Gute Vorsätze fürs neue Jahr …?

Na ja, im Grunde sind sie ja eigentlich eh total für den Arsch, und allerhöchsten soviel Wert, wie die ausgeleierte linke Brusst von der dicken Strassenschwalbe Olga, die im 15 Minuten Takt, männliche Fleischmikrofone auf dem versifftem Bahnhofsklo, zum explodieren bringt.

Dennoch hab ich einen Vorsatz: Meine verdammte Geschichte hier endlich weiterzuerzählen! 

Das bin ich mir, Euch und vor allem der fetten Olga einfach schuldig. Ich werd mein bestes geben im neuen Jahr endlich neue Teile rauszuhauen.

Wünsch Euch Allen schöne Feiertage,

Mike

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Denn sie wissen nicht was sie tun…

Die Demokratie ist gestürzt – das totalitäre System an der Macht. Der Diktator Namens Sucht tyrannisiert sein Volk. Er befiehlt, wir folgen. Schlimmer als je zuvor.

Doch nichts ist mehr wie früher. Wo ist es hin, das gute Gefühl? Der warme Schutzmantel, das tolle High? Wo ist sie hin, die verdammte Illusion der endlosen Freiheit, gepaart mit dem ultimativen Ego Boost?

Alles futsch! Nichts mehr da, außer dem auf links gedrehten Magen inkl. schlechtem Gewissen, welches sich selbst mit ’nem fünfer Beutel feinstem China White nicht mehr ins Jenseits ballern lassen würde. Ist es der Stoff oder ist er derjenige? 

Es funktioniert einfach nicht mehr. Die einzige immer dagewesene Konstante hat den Schwanz eingezogen. Was zum Teufel macht man, wenn die Droge nicht mehr funktioniert, doch der Tyrann immer noch da ist? Paradoxe Sache das! Unlogisch und einfach nur abgefuckt! 

Bis spät in die Nacht konsumiert er zwanghaft Krümel für Krümel. Lässt das braune Pulver verflüssigt, über die, mit schwarzen Ruß verschmierten, Bleche laufen. Nur das Flackern des fast ausgebrannten Teelichts und das kleine Oberlicht, der mit viel Geschirr voll gestellten Spüle, werfen einen kleinen Lichtkegel in die dunkle Küche.

Er hockt vor dem schmalen Eckfenster und pustet angestrengt nach und nach den Qualm des Heroins, gepaart mit dem des Tabaks, hinaus. Zehn, fünfzehn oder zwanzig Feuerzeuge, neben Fetzen von Alufolie, Tabakfiltern und Blättchen, vor ihm liegend auf dem weiß grauen Fliesenboden verteilt.

*Klick*… *Klick* … *Klick*  

Genervt geht er Alle der Reihe nach durch, bis er schließlich eins erwischt welches noch nicht ganz den Geist aufgegeben hat. Die kleine Flamme reicht aus um die nächste Bahn Shore in Qualm aufgehen zu lassen. Diese Prozedur, dieses fast schon heilige Ritual – Früher Gold – heute maximal der Gegenwert eines ausgekotzten Haufen Scheiße.

Das Tier starrt ihn an. Fixiert ihn seit Minuten schon, mit seinen grüngrauen Augen. Ohne zu blinzeln, schaut nicht ein Mal weg, als wolle er ihm sein schlechtes Gewissen links und rechts um die Ohren pfeffern. 

Die letzte Bahn, die letzten kleinen Punkte – Alles muss in Rauch aufgehen! Stechende Brust. Verkrustete, mit schwarzem Teer überzogene Lungenflügel und aufgedunsene Leber.   Unkaputtbar oder wie war das noch? Kleine naive Fotze  – War früher und ist lange her! Schmerzend und bettelnder Körper, doch Wünsche aus dieser Richtung werden seit langem gekonnt ignoriert.  Der Kopf ist der verfickte König.

Vor dem letzten Gramm schon, hätte er aufhören können. Die Rezeptoren mehr als bis zum Anschlag gesättigt. Das Blech beiseite legen und sich genüsslich zurücklehnen können. Doch STOP! Genuss?!?  Falsches Wort, falscher Kontext. Substituieren wir es lieber mit Qual. Und wieder. Paradoxe Sache das!

Warum den Scheiß nicht einfach wegschmeißen? Oft getan! Mehr als einmal hat das Zeug den Scheißpott von innen gesehen. Nur um dann 3 Tage später den Fehler, durch Einkauf der doppelten Menge, wieder gut zu machen. Ich sag’s doch, Man! Paradoxe, abgefuckte Sache das! 

US-Anthropologin Helen Fisher behauptet, der stärkste Trieb der Menschheit sei die Liebe. Überlebenskünstler MadMike behaupte, es sei die Sucht.

Alles muss weg! Nichts darf mehr übrig bleiben. Kein noch so kleiner Krümel darf mehr in der Plastikdose, welcher ursprünglich mal der Behälter für Ohropax war, zu sehen sein. Er kann erst aufhören wenn jedes Blech zusammengeknüllt, den Weg in den verbeulten Mülleimer gefunden hat. Alles nur um Morgen eventuell den einen Tag zu erwischen, an dem er den verfickten Kreislauf nicht erneut zum Laufen bringt. Alles nur um sich die Möglichkeit zu nehmen,  dem verfickten Suchtdruck am nächsten Morgen ein Häppchen zum Frühstück vorzuwerfen. Nur um diesen einen Tag, diesen einen Moment zu erwischen. Einmal durch die richtige Tür zu gehen.

Totale absurde Scheiße! Zu 99,9 Prozent wird dieser eine Tag nicht kommen. Illusion, Wunschdenken, Realitätsverlust. Backflash! Das Band der Kassette dreht sich in Dauerschleife zurück. Wie am Tag zuvor, der Woche und dem Monat zuvor. Du kleiner Spaßt, was in Gottes Namen tust du hier?

Ein Gnadenstoß, ein verfickter Gnadenstoß! Ein Schritt in den freien Fall, ein Atemzug im kühlen Nass, ein goldener Schuss, aufgefangen in dem Schoß singender Engel. Morgen wahrscheinlich und auch übermorgen nicht. Doch irgendwann dann vielleicht. 

Das Leid, der Mut des Einen, der die Eier hat abzudrücken, ist die erbärmliche, angstverzerrte Feigheit des Anderen. Das Bild der Feigen kleinen Ratte, die sich klammheimlich aus dem Leben stielt. Ihr kleinen Wichser ihr! 

Doch wer weiß – Vielleicht ist er ja morgen doch da. Dieser eine Tag, dieser eine besondere Moment.

MadMike 7.09.2017  

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Lebenszeichen..

Die Welt hat immer noch nicht aufgehört sich zu drehen und ich lebe und zucke auch noch ^^

In diesem Sinne einen fetten Gruß an alle Mitleser.

Euer verrückter Mike……

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Teil 30 – Ballern ins offene Bein

Zurück in Konstanz.
Verdammt, was ging mir die scheiss Sucherei auf den Sack. Wie ein Bekloppter lief man Hin und Her nur um die verdammte Nadel im Heuhaufen zu suchen. Chris war verschwunden. Weder nachts, an unserem sporadischen Zeltplatz, noch tagsüber in der Stadt. Keine verdammte Spur mehr von ihm!
Hätte ich für jede Minute, die ich zu der damaligen Zeit, mit Warten und Suchen verbracht habe, einen verdammten Pfennig bekommen, dann wären Geldprobleme definitiv ans Ende meiner Problem Kette gerutscht.
Und so kam es, dass ich mich die kommenden Tage erst mal alleine durchschlagen musste.

