lag starrte, wurde mir echt bewusst, dass tatsächlich bis auf drei oder vier Lines alles weg und ausnahmslos in meinem Körper gelandet war. Und das natürlich auf kürzestem Wege.
Meinen extrem matschigen Zustand zu beseitigen, schaffte der letzte kleine Gute Nacht-Druck inkl. kleinem Blech Shore, welches Vince und ich uns noch gönnten zwar nur ansatzweiße, aber wenigstens konnte ich mich nach einer Weile vertikal ablegen und im Dunkeln in irgendeinem undefinierbaren Zustand zwischen Schlaf und wach sein, verfallen.

Der nächste Abend:
Wir beschlossen zu dritt in den, einige KM entfernten, Club zu fahren.
Ein paar Line koks ziehen, etwas verticken und Spass haben. So war es geplant, doch ich kam in den Genuss auf ganz andere Weise Spaß zu haben!
Kurz bevor wir uns aufmachten, setzten Vincent und ich uns noch ’nen fetten Cocktail.
Sozusagen die Basis, die Grundlage für den Abend setzen.
Dann 20min später, wir standen gerade vor dem Club und laberten mit einem der Türsteher, als ich die erste Veränderung in meinem Körper merkte.
Kopfschmerzen klopften so langsam und subtil bei mir an.
Gibt Schlimmeres und ich dachte mir erst mal nichts Großartiges dabei, doch als es nach und nach immer heftiger wurde und auch noch mein Magen anfing zu rebellieren, merkte ich langsam, dass da irgendwas definitiv falsch läuft.
Die tiefen Bässe, der laut dröhnenden Techno Mucke, knallten und hämmerten förmlich wie ein Vorschlaghammer auf mich ein.

„Was zum Teufel geht da bitte ab?“, dachte ich mir nur.

Es fühlte sich an als würde Bauarbeiter Horst, eine imaginäre Strasse, welche sich von meinem linken Ohr quer durch meinem Kopf hinüber zu meinem rechten Ohr zog, mit seinem Lieblings-Vorschlaghammer aufreißen.
Immer wieder kniff ich meine Augen schmerzerfüllt zusammen, bis ich schließlich Vincent, mit einem dezenten Zug am T-Shirt dazu aufforderte, mit raus zum Auto zu kommen.
Meine erste Intention war etwas Shore, von der übrigens nun gar nicht mehr so viel da war, nachzulegen. Fuck Man, ich wusste überhaupt nicht, was mit mir los war.

„Was‘ los jung? Haste die zwei Mädels, hinten in der Ecke gesehen?“, gut gelaunt folgte mir Vincent, im Rhytmus der Musik hüpfend, in Richtung Ausgang.

„Mädels?? Nee, Man. Alter, mir geht’s grade richtig beschissen!
Keine Ahnung was hier grade abgeht, aber irgendwas stimmt nicht“, ich fror immer mehr und zog mir meine Jacke über.

Wir marschierten zum Auto, wo auch Vincent ’n kleines Blech rauchen wollte.
Ich öffnete die hintere Tür und setzte mich auf die Rückbank.
Mir wurde immer kälter und mein Kopf schien förmlich zu explodieren.
Als Vincent mir das Blech nach hinten reichte, zog ich einmal kurz an und verabschiedete mich dann ganz schnell von der Idee das restliche Blech zu Ende zu rauchen.
Mir war kotzübel! Mein Magen brodelte und ich konnte wirklich gar nichts von diesen Gefühlen einordnen.
Ich entschloss mich im Auto zu bleiben, während Vincent sich nach einer weiteren Line Koks, wieder auf in den Club machte.

Ich wusste es damals noch nicht aber ich hatte mir einen wunderschönen Shake geballert. Nein Mann, kein verdammten Milchshake und auch keinen sexy Bootie-Shake
Was ein Shake ist? Verunreinigtes Dope, irgendein Dreck, Bakterien, Keime oder sogar ein klitzekleines Stück des Filters, welcher durch die feine Nadel mit in die Pumpe und somit auch in deine Blutbahn gerutscht ist.
Der Name kommt wahrscheinlich von dem extremen Zittern, welche nur eine der Reaktionen deines Körpers darauf ist, diese „Vergiftung“ zu bekämpfen.

Und dieses Zittern ist wirklich so intensiv und abartig.
Die nächsten zwei oder drei Stunden waren wirklich die absolute Hölle. Meine Zähne klapperten wie nach einer Überdosis XTC. Am ganzen Leib zitterte ich, wie ein Fisch, den man soeben aus seinem Habitat gerissen und auf ein Stück Land geschmissen hatte.
Immer wieder öffnete ich die Tür des Jeeps und verzierte mit einem fetten Strahl, farbenfroher Innereien meinerseits, den dunklen Bürgersteig.
Mein Kopf, mein Körper glühten förmlich, sodass man problemlos ein Spiegelei auf einer meine Arschbacken hätte zubereiten können.
Fuck, ich dachte wirklich das war’s! Tod, Exitus, elendig verreckt auf der Rückbank eines schwarzen Jeeps.
Kurz und knapp, ein absolut einmaliges Erlebnis. Ja man, ein Erlebnis welches ich auch in der Zukunft noch einige Male auskosten durfte.

Immer wieder forderte mein, nur noch auf 50% laufendes Hirn, meinen Körper dazu auf sich in Gang zu setzen, in den Club zu marschieren und Kalle zu überreden mich zu ihm nach Hause zu fahren. Ins Bett, Fuck Man ja, ich wollte mich nur noch in ein Bett legen und diesen abgefuckten, echt üblen Zustand vorbeigehen lassen.
Doch ich schaffte es einfach nicht, die Fötusposition, in der ich mich befand, aufzugehen.
Da lag ich also nun. Meine Knie bis an die Brust gezogen, die Hände fest gegen beide Schläfe gedrückt. Zittrig und laut stöhnend, folgte jeder meiner Atemzüge ein krächzendes „Ahhhh“.
Jede noch so kleine Bewegung von mir und ich löste ein Erdbeben der Stärke 20 in meiner Kopfregion aus.
Wasser … ! Ich hatte durst, fühlte mich förmlich ausgetrocknet und dehydriert, doch außer einer Dose Bier und der Kühlflüssigkeit des Wagens, gab es nichts, was in greifbarer Nähe war. Und ich sage es mal so. Hätte ich mich für eins der beiden entscheiden müssen? Ich hätte wohl lange überlegt, so einen Ekel löste der Gedanke, meinen Mageninhalt in diesem Zustand mit flüssigem Brot zu füllen, in mir aus.
Passanten, die den Jeep passierten, dachten wahrscheinlich, dem Stöhnen nach zu urteilen, hier haben zwei Turteltäubchen besonders viel Spass und ficken sich gerade die Seele aus dem Leib.
Oh Man, wie sehr ich mir doch wünschte, dass dem so gewesen wäre.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit des Leidens, tauchte Vincent schließlich endlich auf.
Seinen Worten nach zu urteilen, sah ich wohl noch schlimmer aus, als ich mich fühlte und es bedurfte keiner großen Überredungskunst meinerseits, ihn davon zu überzeugen, mich in ein Bett zu bringen.
Kalle war zwar etwas genervt, fuhr mich aber dann schließlich zu ihm nach Hause.
Ich kroch nach oben in das Gästezimmer, schloss die Tür, zog die Rollladen runter und krabbelte mit letzter Kraft unter die große braune Wolldecke.
Eine Eimer brachte Kalle mir noch, dem ich auch noch ein oder zweimal meine Kotze, ohne Vorwarnung, reindrückte.

Auch die nächsten Stunden waren nicht von weniger Qualen geprägt. Es gibt leichte Shakes und dann wirklich üble. Es war ja das erste Mal, dass ich den Genuss, dieses tollen Erlebnis kahm, doch den in den kommenden Jahren, immer wieder mal erlebten Shakes nach zu urteilen, konnte man diesen Shake definitiv in die zweite Kategorie stecken.
Zitternd, stöhnend und immer wieder den nebenstehenden Eimer vollkotzend, verbrachte ich die restliche Nacht zwischen Halbschlaf und Wach sein.
Gegen fünf oder sechs Uhr morgens erhob ich mich wieder. Geräusche drangen nach oben in mein Zimmer.
Ich setzte mich für einen Moment auf die Bettkante, atmete tief durch und rappelte mich dann auf.
Ein Gefühl als hätte ich drei Nächte lang durchgesoffen. Ich war wackelig auf den Beinen und ein Blick in den kleinen Wandspiegel sagte mir eindeutig, das meine Fresse mit dieser Optik wohl keinen verdammten Schönheitspreis absahnen würde.
Mit kleinen Schritten marschierte ich die Treppe hinunter und mein Kopf dröhnt immer noch etwas.

Ich öffnete die Wohnzimmertür und da saßen Vincent und Kalle mit einem weiteren Pärchen.
Es schien, als hätten sie die Drogen Afterhour Party, in Kalles Hütte verlagert.
Auf dem Tisch, ein gut gemischtes Potpourri verschiedenster Drogen. Einige Line Koks, etwas Hasch und mehrere Ecstasy Pillen, die wohl dem Pärchen zuzuordnen waren.
Ich setzte mich neben Vincent auf die Couch und auch die Blicke der anderen bestätigten wohl eindeutig mein topfittes äußeres Erscheinungsbild.
Für einen Moment versuchte ich, den hyperaktiven und aufgekratzten Gesprächen der anderen zu verfolgen, musste dann aber schnell feststellen, dass mein Hirn dazu wohl noch absolut nicht in der Lage war.
Nachdem ich weitere fünf Minuten auf irgendeinen imaginären Punkt in der Ferne starte, griff ich schließlich nach vorne in meine Rechte Jeanstasche.
Ich holte das Päcken mit der restlichen Shore, welche sich mittlerweile auch auf einen kleinen Rest reduziert hatte hinaus, riss mir ein Stück von der Alufolie ab und den Rest kennt ihr ja mittlerweile.
Etwas Shore auf die Alu geknallt und einen tiefen Zug für den Weltfrieden.
So nach und nach füllte sich mein Körper wieder mit etwas „Leben“ und nach ‘ner weiteren halben Stunde inkl. zwei aufgenommener Aspirin, war ich wieder einigermaßen hergestellt.

Ich verbrachte noch den Vormittag bei Kalle und machte mich dann auf die Suche nach McFly.

To be continued …..
MADMIKE 22.06.2016

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Teil 24 – Drogeneinkauf in Holland

Ein Bekannter von Vincent, um einige Jahre älter, der wohl eher in die Kategorie „dicke Brieftasche“ einzuordnen war, wollte mal gerne so richtig einkaufen. Und damit meine ich keinen Großeinkauf im nächst liegenden Edeka. Nee Man, er wollte sein Privatsortiment illegaler Substanzen, mal so richtig aufstocken. „Viel“ ist natürlich relativ und jeder stellt sich darunter etwas anderes vor, aber es sollten halt nicht nur ein paar Grämmchen werden. Einmal richtig in die Vollen. Und am besten von allem etwas. Ein paar Ecstasy, etwas Hasch und um die Sammlung zu vervollständigen, natürlich auch noch ’nen fetten Batzen Koks.
Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme, als ich dies alles hörte.
Immerhin ’ne verdammt gute Möglichkeit meinen Opiat Rezeptoren mal wieder ordentlich zum Tanzen zu bringen.

Alleine wollte er mich erst mal kennenlernen, und so wartete ich unten in der Nähe vom Taxistand auf ihn.
Ich war extrem gespannt darauf den Typen das erste Mal zu sehen. Irgendwann kam dann ein fetter Geländewagen, Chromfelgen und getunt bis zum Anschlag, um die Ecke gerollt.
Die Tür öffnete sich und er begrüßte mich. Was für ein geiler Wagen, dachte ich nur und hüpfte auf den Beifahrersitz.
Ich staunte erst mal kurz als ich den Typen vor mir erblickte. Meine Fresse, was für ein Brecher! Der war bestimmt zwei Meter groß und breit wie ’ne verdammte Mauer. Dann noch so ’ne typische Vokuhila Frisur, welche in den Achtzigerjahren In, und eigentlich nur in die Kategorie „Absolut peinlich“ einzuordnen waren. Ganz ehrlich? Zuhälter war der erste Begriff, der mir durch den Kopf ging, als ich mir überlegte, welche Berufswahl dieser sympathisch erscheinende Man wohl ergriffen haben würde. Eigentlich fühlte ich mich erst mal gar nicht so wohl bei der ganzen Sache, aber wie sagt man doch so schön? Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover, und nachdem wir einige Minuten miteinander gequatscht hatten, verflogen meine Sorgen.
Er schien sogar richtig nett zu sein und hatte irgendwie eine Art an sich, die überhaupt nicht zu seinem krassen äußeren Erscheinungsbild passte.
Wir fuhren eine Runde durch Überlingen, besprachen die Aktion und beim Aussteigen drückte er mir noch mal eben so zwei Blaue in die Hand.

Danach lief das Ganze ziemlich spontan und schnell ab. McFly war glaub ich gerade auf E mit ’n paar Leuten unterwegs.
Nachdem ich erst noch telefonisch probiert hatte XTC Teile im Wert von 5 Riesen klarzumachen, saßen wir also nun zu dritt im ICE Richtung Heerlen.
Wie ich später erfuhr, dachten die beiden Typen aus Köln, die ich angerufen hatte, ich wollte sie mit dieser nicht gerade kleinen Menge abziehen.
Na ja, wie auch immer. Wir kamen spät abends in Aachen und anschließend Heerlen an.
Um dieses Uhrzeit wollte mich nicht  mehr auf die Suche machen, also checkten wir in ein kleines Hotel ein.
Kalle in einem, Vincent und ich zusammen in dem daneben liegenden Raum.
Oben angekommen, checkten Vincent und ich erst mal das kleine Zimmer ab.

„Alter, leg dich hin. Chill mal was“, Vincent, der sich soeben wie ein nasser Sack und mit lautem Stöhnen, auf eins der Betten fallen lassen hatte, merkte mir wohl meine Unruhe an.

„Hmm? Was meinste?“, nervös ging ich in dem kleinen Raum, dessen braun orangene Tapete mich an meine Kindheit erinnerte, Auf und Ab.

„Was‘ los Man? Komm, lass uns noch „Einen“ rauchen und dann pennen“, Vincent stopfte sich gerade den Rest eines Käsesandwichs, welches er beim Aussteigen aus dem ICE, noch schnell von einem unbeaufsichtigten Getränkewagen mitgehen lassen hatte, in seinen Mund.

„Hmm, jaja mach mal“, ich starrte durch das Fenster runter, auf die durch Laternen  ausgeleuchtete Straße.

In meinem Kopf schwirrte gerade etwas ganz anderes herum. Die Gier nach etwas Braunem klopfte immer penetranter bei mir an, umso näher wir uns der holländischen Grenze näherten.

„Hey, ich komme gleich wieder.“, wie von der Tarantel gestochen schnappte ich mir meine Jacke und hetzte aus dem Zimmer.

Hektisch klopfte ich an Kalles Zimmer.

„Ja man, was gibts“, Kalle öffnete, in Shorts und mit Kippe im Mund, die Tür.

„Hey Kalle. Gib ma‘ eben 50 Mark bitte.“, mit großen Augen grinste ich Ihn fordernd an.

„Was? Wozu? Warum jetzt?“, er drehte sich um und ich hielt die Tür mit meinem Fuß offen.

„Ja Man. Mach mal bitte. Ich brauch die. Ist auch wegen morgen und so.“, ich betrat sein Zimmer und nahm mir ’ne Marlboro aus seiner Packung, welche auf dem kleinen Beistelltisch neben dem Bett lag.
Kalle überlegte kurz, zückte dann aber, mit einem alles und nichts aussagenden kurzen Stöhnen, sein braunes Leder Portemonnaie und drückte mir die 50 Mark in die Hand.
Ein kurzes „Danke und Tschüss“ und ich verschwand ich wieder. Hetzte dann die Treppen hinunter und schnell dem Typen hinterher, den ich eben noch vom Fenster aus mit meinen mittlerweile perfekt justierten und in feinster Symbiose laufenden Shore-Sensoren als möglichen Konsumenten identifiziert hatte.
Ich erwischte ihn und er hatte sogar doch tatsächlich Dope auf Tasche. Mit drei Kugeln und um 50 Mark ärmer, kam ich wieder zurück aufs Zimmer, wo Vincent mit seinem fetten Arsch hackebreit auf dem Bett lag.

„Bingo Alter, Bingo!“, ich riss die Tür auf und hetzte durch‘s Zimmer.

„Nee ne? Echt jetzt? Krass!“, Vincent rappelte sich auf und starrte erfreut auf die drei kleinen, in Folie eingeschweißten Kügelchen.

„Ja Man! Folie? Hast du Alu?“, unruhig suchte ich jede nur mögliche Stelle, nach einem Stück Alu ab. Nichts!

„Komm Man! Beweg mal deinen faulen Arsch und hilf mir suchen. Willst bestimmt mitrauchen, oder nicht?“, mittlerweile war ich bei meinen Klamotten angekommen und drehte jede Tasche 2mal nach außen.

„Äh ja, schon Man. Ich meine klar!“, Vincent, der wie es schien eine ganze 1 Gramm Mischung, innerhalb der letzten halben Stunde in sich aufgenommen hatte, bewegte endlich seinen faulen Arsch und half mir suchen.

Dann, nach weiteren fünf Minuten, fiel mein Blick auf den kleinen, im Schrank eingebauten Kühlschrank, welcher unter dem Fernseher stand.
Ich öffnete ihn und entdeckte mit großer Freude eine Tafel weiße Milka Schokolade.

„Jawohl! Geht doch!“, ich riss die äußere Verpackung runter, entfernte die weiße Schokolade, und mit den Worten „Mach mal ’n Röhrchen“, fackelte ich die Folie mit meinem Feuerzeug ab. Wahrscheinlich kostete die Tafel Schokolade aus der Minibar, genauso viel wie einer der drei Kügelchen, aber das war mir in dem Moment eigentlich scheißegal.

Schnell riss ich einen der Bobbel mit meinen Schneidezähnen auf, und schüttete alles auf die Folie.

„Moment! Nein Man! Das kann doch nicht …“, ich feuchtete meinen Zeigefinger mit etwas Spucke an, nahm ein wenig des Pulvers auf und leckte es mit meiner Zunge ab. Ich wiederholte den Vorgang mit dem nächsten Bobbel und dann auch mit dem letzten.