Es waren Momente wie diese, in denen einem bewusst wurde, wie mies es doch war, komplett alleine durch seinen, mit viel Liebe und großem Aufwand erstellten Haufen Scheiße, stolzieren zu müssen.
Ohne seinem besten Freund oder wenigstens ’nem Kumpel an der Seite, wurde alles frustrierender, abgefuckter und deprimierender!
Wie sagt man doch so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid.
All die Tage, Monate und Jahre ….. Fuck Man, alleine hätte man diese Zeit wahrscheinlich nur mühsam überstanden.
Doch zu zweit war alles nur halb so schlimm.
Ich meine, wie seltsam dieser Bullshit auch klingen mag, aber zusammen waren wir beide in der Lage, selbst aus den abgefucktesten Situationen, noch etwas Positives und Lustiges zu kreieren. Selbst ’nen stinkenden Haufen Scheiße hätten wir uns wahrscheinlich noch in ein rosarotes Blümchen, gepflückt von dem heiligen Messias selbst, schönreden können.
Und Meister des Verdrängens waren wir beide ja sowieso. Für Alles und Nichts konnten wir uns Rechtfertigungen aus den Ärmeln ziehen.
Das perfekte Team also.
Dennoch, glaubt nicht daß wir uns nicht auch oft genug, gegenseitig ans Bein gepisst hatten.
Nee Man, mehr als einmal kam es vor, dass wir kurz davor waren uns die Köpfe einzuschlagen. Doch ganz ehrlich? Es wäre auch ein wirkliches Wunder, wenn dem nicht ab und zu so gewesen wäre.
Doch was dann letztendlich nur zählte, war dass wir am Ende wieder wie zwei Brüder den Kampf gegen die Verfickte restliche Welt aufnahmen, für einander da waren und uns gegenseitig aus der Scheiße rauszogen.
In einer Welt und einem Umfeld, wo jeder nur an seinen eigenen Arsch dachte, konnten wir uns blind aufeinander verlassen.
Das war mehr wert, Alls alles andere!
Es war mehr als eine Freundschaft! Wir waren wie Brüder und unser Blut war dicker all alles andere.
Bekanntschaften gibt es wie Sand am Meer, doch findet ihr mal solch ein „Exemplar“, dann haltet dran fest. Geben ist mehr als Nehmen in so einer Konstellation.

Und an dieser Stelle noch mal ein paar Worte, Fuck, man könnte es schon fast eine abgewichste Ode nennen. Und zwar an den Menschen, der für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird. . Egal wo du bist, was du machst, wann immer wir uns auch sehen, ich werde immer für dich da sein! Ihr werdet euch vielleicht wundern, denn bis jetzt hat McFly noch keinen meiner Texte gelesen.
Nein Man, erst wenn ich am Ende angekommen bin, werde ich sie ihm zeigen. Ihm diese widmen, denn im Grunde sind das hier unsere Texte. Es ist unsere Geschichte!
Und glaubt mir, es wird noch einiges passieren, womit Ihr nicht rechnen würdet.

 

Einige Tage vergingen, in denen ich mich so durschlug. Rumlaufen, Kohle klar machen, Waren verkaufen und Drogen einkaufen. Arbeitsbeginn 8Uhr morgens – Feierabend 00Uhr Mitternacht. Pausen gab es keine und Bereitschaftsdienst hatte man 24/7 an der Backe.
Dazu kamen noch miese Sozialleistungen und Aufstiegsmöglichkeiten, in Form eines Grabsteins oder dem Knast, gab’s gratis als Zuschlag oben drauf. Von einem Praktikum oder kurzem Reinschnuppern kann ich jedem nur abraten.
Werdet Klempner, studiert BWL oder leistet Entwicklungshilfe in irgendeinem Kaff in Afrika. Mach sonst was, nur strebt keine Karriere in diesem Metier an. Lohnt sich net, ist ungesund und einfach nur für den Arsch!

Es war früher morgen. Nieselregen fegte durch Konstanz. Zusammengekauert quetschte ich mich unter den schmalen Vorstand der Bushaltestelle und war gerade dabei meine obligatorische Tafel Ritter Sport, die ich mir aus dem kleinen Supermarkt, unten am Ufer ausgeliehen hatte, zu vernichten.

„Den Typen kennste doch!“, dachte ich mir, während ich auf die letzte Reihe des Linienbusses, der soeben vorfuhr, schielte. Und tatsächlich, mit einem lauten Quietschen der Hydraulik öffnete sich die hintere Tür, der gute McFly hüpfte hinaus und lief mir grinsend entgegen.

Es dauerte nicht lange, und er fing an mich zu überreden mit ihm zurück nach Überlingen zu kommen.
Doch ich entfernte ich mich nur ungern von der Quelle, aka Konstanz, der verfickten Spielhalle, in der braunes Pulver in viel zu kleinen Mengen für viel zu viel Bares den Besitzer wechselte. Nee Man, der Aufwand um von Überlingen hierher zurückzugelangen, war einfach viel zu groß. Vor allem mit ’nem Turkey in den Knochen. In dem Zustand war einem nun mal alles Zuviel und seinen, vom Affen geschwächten Körper 20 Kilometer ins Nächste Dorf zu schleppen ist unmenschlich und sollte mit der Todesstrafe sanktioniert werden.
Doch der gute McFly schaffte es ’nen ordentlichen Anreiz für den Umzug zu kreieren.
Anscheinend wartete ein Batzen Kohle auf Ihn und so stimmte mich der Ruf des Geldes, dann schließlich doch um, Konstanz zu verlassen und mit ihm zurück nach Überlingen zu fahren.
Rückweg Überlingen!
Die letzten Meter liefen wir zu Fuß, da der Fahrer des kleinen grauen Transporters, den wir schon auf der Fähre angesprochen hatten, uns kurz vorher an einer Straßenecke rauswarf.
Natürlich dauerte es nicht lange, bis sich die Knochen in meinem Körper anfingen zu drehen und den Versuch starteten, mir mit Unwohlsein und leichten Schmerzen klar zu machen, mal bitte ganz schnell für ’n dicken Nachschlag zu sorgen.
Der letzte Druck lag viel zu lange zurück und es war nur ’ne Frage der Zeit, bis sich mein restlicher Körper der kleinen Privatparty ohne großer Überredungskunst anschließen, und der Affe die volle Kontrolle übernehmen, würde.

„Wieviel Kohle hast du? Die hatte Euch einfach so ’n Typ in die Hand gedrückt, damit Ihr dem „was“ klar macht??“, ich zog mir den Rotz zurück hoch, der gerade dabei war meine Nasenhöhle als Spielplatzrutsche zu nutzen.

 

„Ähm, ja Man. ‚N paar Blaue. Der Typ will ’ne dicke Platte Hasch haben und natürlich hab ihm gesagt, dass wir das „Beste“ im Umkreis von 100 Kilometern klar machen können. Die Kohle ist aber noch bei der Schwester von Phil und die müssen wir erst noch holen.“, erwiderte McFly.

 

Phil bzw Philipp war ’n junger Kerl, mit dem McFly die letzen Tage in Überlingen verbracht hatte. Während ich weiterhin die Shore Welle in Konstanz ausgiebig und mit viel Hingabe ritt, feierten die beiden, auf jeder nur möglichen alternativen Droge, die gerade halt verfügbar war.
„Ja, dann lass uns schnell die Kohle besorgen und rüber nach Zürich fahren! …. Oder?“, ein Gähnen welches mir fast den Kiefer ausrenkte, ließ meine letzten Worte nur ansatzweise erahnen.

„Was? Ähm, ja klar, machen wir!“, die Antwort kam zwar etwas zögernd, doch reichte aus, um meiner Energie wieder etwas Aufschwung zu bescheren.
Ankunft Überlingen!
Nachdem drei hintereinander gekaufte Eis beim Italiener meinen Hunger besänftigt hatten, war es definitiv Zeit für die Hauptspeise.

„McFly! Komm man, lass uns los die Kohle holen!“, ich zündete mir die soeben geschnorrte Kippe an.

„Ähm ja Man. Wir müssen noch was warten..Ähm, ich meine, wir müssen erst die Schwester anrufen, bzw. erreichen.“, stammelte er vor sich hin.
Okay den Enthusiasmus, den McFly an den Tag legte, was die Sache betraf, gefiel mir nicht so richtig aber ich fand mich damit ab und konzentrierte mich auf das Wesentliche.
„Dann auf zur Telefonzelle.“, erwiderte ich umgehend.

Dort angekommen, unten am Ufer des Bodensees, ging das Spiel dann los.
Immer wieder wählte McFly eine Nummer, doch kam letztendlich nie durch.
Ständig kam irgendeine Ausrede. Die Schwester kommt gleich, sie muss doch noch weg, ihr Auto sei stehen geblieben, etc. etc.
So lief das Ganze also für die nächsten zwei bis drei Stunden in Dauerschleife ab.
Mir ging das Alles extrem auf den Sack. Mein Körper randalierte und von Minute zu Minute wurde ich unruhiger.
Ich war letztendlich kurz davor, wieder alleine zurück nach Konstanz zu fahren, als McFly schließlich einwilligte, mit Phil zusammen, zu seiner Schwester zu fahren.
Ein fetter BMW reagierte endlich auf unsere ausgestreckten Daumen. Der Grund dafür war aber wohl eher, dass der Fahrer Phillip vom Sehen kannte, alls die Optik unserer wohlgeformten Ärsche.
Die Fahrt dauerte nicht lange und so standen wir einige Augenblicke später, vor einem kleinen Einfamilienhaus. Natürlich sollte ich kurz warten, und die beiden verschwanden kurze Zeit darauf.
Ganz ehrlich? Ich erwartete nicht sehr viel. Um genau zu sein, gar nichts, denn nicht erst seit ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, dass an der ganzen Geschichte mit der Kohle etwas faul war.
Umso mehr war ich von der kommenden Aktion überrascht.
Das breite Grinsen, welches sich diagonal durch McFly’s Fresse zog und er gerade zum Besten gab, als die beiden zurück um die Ecke des Hauses kamen, kannte ich nur allzu gut und ließ doch tatsächlich Positives erhoffen.
Ohne was zu sagen, griff er in die Hintertasche seine Jeans und wedelte kurze Zeit später mit einem fetten Bündel blauer Scheine, vor meiner Nase umher.

Es ist schon wirklich erstaunlich, wieviel Aufschwung einem vom Affen geschwächten Körper, alleine nur die „Aussicht“ auf Drogen geben kann. Wirklich verdammt erstaunlich. Dein Kopf spielt die verdammte Hauptrolle und der Körper den Statisten, in der Dreigroschenoper, die sich Sucht nennt.

Freudig knutsche ich McFly mehrmals ab und dann machten wir uns auf in Richtung Zürich.
Doch Moment!
Die Kohle??? Tja, von wegen, die war gar nicht von dem Typen, der Dope wollte. Das Haus, vor dem wir da standen?
Nee Man, da wohnte noch nicht einmal die Schwester von Phil.
Oh ja, die Story hatte der gute McFly nur erfunden um mich irgendwie wieder zurück nach Überlingen zu holen.
Da McFly mich nun mal besser als jeder andere kannte, wusste er genau dass es mehr als nur ein paar Worte bedurfte um meinen Arsch weg aus Konstanz, dem einzigen Ort, an dem es unser heiß geliebtes Pulver gab, zu befördern.
Im Grunde gab es nur zwei Dinge. Shore, oder das Mittel zum Zweck: „Bares“.
Der gute alte McFly entschied sich somit für Lockmittel Nr.2.
Mit ein paar Scheinen wedeln und den gierigen Fisch beim Haken packen, so ungefähr nach dem Motto.
Erst Monate später erzählte er mir woher die Kohle wirklich kam.
Tja, ich sag nur Trampen, fetter BMW, Rücksitz, dickes Portemonnaie, leeres Portemonnaie.

 

Ankunft Zürich aka Junk-City!
Mittlerweile kannten wir auch hier schon die ein oder anderen begünstigte Stelle, welche zum ungestörten Konsumieren einlud. Natürlich konnte man sich, wie auch oft getan, mitten auf den Letten, das Pulver seiner Wahl in die Venen jagen, doch wir hatten kein Bock auf Stress, sei es in Form von Bullen oder stressigen Mitsüchtigen. Und außerdem wollten wir Koks in Form von Cocktails genießen und unsere Ruhe haben. Der Plan war deshalb erst mal für die eine Hälfte der Kohle Dope einzukaufen und dann wieder, zu einem unserer Plätze, zu verschwinden.
Und genau jetzt muss ich Euch noch von einem Ereigniss erzählen, welches sich mir, und wohl auch McFly, noch bis heute, fest wie ein gemaltes Bild in unseren Köpfe eingebrannt hat.
Ein Bild, welches das ganze Elend und Übel einer Sucht, auf ein Einzelnes reduzierte und zum Besten gab!

Wir näherten uns der kleinen Brücke, die über den Letten, bzw. die alten ausrangierten Bahngleise führte.
Eine Straße, auf beiden Seiten Bürgersteige und eine Treppe, welche direkt nach unten in die Hölle oder auch das Paradies führte. Was von beidem liegt wohl im Auge des Betrachters.
Genau hier, auf einer der unteren Stufe saß er. Ein Typ, dessen Optik wirklich nur jedes möglich verfügbare Klischee eines Heroin Junkies der 80/90er Jahre bediente.
Wir marschierten die Treppe weiter hinunter und quetschen uns an ihm vorbei. Und dann erst sahen wir das ganze Elend.
Bei unseren Ausflügen durch die Weltgeschichte erlebten wir oft abgefuckte Situation, sahen üble Sachen, doch dieser Typ hier, sicherte sich definitiv einen Platz auf dem Siegerpodest, was dies betraf.

Er hatte seine Jeans ausgezogen und saß nur noch in Unterhose, da.
Überall war Blut, auf den Treppen lagen kleine Hautfetzen und anderes undefinierbares Zeug.
Er war so vertieft, in dem was er tat, dass es einen Augenblick dauerte, bis er uns bemerkte.
Er hob sein eingefallenenes Gesicht nach oben und seine großen Glubschaugen, die aus den tiefen dunklen Augenhöhlen herausragten, starrten uns kurz an.
Seine grau-gelbliche Haut, hing über seinem Körper wie ein loser Lappen Leder.
Dann, also sei es das Normalste der Welt, widmete er sich wieder voll und ganz seinem Projekt „Vene lokalisieren“.
Er setzte die, schon mit dunklem Blut gefüllte Pumpe, erneute an. Bis hier hin ein ganz normales Bild der damaligen Zeit und auf dem Letten sowieso stinknormaler Alltag.

Doch dann sahen wir sein Bein.
Sein verficktes Bein, dieses Bild werde ich nie vergessen, war komplett offen!!
Und zwar so weit, dass man wirklich schon die offenen Venen und Arterien sehen konnte.
Wie die Saiten einer Gitarre, baumelten diese, von Fleisch und Muskeln umgeben, herum und der arme Kerl stocherte immer wieder erfolglos in diesem Loch herum.
Es war eine reines Blut Massaker, welches er dort veranstaltete.
Fast die ganze Innenseite seines Oberschenkels war betroffen.
Immer wieder pulte er mit seiner linken Hand in dem offenen Bein herum, um dann erneut den Versuch zu starten, eine Vene zu lokalisieren und auf „Blut“ zu stoßen.