„DIE KLEINE MIESE FOTZE! ARGHHH! DU KLEINE VERDAMMTE RATTE!!!“, den darauffolgenden Wutausbruch, in Worte zu fassen, würde jetzt die lyrische Kompetenz meinerseits komplett überschreiten.

Ich war kurz davor komplett auszurasten. Dieser kleine Drecksack, hatte mich doch tatsächlich abgezogen.
Es war alles, aber nur keine Shore, in den drei mit Folie verpackten Bobbel. Voller Wut kickte ich den kleinen Holz-Mülleimer, der mit einem lauten Knall gegen eins der Fenster flog und diese dezent zu vibrieren brachte.

„Alter, Man!“, Vincent riss die Augen auf und auch ich, muss zugeben, hatte für einen kurzen Moment damit gerechnet, dass die morgige Hotelrechnung um einiges höher ausfallen würde.

Na ja, die Scheibe hielt dem fliegendem Papierkorb stand, und schließlich konnte mich nebst einem Zug von Vincents fett gebautem Joint, dann letztendlich das Klopfen anderer Hotelgäste, welche wohl nicht gerade über meinen lautstarken Wutausbruch begeistert waren, wieder etwas Ruhiger werden.
So was fuckte extrem ab! Normalerweise hätte ich jetzt noch meine Beine in die Hand genommen und wäre solange durch die Nacht geirrt bis ich den kleinen Wichser erwischt hätte.
Aber was soll’s. Zum einen war ich nicht schlimm affig, und zum anderen wusste ich, wie die kommenden Tage ablaufen werden.
So kam es sogar, dass ich einige Köpfchen später mit Vincent über die ganze Sache schmunzeln musste.
Und außerdem, man trifft sich immer zweimal im Leben.

Aber dennoch war es scheiße! Ganz mies ist so was, wenn du voll auf Turkey bist, mit müh und Not irgendwie Kohle für einen kleinen Affentöter klargemacht hast und dann feststellen musst, dass Du irgendeinen verfickten Dreck gekauft hast. Diesen Frust, dieses Gefühl zu beschreiben, ist schier unmöglich! Aber so war, oder ist es nun mal. In diesem Umfeld, dieser Scene, geht es um das nackte Überleben. Hier heißt es Fressen oder selber zum Fraß werden.

Der nächste Morgen. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf, in Richtung Bahnhof.
Kalle setzten wir in ein Café, direkt am Hauptbahnhof in Heerlen.
Er wollte etwas im Hintergrund bleiben, was für mich vollkommen okay war, zumindest damals. Immerhin bezahlte er alles.
Als Erstes stand auf unserer Einkaufsliste das Hasch.
Ich fuhr mit Vincent direkt zu einem Coffeeshop, den ich kannte. Beziehungsweise ich kannte den Laden, mehr aber auch nicht.
Wir kauften erst mal zwei Gramm und hauten uns dann, inkl. Wasserpfeife, in eine ruhige Ecke. Schon nach dem ersten dicken Köpfchen, merkte ich, und auch Vincent, wie dermaßen breit wir wurden.
So breit, dass wir überhaupt nicht mehr in der Lage waren, unser ursprüngliches Ziel zu verfolgen. Und so dauerte es geschlagene 45 Minuten, bis einer von uns beiden auch nur ansatzweise wieder fit war um ein Gespräch mit dem, ich glaube türkischen Besitzer, zu starten.
Hätte auch beim ersten Anlauf nicht klappen können, doch weitere 30 Minuten später standen wir zusammen mit einem Kollegen des Besitzers, in einer kleinen Wohnung, nur einige Minuten entfernt vom Coffeeshop. Vor uns ein Anblick für Götter!! Drei oder vier dicke pralle Tüten, gefüllt mit dem besten Gras und Hasch. Dem Typen eine überziehen, alles abgreifen und ab nach Jamaika? Hmm … näh, lieber doch net.
Nach Hin und Her Feilschen wechselten 400 Gramm wirklich gutes Hasch den Besitzer.
Fragt mich nicht, wieviel wir bezahlt hatten. Wäre es meine Kohle gewesen, könnt ich mich wahrscheinlich noch daran erinnern, aber so…

Nächste Station Mr. Shore und Mrs. Koks. Nachdem wir das Hasch bei Kalle im Café abgeliefert hatten, machte ich mich alleine rüber auf die andere Straßenseite, zur Szene am HBF.
Vincent, der immer noch so aussah als wäre er kurz davor aus den Latschen zu kippen, ließ ich bei Kalle. Die kurze aber echt intensive Hash-Orgie im Coffeeshop hatte ihn total weggeschossen. Das Zeug welches wir geraucht hatten, war aber auch extrem potent.
Und so machte ich mich geradewegs runter in den Tunnel, welcher die beiden Bahngleise miteinander verband.
Es war kurz vor Mittag und überall liefen Druffis rum. In dem Tunnel waren bestimmt an die 15 Leute. In einer Ecke waren sie am Basen (Koks rauchen) und in der anderen saßen Junkies und zerstochen sich gegenseitig Ihre letzten noch übrig gebliebenden Venen. Der Rest verteilte sich im Tunnel und tat das, was Süchtige am besten können. Husteln und Ballern.

Doch bevor ich mich auf die Suche nach einem passenden Lieferanten für unseren Großeinkauf machte, musste ich vorerst meine Gier befriedigen.
Von einem der Afrikaner holte ich mir eine Kugel Braunes und eine kleine Kugel Weißes, für das gewisse Extra. Für die besondere Würze sozusagen. Die Kirsche auf der Sahne, das Topping auf dem Cake!
Auf Drogenszenen fand man immer Leute die Kohle damit machten, indem Sie frische Pumpen und andere Accessoires, die es für einen erfolgreichen Schuss in den Himmel brauchte, für einen kleinen Obolus anboten. So auch hier, und so hockte ich fünf Minuten später, neben zwei Koks rauchenden Holländer und kochte mir mein Zeug auf.
Noch schnell die fertige braune Suppe mit dem weißen Pulver verfeinert und los ging der Spaß.

Wow! Auf eins konnte man sich bei unseren holländischen Nachbarn fast immer verlassen. Ich meine, Frau Antje überzeugte nicht nur mit 1a löchrigem Käse. Nee Man, auch das Dope, welches man dort bekam, war fast immer von astreiner Qualität. Zumindest solange man sich nicht ganz doof anstellte, oder aber nachts um 12 von irgendeinem abgefuckten Junkie übers Ohr gehauen wurde.
Es dauerte geschlagene drei Kippen und min. 10 Minuten, bis ich wieder in der Lage war, meinen Körper in die Vertikale zu richten und einen einigermaßen klaren Kopf zu fassen.

Ich schlenderte weiter, und nachdem ich endlich einen Typen abgewimmelte hatte, der breit wie tausend Mann war und mir schon seit Minuten mit seinem holländischen Gebabbel auf den Sack ging, kam ich schließlich mit einem, ich glaube er war Marokkaner, ins Gespräch.
Er war gut gekleidet und sah nicht so aus als würde er selber konsumieren. Ein gutes Zeichen. Denn den kommenden Deal, wollte ich sicher nicht über einen abgefuckten Junkie, der nur auf seinen eigenen Profit aus ist, klar machen.
Ich hatte ein gutes Gefühl bei dem Typen, und dies ist schließlich das einzige worauf man sich bei Geschäfte dieser Art verlassen konnte. Wir besprachen einige Einzelheiten und gingen dann in Richtung Café.
Fünf Minuten später saßen wir zur viert in einem Taxi, auf dem Weg zu einer abgelegen kleinen Wohnung, einige KM außerhalb Heerlen.
Es war schon gut jemand wie Kalle mit am Start zu haben, denn alleine sein imposantes Erscheinungsbild, ließ es Leute gut überlegen irgendetwas Linkes abzuziehen.
Obwohl er wahrscheinlich alleine komplett aufgeschmissen wäre hier, da er nun mal kaum Ahnung von Drogen, und deren Beschaffung hatte.
Für ihn war das ein komplett neues Geschäftsfeld.
Außer ab und zu mal einen kleinen Joint und ganz selten mal ne kleine Line Koks, nahm er selber gar nichts. Es ging im rein um den Gewinn.

Hatte ich eigentlich schon erzählt, dass er zwei Wochen zuvor von irgend so einem Typen aus Überlingen übers Ohr gehauen wurde?
Es ging um eine Menge Geld und eine Menge Koks, und schließlich hatte am Ende Kalle keines von beiden.
Dies war auch mit ein Grund warum wir jetzt alle hier in Holland waren.
Naja, ich wollte aber definitiv nicht in der Haut des Typen stecken, wenn Kalle ihn mal erwischen sollte.

Schon beim Eintreten in die Wohnung, merkte man diese einzig und allein, nur einem Zweck diente und hier keiner regulär wohnte.
Um einen kleinen Glastisch herum, setzten wir uns hin und nachdem der Marokkaner einige Worte auf Arabisch mit seinen zwei Kollegen wechselte, verließ einer von beiden den Raum und kam kurze Zeit später mit einem großen schwarzen Koffer in der Hand zurück.
Meine Verfickte Fresse!! Ich musste mir mehrmals die Augen reiben, als sich der Inhalt des Koffers vor uns offenbarte.
Zwei, mit jeweils braunen und weißen, dicken Klumpen gefüllte Tüten, grinsten uns förmlich an.

Der Marokk griff einmal beherzt in die Tüte mit der Shore und knallte mit dem Wort „Testen?“, einen dicken Batzen auf den runden Glastisch, dessen Spuren übrigens eindeutig aussagten, dass es sich hierbei um eine Standard-Prozedur hielt und diese nicht nur einmal im Monat stattfand.
Nachdem ich ein Stück Alu bekam, legte ich etwas auf und startete einfach mal.
Wow! Das Zeug war einfach nur Bombe. Man merkte sofort, dass hier kaum Streckmittel am Start waren. Ein dicker dunkelbrauner, fast schwarzer Fleck formte sich, nachdem ich das Alu von unten erhitzte.
Der Geschmack war extrem intensiv, aber gleichzeitig sanft und überhaupt nicht aggressiv.
Die Spur, die die Shore auf der Alu hinterließ, war genauso wie sie sein sollte! Es war die goldene Mitte. Hast du zum Beispiel Shore erwischt, die zum größten Teil mit Mannitol gestreckt ist, hinterlässt das Zeug fast überhaupt keine Spur und es läuft extrem schnell und lange Hin und Her.
Andere Streckmittel wiederum verbrennen sofort und hinterlassen tiefschwarze Punkte und Spuren.
Nein Man, das Zeug welches wir hier vor uns liegen hatten, war von astreiner Qualität!
Nur zweimal ließ ich den Drachen hin und herlaufen, und reichte dann das Blech rüber zu Vincent. Ich war auf seine Meinung gespannt, immerhin hatte ich schon einiges intus. Aber auch ihm ging es nicht anders. Sein zufriedenes Grinsen und seine, nach nur ein paar Zügen, schwer werdenden Augenlider, sagten definitiv mehr aus als tausend Worte.

Dann ging es weiter zum guten Koks. Auch hier ließ ich Vincent den Vortritt.
Gekonnt formte der Marokkaner, zügig mit seiner Scheckkarte, sieben oder acht Lines, die nun in ihrer vollen Pracht und Schönheit den Glastisch verzierten.
Vincent rollte ein Röhrchen aus einem 50 Mark Schein, warf seinen internen Staubsauger an, und das weiße Pulver verschwand widerstandslos in seinen Nasenlöchern.
Auch Kalle lies es sich nicht nehmen und ein kurzes „Wow“ später, zierte eine Line weniger den runden Tisch.
Ich feuchtete meinen Zeigefinger mit etwas Spucke an, presste diesen einmal kurz auf eine Ecke des Glastisches und verrieb, die nun auf der Spitze meines Fingers klebenden Kokskrümel, auf meinem Zahnfleisch.
Auch hier das gleiche. Ein ganz sanfter, subtiler Geschmack. Es tat sich erst mal gar nichts. Keine Betäubung o.ä.
Viele denken immer dass gutes Koks, „sofort intensiv“ betäuben muss. Ein Irrglaube. Meistens entsteht dieser Effekt, weil es z. B. mit Lidocain oder anderen betäubenden Substanzen gestreckt ist. Nein Mann, Koks betäubt definitiv, aber es kommt ganz sanft und langsam. Hat man richtig gutes astreines Weißes, dann ist das Runterkommen auch gar nicht so schlimm. Der Kick hält sehr lange an und schwächt dann auch wieder langsam und sanft ab.

Nachdem sich die drei Marokkaner die Nase gepudert hatten, ließ ich mir es natürlich auch nicht nehmen und könnte mir die letzte dicke Line.
Jetzt erst spürte ich auch, wie mein Zahnfleisch eine leichte Betäubung annahm.
Die Line kam genau so, wie ich es dachte. Das Zeug stand dem astreinen Braunem wirklich in gar nichts nach. Es war genauso top!! Diese ambivalente Wirkung von Heroin und Koks ist einfach nur einmalig. Es ist als könnte man gleichzeitig schlafen und einen 1000 Meter Lauf bestreiten. Man ist im Abstand von Sekunden entspannt und aufgeputscht.
Mit den drei Marokkanern hatten wir wirklich einen absoluten Volltreffer gemacht.

Nach weiteren 15 bis 20 Minuten des Feilschen um einen guten Preis, verließen wir die Wohnung schließlich wieder.
Auch hier, fragt mich nicht wie viel genau wir dort geholt und ausgegeben haben. Ich weiß es wirklich nicht mehr genau, aber es war verfickt noch mal viel.
Über 100 Gramm koks und um die 30 Gramm Shore.
Und das Dope war so gut dass man problemlos das Doppelte daraus hätte machen und es immer noch mit Kusshand an den Man bringen können.
Da standen wir nun also 5 Minuten später, zu dritt inkl. einer braunen Aktentasche, gefüllt mit einem Portfolio verschiedener Drogen, die das Gesamtgewicht eines halben Kilos ankratzten oder sogar überstiegen.

Wir befanden uns nur ca. fünf Kilometer entfernt von der deutschen, sogenannten grünen Grenze und wollten nur eins. So schnell wie nur möglich das Dope, „am besten natürlich“ ungefickt, rüber auf die germanische Seite bringen.
Wir hatten Glück und erwischten nach einigen Minuten ein Taxi, und so ließen wir uns, bis circa einem Kilometer vor die Grenze chauffieren. Vorher zogen Vincent und ich uns aber noch zwei Blaumänner über, die wir mitgenommen hatten. Etwas was ich oft tat, wenn ich nach Holland fuhr. Warum könnt Ihr Euch ja denken.
Vincent hatte das Vergnügen mit der Tasche in der Hand über die Grenze zu spazieren.
Kalle ging als Erster vor und wir konnten aus der Ferne beobachten, wie er problemlos rüberkam. Kein Zoll oder Bullen.
Dann hieß es Augen zu und durch, und auf den Gott des ewigen Glückes hoffen.
Wir marschierten wir Richtung Grenze.
Ein kurzes Herzklopfen und wir betraten wieder deutschen Grund. Keine Bullen, kein Zoll.

Dachte ich großartig darüber nach was passieren hätte können, wenn wir hier und jetzt mit fast einem Kilo Drogen gefickt werden würden? Nö Man. Vielleicht kurz, vielleicht für ein paar Sekunden. Vielleicht in dem Moment wo wir mit dem Pulver die Grenze überquerten. Aber das war’s dann auch schon! Ich war einfach immer nur im Hier und Jetzt. Und das am besten mit genügend Drogen in meiner Blutbahn. Vielleicht hat deshalb auch alles immer so gut geklappt.
Einige Kilometer hinter der deutschen Grenze schnappten wir uns wieder ein Taxi, mit dem Ziel Aachen HBF.
Dort verstauten wir die Drogen in einem Schließfach und fuhren dann mit einem Zug weiter nach Amsterdam.
Die beiden waren noch nie da, und jetzt wo der Einkauf gut verstaut war, wollten wir dort einfach noch einen Abend Spaß haben und chillen.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und zwackte mir vorher noch einen guten Beutel Shore ab, der meine und Vincents Rezeptoren unter Dauerbeschuss halten sollte.
Und außer einem kleinen Vorfall entsprach der Abend auch genau unseren Vorstellungen.

Angekommen in Amsterdam, schlenderten wir über die Straßen in der Nähe des Hauptbahnhofes.
Kalle und Vincent machten gerade einen Stopp in irgendeinem Laden und ich lief etwas weiter, Ausschau haltend nach einem vernünftigen Coffeeshop.
Plötzlich wurde ich von hinten angerempelt und im nächsten Moment stehen vier oder fünf, ich glaube es waren Türken, fluchend um mich herum.
Der eine, in der Hand haltend, ein aus Papier gefaltetes Päcken und will mir doch glatt weiß machen, ich sei dafür verantwortlich, das sein verficktes „imaginäres“ Gramm Shore oder Koks nun auf den Straßen von Amsterdam verteilt liegt. Und natürlich wollen Sie jetzt Schadensersatz.
Die kleinen Fotzen! Ich meine, wir alle hatten unsere Wege um unsere Sucht zu finanzieren, aber auf diese dreiste Art und Weise?!
Natürlich war in dem Päcken gar nichts drinnen, und den Teller großen Pupillen zu urteilen nach, war der Grund sofort klar!
Es wurden lautstarke Worte gewechselt, bis die Ottos schließlich anfingen mich herumzuschubsen.

„Gib Kohle her, gib Kohle her!“, forderte der lockige Typ mich immer wieder auf!

„Was Kohle?! Verpisst euch! Sucht euch einen anderen Deppen der auf eure Masche reinfällt!“, ich riss mich von der Locke los, der immer wieder anfing an meiner Jacke zu zerren.