Fuck-Man, bevor ich selbst zum Heroin Junkie wurde, war „pures Unverständnis“ alles, was ich für diese Gattung Mensch aufbringen konnte. Ich dachte mir immer, wie zum Teufel kann man sich denn sein eigenes Grab schaufeln und von der verdammten Loge aus dabei zusehen, wie man sich und und sein Leben Stück für Stück gnadenlos zerfickt? Absolut lächerlich so was! Ja Man, Gedanken wie diese waren es, bevor ich selbst dem Zeug verfiel und mich diesem mit Leib und Seele verschrieb.
Tja, und wie zum Teufel soll man einem 0815 Mensch denn bitte so ein Bild erklären?
Wie soll man dies rechtfertigen.
Kann man so ein Verhalten denn nicht nur mit Schwäche und Dummheit abtun?
Nee Man, egal wie schwer es zu verstehen ist, all diese Attribute passen dazu nicht.
Unverständnis ist das Letzte, welches man aufbringen sollte.
Diese Macht, diese Sucht ist einfach unbeschreibbar, doch sie ist verfickt noch mal Real!

Der Schweiß tropfte ihm aus seinem Gesicht. Es war ein Schauspiel purer Verzweiflung, welches sich uns dort offenbarte.
Er stöhnte, fluchte und schluchzte, währen er die Nadel immer wieder erneut in sein offenes Bein rammte. Es klappte und klappte und klappte einfach nicht.
Seine alten Pumpen und Nadeln lagen wild durcheinander verstreut vor ihm auf dem Boden, und immer wieder wechselte er die, von Blut verstopfte Nadel gegen eine andere aus. Spritzte die ganze Suppe zurück auf seinen, mit Ruß und Dreck verschmierten Löffel, rührte herum, um sie erneut aufzuziehen und das Prozedere im Loop zu wiederholen. All dies, nur um den Kampf gegen die Zeit, in Form von geronnenem Blut, zu gewinnen.
War dies einmal der Fall, dann war’s dass und er konnte die ganze Suppe allerhöchstens noch,  vorausgesetzt er war schnell genug, runterschlucken, um wenigsten etwas davon aufzunehmen.

Oft genug habe ich es mitterlebt, dass Druffis in so einer Situation, voller Verzweiflung sich die, mit Blut verklumpte Pumpe, einfach subkutan ins Gewebe rammten. Schmerzhaft, übel und ganz gefährlich!
Bei dem ganzen Dreck der im Umlauf war, war dies wirklich die allerbeste Voraussetzung, um in den Genuss eines schönen fetten Abszesses zu gelangen.
Genau so einen Abszess, der bei diesem armen Kerl hier wahrscheinlich einmal die Ausgangsbasis für dieses leckere offene Bein war.
Nicht ordentlich behandelt, entzündet er sich, gedeiht froh und munter weiter und das Endergebnis hatten wir hier auf dem Silbertablett serviert bekommen. Der nächste Schritt währe dann wohl die Amputation, wenn man Pech hat.
Absolut schlimm!
Was Abszesse an ging, hatte ich zurückgeblickt eigentlich immer ein verdammtes Glück. Natürlich hatte ich mir mehr als einmal ein fettes Ei geballert, und auch entzündet hat es sich das ein oder andere Mal, aber alles ist zum Glück immer wieder gut verheilt. Aber na ja, Glück stand sowieso ganz oben auf unserer Liste.

Was dieser Typ hier gerade durchmachte …. man kann es sich wirklich nicht vorstellen. Es gibt einfach keine Worte, um es  jemanden verständlich zu machen. Jemanden der dieses Gefühl nicht kennt. Es ist einfach unbeschreiblich!
So nah dran um seinen schlimmen Affen, seinen Horror Entzug, den er vielleicht schon seit Stunden oder sogar Tagen mit sich rumschleppte, endlich zu besiegen, doch gleichzeitig Kilometer weit entfernt.
Ich meine, gottverdammte Scheiße! All diese Sachen, die Umstände, welche Süchtige auf sich nehmen und akzeptieren … ich meine, all das müsste Grund genug sein, um die Macht dieses Pulvers, die Hoffnungslosigkeit so einer Sucht, so einer Krankheit, zu rechtfertigen. Es müsste voll und ganz ausreichen, um dies alles offiziell zu einer Erkrankung zu erklären, und nicht nur alls Willensschwäche abzutun. Es müsste voll und ganz ausreichen um die ganze Drogenpolitik zu revidieren und neu zu verfassen.
Es ist nun mal ein Fakt ohne Wenn und Aber, dass Sucht eine Krankheit ist! Wo diese anfängt, oder aufhört ist vielleicht schwer auszumachen, dies aber zu leugnen grenzt schlicht und einfach an Dummheit!

Doch jetzt das Krasse!
Nachdem wir unser Arsenal, welches wie immer aus Koks und Shore bestand, aufgefüllt hatten, ging es wieder zurück. Wir verbrachten bestimt eine dreiviertel Stunde oder ‘ne Stunde auf dem Letten. Es dauerte seine Zeit bis wir den richtigen Dealer fanden und ‘ne kleine Nase gönnten wir uns dann doch noch direkt auf der Szene.
Und als wir schließlich wieder den gleichen Weg zurück kamen, da saß dieser arme Kerl doch tatsächlich immer noch an der gleichen Stelle und war immer noch dabei in seinem Bein herum zu stochern. Wir konnten es echt nicht glauben! Der Typ hatte es immer noch nicht geschafft sein Zeug in seiner Venen zu verschießen. Er war total fertig! Die Treppe sah noch um einiges schlimmer als vorher aus und er war kurz davor durchzudrehen.
Wir blieben kurz stehen und machten dann ’nen kleinen Umweg, um über eine andere Treppe hoch auf die Brücke zu kommen.
Der restliche Tag verlief ohne weiter Vorkommnisse. Wir verballerten unsere Kohle komplett und mit ein bisschen auf Tasche, ging es zurück Richtung Überlingen.

Aber Fuck Man, das war dies wirklich das letzte krasse Bild, welches mir vom Letten in Erinnerung geblieben ist. Der Typ auf dieser Treppe!
Danach waren wir nur noch einmal auf der Szene in Zürich. Sporadisch, nur um kurz aufzutanken, bevor wir uns dann wieder Richtung Heimat verpissten
Denn bald war das Kapitel Bodensee endgültig abgehakt. Nur soviel, das nächste Kapitel, der nächste Ort, der uns mit offenen Armen empfing, hieß „Kassel“.
Und dort sollte der Absturz erst richtig beginnen. Ein neues Level erreichen.
Zumindest für mich. Aber dazu später mehr.
Noch waren wir hier und Köln war vorerst auch noch für einen kleinen Zwischenstopp geplant.

McFly und ich machten nun also erst mal wieder vereint, zusammen Konstanz unsicher. Immer wieder hielt ich Ausschau nach ihm, doch Marc tauchte nach unserem letzten Zürich Trip einfach nicht wieder auf.
Der Alltag beschränkte sich  wieder auf den üblichen 24 Std. Job. Fuck Man, ein Jahr auf der Straße konnte man locker mit fünf „normalen“ Jahren vergleichen.
Tja, und so kam es, das selbst wir mal wieder an den Punkt kamen, von allem die Schnauze gestrichen voll zu haben.