Dann schubste mich jemand von hinten. Ich drehte mich um und antwortete mit gleicher Geste, sodass einer von den Vieren ein paar Meter zurück stolperte und auf seinem Arsch landete.
Naja, was soll man schon großartig gegen vier oder fünf Typen in so einer Situation machen?! Die Schubserei ging weiter, und einige Momente später lag ich ebenfalls auf meinem Arsch in einem der kleinen Souvenirläden, dessen Verkäuferin sich nun auch lautstark einmischte.
Und dann, gerade als ich in dem kleinen Glasspiegel, der auf der Wand vor mir angebracht war, beobachten konnte wie zwei der Fotzen wieder auf mich zukamen, klatschte es plötzlich so dermaßen laut, das selbst ich mich erst schreckte. Es hörte sich an als würde jemand eine Peitsche mit voller Wucht, in der Luft knallen lassen.
Ich rappelte mich wieder auf, drehte mich um, und da stand ein grinsender Kalle vor mir der mir mit den Worten „Dich kann man ja auch nicht allein lassen“, wieder auf die Beine half.
So wie es aussah, hatten die Fotzen keinen Bock sich mit dem zwei Meter großen Fleischberg anzulegen. Zwei nahmen anscheinend schon beim Anblick von Kalle ihre Beine in die Hand, und die beiden andern machten nach der Aktion die Fliegen. Na wenigstens konnte ich noch kurz die, von Kalles flacher Hand verzierte, in schönster dunkelroter Farbe strahlende, dicke Backe von Locke begutachten, bevor sich auch er letztendlich verpisste.
Wie ich schon sagte. Es war definitiv von Vorteil ein Masse-Monster wie Kalle mit dabei zu haben. ^^

Der restliche Abend verlief ohne große Vorkommnisse. Wir entschlossen uns die geplante Aktion noch nach XTC Pillen zu schauen, für dieses Mal auf Eis zu legen.
Wir chillten in einem der größten Coffeeshops Amsterdams, und fuhren dann spät am Abend, mit dem letzten Zug wieder zurück nach Überlingen.
Natürlich mussten wir da noch einen Zwischenstopp in Aachen machen, um unseren gut gelagerten Großeinkauf abzuholen.
Ich sag Euch Leute, dort ist mir mein verficktes Herz noch mal so richtig in die Hose gerutscht.

In Aachen angekommen, hatten wir noch gute 20 Minuten, bis unser Anschluss Zug Richtung Überlingen die Biege machte.
Vincent und ich marschierten also runter in den Bahnhofsvorraum, und da er nun mal das einmalige Vergnügen hatte mit rund 500 Gramm an Drogen über die Grenze zu spazieren, erklärte ich mich bereit, die braune Aktentasche aus dem Schließfach zu bergen.
Schon verrückt! Heutzutage würde ich von Paranoia geplagt, wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit auffallen und gefickt werden. Aber damals? Kein Problem Man. Einfach machen, ohne großartig nachzudenken.
Ich meine, schauen wir uns doch mal an, was genau ich von dieser ganzen Holland Aktion damals überhaupt gehabt habe.
Für einige Tage kostenlose Drogen, ’n bisschen Kleingeld und ’n bezahlten Kurzurlaub bei unseren käseliebhabenden Nachbarn. Und das alles bezahlt mit der Möglichkeit, für einige Jahre bei Duschen permanent aufpassen zu müssen, auf keinen Fall die Seife fallen zu lassen. Ich mein Fuck Man. Stellt euch vor die hätten mich mit der Tasche gefickt. McFly hätte mich definitiv für ne lange Zeit nicht mehr wiedergesehen. Und fasst wäre es dazu auch gekommen.

Ich holte also unseren Einkauf aus dem Schließfach, während Vincent einige Fressereien aus einer Bäckerei klar machte.
Ich musste einen längeren Gang zurückgehen und die Bäckerei war um die Ecke, direkt neben einer Treppe, welche hoch zu unserem Gleis führte.
Ich stolzierte also mit der Aktentasche in der Hand den Gang entlang und unmittelbar nachdem ich um die Ecke bog und Vincent, der sich gerade ein Brötchen reinstopfte, mit einem meiner schlauen Sprüche beglücken wollte ….  Ich meine wirklich Sekunden davor, merkte ich gerade noch, wie er von zwei Zivis belästigt wurde.
Fuck Man, mein Mund war noch geöffnet und ich schaffte es gerade noch so, die Wörter welche kurz davor waren meine Fresse zu verlassen in ein unterschwelliges Husten umzuwandeln, und an den Dreien vorbeizugehen.
Mit Herzrasen, weichen Knien und Tunnelblick ging ich geradeaus weiter. Fuck Man, Herzrasen ist gut, meine Pumpe war kurz davor zu explodieren!
Ich ging zu einem Snackautomaten, über dessen Spiegel ich noch beobachten konnte wie Vincent seinen Ausweis vorzeigen musste, zog mir irgendeinen Scheiß, drehte dann um und marschierte schnellen Schrittes die Treppe hoch hinauf zum Gleis.
Ich weiß wirklich nicht, ob Gott zu dieser Zeit selber drauf war und ein Herz für Junkies hatte.
Keine Verfickte Ahnung. Ich weiß nur, dass wenn ich um nur fünf Sekunden früher die Ecke passiert hätte, der nächste Teil in meinem Blog mal wieder einen Titel mit dem Namen „JVA – Ich komme“, tragen würde.
Der Hauptbahnhof in Aachen war nun mal arschbekannt bei den Bullen und dort wurde fast genauso viel und oft kontrolliert wie an den Grenzübergängen. Mit ein Grund, weshalb McFly und ich bei unseren sonstigen Holland-Tripps, diesen Bahnhof mieden und eine andere An und Abfahrt nahmen.
Wie ich auch immer. Zum Glück hatte Vincent überhaupt nichts mehr auf Tasche und kurze Zeit später saßen wir drei im Zug Richtung Überlingen.
Die Rückfahrt war ziemlich geil. Ich war so dermaßen breit und verbrachte die ganze Fahrt über in dem Nachbar-Abteil, wo ich ein ziemlich heißes Eisen, mit meinem, durch Koks und Sugar ausgelöstem Laberflash, beglückte.

Zurück in Überlingen:
McFly war, wie ich erfuhr, immer noch auf seiner chemischen Rundreise und wahrscheinlich irgendwo mit irgendwem abgesackt.
Ich saß nun mit Kalle und Vincent, auf der schwarzen Ledercouch und wir drei begutachteten die vor uns liegenden, in voller Pracht scheinenden Drogen.
Kalles Haus war wirklich schön. Ein kleines, auf einer kleinen Erhöhung liegendes, freistehendes Häuschen.
Fuck Man, jetzt mal ehrlich. Ich weiß wirklich nicht, was Kalle sonst so in seinem Leben getrieben hatte. Ob er einen ehrlichen Job hatte, ob er reich geerbt hatte oder aber ob er wirklich Zuhälter war. Wirklich, wo ich jetzt hier sitze, schreibe und drüber nachdenke. Ich weiß und ich denke ich wusste es auch damals nicht.
Aber wie auch immer, war mir zu der Zeit sowieso egal.

Es war mittlerweile später am Abend. Kalle hatte so einen Sportwagen. Neben seinem dicken Geländewagen.
Irgend so einen braunen Ami-Schlitten. Mustang, Pontiac oder Ähnliches.
Es war auf jeden Fall ein 2-Sitzer und Kalle wollte unbedingt mit dieser Kiste an dem Abend losziehen. Er hatte zwar, glaube ich so einen kleinen Notsitz, aber ich entschied mich, darauf zu verzichten und den Abend alleine bei Kalle zu verbringen.

Aber Hey, was heißt denn hier alleine? Nee Mann, ganz alleine war ich natürlich nicht, und so hatte ich vor, mir einen schönen gemütlichen Familienabend zu machen. Einen Abend mit Opa Sugar und Oma Whity. Meine beiden Lieblings-Verwandten.
Vincent packte noch ’ne Menge an kleinen Päcks ab, die sie an dem Abend im Club an den Mann bringen wollten und dann verpissten die beiden sich.
Da saß ich also nun. Alleine in dem Haus, vor mir liegend mein Anteil. Ein dicker 15 Gramm schwerer Beutel Koks und daneben ein echt fettes Päcken Shore.
Sich ein Bild über den Ablauf des bevorstehenden Abends und der kommenden Nacht zu machen, dürfte Euch, glaube ich, nicht sehr schwerfallen.

Wisst Ihr eigentlich was ein „Shake“ ist? Ganz üble Sache…
Aber dazu mehr im nächsten Teil.

#MadMike

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TEIL 23 – GRAS AM SACK

Es dauerte wie gesagt nicht lange und wir waren in ganz Überlingen bekannt wie bunte Hunde.
Man kann es wohl das typische Dorf Syndrom nennen. Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer und dies kann man wohl als gut, sowie auch als schlecht ansehen.
Da unsere Haupt Betätigung nun mal aus der aus der kostenfreien Beschaffung verschiedener Produktpaletten des Einzelhandels bestand, wohl eher als negativ anzusehen. Diese altbekannten „Versucht-es-erst-gar-nicht-hier-Blicke“ ernteten wir nun auch hier immer öfters.
Fehlte nur noch das irgendwann im ganzen Dorf Flyer verteilt werden würden, und Aushänge an den Schaufenstern von uns zu sehen sein.
Wie früher, diese REWARD-Zettel aus dem Wilden Westen.
Zum Glück gab es aber noch den ein oder anderen größeren Supermarkt, in welchem wir noch einigermaßen in der Masse untergingen und unsere Arbeit gewissenhaft erbringen konnten.

Auf der anderen Seite brauchten wir aber ja auch nicht mehr so viel Kohle wie sonst, da die tägliche Jagd nach dem braunen Pulver, ja tatsächlich „erst mal“ wegfiel.
Und wir lernten wir halt immer mehr neue Leute kennen
Ständig wurden wir von irgendwelchen Jugendlichen Kids angesprochen.

„Hey, seid ihr nicht die beiden die aus Köln kommen?“,

„Seid ihr nicht die beiden die Kippen verkaufen“,

„Habt ihr Gras da?“, und so weiter, etc. etc.

Umso mehr Leute wir kannten, desto mehr Möglichkeiten boten sich für uns an, die Nächte nicht in der verfickten Kälte zu verbringen.
Und natürlich lernten wir auch coole Leute kennen.
Wir schliefen mal hier, mal dort und dann mal wieder eine Nacht im Freien.
Und Shore? Ja, die war wirklich erst mal vom Tisch. Zumindest war der tägliche Konsum unterbrochen, und das nach echt langer Zeit.
Stattdessen waren die Rohypnol aber nun täglich da. Zumindest für mich, denn McFly naschte nur ganz selten von dem Candy.

Ganz Clean? Ohne alles? Das war ein Zustand, auf dem ich noch nicht klar kam.
Irgendetwas musste noch da sein. Irgendein Anker, an dem ich mich festhalten konnte. Irgendeine Veränderung. Der Realität nackt und ungeschützt ins Auge zu schauen, sich seinen Gefühlen zu stellen, fiel mir einfach schwer. Zu sehr hatte ich mich an dieses Gefühl, diese Veränderung welche Shore in mir herbeirief, gewöhnt. Konsumierst du über eine lange Zeit Opiate, deckst du Probleme auf, von denen du nicht mal ansatzweise wusstest dass sie überhaupt existieren könnten.

Warum sind Opiate wohl die perfekte Alltagsdroge?
Nun, sie machen alles leichter. Alles läuft wie von alleine und Probleme existieren dann einfach nicht mehr. Alle negativen Eigenschaften, all die Probleme die du normalerweise hast mit bestimmten Dingen, in bestimmten Situationen, sind komplett ausgemerzt! Ein unsichtbarer Mantel der alles abblockt. Ängste, Zweifel, Kummer, Wut, Stress, etc. Alles wie ausradiert.
Doch wie heißt es doch so schön? Nur der Tod ist umsonst.
Genauso wie es in die eine Richtung geht, fütterst und nährst du auch in die komplett andere. Und wehe du hörst mal auf. Man verliert seine Mitte komplett und es gibt nur noch das eine, so wie das andere Extrem!
Natürlich ist das nicht am Anfang so, in den ersten Monaten, im ersten Jahr oder auch noch später.  Und manche haben auch mehr, andere wiederrum weniger daran zu knabbern. Aber eins ist sicher, wie das Amen in der Kirche. Zwangsläufig wird jeder irgendwann mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert werden!
Dann stehst du am Abgrund und weißt genau dass es dieses magische Pulver gibt, welches deine Verfickte kleine Welt wieder rosarot erscheinen lassen kann.
Und so stattete ich meinem neuen Lieblings Arzt regelmäßig meine Besuche ab, bekam jedes Mal ein Rezept mit meinen Wunderpillen in die Hand gedrückt und verließ mit guter Laune die Praxis wieder.
Ein paar Rohpse, ein dickes Köpfchen aus der Bong, 1-2 Dosen Bier und die Sonne schien mir wieder aus dem Arsch.
Doch wie schon gesagt, hätte ich gewusst welche Probleme mir diese Pillen in der Zukunft noch bereiten würden, ich hätte mir nie die Finger daran verbrannt.

Einen kleinen Mini-Ausflug ins Land der Opiate hatten McFly und ich aber auch.
Durch reinen Zufall, ihr kennt diese Zufälle ja, hatte ich, als wir die Pappen in der Kneipe holten erfahren, wo in Konstanz mit dem braunen Pulver gedealt wurde.
Die Szene, wenn man überhaupt Szene dazu sagen konnte, befand sich in einer kleinen Spielhalle.
Diese lag im ersten Stock eines Einkaufszentrum. So eine Mall, wie sie in jeder größeren Stadt zu finden ist.
Dort traf man auf ein paar Ticker, hauptsächlich Jugos und Türken, die das Dope in kleinen Päcken an dem Man brachten.
Wäre wenigstens die Menge okay gewesen, doch so starten wir an diesem Tag frustriert auf das kleine Häufchen Pulver, welches wir nach Öffnen des weißen, aus Zeitungspapier gefalteten Päcken, erblickten.
Es war mehr ein kurzes Hallo sagen, anstatt einer großen Willkommens Orgie. Verfickt frustrierend! Selbst ich war sogar der Meinung, dass wir die eben dafür ausgegebenen 50 D-Mark besser in etwas anderes investiert hätten. Und das hieß schon etwas.

Wir waren auf der Suche nach etwas Hasch oder Gras, als wir auf Piko trafen.
Er kam gerade von der Schule und irgendwie kamen wir ins Gespräch.
Wie das halt so ist bzw. war, er kannte jemanden der jemand kannte, der auch wiederum jemand kannte und so liefen wir mit ihm einige Stellen ab.
Es war hauptsächlich Gras welches man in Überlingen, im Gegensatz zu den meisten anderen Orten zu der Zeit, bekam.
Und die Qualität? Na ja, ich will es mal so sagen. Die Leute, die sich der Produktion dieser gut riechenden Pflanzen annahmen, hatten nicht gerade den grünsten aller grünen Daumen.
Das Zeug, welches wahrscheinlich hauptsächlich Outdoor in einer geschützten Ecke von Omas Kleingarten angebaut wurde, kratzte wenn es hochkam, gerade mal den mittleren Standard-Level an.
Nach mehreren Absagen, trafen wir schließlich in einer kleinen Kneipe auf einen Typen, und zehn Minuten später wechselte eine volle Tüte Gras den Besitzer.
Dreiste 150 DM wollte der Typ, der dem Aussehen nach mindestens drei Tuben Gel in seine blonden Haare geklatscht hatte, zuerst haben, dachte er wahrscheinlich wir wären irgendwelche Trottel aus dem Hinterland. Letztendlich einigten wir uns dann aber auf 70 oder 80 Mark, was für die 20 bis 25 Gramm Gras, Marke durchschnittlicher Selbstanbau, ganz okay war.
Wird chillten den Tag über zu dritt, und gegen Abend dann machte uns Piko den Vorschlag bei ihm zu pennen. Vorausgesetzt seine Eltern seien damit einverstanden.
Und wir hatten mal wieder Glück, und so verbrachten wir die Nacht in diesem besagten Kellerraum.

Zwei übereinander gestapelte, etwas größere Matratzen, ein kleiner schwarz-weiß Fernseher neben einigen, mit Konserven bestückten Regalen. So sah unser Zimmer für die nächsten Nächte aus, denn es blieb nicht nur bei dieser einen Nacht. Die recht jungen Eltern von Piko waren echt ziemlich cool, und erlaubten uns erst mal vorübergehend die kommenden Nächte bei Ihnen im Keller zu verbringen. Vorausgesetzt wir verhalten uns ordentlich, was hieße keine Orgien, keine Partys und keine Drogen etc. Drogen? Was zum Teufel ist das bitte? Wir doch nicht!
Wie zum Teufel kamen die beide denn darauf dass wir etwas mit diesen illegalen Substanzen aka Drogen zu tun haben könnten?
Wir verstanden uns von Anfang an wirklich gut mit den beiden.
Eines Abends lud uns der Vater sogar noch nach oben ein und vernichtete mit uns ein paar Bierchen inkl. einiger Kurze. Umso später der Abend, desto lustiger wurde er. Wir hatten ’ne Menge gelacht und er erzählte uns von seiner wilden Zeit. Wie er vor seinem Studium durch ganz Italien und Spanien gezogen ist. Im Grunde verkauften wir ihm unseren Aufenthalt im Bodensee ja, mit ähnlichem Hintergrund. Natürlich ließen wir den Drogen Aspekt dabei außen vor.

Jeden Morgen bevor Piko zur Schule musste, machte er einen Abstecher zu uns in den Kellerraum, weckte uns auf und rauchte ein Morgen-Köpfchen mit uns zusammen.
Danach wartete sogar noch ein gut gedeckter Frühstückstisch, oben in der Küche, auf uns. Ich kann mich noch gut erinnern dass wir immer diesen Grafschafter Goldsaft gefressen haben.
Leider mussten wir uns die kommenden drei Nächte einen anderen Schlafplatz suchen, da die Familie übers Wochenende nicht zu Hause war.

Die erste Nacht verbrachten wir mal wieder in dem kleinen Vorraum der Kreissparkasse.
Es gab definitiv schlimmere Schlafplätze. Der Raum war gut beheizt und somit war es dort gut auszuhalten. Mit ein paar Bierchen und einer unserer selbst gebauten Wasserpfeifen, welche wir noch schnell vorher aus Versteck Nr.2 holten (mittlerweile hatten wir an vier oder fünf Stellen, im ganzen Dorf verteilt, Wasserpfeifen von uns versteckt.), hatten wir auch so eine Menge Spaß die Nacht über.
Nachdem wir am nächsten Tag etwas Kohle gemacht, und uns eins unserer Standard Frühstücke für Champions gegönnt hatten, marschierten wir runter ans Ufer zum Bodensee.
Gegen Nachmittag lernten wir dort Pille kennen. Er war gerade mit seinem Betreuer und zwei anderen Kids im Dorf unterwegs. Aus ’nem großen Jugendheim etwas außerhalb vom Dorf kamen die, erledigten ’n paar Sachen, wie Arztbesuche und anderen lebensnotwendigen Scheiß.
Pille und ein anderes Mädel waren schon fertig, und so warteten die beiden unten am Ufer, auf den Betreuer, der mit den anderen Kids noch beim Arzt war.

„Ey … Psst …. Habt Ihr was zu rauchen?“

McFly und ich lagen grade flach mit unseren Rücken auf dem großen Steinabsatz und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

„Ey … Pst …. Hey … Ihr… habt ihr was da?“, schließlich hörte ich das Geflüster und drehte meinen Kopf nach rechts. Und da erblickte ich Pille zum ersten Mal.

Zerrissene Jeans, Springerstiefel mit roten Schnürsenkel und einen Kapuzenpullover, aus so einer Art Poncho Material.
Und darin steckte halt Pille. Ein total dünner schlaksiger Typ mit zotteligen Haaren.

„Sehen wir etwa so aus als würden wir Drogen konsumieren?“, ich grinste ihn und das Mädel an, während ich McFly anstupste, der wie es aussah, noch gar nichts davon mitbekommen hatte.

Die beiden setzen sich zu uns und so kamen wir ins Gespräch.
Wir drückten Ihnen einen Zehner von unserem Gras ab und luden sie dann noch auf einen dicken Joint ein.
Pille schien echt in Ordnung zu sein und wir kamen sofort gut miteinander klar. Später machte er uns sogar noch das Angebot die Nacht bei ihm im Jugendheim zu verbringen.
Natürlich inoffiziell denn so etwas wurde selbstverständlich nicht geduldet.
Er erklärte uns den Weg, und wir verabredeten uns zu einer bestimmten Zeit, an einer bestimmten Stelle, draußen vor dem Jugendheim.

Wir dachten schon er hätte uns vergessen, und als es dann auch noch anfing wie aus Eimern zu pissen und wir uns gerade auf dem Rückweg machen wollten, kam Pille schließlich, eine Verfickte Stunde zu spät, um die Ecke stolziert.
Im Jugendheim waren alle schon am schlafen, so dass wir leise durch einen Hintereingang hinein schlichen und auf leisen Sohlen hoch zu Pilles Zimmer marschierten.
Ein Eimer, eine dicke 3 Kippen-Mischung Gras und Pilles nervige Stroboskop Lampe, welche er partout nicht ausmachen wollte.
So verlief die nächste Stunde, bis wir uns dann schließlich runter in den Heizungskeller machten, wo McFly und ich die restlichen Stunden der Nacht so gut es ging pennen wollten. Auf Pilles Zimmer zu schlafen war leider nicht möglich, da die Jugendbetreuer immer wieder mal Runden durchs Haus machten und die Zimmer kontrollierten. Das sein Zimmer bei diesen Kontrollen immer an erster und letzter Stelle dran war, dürfte wohl kein Geheimnis sein.
Aber wenigstens wurde der Raum durch die Heizungsrohre gut aufgeheizt und da wir noch auf dem Weg nach unten einen Stopp in der Großküche, inkl. 30 minütigen Nutella Orgie machten, schliefen wir wenigstens mit vollen Magen ein.

Frühmorgens weckte uns Pille auf und wir verpissen uns alle drei, noch bevor das ganze Jugendheim zum Leben erwachen würde.
Er verbrachte den ganzen Tag, der sich nicht großartig von den anderen unterschied, mit uns.
Kohle klar machen, neues Rezept organisieren, Gras rauchen und das Dorf auf den Kopf stellen.
Gegen späten Abend, es muss so um die 23 Uhr gewesen sein, landeten wir dann auf der abgelegenen Ecke eines Friedhofes. Hier, auf der braunen Holzbank, konnte man in Ruhe sein Ganja rauchen, und wenn das Gras gut genug war, sogar eine recht aufschlussreiche Unterhaltung mit einer der Leichen führen. Pille hatte vor, die ganze Nacht mit uns zu verbringen und sich erst wieder am nächsten Tag im Jugendheim blicken zu lassen.
„Bullen! Fuck Man!“, wir waren gerade auf dem Rückweg und wollten den Friedhof verlassen, als ich mich diese Worte aufschrecken ließen.

Der VW Bulli raste auf uns zu und bremste mit quietschenden Reifen ab.
Auf die Schnelle gab es keinen möglichen Fluchtweg, denn wir hätten nutzen können, um eine Konfrontation mit den lustigen und herzensguten Zeitgenossen in Grün,  aus dem Weg zu gehen.
Der Friedhof war hoch umzäunt, die Bullen standen vor dem einzigen Eingang und außer der Möglichkeit uns unser eigenes Grab zu schaufeln und darin abzutauchen, gab es nichts mehr.
Die beiden sprangen aus dem Auto, und hetzten hektisch auf uns zu.
Spätestens da war uns klar, dass es sich hier nicht um eine Standard Kontrolle halten würde und die Bullen mehr als wir wussten.

„Aha. Da haben wir Euch ja!“, der etwas fülligere Marshall stolzierte auf McFly zu, während der Jüngere auf Pille und mich zukam.

„Haben Sie uns? Wieso wollen Sie uns denn haben?“, antwortet McFly mit leicht zynischer Stimme.

Ich dachte mir das gleiche, während ich mir ’ne Kippe anzündete.
Wieso zum Teufel haben die uns den gesucht? Stehen die auf uns? Wollen die ein Date, oder etwa eine Darkroom-Orgie zu fünft, mit uns haben? Hat uns etwa jemand beim Kiffen beobachtet und sich in seinem Umfeld gestört gefühlt?
Irgendwann nervten einem diese ständigen Kontrollen einfach nur noch. Aber Hey, wir sind ja gerade Clean was die Shore betraf, also kein Grund zur Sorge. Und obwohl wir gerade noch ein Köpfchen nach dem anderen weggeballert hatten, fiel mir jetzt erst wieder ein, dass in der Vordertasche meiner Jeans ja ein noch gut gefüllter Beutel Gras steckte. FUCK MAN !!!!!!
Wollte ich eben noch mit einer weiteren zynischen und provozierenden Antwort kontern, behielt ich diese nun doch besser für mich, und spielte stattdessen den verwunderten, in allen Bereichen kooperativen Anstands-Bürger. Soweit dies natürlich unsere Grund-Attitude auch nur annähern zuließ.

„Und der Herr Maier. Mal wieder.“, ertönte es fast zeitgleich aus den Mündern beider Polizisten.

War ja klar, Pille schien wohl auch schon ein beschriebenes Blatt hier zu sein.
Die Cops fanden ’nen halben Joint, den McFly noch probiert hatte gefühlvoll wegzuschnippen.
Wir durften in Ihrem Wagen platz nehmen, und bekamen eine kostenlose Fahrt aufs Polizeirevier.
Auf der Rückbank des VW Bullis erfuhren wir dann auch den ursprünglichen Grund, für den Low Budget SEK Einsatz.
Die Bullen waren auf der Suche nach Pille.
Die kleine Sacknase hatte uns natürlich nicht erzählt dass es totalen Ärger geben würde, wenn er und sein Arsch die Nacht nicht im Jugendheim auftauchen würden. Immerhin war er erst 17 und somit nicht volljährig.

Da saßen wir nun, auf dem Flur des kleinen Polizeireviers in Überlingen. Mal wieder. Eigentlich könnten wir mal anfangen ein Bewertungssystem für die verschiedenen Polizeireviere zu entwickeln. Ähnlich dem eines Sternesystems für Hotels.
Sozusagen eine Punkteskala für verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel die Inneneinrichtung, die Freundlichkeit der Angestellten, Qualität der Pritschen, Servicequalität der grün gekleideten Mitarbeiter, etc.
Wäre doch gar keine schlechte Idee.
So könnten sich neue angehende Kleinkriminelle den perfekten Ort ihrer kleinen Gaunereien, anhand des kommenden, möglichen Aufenthaltes im Bullen Revier, aussuchen.

Ähnlich wie unser damaliger, in mühevoller Kleinarbeit angelegter, aber leider verloren gegangener, Szene Führer.
Ein Potpourri aller deutschen Drogenszenen, fein säuberlich in all seine Vor und Nachteile zerlegt.
Die Qualität der Drogen, die Freundlichkeit der Fachverkäufer, die Fluchtmöglichkeiten und sogar Abzugs-Risiko waren nur einige der Punkte welche wir bewertet hatten.
Wieso denn auch nicht? Für jeden Scheiß gibt es jegliche Art von Führer. Einen Bordellführer, einen Lebensmittelführer, ein Restaurant-Führer, wieso zum Teufel dann auch nicht einen verfickten Drogenszene Führer?
Zumindest damals erschien uns dies absolut schlüssig und sinnvoll, und wir waren uns sicher dass uns ein Verleger dieses einzigartige Schriftstück nur so aus den Händen reißen würde. Ach was sage ich, den verfickten Pulitzerpreis hätten wir damit abgesahnt.
Eine Schande dass es dieses höchst intellektuell hochwertige Meisterwerk dennoch nie bis zur Druckreife geschafft hat.

Nebeneinander aufgereiht saßen wir nun auf drei Holzstühlen, die mich an meine Schulzeit erinnerten, auf dem langen schmalen Flur.
Einer der beiden Bullen positionierte sich vor uns, verschränkte seine Arme und strafte uns mit einem dieser typischen Blicke, welche Cops gerne nutzen um ihrer Überlegenheit auszudrücken.
Natürlich verfehlte dieser erzwungene Ausdruck des Gegenüber, wie immer seinen Zweck total bei uns und statt der erwarteten Reaktion wie z.b. kleinlaut in totaler Scham zu versinken oder weinerlich alle Fehler zuzugeben, hatten wir mal wieder Mühe uns zu beherrschen und nicht in einen unserer typischen Lachanfälle zu verfallen.

Ihr könnt Euch noch an einen der vorherigen Teile erinnern? Den, als ich auf dem Bullenrevier mit einigen Freunden in Köln Mülheim war? Der Dicke Shore-Beutel, der sich in meiner Tasche befand und dann sich praktisch wie von alleine in Luft auflöste?
Oh Man. Gleiche Situation, anderer Ort, andere Droge.
Den dicken Gras Beutel auf gleicher Weise verschwinden zu lassen wie damals den Shore Beutel, dürfte wohl ein sehr schwieriges Unterfangen werden, bzw. meine anatomischen Gegebenheiten währen dem wohl definitiv nicht gewachsen.

Pille musste zuerst in den kleinen Nebenraum und es kam wie es kommen musste.
Leise bekamen wir mit, wie er aufgefordert wurde „blank“ zu ziehen.
Fuck Man! Irgendetwas musste ich unternehmen.
Immer wieder schaute ich McFly mit großen und verdrehten Augen an. Natürlich wusste auch er genau was sich in der vorderen Tasche meiner Jeans befand.
Das gute war halt, dass wir beide uns blind verstanden und so bedurfte es nur ein oder zwei Blicke von mir, bis er kapierte was ich von ihm wollte.
McFly spielte den Clown und lenkte so die Aufmerksamkeit auf sich.
Immer wieder stand der auf, stellte sinnfreie Fragen und nervte den Bullen permanent damit auf Toilette gehen zu müssen.
So schaffte ich es in einem kurzen Augenblick blitzschnell den Beutel h von meiner Rechten in die linke Hosentasche zu befördern.
Zu meinem Glück war in genau dieser Tasche eben ein Loch, welches ich in den letzten Tagen immer mal wieder bei Langeweile dafür nutzte, um an meinen Eiern rumzuspielen. Hey Man, wir hatten halt keine Smartphones zu dieser Zeit.
Jetzt bedurfte es nicht mehr viel und während ich mich sitzend nach vorne beugte, schaffte ich es den Beutel Gras durch das Loch hindurch, in meine Unterhose zu stecken.

McFly war der nächste und zum Glück konnte ich diesmal mitkriegen dass er sich nur bis zur Unterhose ausziehen musste.
Dennoch war ich mir fast sicher dass dies alles schief laufen und ich komplett auffliegen würde.

„So, nun der letzte von unseren drei Spezialisten hier“, der Bulle rief mich in den Raum.

„Hast ja schon mitbekommen. Dann mal los. Runter mit den Sachen.“, ergänzte er, während er an seinem Kaffee nippte.

„Ganz schön kalt hier drinnen. Habt ihr etwa keine Heizung? „, widerwillig und nur schleppend fing ich an meine Klamotten abzulegen.
Meine Jeans zog ich als letztes aus.
Ich tat so als würde ich gewaltig frieren. Beugte mich ständig und tippelte auf der Stelle herum.
Beim Ausziehen meiner Jeans, probierte ich noch so gut es ging den Beutel Gras so zu richten dass er ziemlich mittig saß. Aber dennoch. Fuck, ich konnte spüren wie groß die Beule in meiner Unterhose war, und als ich von oben hinabblickte, sah das ganze nicht viel besser aus. Und der Verfickte Geruch. Meine Fresse, das kann doch einfach nicht gut gehen.
Immer wieder rieb ich meine Hände an den Oberschenkeln, und meckerte darüber wie kalt es doch sei.
Alles nur um irgendwie etwas von der Beule in meiner Hose abzulenken.
„Ja ja. Jetzt ist mal langsam gut hier. Einmal im Kreis drehen bitte der Herr.“, der Bulle saß immer noch mit seinem Kaffee in der Hand, hinter seinem Schreibtisch und begutachtete mich.

Meine Nerven Mann. Aber dann nach einer gefühlten Ewigkeit ertönte schließlich der Satz:

„Okay. Kannst dich wieder anziehen“.

Wow. Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren und ließen meinen Puls, der sich die letzten zwei Minuten über selbstständig gemacht und einen Ausflug in Richtung Himalaja-Gebirge gestartet hatte, wieder langsam in Richtung Heimat antreten. Ich konnte es einfach nicht glauben. Welchen Schutzengel muss ich wohl bestochen haben, dass ich immer wieder aus solchen Situationen herauskomme?
Mein Verfickte Fresse!

Auch McFly konnte es einfach nicht glauben, als ich mit einem Grinsen im Gesicht welches sich diagonal von Ohr A zu Ohr B zog wieder aus dem Raum auf ihn zukam und mich neben ihn setzte.
Wenn unsere Blicke sprechen könnten, könnt ihr euch sicher vorstellen wie diese sich in diesem Moment anhören würden.
Mittlerweile war auch schon der ziemlich genervte Sozialarbeiter auf dem Revier eingetrudelt um Pille einzusammeln.
Natürlich aber nicht ohne Pille vorher noch eine kostenlose Standpauke inklusive Zukunftsprognose seines ja „ach so erbärmlichen“ Lebens aufzutischen, sollte er nicht umgehend hier und jetzt die Notbremse ziehen und sein Leben um 180 Grad ändern.
Der Typ hatte sozusagen mit seiner pädagogischen Faust einmal richtig ausgeholt und zugeschlagen, und da wir nun mal auch gerade anwesend waren bekamen wir auch noch unser Fett weg.
Das obwohl wir den Typen, der sich mit seinem grünen Wollpullover und braunen Sandalen aufspielte wie unser Vater, vor noch nie gesehen hatten.
Na ja, wie ich auch immer. Damals stießen solche Ansagen und Moral-Predigten sowieso nur auf taube Ohren unsererseits und wir machten uns absolut keinen Kopf darum.
Wir, das Dream-Team, hatten doch sowieso alles unter Kontrolle.
Wir verabschiedeten uns von Pille und verließen das Polizeirevier.
Ein fetter Sieg für uns und ein absolut geiles Gefühl die zwei Dorfbullen so verarscht zu haben.

Die nächsten Tage, Wochen und der erste Monat verging. Wir lebten so vor uns hin in dem kleinen Dorf namens Überlingen.
Eine Zeit lang probierten wir sogar beide ’nen echt Job zu bekommen.
Ja Man, ’nen richtigen echten Job. So mit frühem Aufstehen, Mittagspause, nervigen Chef, und allem was sonst noch dazu gehört.
Aber mal ganz ehrlich, wie hätte das denn auch funktionieren können. Ohne festen Wohnsitz bzw. Adresse, ohne Bankkonto, etc., war das Ganze wohl eh ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.  Aber was soll’s, der verfickte Wille zählte doch auch. Wir hatten es versucht und das war doch auch schon was wert.
Zumindest reichte es uns für den Moment aus und war gut genug um den Punkt „Jobsuche“ mit einem imaginären Haken unsererseits zu verzieren.

Vincent hieß er. Er dürfte so etwa drei oder vier Jahre älter als ich gewesen sein.
Ich war gerade alleine unten im Dorf. Es kam ab und zu mal vor das McFly und ich getrennt unterwegs waren. Er hing gerade mit irgendwelchen anderen Leuten ab und ich war irgendwo anders im Dorf unterwegs. Grundsätzlich trafen wir uns aber immer abends, oder aber spätestens am nächsten Tag dann wieder.
Vincent parkte seinen alten rostigen VW Polo, auf dem kleinen Parkplatz, neben dem Taxistand, und kam auf mich zu. Er sprach mich direkt an.

„Hey, alles klar? Ein Kollege hat mir von dir erzählt. Du nimmst auch Shore, oder?“, er reichte mir seine Hand, und grüßte mich freundschaftlich.

„Ich? Was man nicht alles so hört heutzutage.“, ich grinste ihn an, frei nach dem Motto, ganz genau du hast den richtigen Mann vor dir stehen.
Vincent sah nicht aus wie ein typischer Junkie. Er war auch nicht durchgehen drauf, sondern hatte immer mal wieder längere Phasen indem er sich den Opiaten voll und ganz hingab.

„Hast du was da? Ich such grad was.“, fragte er mich, und setzte sich neben mich, auf die Holzbank unten am Ufer.

„Nee, schön war’s Mann! Ich hab ein paar Benzos. Sonst nichts.“, ich zog die Kippenschachtel aus meiner Jackentasche, und stellte genervt fest dass diese leer war.

„Hast du mal ’ne Kippe?“, ergänzte ich.

„Klar Man. Ich heiße übrigens Vincent.“, er holte eine Schachtel Marlboro hervor, und warf sie zu mir rüber.

„Kannste mir eine von deinen Pillen verkaufen?“, schob er noch schnell hinterher.