Das kleine popelige zwei Man Büro, mit der Aufschrift  „Drogenhilfe“ sah nicht gerade sehr einladend aus und man merkte sofort das die Stadt ihr Jahresbudget definitiv in andere Bereich anlegte.
Mit seiner Franzosen Mütze, 6 Tage Bart und an beiden Ohren baumelnden Ohrringen, sah der ältere Typ, der uns grinsend hinein bat aufjedenfall so aus, als müsste er hier selbst, in regelmäßigen Abständen, seine Hilfsangebote auf Herz und Nieren testen.
Er brauchte nicht allzu lange um zu checken weshalb wir vor ihm standen.
Unsere Optik, gepaart mit den nicht mehr vorhandenen Pupillen, sprach ihre eigene Sprache.
Zwei junge Junkies, die sich freiwillig zu Entgiftung anmelden?
Wenigstens erkannte er ziemlich schnell, das dies ein Moment geprägt von Seltenheit war und das so ein Zeitfenster für diese Entscheidung mehr als nur begrenzt war. So kam es, dass wir nach zwei oder drei Telefonaten, doch tatsächlich noch am selben Tag, in einer Einrichtung aufgenommen wurden.

Ich glaube es war auch die einzige Einrichtung rund um Konstanz, in der Junkies und Alkis probierten den Kampf gegen Ihre ganz persönlichen Dämonen aufzunehmen. Soweit ich mich erinnern kann, waren es drei oder vier kleinere Baracken, welchen um ein Krankenhaus herum verteilt, aufgebaut waren. Dort, in verschieden Suchtkategorien eingeteilt, durfte man sich also zwei bis drei Wochen mal so richtig auskotzen, um dann am Ende körperlich gereinigt, wie ein neu geborener Mensch dazustehen. Doch in unserem Haus waren wir gemixt mit Alkis, da es anscheinend an Platz mangelte. Ich kann mich deshalb daran erinnern, weil ich noch weiss wie wir uns aufgeregt hatten, das die Alkis nach drei Tagen das Recht hatten, sich frei auf dem Gelände zu bewegen, während für uns Drogis die ganze Zeit über striktes Ausgangsverbot herrschte.
Abgesehen davon, wie fast überall damals, hielt man sich auch hier gnadenlos an das Motte „Kalter Entzug!“
Fucking hallelujah! Unser Motto, quäl dich gesund. Keine Pillen, die dir etwas Erleichterung verschaffen, nichts zum Schlafen, geschweige denn Opiate zum langsamen abdosieren. Nee Man, nur Du, dein Bett, dein Klo und deine Innereien, welche froh und Munter, den Abgang aus sämtlich verfügbaren Körperöffnungen machten.

Na gut, etwas Luft und Liebe gab’s auch noch gratis obendrauf. Das war’s! Alles darüber wäre nunmal Luxus, den man Süchtigen damals eben nicht zusprach. Ich weiss noch, dass es in ganz Deutschland irgendwann eine einzige Klinik gab, die einen sogenannten „warmen“ Entzug praktizierte. Glaub mit DHC (DehydroCodein). Dort aufgenommen zu werden, glich in etwa einem Sechser im Lotto. Die Wartezeiten waren unendlich lang, und das hatten wir ja schon. Alleine „eine Woche“ kann in dem Leben eines Süchtigen die Welt bedeuten. Alles und Nichts kann in dieser Zeit passieren.
An einem Tag noch die besten Vorsätze sein Leben komplett umzukrempeln, so war es doch glatt möglich, 24 Stunden später, vollgepumpt mit jeder nur denkbaren Droge, in dem Bett einer russischen Nutte, am anderen Ende der Welt, aufzuwachen. Inklusive Herpes an den Eiern und ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie man dort gelandet ist. Um es mal grob auszudrücken.

Natürlich ist so etwas nicht leicht umzusetzen, doch wenn ein Schwerstabhängiger sich dazu entscheidet sein Leben zu ändern, es wagt den alles entscheidenden Schritt zu gehen, dann muss Hilfe sofort bereit stehen, denn das Zeitfenster ist klein und kann sich nun Mal jeden Moment wieder schließen.
Doch Sucht wie eine Krankheit zu behandeln, davon war man damals noch weit entfernt.

 

Tag 1, Tag 2 und Tag 3 beglückten uns mit dem Üblichen.
Die Beziehung zu dem Klo, welches sich glücklicherweise sogar mal innerhalb, unseres steril eingerichteten fünf Mann Zimmer befand, wurde vertieft und gefestigt. Und als wäre es nicht schon genug Anstrengung, sich auf dieses mit allerletzter Kraft zu schleppen, so nervten uns auch noch die lieben Angestellten mit dem Therapie Bullshit vom ersten Tag an. Ich meine, es gibt für alles die richtige Zeit und Ort, aber wenn Ihr uns schon ’nen kalten Affen schieben lasst, dann gönnt uns doch wenigstens die ersten 4 bis 5 Tage Ruhe, bevor Ihr uns wieder auf den Pfad der Tugend bringen wollt.
Nix da, so mussten wir uns 3mal am Tag, aufgeteilte in zwei kleinen Gruppen, im obligatorischen Kreis zusammensetzen und unsere abgefuckten Hirne in Selbsttherapie analysieren. Wut – Trauer – Angst -Zweifel – Hass … Ein buntes Potpore an Gefühlen in Kombination mit dem körperlichen Symptomen, prasselte auf einen nieder. Leer und ausgesaugt, dem allmächtigen Schutzschild entrissen, so fühlte ich mich in so einer Situation. Ich konnte so etwas nie gut, und in so einem Zustand schon gar nicht.
Ach was soll’s. Hier mal ’ne kurze Zusammenfassung:

Tag 1:
Turkey im Anmarsch! Ankunft gegen Abend. Nistete sich ein, fühlte sich wie zu Hause und wollte sich partout nicht mehr verpissen.
Natürlich kam er wie immer, mit seinen besten Freunden im Anhang. Die da wären, Dünnschiss, Krampfanfall, Schweißausbruch und Kopfgeficke.
Die Gähnerei begann. Frierend unter Decke fielen wir in die ersten kurzen Schlafepisoden. Leider nur bis zur Nacht. Denn die wurde komplett zweckentfremdet und an Schlaf war nicht mehr zu denken.

 

Tag 2:
Körperfunktionen versagten auf ganzer Linie. Das Klo wurde unser bester Freund – wir beiden öffneten uns ihm voll und ganz.
Die Kraft versagte gnadenlos. Kleine Bewegungen oder Anstrengungen quittieren unsere Körper mit ’nem radikalen Totalausfall!
Das Bett unser bester Freund und schlimmster Feind.

 

Tag 3:
Kurz vor Peak! Jede Bemühung um irgend eine Erleichterung zu ergattern, sei es nur für eine verdammte Baldrian Tablette, wurde mit ’nem müden Lächeln der beiden Schwestern abgewimmelt!
Die Quälerei schaukelte sich langsam hoch, Richtung Höhepunkt. Man schwitze und friert simultan und wir gaben alles, um unsere Mageninhalte nicht schon auf dem Weg zum Klo Gassi gehen zu lassen.

 

Tag 4:
Totaler Peak! Schlimmer gings nicht mehr! Total am Ende! Neben gemütlichen Kotzorgien und fröhlichen Krämpfen gesellte sich nun auch noch der hinterlistigste aller Protagonisten dazu. Die Kirsche auf der Sahne sozusagen. Geselle „Kopffick“ schlich sich hinterlistig in unsere Bettchen und bohrte sich wie ein Parasit in unsere angeschlagenen Köpfchen. „Geh! Steh auf! Quäle dich nicht länger hier ab!“, flüsterte er mir in meine verschwitzen Ohren.

 

Und dann, am Morgen des fünften Tages passierte das, was jeder Süchtige nur allzu gut kennt.
Es machte „Klick“! Das verfickte Teufelchen auf der Schulter gewann den Kampf und man schmiss alles hin. 5 Tage für Nichts und wieder Nichts! 
Ein Trauerspiel seinesgleichen!
Folgende Konversation spielte sich also kurz darauf zwischen McFly und mir ab:

„Alter …….“, ohne Pause drehte ich mich von links nach rechts in meinem komplett durchwühlten Bett.

„Was? Hast du was gesagt??!!“, krächzte McFly, der sich in dem gegenüberliegenden Bett abquälte.

„Ahh.. Ich …. Ähh ….?!“, stöhnte ich erbarmungslos.

„Ja???? Was?? Was meinst du???? „, …….

„Alter, irgendwie … Ich weiss nicht ….“, ………

„Ich weiss, ich weiss. Sollen wir?“, ……..

„Hmm.. Ahhh …. Hmm …..  Ja, Okay Man!“, …….

Keine fünf Minuten später, standen wir beide angezogen vor dem Zimmer der Pfleger, hauten ein „Wir sind dann mal weg!“, heraus und verpissten uns kurz darauf. 
Beim Verlassen konnten wir noch den Satz, „Passt bitte auf! Eure Toleranz ist gesunken und so passieren die meisten Unglücke!“, wahrnehmen, den uns einer der Pfleger hinterher rief.

Die kommenden Stunden kannten wir nur allzu gut.
Es gab wirklich nichts schlimmeres, als in so ’nem miserablen Zustand in die verdamme Ungewissheit zu marschieren. Ohne einen Pfennig auf Tasche, nur mit dem einen Ziel vor Augen. Mit allen Mitteln, ohne Rücksicht auf Verluste, diesen Horrorzustand wegzudrücken.
Nachdem wir uns den Berg hoch zur Bushaltestelle geschleppt und den Gehweg in unregelmäßigen Abständen, symmetrisch und farbenfroh mit unsere Kotze verschönert hatten, ging es geradewegs weiter zur Spielhalle, wo wir irgendwie unser Lebenselexir ergatterten.
Es gab immer einen Weg. In diesem Zustand mobilisierte man alles an Kräften was noch da war, alles was noch möglich war, nur um irgendwann das heiß ersehnte Päcken in seinen Händen zu halten. 

Also wieder mal versagt! Nach weiteren zwei oder drei Wochen des Dauerkonsums in Konstanz und Überlingen, kam es dass wir uns wieder Richtung Köln verpissten.

Grund dafür war ein dickes Bündel Bargeld.
Ein paar Typen aus dem Nachbarort suchten uns doch tatsächlich auf und servierten uns ein paar blaue Scheine förmlich auf dem Silbertablett, mit der Bitte Ihnen ’ne größere Menge Dope oder Pillen klar zu machen.
Wie das ausging könnt Ihr Euch natürlich denken.
Aber mal ehrlich… Wer zum Teufel drück bitte zwei hochgradig süchtigen Typen, so viel Kohle in die Hand?
Wir hatten damals unseren puren Überlebensmodus aktiviert und da war es klar dass wir die Kohle nahmen und uns, mit ein paar lieblichen Versprechungen, verpissten. 
Tja so landeten wir also, nach ’nem dreitägigen Zwischenstopp auf dem Letten, welcher definitiv der letzte sein sollte, wieder in dem guten alten Köln.
McFly hatte das Glück Asyl bei seinen Eltern gewährt zu bekommen. Zumindest für die ersten Nächte. Für mich dagegen sah es mau aus und die Türen blieben verschlossen.
Für meine Mutter war ich ein rotes Tuch. Und ganz ehrlich? Auch wenn ich damals vielleicht sauer war und es ihr übel man, so kann ich es heute voll verstehen.
Es war meistens so das zumindest einer von uns beiden das Glück hatte zu Hause pennen zu können bzw. zu dürfen. Und so gab es wenigstens manchmal die Möglichkeit, irgendwie für den anderen dort mit unter zu kommen.
Wobei ich muss sagen, die ganze Nacht in seinem Bettkasten zu verbringen war nicht gerade die bequemste Art zu ratzen. Denn offiziell hätte weder ich bei McFly noch er bei mir pennen können. Die Zeiten waren schon lange vorbei.
Na ja, der Bettkasten war immerhin noch besser, als sich draußen den Arsch ab zu frieren.
So vergingen also weitere Monate mit dem üblichen Bullshit.
Eines Tages trafen wir meinen Vater in Dellbrück.
Es war später am Abend und er kam gerade von der Arbeit. McFly und ich saßen auf einer der Bänke an der S-Bahn und ließen uns gerade den letzten Druck Shore durch den Kopf gehen.
Wir waren froh, als er hielt und wir uns in das aufgewärmte Auto setzen konnten. Immerhin war es gerade Winteranfang.

Natürlich war es klar, dass es nicht lange dauerte bis mein alter Herr anfing, uns in unsere Gewissen zu reden.
Doch ehrlich? Wir waren gerade mal selber wieder an dem Punkt die Schnauze, von diesem Leben, komplett gestrichen zu haben.
Es war einfach, verfickt noch mal, viel zu anstrengend! Die Droge selbst war nur ein ganz kleiner Teil. Nein mann, dieses Verfickte drumherum war das Problem! Zumindest was die Shore betraf. Beim Koks sah die Geschichte noch mal ganz anders aus, was ihr in den nächsten Teilen auch erfahren werdet.
Die ständige Jagd nach der Kohle, diesen 24 Stunden Job hielt man einfach nicht lange durch.
Naja, und so kam es, dass wir uns mal wieder dafür entschieden eine Entgiftung in einer Einrichtung starten zu wollen. Und täglich grüßt das Murmeltier oder wie?
Die wievielte? Fragt mich nicht, ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen. Ganz abgesehen von den Versuchen, die wir auf eigene Faust starteten.

So fuhr mein alter Herr also mit uns durch die Gegend mit dem Ziel uns zwei, noch in dieser Nacht, irgendwo einzuliefern.
Erster Stopp war Köln-Merheim. In der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses wurden Entgiftungen für Alkoholiker und Drogisten durchgeführt.
McFly und ich stiegen aus und marschierten Richtung Eingang, welcher um diese Zeit schon verschlossen war.
„Abend. Wie kann ich Ihnen helfen?“, ertönte es aus dem Lautsprecher der Freisprechanlage
„Ähm, Abend. Tja ähh, mein Freund hier und ich … Wir beide sind süchtig und würden gerne…. Ähm … uns gerne die Sucht austreiben lassen. (orig Zitat etwas abgeändert)“, beide Hände in der Hosentasche, lehnte ich mich leicht nach vorne gebeugt mit meinem Kopf gegen die Glaswand.
Einen Moment lang war Stille und nur das Knacken der Sprechanlage war zu hören.
„Tja, das ist wirklich schön, dass Sie sich dafür entschieden haben. Aber wie stellen sie sich denn das bitte vor?! Sie können doch nicht einfach so, mitten in der Nacht hier auftauchen und …….. Ähm also nein, ich kann da jetzt  so nichts machen. Sie müssen sich morgen ganz offiziell bei der Annahme melden. Sie kommen dann auf eine Warteliste und …. “
„Warteliste? Das heißt wie lange?“, McFly stütze sich mit seinen Ellenbogen an meiner Schulter ab und unterbrach die etwas hektisch und sehr jung klingende Stimme.
„Na ja, das ist schwer zu sagen. Aber aktuell können Sie sicher mit einem bis anderthalb Monate rechnen.“, ertönte es zurück.
„Fuck …. in einem Monat? Da kann sich die verdammte Welt aufgehört haben zu drehen.“, erwiderte McFly mit genervt der Stimme.
„Wissen sie was in dem Leben eines Süchtigen, in einem Monat alles passieren kann? Wir brauchen jetzt Hilfe!“, ergänzte ich und schob McFly beiseite, der immer noch vorgebeugt über dem Lautsprecher hing.
„Ja. Ich weiß dass das nicht einfach ist. Aber nur weil sie jetzt und hier gerade mal wieder den Wunsch verspüren Aufhören zu wollen, sollen wir nun für sie hüpfen? So funktioniert das halt nicht. Es gibt da nun mal Regeln. Da können wir jetzt leider nichts machen. Einen schönen Abend noch und passen Sie gut auf sich auf.“ Der Lautsprecher knarzt kurz und danach war Stille.