„Hmm … „, ich überlegte kurz, holte dann die Rohypnol Schachtel hervor, presste zwei Tabletten aus dem Blister, und drückte sie ihm in die Hand.

„Hier Man. Geht aufs Haus.“, ich grinste und zündete mir die Marlboro an.

Wir unterhielten uns noch eine Weile und dann schließlich fragte er mich, ob ich Bock hätte mitzufahren um was klar zu machen.
Hmm naja, Mission Clean werden oder wie war das noch?  Nach ein paar irrationalen Denkvorgängen, inklusiver zwei für mich selbst zurechtgelegten Rechtfertigungen später, und ich beförderte meinem Arsch auf den Beifahrersitz der Rostlaube, welche Vincent liebevoll seinen „Rolls“ nannte.

Er starte seinen „Polo“ und wir zogen los. Zuerst fuhren wir eine beaknnte Stelle, etwas außerhalb von Überlingen ab. Doch da war tote Hose und so machten wir uns an diesem späten Nachmittag noch auf in Richtung Schweiz.
Dass die Grenze so sehr nah war, war mir bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst.
Wir fuhren nach Schaffhausen. Eine kleine Gemeinde, circa 50 km entfernt von Überlingen. Ob es dort überhaupt eine richtige offene Drogenszene gab? Ich weiß es gar nicht, denn wir fuhren direkt zu einer Kneipe, in der Vincent darauf kurz verschwand.
Nervös wartete ich im Auto und schließlich kam er mit einem Grinsen in der Fresse wieder.

Nächster Stopp, irgendeine verdunkelte Ecke auf irgendeinem abgelegenen Parkplatz.
Alleine der nach leichtem Essig riechende Qualm, der beim aufkochen der braunen Suppe langsam den Innenraum des Wagen füllte, reichte schon aus um meine Synapsen im Dreieck springen zu lassen.
Als wäre es erst gestern gewesen, so kam es mir vor und doch war es so lange her. Viel zu lange! Ich konnte es nicht mehr abwarten.
Die Vorfreude auf den kommenden Druck stieg ins Unmessbare. Über einen Monat habe ich dich beiseite gestoßen und ignoriert.
Für einen Moment fühlte es sich an als wäre ich wieder voll auf Turkey.
Mein Magen verkrampfte, meine Hände zitterten und Schweiß stand mir auf der Stirn.
Vincent zog die braune Suppe auf, teilte alles in zwei frischen Pumpen auf und drücke mir eine in die Hand.
Mehrmals klopfte ich auf den Kolben der Spritze, um die kleinen Luftbläschen nach oben schießen zu lassen. Dann ließ ich die ganze Luft entweichen, indem ich den Kolben langsam nach oben drückte, bis die ganze Spritze nur noch mit der braunschwarzen Flüssigkeit gefüllt war und ein kleiner Tropfen oben austrat.
Kurz warf ich einen Blick nach links zu Vincent, der gerade dabei war den langen Ärmel seines Pulli hochzukrempeln.
Dann überlegte ich kurz, riss mit einem Handgriff den Ledergürtel aus meiner Jeans, wickelte ihn über meine linke Armbeuge und zog ihn fest.
Immer wieder presste ich meine Faust zusammen, bis sich die dicke Vene an meiner Armbeuge hervorhob.
Ich atmete kurz tief ein und dann setze ich an. Ich traf sofort. Wie eine tiefrote Wolke schoss das Blut, angezogen durch das Vakuum der Pumpe, hervor und füllte den Kolben.
Langsam und gefühlvoll drückte ich ab.
BOOM !!!!! FUCKIN HALLELUJA !!! WAS FÜR EIN KICK!!

Die Wärme schoss wie eine heiße Welle durch meinen ganzen Körper. Jeder Muskel in meinem Körper entspannte sich in sekundenschnelle und mein Hirn wechselte von Denken auf das ultimative „Sein“.
Fast zeitgleich ließen Vincent und ich, uns in den Autositz zurück fallen. Da ist er! Dieser Moment in dem ich einfach nur bin. Existieren in der ultimativen Art und Form. In seiner puren reinen Essenz! Und doch ist alles nur FAKE. Nichts kommt von dir. Alles wird dir nur vorgespielt, und dass so gut dass Du es selbst nicht merkst! Und dann, mit einem verfickten Schlag in die Fresse, reisst man Dir dieses Gefühl wieder weg. Und dann stehst Du da. Nackt und verletzlich.
Ach ja, mein alter Freund und schlimmster Feind. Meine Liebe und mein Hass. Die Hoffnung für den Augenblick. Die Erlösung für den Moment. Kann ich mich dir leisten, lässt du mich nie im Stich, doch die Jagd nach dir wird mich noch ins Grab bringen. Das so vertraute Gefühl. Die Antwort auf all meine Fragen. Ich weiß du hast mich genauso stark vermisst.

Zurück in Überlingen, immer noch breit wie tausend Man, verabschiedete ich mich von Vincent.
McFly traf ich circa eine halbe Stunde später in dem kleinen Bistro unten am Ufer. Er saß dort mit zwei Mädels und ich gesellte mich dazu. Natürlich bemerkte er sofort meinen Zustand und sein Blick sagte mir immer wieder „Du alter Sack, gib’s zu, du bist voll breit!“.
Ich sagte ihm später dass ich einfach nur ‚ne Menge gekifft hatte und 1-2 Rhopse mehr wie sonst genommen hätte.
Ich wollte ihn einfach nicht wieder heiß auf das Zeug machen.

Mittlerweile dürften wir fast zwei Monate in Überlingen verbracht haben. Auf Vincent traf ich immer mal wieder und Shore war dann halt auch immer am Start. Dennoch hielt es sich in Grenzen und belief sich auf vielleicht drei oder Mal.
So aber auch an dem einen Abend. Vincent kam gerade mal wieder aus Schaffhausen und so verbrachten wir den Nachmittag in seiner Rostlaube, auf dem großen Parkplatz am Wald, etwas außerhalb von Überlingen. Natürlich nicht ohne etwas „Leckeres“ zu kochen und auf die besondere Art und Weise zu dinieren.
Dann erzählt er mir schließlich von der „großen“ Sache.
Ein Typ, bzw. ein Bekannter, ein paar Jahre älter, wollte wohl gerne mal so richtig einkaufen.
Nicht ein paar Grämmchen, sondern einmal richtig in die Vollen. Und am besten von allem etwas. Ein „paar“ bzw. ein „paar viele“ Ecstasy, etwas Hasch, und um die Sammlung zu vervollständigen natürlich auch noch einen fetten Batzen Koks.

MADMIKE

To be continued ………

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Teil 22 – #LSD die 2te

Konstanz, eine der größten, oder die größte Stadt rund um den Bodensee.
Von Überlingen bis dorthin brauchte man, je nachdem wie man unterwegs war, circa eine Dreiviertelstunde.
Das letzte Stück musste man mit einer Fähre zurücklegen, da die Stadt nun mal auf der anderen Seite des Bodensees lag.
Konstanz ist eine Grenzstadt, und man kann praktisch in die Schweiz hinüber spucken.
Bis nach Zürich sind es gerade mal ca. 100km, und man konnte die Strecke sehr gut trampen. Einen Weg, den wir in der Zukunft noch einige Male zurücklegen sollten. Und über Zürich, Leute glaubt mir, da habe ich noch einiges zu erzählen. Unglaublich, was dort abging. Aber dazu später mehr.

Trampen klappte in diesen ländlichen Gegenden generell immer besser, als zum Beispiel in einer Großstadt.
Wahrscheinlich waren es die Menschen dort einfach mehr gewohnt, immer mal wieder einen dicken Daumen am Wegesrand zu erblicken.
Hatte man die Strecke von Überlingen bis zur Fähre einmal hinter sich, war es nicht mehr allzu weit. Man musste dann nur noch übersetzen, ein paar Stationen mit dem Linienbus schwarzfahren und das Zentrum von Konstanz lag vor einem.
Ihr kennt solche Fähren ja bestimmt. Man betritt diese und erst wenn man auf dem Schiff ist, kommt ein Mitarbeiter mit seiner mobilen Kasse und rechnet für die Überfahrt ab.
Somit war es ein Leichtes einmal auf die Fähre zu kommen und sich dort ein Versteck zu suchen, um den Schaffner nicht über den Weg zu laufen. Doch das war nur die halbe Miete, denn wenn man Pech hatte positionierte sich der gute Mann, an den Ausgang der Fähre.
Hatte man mittags, bei vollem Schiff, noch die Möglichkeit irgendwie mit durchzurutschen, so war es abends, bei wenig Betrieb, um einiges schwerer.
So kam es einmal sogar vor, dass wir den ganzen Weg nochmal zurückfahren mussten und letztendlich die Strecke verfickte dreimal zurückgelegten, um dann irgendwann genervt, auf unserer Wunschseite anzukommen.
Oder ein anderes mal, als wir uns einfach unsere Kapuzen über den Kopf gezogen haben, die Beine in die Hand nahmen, und mit vollem Speed durch den Ausgang, geradewegs an dem wütenden Mitarbeiter vorbei, rasten.
Konstanz war schnell ausgecheckt.
Da die besagte Kneipe erst gegen 18 Uhr öffnete, chillten wir so lange noch etwas im Zentrum.
Nachdem wir uns unser Frühstück zusammengeklaut hatten, welches Mal wieder aus frischen Brötchen und einigen Tafeln Ritter Sport Schokolade bestand, setzten wir uns zu einer Gruppe Punks.
Ich mochte Punks schon immer gerne. Ziemlich unkomplizierte und lustige Zeitgenossen. McFly selber hatte früher eine längere Punkphase hinter sich und durch ihn lernte ich auch diese Musik Richtung kennen und teilweise echt mögen. Alte Bands wie Slime, Hass oder ZK. Songs wie, Legal Illegal, Nichts wie weg oder Bullenschweine. Die Mucke passte wie die Faust aufs Auge zu unserem damaligen Leben, und wann immer ich auch heute noch Songs wie diese höre, bekomme ich regelrechte Gänsehaut und Erinnerungen an diese Zeit kommen hoch.

Ich tauschte ein oder zwei Rohpse gegen ein paar Dosen Bier, mit einem der Punks, namens Motte.
Die Gruppe von vier oder fünf Leuten, inkl. zwei Schäferhunden, beschlagnahmte den Platz, rund um die zwei Holzbänke unten am Ufer des Bodensees, wohl schon seit einigen Stunden. Der, in filigran aufgebaute Art und Weise, entstandene Turm aus leeren Bierdosen, sagte eindeutig aus, dass es sich hier um sehr durstige Zeitgenossen handelte.
Es dauerte nur ein oder zwei Dosen Bier, und wir schienen die besten Freunde zu sein.
Mit Motte, verstanden wir uns besonders gut.
Der schon etwas ältere Punk, stach von Anfang an etwas aus der Gruppe heraus. Er tanzte, breit wie tausend Mann, zu den lauten Punk Beats, die aus dem kleinen Kassettendeck dröhnten.
Und umso mehr die beiden Rohypnol Tabletten wirkten, desto lustiger und ausgefallener wurden seine Tänze.

Gegen Nachmittag dann, wollte Motte unbedingt dass wir zu ihm mit nach Hause kommen. McFly hatte ihm versprochen seinen Iro nachzuschneiden, und so machten wir uns auf den Weg zu ihm.
McFly hatte übrigens mal einen Friseur Wettbewerb gewonnen. Den dritten Platz hat er belegt. Davon erzählte er mir immer wieder mal, wenn er an meinen Haaren rumfummelte, und so etwas wie eine Frisur entstehen lassen wollte. Na ja, ist doch gar nicht mal so schlecht ein dritter Platz. Dass halt nur drei Leute mitgemacht hatten, erwähnte er dann nur ganz leise nebenbei.
(- Haha, ach McFly – ich liebe dich Bruder 😉 )

Meine Fresse war Motte breit! Die Rohypnol-Tabletten schlugen mit ihrer ganzen Pracht und Schönheit zu, und es war nicht gerade einfach ihn dazu zu bewegen, auf gerader und schnellster Strecke zu ihm nach Hause zu gehen.
Schließlich kamen wir dann aber doch noch, nach drei fast durch ihn ausgelösten Schlägereien, einer Verfolgungsjagd mit dem Mitarbeiter eines türkischen Supermarktes und dem Verlust seiner Geldbörse, bei ihm zu Hause an.
Er wohnte in einem großen Appartement-Komplex, welches durch einen Mitarbeiter, unten am Eingang, beaufsichtigt wurde.
Ich glaube es war irgendeine Art von betreutem Wohnen für Ex-Knackies oder so.
Mücke schaffte es gerade noch so, seinen Kopf in die horizontale zu bringen, so dass McFly, mit einer vom Nachbar ausgeliehenen Haarschneidemaschine, den Iro nachrasieren konnte.
Umgehend danach fiel er wortlos nach hinten auf sein Bett, um wahrscheinlich für die nächsten 24 Std. in einem Schönheitsschlaf der besonderen Güte zu verfallen.

Mittlerweile war es kurz vor Sechs.
Wir deckten Motte noch gut zu, legten ihn auf seine Seite, stellten ihm den kleinen blauen Eimer aus dem Badezimmer für den Notfall neben sein Bett und machten uns auf zur Kneipe.
Dort angekommen bestellten wir uns erst mal jeder ’n Bier und checkten die Leute ab.
Schnell war klar, warum in dieser Kneipe so einiges ging. Am Tresen saßen einige Punks die sich lautstark unterhielten und zum Spaß herumschubsten, in der m Ecke chillten ein paar, dem Aussehen nach, typische Studenten mit langen Haaren und um die kleinen Holztische herum, saßen zwei oder drei Biker, dessen Motorräder ich schon bei einem Hereingehen begutachtete.
Man musste aufpassen wo man hintrat, denn immer wieder fetzten einige zottelige Hunde, kläffend durch den Raum.
Die Besitzerin, eine korpulente, dem Aussehen nach in den 60er Jahren stehengebliebene, Alt Hippie, wurde von allen dort nur liebevoll mit “Mutti” oder “Mama” angesprochen.
Kurz gesagt, ein Etablissement genau nach unserem Geschmack. Wir fühlten uns von Anfang an sofort wohl dort.

Es dauerte nicht lange und wir wurden von ‘nem jungen Typen, mit Kappe und Brille, angesprochen.

“Hey, alles klar? Sucht ihr was?”, er schob einen freien Barhocker rüber zu unserem Tisch und setzte sich zu uns.

“Hmm, joa, wenn du schon so direkt fragst. Eigentlich schon.” McFly zündete sich ’ne Kippe an, und reichte mir das Feuerzeug rüber.

“Was haste denn Schönes da?”, ergänzte ich, und zündete mir ebenfalls ’ne Kippe an.

“Neue Pappen. Grade frisch reingekommen. Echt gute Teile Man!”, erwiderte er mit einem Grinsen in der Fresse.

Pappen? Oh nein. Sofort schossen die Erinnerungen, über den letzten Horrortrip, durch meinen Kopf, und auf eine Wiederholung dieser Gefühle hatte ich wirklich absolut keinen Bock!
McFly dagegen quittierte die Antwort des Typen mit einem breiten Grinsen und dem Satz:

“Pappen? Wie geil? Was für welche? Wie teuer?”

“Alter, nee! Keine Pappen, nicht schon wieder! Ich hab keinen Bock auf noch so ’nen üblen Trip wie damals!”, schnell unterbrach ich den Typen, der soeben auf McFlys Frage antworteten wollte.

“Nee, mach dir mal keine Sorgen! Die sind total smooth, die Teile! Wirklich, die kommen ganz sanft. Miraculix, frisch aus Holland. Hab selber vor ’ner Stunde ’ne halbe geschmissen. Die sind genial!”, er ratterte seinen Text runter, wie ein Handelsvertreter für Staubsauger, der von Tür zu Tür zieht und unbedingt Star-Verkäufer des Monats werden wollte.

Ich überlegte und erwiderte dann:
“Und Koka? Wie sieht’s mit Koka aus? Kannste klarmachen?”.

“Hmm ..”, der Typ drehte sich kurz um und schaute einmal durch die Kneipe.

“Nee, jetzt grad nicht. Sieht schlecht aus. Es kann aber sein dass gleich noch ’n Kollege von mir kommt. So ne Std. ungefähr. Ist aber nicht sicher.”, ergänzte er.

“Überlegt es euch einfach. Ich bin nebenan.”, er ging rüber, und setzte sich zu zwei Kollegen an den Nebentisch.

Mit Hasch saß übrigens auch nicht besser aus. Die ganze Kneipe wartete auf Nachschub, und der Typ war bereit uns ’nen Zwanie von seinem persönlichen Zeug abzugeben, aber nur wenn wir auch die Pappen nehmen würden.
McFly und ich diskutierten einen Augenblick lang, aber einigten uns dann schließlich.
Wir wollten noch die eine Stunde warten, und sollte der Typ dann mit dem Koks noch auftauchen, würden wir da zuschlagen. Falls nicht, würden wir die Pappen und das Ganja nehmen.

Natürlich kam es, wie es kamen musste. Sein Kollege tauchte nicht mehr auf, und nach fast 90 Minuten des Wartens, verließen wir die Kneipe, mit zwei Miraculix und ’nem Zwanie Hasch in unserem Taschen.
McFly und ich hatten zu dem Zeitpunkt wirklich nicht sehr viel Ahnung, was Pappen aka LSD betraf. Und wie schon oft gesagt, Google gab es nicht. Mal eben schnell das Smartphone zücken und nachschauen, ’nen Erfahrungsbericht lesen, Informationen einholen, dass alles war eben ein Luxus, der noch einige Jahre auf sich warten lassen musste.
Damals konnte man nur seine eigenen Erfahrungen sammeln, oder auf Mundpropaganda zurückgreifen.
Wie auch immer. Alles, was wir beide Mal gehört hatten war, dass diese besagten Miraculix wohl ziemlich stark sein sollten.
Die ersten 20 Minuten waren wohl die seltsamsten.
Fragend schaute man sich immer wieder an, nach dem Motto, Alter spürst du schon was?, bin ich schon drauf?, Alter bin ich schon drauf oder was?
Ach, die Teile waren Fake man, vergiss es! Oder doch nicht?
So ging das dann minutenlang weiter, nur um irgendwann zu merken, dass die eigenen Augen nur noch aus reiner Pupille bestanden, und man absolut nichts mehr checkte.