 

Wir zündeten uns ’ne Kippe an, schauten uns eine Zeit lang fragend an und marschierten dann wortlos zurück zum Auto.
Im Wagen zog sich das Schweigen noch eine Weile hin, bis mein Vater schließlich den Wagen startete und von dem Krankenhausgelände fuhr.
„Synanon!“, ertönte es nach einer Weile aus dem Mund meines alten Herrn.
„Was???“, ich drehte meinen Kopf zu seiner Seite und schaute ihn fragend an.
„Synanon!“, wiederholte er ausdrucksstark, mit der Annahme dass uns beiden nun ein Lichtlein in unseren drogengetränkten Hirnsynapsen aufgehen würde.
„Was? Wovon redest du?“, erwiderte ich mit der gleichen Fragwürdigkeit wie vorher.
„Syna… Syna… Was???“
„Synanon! Mensch! Hör doch zu! Das ist eine Einrichtung, so ein Hof. Die nehmen jeden, der Probleme wie ihr habt auf.  Sofort und ohne Wartezeit!
Vor längerer Zeit stand ich mal mit denen in Kontakt und habe mich informiert.“, erklärte er uns mit aufgebrachter und genervter Stimme.
Dort könnt ihr hingehen. Ach, was sag ich?! Dort müsst ihr hingehen! Wenn nicht … Verdammt noch mal! Wenn nicht ist das auch bald die allerletzte Hilfe von meiner Seite!“, ergänzte er und trat plötzlich und unerwartet in das Gaspedal, so dass ich mich ’nen Moment panisch in den Sitz krallte.
„Besondere Probleme?!Hmm.., so wird das also genannt. Alles was wir tun ist doch bloß unseren einsamen Hirnsynapsen etwas Liebe und Aufmerksamkeit, in Form von übermäßig erhöhten  Endorphinausstößen zu schenken.“

Nein, ich meine Fuck man, auch wenn Ironie und Humor in den übelsten Situationen hilfreich sein konnte. Den letzten Teil Satz hab ich mir allerhöchstens im Stillen für mich gedacht. Denn an dieser Situation war wirklich nichts mehr lustig. Mein alter Herr tat mir tat mir echt leid. Mitten in der Nacht mit uns zwei verkorksten Junkies durch Köln zu fahren.

 

Ich klappte die Sonnenblende hinunter und suchte über den kleinen Spiegel Kontakt zu McFly, der meinen Blick, ebenfalls mit großen Augen, erwiderte.
„Wo ist denn dieses Synanon?“, ich drehte das Fenster ’nen Spalt hinunter und spürte die kühle Luft, die gegen meine Stirn zog.

 

„Es ist schon etwas weiter von hier. Kurz vor Kassel.“, nervös riss mein Vater das Lenkrad herum und bretterte in die kleine Einbahnstraße.
Und gerade als ich etwas sagen wollte unterbrach er mich.
„Jetzt hört mal zu ihr beiden! Ihr könnt nicht mehr so weitermachen. Das hier ist eure letzte Chance! Punkt Ende Aus! Wenn ihr die nicht wahr nimmt ist bald alles vorbei.“, fest knallte er die flache Hand auf das Armaturenbrett.
Einigen Minuten noch, sprudelten ähnliche Sätze aus dem Mund meines Vaters nur so heraus. Dabei fuchtelte er immer wieder, wie wild mir seinen Armen in der Luft herrum, boxte auf das Lenkrad eine und malträtierte das Armaturenbrett.
Bevor wir noch alle im Graben landeten, unterbrach ich ihn schließlich mit lauter Stimme.

„Vateer, ist gut jetzt. Bitte Man, wir wissen das doch alles selber. Dann halt Synanon.“, mit einem Ton in meiner Stimme, als hätte ich alles unter Kontrolle, drehte mich um und blickte in das Gesicht von McFly.

Er überlegte kurz, zuckte dann mit den Schultern und nickte mit seinem Kopf.
„Wenn ihr das nicht macht könnt ihr von mir nichts mehr erwarten. Dann war’s das!
Ich werde euch beide morgen dort hinfahren. Die Nacht werden wir alle im Auto verbringen. Nach Hause kannst du nicht. Das weißt du!
Ist bei dir ja auch nicht anders!“, er drehte den Rückspiegel etwas nach rechts und suchte Blickkontakt zu McFly.
„Ist doch okay. Wir fahren dorthin.“, ich drehte den Sitz nach hinten und schaute in das dunkle der Nacht.
Wir fuhren noch einige Kilometer durch Köln bis mein Vater schließlich an einem kleinen Parkplatz, am Rande eines Waldes, stoppte. Er ließ den Motor, und die Heizung welche die letzten Kilometer schon auf Hochtouren lief, noch einige Minuten laufen. McFly und ich rauchten draußen noch ein oder zwei Kippen, bis wir schließlich alle probierten etwas Schlaf zu finden.

Die Nacht war kurz und ungemütlich.
Ich öffnete meine Augen und das erste was ich erblickte waren ein paar Kühe die an mir vorbeirasten.
Wir befanden uns auf der Autobahn mit dem Ziel, dieses sogenannte „Synanon“.
Mal wieder auf ein Neues.

Fortsetzung folgt……

MADMIKE 07.07.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Teil 29 – Danket dem Herrn

Der Tag verlief schleppend. Ein paar Sonnenbrillen und etwas hochwertigen Alkohol, konnten wir erst nach stundenlangem Umherziehen an den Man bringen.
Die Kohle, die wir letztendlich ergatterten, hätte in Konstanz gerade mal für ein 3/4 Gramm gereicht.
Da für die zwei oder drei Dealer praktisch ein Monopol herrschte, was den Verkauf in dort anging, konnten sie so die Mengen auf schon fast lächerliche Größen, herunterschrauben.
Mehr als einmal zofften wir uns mit dem lockigen Italiener, der fast immer morgens in der Spielhalle anzutreffen war. Mit seinen lockigen Haaren und einer Nase, die auch mal so eben mit der von Pinocchio mithalten konnte, versuchte er jedes Mal in gebrochenem Deutsch, sein heruntergestrecktes Material als das Beste in ganz Deutschland anzupreisen.
Es war frustrierend den ganzen Tag durch die Stadt zu ziehen, Kohle klar zu machen, nur um nach Öffnen des kleinen Briefchens festzustellen, dass die Menge grade mal so ausreichte, dem verfickten Affen ’nen kleinen Snack zu servieren.
Also entschieden wir uns dafür unsere Ärsche nach Zürich zu befördern.
Da ein Auto jetzt nun mal nicht mehr zur Auswahl stand, gab es nur die eine Alternative.
Erst über die Grenze nach Kreuzlingen, ein kleiner Ort unmittelbar hinter der Grenze.
Von dort an hatte man noch die Möglichkeit mit dem Zug weiter nach Zürich zu fahren, was wir auch ein paar Mal taten, oder aber halt auf die gute Altmodische, per Daumen-Taxi.
Mit ’n bisschen Glück erreichte man so den Letten, aka 14. inoffizielles Weltwunder, nach 1,5 bis 2 Stunden.
Der Aufwand war hier zwar auch groß, doch auf der anderen Seite, war die Ausbeute, bzw, das Preis-Leistungsverhältnis nun mal viel besser als auf der deutschen Seite. Um am Ende zählte schließlich nur das Pulver im Beutel.