Wir hatten die erste Hälfte der Pappe, noch während wir auf dem Bus warteten, eingeworfen.
In dem Bus, der uns zur Fähre bringen sollte, lernten wir einen jungen Typen kennen.
Ich hatte ja schon einige Male von der magischen Anziehungskraft, welche Drogen Konsumenten gegenseitig auf sich ausüben geschrieben, und so kamen wir auch an diesem Abend mit ihm ins Gespräch.
Man merkte sofort, dass er ziemlich drauf war, und an diesem Abend erfuhren wir auch erstmals von der riesigen Drogenszene, welche sich mitten in Zürich, nach und nach aufgebaut hatte.
Er kam gerade von dort und hatte Stoff für sich und seine Freundin besorgt.

Eine kurze Begegnung.
Warum ich überhaupt darüber jetzt schreibe? Weil in der Zukunft eben, genau diese Begegnung noch von Bedeutung sein wird.
Zum Glück hatten wir noch etwas Kleingeld über, und so mussten wir nicht den Stress auf uns nehmen, mit dem Schaffner Katz und Maus zu spielen.
Wir setzten uns in den Innenraum der Fähre. Es war schon spät, und diese war wie ausgestorben.
Nur ein einziger Typ saß in einer Ecke und nippte an seinem Kaffee.
So nach und nach merkten wir, dass die Pappen definitiv kein Fake waren. Ein Grinsen zog sich durch unsere Gesichter und ein flaues Gefühl machte sich in der Magengegend breit.
Dann plötzlich stand der Typ auf und ging in Richtung Ausgang.
Kurz davor drehte er sich um, und grinste uns an.

“Wollt ihr wieder zurückzufahren, oder was?”,

“Was? Wie bitte?”, fragend, mit weit aufgerissenen Augen, schaute ich ihn an und bemerke jetzt erst dass die ganze rechte Seite seines Kopfes kahl geschoren war. Danach fiel mein Blick wieder rüber zu McFly, in der Hoffnung er würde meine Ratlosigkeit bzgl. dieser Situation verstehen, und mich mit Erleuchtung segnen.

“Ähm, nee nee, wir wollen rüber auf die andere Seite, Richtung Überlingen.”, McFly antwortete, und irgendwie kam es mir vor, als hätte er extrem schnell gesprochen. Hatte er?
Auf jeden Fall war ich nicht ein Funken schlauer als vorher, und ich raffte absolut nicht was hier gerade vor sich ging.

“Jaja, genau! Da will ich auch hin. Meine Fresse, seit ihr beiden drauf.”, mit langsamen Schritten kam er nun auf uns zu, und irgendwie gefiel mir das ganz und gar nicht.

“Wer zum Teufel ist das überhaupt? Oder Fuck Man, ist der Typ überhaupt hier? Bilden wir uns ihn nur ein?
Macht er das etwa extra, um uns total aus dem Konzept zu bringen?
Bin ich drauf oder nicht?
Alter, hab ich gerade etwa laut gesprochen, oder nur gedacht.“
So in etwa könnte man das Wirrwarr meiner Gedankenströme, die mich auf penetrante Weise am dauerficken waren, beschreiben.

“Das ist ’n Cop! Fuck, das ist ’n Bulle, Man! Wir sind voll gefickt!”, hatte McFly jetzt geflüstert oder es laut durch den Raum geschrien?
Ich war mir nicht sicher, doch als ich mich etwas zu McFly vorbeugte, bemerkte ich erst wie krass seine Augen aussahen.

“Alter, deine Augen! Deine Augen sind … .”, und noch bevor ich meinen Satz vollenden konnte, schreckte ich plötzlich auf, da der Typ nun auf einem Stuhl, direkt neben uns am Tisch saß.

“Leute! Relaxt mal bitte und kommt mal runter. Euch hat es ja total weg geschossen.”, der Typ lachte kurz und zündete sich eine Kippe an.

“Wir sind schon längst auf der anderen Seite und wenn wir noch lange hier sitzen bleiben, fahren wir wieder zurück. Also, wenn ihr Bock habt, dann kann ich euch mit nach Überlingen nehmen. Da wollt Ihr doch hin, oder?”, ergänzte er.

Okay, mittlerweile rafften wir, dass der Typ ganz sicher kein Cop war und auch ganz in Ordnung zu sein schien.
Aber das Krasse war, dass weder McFly, noch ich, das Geringste von der kompletten Überfahrt, welche bestimmt 15 Minuten dauerte, mitbekommen hatte.
Wir hatten beide das Gefühl, gerade mal für max. eine Minute auf der Fähre zu sein. Und wie ist es doch so schön auf LSD? Es sind genau diese Erkenntnisse, welche einen immer mehr Abtrippen lassen.
Fünf Minuten später saßen wir in dem alten Ford Kombi des Typen, der für die letzten drei oder vier Monate sein Zuhause war. Er fuhr mit dem Wagen durch ganz Deutschland, und war nun wie wir, am Bodensee gelandet.
Die Rückbank war komplett raus gerissen, und stattdessen lag da nun ’ne alte Matratze. Drogen war er ebenfalls nicht abgeneigt, nur mit harten Sachen hatte er nichts am Hut.

Es war genial. Die ganze Fahrt über nach Überlingen lag ich, flach ausgestreckt auf der Matratze, während McFly vorne auf dem Beifahrersitz saß.
Ich schaute in den Himmel und beobachtete die Umgebung.
Die Lichter der Laternen formten sich zu langen weißgelben Linien und nahmen nach und nach, die abgefahrensten Formen an.
Wie eine Sinuslinie, die zum Beat des Abrollgeräuschs der Reifen tanzte. Gesichter und skurrile Figuren formten sich aus den simpelsten Sachen.
Der hell leuchtende Mond schien förmlich greifbar, wie ein großer runder Fußball über mir zu baumeln, und wartete nur darauf, von mir weggekickt zu werden.
Es war krass! Ich driftete immer mehr ab, doch es ging mir recht gut. Keine Panik, oder ähnlich miese Gefühle, welche ich bei meinem letzten Horrortrip erlebt hatte.
Der Typ war echt der Hammer! Er lachte sich durchgehend den Arsch über uns beide ab, und erzählte uns ohne Pause von seiner früheren Punk Zeit.
Schon wieder ein Punk.
Generell war es wirklich auffällig, wie viele Punks wir in dieser Gegend trafen,

In Überlingen angekommen, waren McFly und ich total am Abgehen.
Mittlerweile war es fast 22 Uhr, das Dorf war wie ausgestorben und die Optik war einfach nur abgefahren.
Wir standen auf dem Dorfplatz, und ich kam mir vor wie im Mittelalter. Ältere, aus Stein gebaute Gebäude, einzelne Fachwerkhäuser, eine große Holzbrücke, etc. Wir kamen uns wirklich wie in diese Zeit zurückgesetzt vor.
Wie in einem alten schwarz-weiß Film.
Und da war er dann! Dieser eine Laden. Dieses eine Geschäft, welches total herausstach.
Es war, glaub ich, nur ein ganz normaler Schuhladen, dessen Eingang und Schaufenster halt beleuchtet waren, doch in dieser Nacht zog uns dieser Laden magisch, wie ein Magnet, an.
Wie ein bunter Candy Laden, wie der Eingang in eine andere Welt, unser ganz persönlicher Exit through the Giftshop. Es war wirklich heftig!

Wie ferngesteuert marschierten wir auf das Geschäft zu. Bei jedem Schritt den ich machte, hatte ich das Gefühl der Boden würde etwas mehr nachgeben, als würde ich über eine dicke Gummimatte gehen.
Und dann, nach dem ersten Schritt in den Wohneingang, war es komplett um mich bzw. uns geschehen. Die Farben explodierten förmlich. Rot, gelb, grün, etc.
Wie krass war dass denn bitte?
Meine Rezeptoren wurden regelrecht überschüttet von Eindrücken.
Fuck, es war stinknormaler Schuhladen, doch wir waren in einer komplett anderen Welt.
Wir klebten mit unseren Köpfen an dem Schaufenster, und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Wie zwei Kleinkinder, die sich zur Weihnachtszeit vor dem Fenster eines gut bestückten Spielwarenladens die Nasen platt drückten, und sich in ihren Köpfen ausmalen, was sie alles abstauben werden.
Nur dass wir uns verfickte Damen Schuhe, Sandalen und orthopädisches Schuhwerk anschauten, und dabei total am Abdriften waren.
Wie lange das so ging? Keine Ahnung Man. Zeit ist sowieso das allerletzte fassbare und relative während eines LSD Ausfluges.
Wir kamen aus dem Staunen einfach nicht mehr raus, bis wir langsam in unsere nächste Phase hinüberglitten.

Wer als Erster angefangen hat zu lachen? Ich weiß es beim besten Willen nicht mehr, aber der darauffolgende Lachflash war von einer anderen Welt!
Es war abartig. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Selbst, die für mich damals schon heftigen Lachanfälle, welche wir nach dem zweiten oder dritten Mal Kiffen erlebten, waren im Vergleich hierzu nur ein unterschwelliges Gekicher.
Wir konnten einfach nicht mehr aufhören zu lachen!
Wir krümmten und kugelten uns vor Schmerzen auf dem Boden. Es war einfach nicht mehr auszuhalten, bis zu dem Punkt wo jede Faser meines Körpers nur noch schmerzte.
Seit diesem Abend weiß ich definitiv, dass das Sprichwort „Sich zu Tode lachen“, nicht von irgendwo herkommt und von mir definitiv seine Daseinsberechtigung gutgeschrieben bekommt.
Per Schnappatmung geplagt und mit lautem Stöhnen, kroch ich schließlich aus dem Hauseingang hervor. Um die Ecke herum, nur um McFlys Fresse zu entkommen. Doch es half alles nichts, wir mussten nur einen klitzekleinen Laut des anderen wahrnehmen, und schon fing es wieder von vorne an. Das Lachen hörte einfach nicht auf.
Wirklich Mann! In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht solche Schmerzen, nur vom Lachen ausgelöst, erlebt.
Mein Magen krampfte so dermaßen schlimm, und ich hatte das Gefühl kurz vor dem Ersticken zu stehen.
Und McFly ging es ganz genauso! Es war so krass, aber es war auch so verfickt noch mal lustig!

Irgendwann, nach langer langer Zeit (oder auch nicht?), beruhigten wir uns schließlich wieder.
Optiks hatten uns nun wieder voll im Griff.
Eigentlich hätten wir es voll und ganz dabei belassen können, aber wie es damals halt immer war. Wir wollten immer noch einen draufsetzen. Immer noch ein Stückchen weiter, noch ein klitzekleines Stückchen höher. Alles bis zum Limit ausreitzen. Und so kam es, dass die andere Hälfte auch noch in unseren Mündern verschwand.
Und dann. Eine Zeit lang später? Genau Zeitangaben in diesem Kontext zu nennen, wäre sowieso total sinnlos. Es hätten Sekunden, Minuten oder auch Stunden sein können.
Der Trip hatte uns nun voll und ganz im Griff. Nichts war mehr steuer- oder kontrollierbar. Man konnte sich dem einfach nur noch hingeben und alles geschehen lassen.
Alle Sinne suchten sich ihre komplett neuen Wege. Denken, Fühlen, Riechen, Schmecken, es war noch vorhanden, doch nichts war mehr so, wie wir es kannten. Nichts Gewohntes oder Vertrautes mehr. Aber dennoch war es nicht befremdlich oder unangenehm. Nein Man, ich fühlte mich eigentlich echt gut.

Irgendwie, irgendwann waren wir nun auch wieder unten, am Ufer, gelandet.
Wir saßen nun am Steg, unsere Beine baumelten hinunter, und wie hypnotisiert starten wir beide in die Tiefe des Bodensees.
Es war dunkel und still, und man hörte nur noch das Wasser, welches leise vor sich hin plätscherte. Gedanken, Gefühle und Emotionen überschlugen sich in meinem Kopf.

Wer bin ich? Wer war ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist die Matrix? 42? Es muss die 42 sein!
Für einen Moment lang hatte ich das Gefühl, die allwissende Antwort auf die große Frage, des Sinn des Lebens in mir zu tragen, nur um dann kurze Zeit später feststellen zu müssen, wieder alles vergessen zu haben.

“Fuck Man”, so nah dran, und doch so weit entfernt.

Wie schon beim ersten Mal faszinierten mich meine Hände besonders extrem.
Immer wieder starte ich fassungslos auf diese und bewunderte mit großen Augen, die ständig wechselnde Größe meiner Finger.
Die Zeit war nun wirklich komplett in sich zusammengebrochen.
Eigentlich müsste man ein neues Messverfahren erfinden, um solche Maßeinheiten auf einem LSD Trip zu definieren.
Aber diese, von Menschenhand festgelegten Maßeinheiten wie Zeit, Größe, etc., diese Totalitäten, sind wahrscheinlich auch gar nicht wichtig in diesem Zustand. Hier geht es sowieso nur um das Empfinden und die Wahrnehmung. Um das Loslassen und das Akzeptieren.

Der Bodensee schien sich förmlich zu verbiegen in seiner Mitte. Wie ein großes schwarzes Wurmloch, das alles um sich herumliegende einsaugt, um es dann in einer anderen Dimension wieder auszuspucken.
Für einen Moment lang hatte ich das große Bedürfnis hineinzuspringen, kam dann aber doch zu dem Entschluss, dies lieber sein zu lassen. Ein Hoch auf das letzte bisschen logische Denkvermögen in diesem Zustand!
Na ja, vielleicht würde McFly ja zuerst springen wollen, doch als ich mich umdrehte, war er verschwunden.
Ein kurzes Gefühl von Panik machte sich in mir breit. Was wäre wenn jetzt die Bullen um die Ecke kommen würden.
Mich in diesem Zustand erklären zu müssen, würde wohl zwangsläufig in einem totalen Chaos und Desaster enden.
Die Nacht in einer verschlossenen Zelle verbringen??
Verfickte scheiße! Das wäre der totaler Horror und ich wäre mir sicher, der Trip würde sich in diesem negativen Umfeld, in eine brutale Achterbahnfahrt des Grauens verwandeln.
Zum Glück verschwanden die negativen Gedanken aber wieder schnell von alleine, und plötzlich saß McFly auch wieder neben mir. Was zum Teufel?! War er überhaupt weg gewesen? Ist vielleicht wirklich gesprungen und kam grade wieder zurück?
Wie auch immer, ich entschloss mich diesem Mysterium nicht näher auf den Grund zu gehen und so nahm ich die Tatsache einfach freudig hin, dass er wieder neben mir saß. Sofern er es denn auch wirklich war und nicht sein genmutiertes Abbild, aus der Parallel-Welt. Die, die hinter dem Worm Loch zu finden war. Das Worm Loch, welches ja der Bodensee war. STOP!!!!!! Wie ich schon schrieb! Ich nahm die Tatsachen einfach hin, dass McFly wieder neben mir saß.

Die restlichen Stunden verliefen genial. Wir marschierten durch den Ort und kamen uns vor wie zwei Entdecker.
Lauter alte Gebäude und die Optik dieses Dorfes waren einfach nur perfekt für diesen Ausflug.
So spät war es doch gar nicht, aber die Gegend war wirklich wie ausgestorben. Ab und zu mal ein paar Leute, und das war’s dann auch schon.

Wie lange wir so noch durch das Dorf zogen. Keine Ahnung. Waren es Stunden, waren es nur Minuten? Ich weiß es nicht.
Irgendwann, es muss dann nur schon ziemlich spät gewesen sein und nachdem wir noch ein oder zwei Joints geraucht hatten, überlegten wir uns halt wie, und vor allem wo, wir die restliche Nacht verbringen könnten.

Als McFly damals mit seinem Dad am Bodensee war, hatte er mal einen, ein paar Jahre älteren, Typen kennengelernt.
Sie trafen sich dann immer mal wieder wenn er den Sommer über da war
Da uns keine bessere Option einfiel, und wir keinen Bock hatten, bis zum Morgengrauen in der Kälte rumzulaufen, probierte wir unser Glück.
Ein paar hundert Meter weiter gab es eine Telefonzelle (eine von diesen großen gelben Kästen), und tatsächlich, in dem Telefonbuch war er doch wirklich gelistet. Ich meine, er hätte wer weiß wo mittlerweile wohnen können, doch wir hatten mal wieder Glück.
Jetzt stellt euch mal vor. Nach Jahren klingeln zwei total verstrahlte Typen, an die ihr euch wahrscheinlich nicht mal ansatzweise richtig erinnern könnt, mitten in der Nacht bei euch an. Zumindest an den einen, denn ich kannte ihn ja sowieso nicht.
Der Typ war nicht gerade begeistert von der Aktion, doch McFly schaffte es doch wirklich ihn davon zu überzeugen, uns für die restliche Nacht aufzunehmen.
McFly musste sich extrem beherrschen, denn auch wenn ich nicht mit ihm in der Telefonzelle war, musste er bestimmt zehn Mal auflegen, bevor es letztendlich zum klingeln kam, da er jedes Mal kurz vor einem erneuten Lachflash stand.
Wir hatten ein paar Kilometer Fußmarsch vor uns, bis wir letztendlich bei dem Typen ankamen.
Wir rauchten ’nen kleinen Joint um etwas runterkommen, aber dennoch, wir waren immer noch voll drauf.
Was zum Teufel, wenn wir vor dem Typen stehen, und wir einen von diesen krassen Lachflashs bekommen?
Wie auch immer Leute. Wir schafften es tatsächlich, und Momente später, saßen wir beide auf der Wohnzimmercouch, eines drei oder vier Zimmer Apartments.
Der Typ hatte gar nicht großartig rum gelabert oder nachgefragt, drückte uns einfach zwei Decken in die Hand, und verschwand dann wieder in dem Schlafzimmer, zu seiner Frau, die übrigens zu der Zeit gerade schwanger war.

Hmm, auf der einen Seite waren wir zwar heilfroh jetzt schön im Warmen zu sitzen, denn zu der Zeit war es wirklich unangenehm draußen, aber auf der anderen Seite ….  Wir mussten nun total ruhig sein und uns zusammenreißen, und das war eigentlich das Allerletzte was wir in diesem Zustand gerade machen wollten.
TV, Radio, irgendwelche äußeren Einflüsse wollte ich haben, doch stattdessen saßen wir nun in diesem fast schon sterilen, dunklen Wohnzimmer.
Naja, wenigstens rauchten wir noch am geöffneten Fenster nen kleinen Joint und nachdem ich mir noch eine von meinen kleinen Wunderpillen AKA Rohypnol eingeworfen hatte, wurde ich langsam ruhiger und müder.
Dennoch grinste mich die ganze Zeit der ausgeschaltete Fernseher an und nachdem ich McFly bestimmt 20 Minuten damit genervt hatte, konnte ich ihn schließlich dazu überreden, diesen ohne Ton ein einzuschalten.
Wenigstens ein bisschen Ablenkung für unsere Sinne und so kam es, dass wir irgendwann nur noch wortlos, auf den 24 Stunden Dauer Werbekanal starten, und den LSD-Trip ausklingen ließen.
Der Ausflug ins LSD-Land war dieses Mal eine geniale Erfahrung und Erlebnis. Nicht weil wir irgendetwas über uns erfahren, gelernt oder die große Erleuchtung erlangt hätten, denn dafür haben wir zu dieser Zeit sowieso viel zu unreflektiert Drogen konsumiert. Nee Man, einfach weil wir eine verdammt gute Zeit hatten.
Und das, obwohl ich doch anfangs einige Bedenken hatte, dass dieser LSD-Ritt auf ähnliche Weise enden könnte wie das vorherige Mal.

Eine halbe Stunde bis Stunde. Mehr Schlaf gönnte uns das verfickte Sandmännchen diese Nacht nicht.
Es war sowieso nur ein ständiges kurzes Weg Dösen und als ich morgens erneut für einen kurzen Moment die Augen öffnete, sah ich noch ziemlich verschwommen, zwei Gestalten durch den Raum tapsen.
Der keine Wecker zeigte gerade mal 7.30 Uhr an und hätte man uns gelassen, würden sich unsere Augen sehr wahrscheinlich nicht vor der nächsten kommenden Nacht öffnen.
Genervt und total übermüdet drehte ich mich um und hoffte auf noch etwas Ruhe. Leider erfolglos, denn nach weiteren fünf Minuten fingen die beiden an sich lautstark zu unterhalten. Und dem nicht genug, ertönte einen Moment später auch noch der nervige Klang eines Radios durch den Raum. Kann es etwas nervigeres geben, als sich nach so einer Nacht, der nervtötenden Stimme einer gut gelaunten Radio Moderatorin, hingeben zu müssen? Sagt Ihr es mir.

Es half alles nichts und so rappelten McFly und ich, uns langsam auf.
Ich hoffte wirklich nur halb so fertig wie McFly auszusehen, denn als ich seine geschwollene und rote Fresse erblickte, musste ich mich echt beherrschen, nicht einen unserer gestrigen Lachflashs erneut zum Leben zu erwecken.
Wäre wahrscheinlich eine ziemlich peinliche Aktion geworden, obwohl uns zu der Zeit, im Grunde sehr wenig peinlich war.
Es war ja klar. Hatte Harry (ich nehme ihn jetzt einfach mal so), uns gestern noch wortlos in seine Bude gelassen, so hagelten nun die Fragen umso mehr auf uns ein.

“Wo kommt ihr her?”,

“Was macht ihr hier?”,

“Wie lange bleibt ihr hier?”,

“Wieso seid ihr mitten in der Nacht hier aufgetaucht?”,

“Etc. … etc. … etc.”,

Oh mein Gott! Alleine eine möglichst sinnvolle und logische Antwort auf die erste Frage zu finden, schien mir, ein schier unlösbares Unterfangen und bereitet mir üble Kopfschmerzen.
Fuck Man, selbst meinen Vor und Zunamen jetzt fehlerfrei aufzuschreiben würde mich gnadenlos überfordern und so lies ich McFly den Vortritt, bei der Auswahl aller logischen Antworten. Ich beschränkte meinen Wortschatz einfach mal auf die Basisantworten wie “Ja”, “Aha”, “Hmm”, “Ach so”, und konnte so wenigstens meinen Hirnzellen noch etwas Ruhe gönnen.

Wir verbrachten noch zwei Nächte bei Harry, bis diese kleine Ratte doch tatsächlich 100 DM aus unseren Taschen klaute. Nicht zu glauben denkt Ihr jetzt?
Ohne Scheiß Man. Die Kohle hatten wir tagsüber mit den üblichen kleinen Gaunereien eingenommen und McFly erwischte den Penner morgens, als er gerade dabei war die Kohle aus meiner Jacke zu klauen.
Was für ein Penner! Unfassbar!
Wäre seine schwangere Frau nicht dazwischen gegangen, dann weiß ich echt nicht wie die Sache an diesem Morgen noch ausgegangen wäre.
Fuck it. Wie auch immer. Immerhin waren wir auch nicht besser zu der Zeit, obwohl wir ja immer einen „logischen“ Grund für unsere abgefuckten Taten parat hatten.

Damit war dann diese Penn-Möglichkeit auch abgehakt.
Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir in dem beheizten Vorraum der kleinen Kreissparkasse, die im Zentrum von Überlingen, lag.
Bis wir dann die kommenden Nächte in einem gut ausgebauten, beheizten Keller-Raum, mit Bett und Fernseher, hausen durften.

Doch dazu mehr im nächsten Teil!

MADMIKE 18.05.2016

 

 

#madmike, #lsd, #pappen , #trip , #bodensee , #drogen , #heroin , #shore , #schore , #koks

 

 

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Teil 21 – Überlingen

Unser kleiner Kurzurlaub in Stuttgart wurde noch mal um einen Tag verlängert.
Wer verlässt denn schon bitte freiwillig Oper Sugar und Oma Shore, und außerdem, etwas außerhalb vom Zentrum, hatten wir zwei Läden entdeckt, die wir ungelogen wie zwei Weihnachtsgänse ausgenommen hatten. Die Dreistigkeit, welche wir dort an den Tag gelegt hatten, toppten wir, glaube ich, nur noch einmal später am Bodensee.
Wirklich, im Minutentakt sind wir in diese Geschäfte abwechselnd reinspaziert und haben es bedient, als würden uns die Läden gehören.
Kippen, bester Alkohol, feinstes Filet, waren mitunter unsere Beute.
Mit den Diesel und Levis Jeans, welche wir uns, aus dem einige Meter entfernten Klamottenladen, ausgeliehen hatten, konnten wir unsere finanziellen Mittel wieder um einiges nach oben aufstocken.
Was heißt um einiges. Uns ging es richtig gut. So gut, dass wir die Nacht in einem, wirklich gutem Hotel verbringen konnten.
Natürlich nicht, ohne im Minutentakt, echt gutes Kokain in unsere Venen zu jagen.

Es war schon bemerkenswert wie schnell wir es schafften, uns ein komplett neues, gut strukturiertes Netz in einer neuer Umgebung aufzubauen.
In kürzester Zeit hatten wir Abnehmer für unsere Waren, Pusher für die besten Drogen und andere Connections aufgebaut.
Nachdem wir unsere Waren alle versetzt hatten, machten wir uns auf die Suche nach unserem afrikanischen Freund.
Dieser war schnell gefunden, und da wir diesmal etwas mehr Kohle investieren wollten, ging es direkt zu ihm nach Hause.
Ein schöner Prall gefüllter fünf Gramm Beutel Koks und ein Gramm braune Wahrheit.
Ein geiles Gefühl, wenn man mal wieder etwas mehr Drogen auf Tasche hatte, und die Vorfreude war besonders beim Koks extrem intensiv.

Nachdem wir unsere Taschen, die immer noch bei dem Lederboy waren, geholt hatten, entschieden wir uns also beide dafür die kommende Nacht unsere Ärsche von zwei weichen Matratzen verwöhnen zu lassen.
Dürfte definitiv ’ne gelungene Abwechslung werden, und so machten wir uns auf die Suche nach ’nem geeigneten Hotel.
Seid ihr schon mal umgehend, nachdem Ihr Euch ’ne Ladung Shore mit Koks zum Abrunden in die Venen gejagt habt, in die Sauna gegangen?
Glaubt mir, eine Erfahrung die man nicht unbedingt auf seiner „Sachen die ich unbedingt getan haben muss, bevor ich verrecke – Liste“, stehen haben muss. Erinnert mich teilweise an die Spielplatzzeit in Dellbrück zurück. An die Hausparty bei Steffi. Alls wir stinkbesoffen in deren kleiner Haus-Sauna, den Aufguss mit billigem Vodka anstatt Wasser, augegossen hatten.

Na ja, ich weiss nicht mal mehr, wer nun von uns beiden diese abgedrehte Idee rausgehauen hatte. Fakt war, dass nach fünf Minuten, der komplette Saunaboden mit unseren Innereien verschönert wurde und wir beide auf allen Vieren, kurz vor einem Kreislaufkasper, halb tot aus der Sauna herausgekrabbelt sind.
Wirklich keine gute Idee, und was uns da geritten hat? I dont fuckin know!
Der Anblick muss wohl einmalig gewesen sein. Zumindest reichte er aus, um den noch letzten, im Pool schwimmenden Herrn, mittleren Alters, hektisch und schnell das Weite Suchen zu lassen.
Dann hatte die Aktion wenigstens doch noch was Gutes. Es war schon spät und auch unter der Woche. Der komplette Poolbereich war nun also wie leer gefegt und wir hatte unsere Ruhe.
Ein geiles Gefühl! Mit so langen Schaumstoffnudeln, sich auf dem Rücken liegend, im aufgewärmten Wasser treiben lassen und den Kick genießen. Denn natürlich hatten wir es uns nicht nehmen lassen, ein ganzes Arsenal an fertig aufgezogenen Koka-Pumpen mit runter zunehmen, welche wir dann wie Snacks, in regelmäßigen Abständen, in unsere Venen schossen. Und wir machten wir uns noch nichtmal die Mühe, unsere Ballerorgie großartig zu verstecken.       Es gab keine Kameras und so reichten uns die zwei Liegen, mit ein paar Handtücher in einer geschützten Ecke aus,  um ungeniert unsere Koka Orgie durchzuziehen.

Was für ein Kontrast. Gestern noch die Nacht auf verfickten Pappkartons, in der verrotzten Ecke eines Parkhauses verbracht, und heute durften unsere Ärsche, auf zwei superweichen Luxus Matratzen chillen. Na ja, nicht dass in dieser Nacht an viel Schlaf zu denken war.
So war das Leben halt immer damals. Entweder ganz oben, oder tiefer als tief, ganz unten.
Es gab keinen gesunden Mittelweg. Nur Alles oder Nichts. Ganz oder Gar nicht.

Immer wieder musste ich an Leila denken.
Ob sie jetzt wohl zusammen mit Kurt Cobain und Jimmy Hendrix, auf Wolke 7 chillt, und einen Joint nach dem anderen durchzieht, oder einfach nur, drei Meter unter der Erde, vor sich hin verwest.
Tja, die große Frage. Wie gerne hätte ich sie besser kennengelernt. Wie gerne hätte ich mit Ihr die nächsten Tage, Wochen oder Monate verbracht. Sie war so ein toller Mensch! Es war einfach nicht fair!
Ach hör schon auf zu jammern! Mach dir lieber noch ’nen fetten Druck Koka fertig, und alles wird jut. Gefühle, konnte und wollte ich danals nie lange ertragen und mein Allheilmittel dafür hatte ich ja schon lange entdeckt.

Ihr kennt das Spiel ja mittlerweile. Der ganze Beutel Koks wurde komplett vernichtet. Die eine Hälfte im Spa Bereich zwischen Whirlpool und Sauna, und der Rest, bis in die frühen Morgenstunden, auf dem Hotelzimmer.
Die ausländische Putzfrau, die wir morgens auf einem der Fluren trafen, glotzte uns so dermaßen penetrant an, dass es schon fast unangenehm war.
Aber kein Wunder, sahen doch unsere Fressen nach so einer Koksorgie locker so aus, als wäre ein ICE, ohne abzubremsen, gnadenlos darüber gebrettert.

Aber drauf geschissen! Nachdem wir uns irgendwann morgens gegen halb 6, die letzte Shore gegeben hatten, pennten bzw. dösten wir die restliche Zeit bis zum Auschecken, vor laufendem Fernseher, vor uns hin.
Wieso zum Teufel mussten wir eigentlich, in letzter Zeit, immer alles im Voraus bezahlen? Strahlten wir etwa irgendetwas „nicht“ Vertrauenswürdiges aus?
Wie auch immer, nach zwei Tagen machten wir uns, mal wieder komplett pleite, weiter auf dem Weg Richtung Überlingen.
Und es fiel uns nicht gerade leicht, hatten wir uns doch mittlerweile schon wieder extrem an den Shore Alltag gewöhnt.
Am liebsten hätte ich wenigstens noch an diesem Morgen etwas klargemacht, um nicht mit Schmerzen in den Knochen und verficktem Dünnschiss, die Weiterreise anzutreten.
Aber seien wir mal ehrlich. Aus diesem Mal, würde dann ein nächstes Mal werden, und daraus ein weiteres, und so weiter und so fort. Irgendwann muss man nun mal einen Cut machen, und irgendwo, in den Tiefen unseres Hirns, war ja noch dieser eine Plan. Dieses eine Ziel. Wie war das noch mal?

Da wir wirklich null bock drauf hatten, unsere verfickten Daumen in den Wind zu halten, versuchten wir unser Glück diesmal direkt bei der Deutschen Bahn.
ICE Richtung Friedrichshafen. Abfahrt 11Uhr30. Perfekt, es war gerade kurz vor Elf, und wenn wir also Glück haben und durchkommen sollten, würden wir also tatsächlich in ca. 2,5 Stunden am verfickten Bodensee einmarschieren.
Nachdem wir, während des Wartens, ca. ’ne halbe Stunde mit ’nem Typen gelabert hatten, der seit einigen Wochen ein großes Schließfach sein Zuhause nannte (Ohne scheiß man. Der Typ, der ziemlich klein und kompakt war, hatte wirklich sein Lager in so ’nem großen Doppelschließfach aufgeschlagen und dort die Nächte verbracht), gingen wir schließlich nach oben zum Bahnsteig. Was heißt hier gehen, krochen, bzw. wir schleppten uns nach oben.
Der Zug fuhr ein. Wir achteten beide darauf, vom Schaffner ungesehen, in das Abteil zu kommen.
Da diese meist vom Anfang oder Ende des Zuges ihre Kontrollgänge starteten, fiel unsere Wahl auf eines der mittleren Abteile.
Der Plan war halt, unserem Ziel so nah wie nur möglich zu kommen, bis wir halt schließlich vom Schaffner gefickt werden würden.
Das dies, in einem großen fahrenden Eisenkasten, ohne großartige Fluchtwege unausweichlich war, stand nun mal außer Frage. Wir checkten alle Möglichkeiten ab, um uns irgendwie unsichtbar zu machen. Doch die Auswahl war diesbezüglich nun mal nicht allzu groß. Die Toilette ist wahrscheinlich der erste Platz die Leute einfällt. Doch Wenn man da nach 2maligem Klopfen des Schaffners nicht reagiert, öffnet dieser die Tür mit seinem Vierkantschlüssel.

In einem geschlossenem Abteil sassen zwei Jugendliche, die wie es schien schon einiges intus hatten und kräftig am Feiern waren.
Eine Idee, und die Möglichkeit ’n paar Bier abzustauben, liessen uns in das Abteil marschieren.
Obwohl ich null Bock auf Kommunikation oder Smalltalk hatte, sassen wir nun beide zusammen mit den zwei, permanent Deutschschlager singenden und grölenden, wie sich rausstellte Fußballfans, zusammen im Abteil.
Über uns auf der Kofferablage stapelten sich zwei oder drei Paletten Bier, und ne Flasche Apfelkorn stand auf dem ausgeklappten Beistelltisch.
Es war nicht allzu schwer die beiden davon zu überzeugen, bei der Aktion, „Lass dich nicht vom Schaffner ficken!“, mitzumachen.
Es war ein älterer Zug, und die etwas breiteren Bänke eigneten sich perfekt dazu, um sich darunter zu verstecken. Natürlich gelingt dies nur erfolgreich, wenn auch noch Leute im Abteil sind.
Deren Füße, und noch ein bis zwei Taschen gut positioniert, und man hat Chancen ungesehen davonzukommen.

Immer wieder forderte ich den, mit Pickel übersäten, blonden Typen auf, seinen Kopf aus dem Abteil zu stecken, und Ausschau nach dem Schaffner zu halten. Er war schon so extrem besoffen, und seine Motorik so dermaßen gefickt, dass er fast jedes Mal bei dem Versuch dabei, komplett von der Sitzbank gerollt ist.
Obwohl mir fast bei jedem Schluck Alk die Magensäure nach oben schoss und ich Mühe hatte den Boden, auf dem wir uns gleich immerhin hinlegen wollten, nicht komplett vollzukotzen, kippte ich mir in Rekordzeit zwei Dosen von dem Billig-Bier hinter die Binde.
Irgendwann dann fiel das Stichwort „Schaffner“, und blitzschnell krabbelten McFly und ich unter die Sitzbänke.
Lass den Penner bloß nichts merken! Wir hatten absolut kein Bock und keine Kraft jetzt wieder auszusteigen, und unsere Ärsche auf manuelle Weise in Richtung Bodensee zu befördern.
Als sich die Schiebetür öffnete, schloss ich einfach die Augen und hoffte auf das Beste. Und es klappte. Der Gestank des Alkohols und die zwei grölenden und stinkbesoffenen Typen, taten ihren Beitrag dazu, und der Schaffner drehte umgehend nach kontrollieren der Fahrscheine wieder um.
Die beiden Typen schrien und lachten, als hätten wir gerade den krassesten Coup des Jahrhunderts durchgezogen.
Doch Fuck Man, wenn ich ehrlich bin, wir waren wirklich heilfroh darüber.

Jetzt sollte der Durchfahrt bis zum Bodensee nichts mehr im Weg stehen. Wenn es einmal klappt, dann auch noch ein Weiteres mal, sollte der Schaffner überhaupt noch ein zweites mal kontrollieren.
Ohne Anstrengung und Kopfgeficke durch bis nach Überlingen.
Obwohl Alkohol, sowie auch alles andere, auf Affen zum Kotzen schmeckte, lenkte mich dieser wenigstens etwas ab, und so gab ich mir zielstrebig noch drei oder vier weitere Dosen, von dem echt übel schmeckenden Bier.
Und dann passierte doch das wirklich Abgefuckteste überhaupt.
Einer der beiden Typen sass extra am Gang, bei halb geöffneter Schiebetür, und tat uns den Gefallen immer wieder Ausschau nach dem Schaffner zu halten.
Als dieser dann erneut den Gang hinaufkam, und wir uns bei dem Stichwort „Schaffner“, sofort wieder in Fötusposition unter die Sitzbank geworfen hatten, stand er plötzlich in unserem Abteil.

„So Jungs, kommt mal schön hervor.“, mit verschränkten Armen und lauter Stimme positionierte sich der Möchtegern Sheriff, inmitten des Abteils.

Mit unserem typischen Grinsen in der Fresse krabbelten wir unter den Bänken hervor.
Fakt war, irgendeine alte Schachtel hatte von der Aktion etwas mitbekommen, ist dann prompt zum Schaffner gelaufen und hat dort die Anstands Bürgerin 2.0 gespielt.
Meine Fresse, was haben so Leute denn bitte für ein Problem? Ist das etwa Ihr Zug gewesen? Was kotzen mich solche Leute an!
Aber drauf geschissen. Das Ergebnis war ’ne Anzeige wegen schwarz Fahren, die natürlich auch nicht die Erste und Letzte bleiben sollte, und eine Rechnung über den doppelten Ticketpreis, da wir natürlich nichts davon sofort zahlen konnten. Immerhin konnten wir den Schaffner davon überzeugen, dass wir erst in Stuttgart eingestiegen sind, weil sonst wäre die komplette Fahrstrecke des Zuges berechnet worden.
Fuck it! Unsere Sicht in die Zukunft, war ja sowieso eingeschränkt und betrug maximal ein bis zwei Tage. Dementsprechend war die Sache schnell abgehakt, archiviert, und zu den, für uns anderen, unwichtigen Sachen, in den letzten Ecken unserer Kleinhirne abgelegt.

Wenigstens sind wir nicht aus dem verfickten Zug rausgeflogen und konnten jetzt, ohne weiteren Stress, durch bis nach Überlingen fahren.
Nachdem der Schaffner draußen auf dem Gang, alle unsere persönlichen Daten notiert hatte, und uns noch seine ganz persönliche Standpauke zu dem Thema Schwarzfahren und Erschlein von Leistungen reingedrückt hatte, setzten wir uns in ein leeres Abteil.
Auch wenn wir den beiden Jungs dankbar dafür waren bei der Aktion mitgemacht zu haben, wollten wir nun einfach nur noch unsere Ruhe haben.
Nach zwei Kippen und ’nem kleinen Bobbel Hasch, der noch vom gestrigen Tag übrig war, legten wir uns jeder flach über die, mit grünem Stoff bezogene, Doppelbank.
McFly schloss seine Augen und probierte zu pennen. Ich starte eine Weile aus dem Fenster.

Überlingen…. Überlingen … ÜÜÜÜberlingeeeen. Verficktes Überlingen.
Dieses Kaff, welches seit Tagen in unseren Köpfen rumschwirrte als würden wir dort, wer weiss was, vorfinden.
Dieser Ort, den wir seit so vielen Tagen zu Erreichen probieren, als wäre dort das Paradies auf Erden.
Als würden wir dort die Antworten auf all unsere Probleme und Fragen finden.

Ich meine Fuck Man, jetzt mal im ernst, was denn eigentlich dann?
Was verfickt noch mal machen wir dann, wenn wir in diesem ÜÜÜberlingen angekommen sind.
Nichts Man! Wir hatten keine Kohle mehr, und noch weniger hatten wir einen verfickten Plan, wie genau es weitergehen soll.
Wow, ist das nicht der perfekte Zeitpunkt um sich darüber den Kopf zu zerbrechen?
Es war ja nicht so, Alls hätten wir massig Zeit dazu im Vorfeld gehabt.
Nee Man, andere Sachen waren nunmal auch wichtig und mussten getan werden.
Das war zum einem die Sucht, die befriedigt werden musste. Der Turkey, der im Schach gehalten werden musste. Die Shore, die organisiert werden musste. Und all die anderen wichtigen Sachen, die getan werden mussten.
Also „Sucht“. Ja Man, sagte ich doch, die „SUCHT“! Ach man Leute, jetzt tut doch nicht so. Ihr wisst doch genau was ich meine. Wisst Ihr doch! Wisst Ihr?        Und irgendwie war da ja auch ein Plan. Zumindest das Grundgerüst eines Plans. Die Basis sozusagen. Der ungeschliffene Rohdiamant eines Planes. Und wie war der nun genau?                                 Hinfahren – Clean werden – ein Luxus Appartment suchen – ’nen coolen Job finden, dessen Bezahlung, bzw. Jahresgehalt im sechsstelligen Bereich liegt – und das verfickte Dorf übernehmen.
Na also. Geht doch. An der genauen Ausführung arbeiten wir dann, wenn wir da sind. Also doch ganz unberechtigte Sorgen, oder? Jaja, kleine naive Ficker. Jetzt hört schon auf! Wie oft wollt Ihr mir dass den noch vorwerfen? 

Nach ca. zweieinhalb Stunde kamen wir also tatsächlich an. Natürlich nicht direkt in Überlingen, sondern halt in Friedrichshafen, was bedeutete dass wir noch mal weitere 40 abgefuckte Kilometer vor uns hatten. Am Arsch und total ausgelaugt waren wir. Wer verfickt noch mal, zieht denn auch schon freiwillig auf Turkey durch die Weltgeschichte? Am liebsten hätten wir uns hier, jetzt und sofort, einfach auf den Boden gelegt und uns keinen Meter mehr weiter bewegt. Doch einer von uns beiden, war immer mal wieder die treibende Kraft und so kamen wir, Stück für Stück,  voran.
Ein paar Meter zu Fuß, einige Kilometer per Anhalter, bis wir schließlich, tatsächlich irgendwann dieses Verfickte Überlingen vor uns hatten. Mir kam es vor wie ein endloser Marsch durch die Wüste, die wir dann tatsächlich, kurz vor dem Verrecken stehend, überwunden haben. Hatten wir das nicht schon mal?

Was für ein kleines Kaff!
So ein typisch kleiner Kurort mit gerade mal 20.000 Einwohnern.
Durch das Zentrum konnte man wahrscheinlich in gerade mal 20 Minuten durchlaufen. Aber was heißt hier bitte Zentrum, der ganze Ort bestand aus einem einzigen Zentrum.
Trotzdem gar nicht mal so hässlich, und der Bodensee hatte auch irgendwas. Dieses Kuhkaff schien wirklich der perfekte Ort, um der Shore Ade zu sagen.

Es war spät und wir waren hundemüde.Doch was nun?
McFly war, wie schon gesagt, früher, als er etwas jünger war, fast jeden Sommer mit seinem Vater hier.
Sie verbrachten den Urlaub über immer in einem bestimmten Hotel, und so schien es für uns die beste Option, unser Glück mal dort zu versuchen.
Den Schuppen gab es tatsächlich noch. Sehr erfreut darüber, erkannte sogar die Besitzerin McFly sofort und nachdem wir ihr unsere Story auftischten (wir sind vor gefahren und McFly’s Vater komme ins drei bis vier Tage nach, Kurzurlaub in Überlingen, etc. etc. bla bla bla), hielten wir wirklich den Schlüssel für eines Ihrer Zimmer in der Hand.
Obwohl ich nur eins wollte, und zwar meinen Arsch in eines der beiden Betten zu befördern, schleppte ich mich noch unter die Dusche. Ich wusste genau das dies morgen früh, dass allerletzte sein würde, worauf ich Bock haben würde.

Und der nächste Morgen kam, sah und fickte komplett ab! Meine Fresse, Alter! Mir ging es richtig beschissen! Von all den letzten Tagen beziehungsweise Morgen, war dieser der allerschlimmste.
Keine Ahnung woran es lag, es war so als könnte sich mein Körper und Geist an diesem Morgen komplett auf den Affen fokussieren.
Mir ging es so extrem übel. Kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Jeder Knochen in meinem Körper fühlte sich wie angebrochen an. In meinem Kopf herrschte ein totales Chaos! Wäre unser Zimmer nicht im Erdgeschoss gewesen, dann hätte ich mich jetzt am liebsten, mit einem Schwung in Richtung Asphalt befördert und dem ganzen Elend ein Ende gesetzt. Ich glaube McFly ging es etwas besser, aber natürlich war er auch nicht gerade in seiner Topform.
Irgendwie quälte ich mich mit nach unten, wo sogar noch, und das obwohl wir viel zu spät dran waren, ein kleines Frühstück auf uns beide wartete.
Obwohl unsere Körper in den letzten Tagen nicht gerade viel an Nahrung gesehen hatten, war der Biss in ein Brötchen und eine halbe Tasse Kaffee alles was ich an diesem Morgen zu mir nehmen konnte, ohne es auf direktem Wege wieder an die Oberfläche zu befördern.
Wenn die gute Dame wüsste, dass es unser Plan ist die Zeche zu prellen, würde sie uns hier und jetzt, sofort mit ’nem dezenten Tritt in den Arsch, vor die Tür befördern.

„Alter, ich muss irgendwas machen. Mir gehts richtig übel!“, mit großen Augen schaute ich rüber zu McFly, während ich an meiner Tasse Kaffee nippte.

„Wat willste machen? Hier geht sowieso nichts.“, McFly legte sein Nutellabrötchen auf den Teller und schaute mich fragend an.

„Keine Ahnung Man. Irgendwas, ich dreh gleich durch!“, für einen Moment ließ ich den Kopf in meine Hände fallen. Als ich wieder nach oben schaute, fiel mein Blick auf das gelbe Telefonbuch, welches neben dem Münzapparat lag.

Ohne was zu sagen, ging ich hinüber, und öffnete das gelbe Buch. ÄÄÄrzte, Ärzte, irgendeinen Arzt in der Nähe ausfindig machen.
Schnell hatte ich einen, der nur einige Minuten von dem kleinen Hotel entfernt lag.

„Alter, ich lauf schnell rüber zum Arzt, der hier in der Nähe ist. Kommste mit?“, ich stützte meine Hände auf dem bunten, mit Farblack bemalten, Holzstuhl ab und begutachtete meine tellergroßen Pupillen in dem kleinen Wandspiegel.

McFly überlegte kurz, antwortete dann mit einem „Näh, ich warte hier, oder draußen“.

Es dauerte keine fünf Minuten, und ich saß in dem kleinen Wartezimmer der Arztpraxis. Links und rechts von mir,alte Omas und Opas, die Ihren Nasen in sogenannte Fachzeitschriften, wie die Gala oder Hörzu steckten, und Ab und zu ’nen kleinen Räusper von sich gaben.
Nervös tippelte ich mit meinem Fuß Auf und Ab, und wartete.
Wie sehr ich es doch hasse zu Warten!
Gebt mir für jede Verfickte Minute, die ich mit Warten, in Bezug auf Stoff oder Pillen verbracht habe, 1/10 Zehntel Material, und ich wär in der Lage mir das größte Drogenimperium Europas aufzubauen.
Nach einer geschlagenen Stunde kam ich endlich dran.
Total fertig saß ich, dem bestimmt schon 60 Jahre alten, extrem korpulenten Arzt gegenüber.
Das ganze Zimmer war mit Mahagoni farbenen Möbel ausgestattet und an den Wänden hingen eingerahmte, vergrößerte Urlaubsfotos von dem Arzt und seiner Familie.
Ich probierte erst gar nicht dem Doc irgendeine, aus den Haaren herbeigezogene, Story aufzutischen. Stattdessen erzählte ich ihm die Wahrheit, mit der man in so einer Situation oft am besten fährt.
Ich holte einmal kurz Luft und quatschte los.

„Ich bin seit Jahren auf Shore und mit einem Kumpel hierhin gekommen, um endlich den Absprung zu schaffen. Rohypnol ist jetzt das Einzige was mich davor abhält komplett durchzudrehen!“, ich fixierte die Augen des Arztes, wischte mir die Schweißperlen von der Stirn, stöhnte einmal kurz und senkte dann meinen Kopf nach unten.

Der Arzt schwieg einen Moment lang und mein Herz raste.
„Lass mich jetzt bloß nicht hier hängen du Sackgesicht!“, dachte ich mir.
Er überlegte und überlegte, und fing dann erst mal an mir eine Standard Predigt über Drogen, Alkohol und Sucht generell zu halten.
Und als ich schon dachte die Aktion würde ein absoluter Fehltritt werden, drückte er mir doch tatsächlich ein Rezept über 20 Rohypnol Tabletten in die Hand, und meinte er wäre bereit mir weiter zu helfen.
Fucking Bingo!

Vollkommen erleichtert verließ ich die Arztpraxis.
Wie ich schon öfters schrieb, obwohl die Rohpse keine Opiate waren, halfen mir die Benzos immens. Die alten 2mg Rohpse schafften es irgendwie meinen Affen einigermaßen erträglicher zu.machen.
Natürlich war der Affe nicht komplett weg. Natürlich war ich immer noch kraftlos und schlapp. Natürlich war mir immer noch heiß und kalt und.ich schwitzte.
Aber vom Gesamtbild her gesehen, war es ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Mit ein paar von diesen kleinen weißen Wunderpillen, genügend Hasch und einigen Dosen Bier war es echt auszuhalten. Man konnte einigermaßen gut pennen und das Kopfgeficke wurde auf ein Minimum reduziert. Man war abgelenkt und funktionierte einigermaßen. Das Gefährliche an der Geschichte ist nur, nimmst du die kleinen weißen Pillen länger als ein bis zwei Wochen, fängst du an dich daran zu gewöhnen und eine Toleranz aufzubauen. Und setzt du sie dann ab, stehen dir wieder ein paar üble Tage bevor. Ein klassicher Fall von Suchtverlagerrung. Nimmst du sie noch länger, entwickelst du eine richtige Abhängigkeit. Und ich sag Euch eins, der Affe von diesen Benzos, tja …, da ist ein Shoreentzug ein reiner Kindergeburtstag dagegen. Inklusive Topfschlagen und Torte.
Etwas, was ich später noch am eigenen Leib erfahren durfte. Aber dazu später mehr. Jetzt war dies das Allerletzte, woran ich meine Gedanken verschwendete. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, glaub ich, noch nichtmal, dass man auf diese Pillen richtig „drauf“ kommen kann. Wie auch immer, ich war heilfroh in dem Arzt eine vorläufige Quelle für die Pillen gefunden zu haben!

Ich traf McFly unten, am Ufer des Bodensees.
Ich warf mir umgehend drei von den Rohpsen ein, dann schnorrten wir uns ’ne Kippe und chillten erst mal ’ne Runde an der Treppenstufe, die entlang des Ufer’s führte.
Danach machten wir uns mit dem Ort vertraut, checkten ein paar Läden an, machten ein bisschen Kohle und quatschten mit ein paar Jugendlichen.
Der Tag verging und gegen Abend ging es zurück in die Pension. Insgesamt verbrachten wir zwei Nächte in der Pension.
Als wir am dritten Tag, wieder dort auftauchten, standen unsere Taschen im Eingangsbereich.
Schon als die „nette“ Dame uns von Weitem sah, kam sie auf uns zugelaufen.

„Was ist denn mit Euch beiden los? Was habe ich von den Leuten gehört? Drogen?! Ihr nehmt Drogen? So was will ich nicht bei mir. Und Martin! Du hast mich angelogen. Dein Vater kommt überhaupt nicht! Ich habe mit ihm telefoniert. Ich möcht dass ihr beiden sofort die Pension verlasst.“, per Schnappatmung geplagt und kurz vor dem Herzkasper stehend, wurf sie uns diese Worte entgegen.

Wow! Drei Tage. Drei Verfickte Tage. Von Montag bis Mittwoch. Von Freitag bis Sonntag.
Solange hatte es also gedauert, bis wir unseren Ruf komplett versaut hatten.
Es dauerte drei geschlagene Tage und wir waren das Gesprächsthema Nr.1 in diesem kleinen schönen ruhigen Dorf.
Jedem anderen wäre so eine Aktion, wie sie sich gerade vor der kleinen Pension abgespielt hatte, wahrscheinlich arschpeinlich gewesen, doch wir hatten uns schon längst daran gewöhnt und statt arschpeinlich, ging es uns eher am Arsch vorbei.
Nur das wir diese extrem kuscheligen und gemütlichen Betten aufgeben mussten, und das so leckere und liebevoll zubereitete Frühstück nicht mehr genießen konnten, hatte uns extrem gestört.
Na ja, und es tat uns etwas leid, die Dame, die ja eigentlich wie es schien, ganz nett gewesen zu sein, so verarscht zu haben. Für ein Augenblick zumindest. Aber Fuck, irgendwie mussten wir halt überleben. Wir hatten kein Einkommen, keine Wohnung, etc. Und entweder gibt man da auf, oder man lässt sich etwas einfallen. Tja, und Sucht ist sowieso egoistisch. Gibt es überhaupt etwas egoistischeres als die Sucht, die Abhängigkeit von etwas? Und auch wir waren zu der Zeit egoistisch, wenn es nicht um uns, unsere guten Freunde, oder Leute die uns extrem nahe standen, ging. Schlechtes Gewissen? Sehr selten, und dann meist nur für einen kurzen Moment. Es ist schon komisch, im Vergleich zu heute. Da mach ich mir wahrscheinlich um alles und jeden, viel zu viel Gedanken!

Aber zurück. Jetzt mussten wir uns also wieder nach ’ner neuen Schlaf Gelegenheit umschauen.
Doch unser nächstes Ziel war jetzt erst mal Konstanz.
Wir hatten da am Tag zuvor von einer Kneipe gehört, in der man die richtigen Leute, mit der richtigen Einstellung und den richtigen Accessoires treffen sollte. Nein Man Leute, keine Panik, wir reden doch gar nicht von Shore. Nee Man, es ging uns um andere nette Substanzen. Was zu rauchen brauchten wir sowieso und vielleicht würde sich ja auch etwas Nettes zur Beigabe ausfindig machen. Immerhin wollten wir von Shore abkicken und nicht unser heiliges Gelübde ablegen. Noch nicht. Dafür ist noch Zeit genüg, wenn wir die 40 ankratzen.

Wir war eigentlich noch mal mein letztes LSD Erlebnis? Nicht gerade berauschend, und eigentlich müsste ich nach diesem Horrortrip, von dieser Substanz die Schnauze komplett voll haben.
Aber da war dann dieser Typ, in dieser Kneipe in Konstanz und ……..

To be continued ………..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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