Umso näher wir in Richtung Szene kamen, desto skurrilere und abgefucktere Gestalten kamen uns entgegen.
Auch wenn dies nun schon mein dritter Besuch war, einmal hatten wir uns noch den Volvo aus der Garage des Vaters ausgeliehen, so war der Anblick dieses kontrollierten Chaos, tagsüber wirklich noch mal eine ganz andere Nummer.
Wurden Einzelheiten noch vom Dunkel  der Nacht verschluckt, so offenbarte sich das volle Elend, erst bei Tageslicht.
Junge Mädels die im Gebüsch mehrere alte Säcke gleichzeitig für Ihren Morgenschuss befriedigten. Typen die nach zuviel Koks über die Szene rasten, als wäre der Leibhaftige hinter Ihnen her. Schlägereien bei denen beide Parteien wahrscheinlich nicht Mal mehr ansatzweise wussten weshalb sie sich gerade die Köpfe einschlugen, war hier der ganz normale Alltag.
Mit Block und Bleistift bewaffnet, hätte hier wahrscheinlich jeder Psychologie Student im Handumdrehen seine Bachelorarbeit, über die Auswirkungen von Drogen auf das menschliche Hirn, aufs Blatt bringen können. 

Der Letten in Zürich – Der Ort, an dem keiner sein wollte, der aber dennoch tausende Vollzeitjunkies und Hobbykonsumenten in seinen Bann zog. Ein Ort, der dich entweder brach, oder mit vielen Narben und Geschichten überleben ließ. Ein Ort, der mit seiner schwarzen dunklen Seele Menschen zum Frühstück fraß und sie zum Abendessen wieder unverdaut ausspuckte.

Na ja, wie auch immer. Wir setzten uns an die Bar, bzw. an einen, der mit viel Liebe zum Detail aufgebauten, Pappstände. Da die Menü Karte nicht allzu viel her gab, entschieden wir uns mal wieder für das flüssige Tagesgericht.
Die eine Hälfte unseres Einkaufs, machte umgehend Bekanntschaft mit unseren Blutbahnen und raste in Hochgeschwindigkeit in Richtung Kleinhirn, um sich dort gnadenlos auszutoben. Die andere Hälfte teilten wir auf, sodass jeder selbst entscheiden konnte, wann es Nachschlag gab.

Ich weiss nicht mehr wer auf die dumme Idee kam, doch kurze Zeit später standen wir tatsächlich in einem riesen Geschäft, mitten in der Fußgängerzone. Na ja, das Ganze war im Grunde eine Affekthandlung. Geplant war da nichts dran. Keine Kohle mehr auf Tasche, der Laden tauchte auf und wir sind, ohne groß unser Hirn einzuschalten, reinmarschiert um unser Glück herauszufordern.

Im Prinzip war es schon im vornherein glasklar wie die ganze Aktion ablaufen würde.
Ich meine, an einem anderen Ort, hätte diese Rein Raus Aktion evtl. gute Erfolgschancen gehabt, doch hier in diesem Laden, unmittelbar neben der größten Drogenszene weltweit, hätten wir uns wahrscheinlich auch direkt selber anzeigen können.
Es war klar, dass es hier von Zivis und Kaufhausdetektiven nur so wimmelte.
Gerade als ich mit den zwei oder drei, in meiner Jacke verstauten, Mini Disc Player der Marke Sony, die Schwelle des Ausgangs übertreten wollte, packte mich ein behaarter Männerarm. Jemand zog mich ruckartig, nicht gerade zimperlich, zurück in den Laden, sodass es mich fast auf meinen Arsch gelegt hätte.
Dann dauerte es keine weiteren fünf Sekunden und ich war umzingelt von insgesamt drei Haus-Detektiven.

Verfickte Scheiße! Nicht jetzt und nicht hier!“, dachte ich mir und war mir sicher, dass es für solch einen Blödsinn doch definitiv passendere Momente gab. Ich griff in meine Hosentasche und fühlte das Päcken, während mich die netten Herren nach unten, in einen Raum begleiteten.

Da gab es keine Chance mehr mich loszureißen oder sonst irgendwie zu entkommen.
Ich konnte noch kurz aus dem Augenwinkel erkennen, wie Chris, der an einer anderen Stelle im Laden sein Glück versuchen wollte, aus dem Laden flüchtete.
Es half alles nichts. So sehr mir auch mein Herz blutete, mit meiner rechten Hand öffnete ich das Päcken in meiner vorderen Hosentasche und probierte, so gut es ging, das Pulver in meiner Tasche zu verteilen.
Leider zog keine meiner Ausreden, inklusive der, doch nur die Arbeitseffizienz der lokalen Kaufhausdetektive auf Herz und Nieren prüfen zu wollen.
Es dauerte keine zehn Minuten und ich wurde von zwei Bullen abgeholt, und in deren Wagen verfrachtet.

Grüne, mit eingeritzten Namen und Rus verschmierte Wände, ein kleines quadratisches mit extrem dicken Sicherheitsglas verziertes Fenster und eine dunkelbraune Holzbank, die quer direkt in die Wand eingelassen wurde. Nachdem meine Daten aufgenommen wurden, durfte ich nun also auch eines der schweizer Hotelzimmer testen.
Ich weiß nicht mehr wie lange ich in dieser popeligen Zelle verweilen musste.
„Kennst eine, kennste Alle oder wie war dat noch?“
Angetrieben von den Opiaten in meiner Blutbahn verfiel ich einen unterschwelligen Schlaf.
Kurzzeitig schreckte ich immer mal wieder auf, ausgelöst von meinen typsichen wirren Halbträumen oder lauten Geräusche, bis sich schließlich das schwere Schloss der Stahltür bewegte und die Tür sich öffnete.
Der, so um die 30 bis 40 Jahre alte Beamte, forderte mich auf mitzukommen.
Was dann geschah, ich muss zugeben, war schon mehr als seltsam.
Ich bekam meine Sachen wieder und nach mehrmaliger Aufforderung, mich jetzt anständig zu benehmen, da sonst auch Handschellen angelegt werden können, ging ich mit den beiden, einer links einer Rechts von mir, nach draußen.
Der gleiche Zivil Wagen, der mich schon zuvor zur Wache chauffiert hatte, stand vor dem Revier.
Die beiden beförderten mich auf die Rückbank, stiegen ein und wir fuhren los.

Ähm.. Entschuldigung. Könnten Sie mir mal bitte sagen was jetzt passiert? Wo fahren wir hin?„, nervös rutschte ich auf der Rückbank Hin und Her und versuchte Augenkontakt über dem Rückspiegel, mit einem der Bullen aufzunehmen.

Dich wegbringen!„, ertönte es von vorne, inklusive darauffolgendem Geschwafel auf Schweizer Dialekt, welches ich nicht mal ansatzweise encodieren konnte.

Wegbringen? Wie? Warum? Wohin?“, erwiderte ich ohne darauf aber ’ne Antwort zu erhalten.

Es ratterte in meinem Kopf.
Wo zum Teufel wollen die beiden mich hinbringen? In den Wald, den „Junk“ entsorgen? Etwa in den Knast? Wegen so ’ner lächerlichen Kleinigkeit? Kann ja wohl nicht sein. Meine Bewährung müsste auch schon abgelaufen sein. Und außerdem sind wir hier in der Schweiz.

Schließlich stoppten wir am Zürcher Hauptbahnhof stiegen aus und einer der beiden schob mich Richtung Haupteingang.
Ich war verwirrt. Was zum Teufel wollten wir nun hier?
Vor dem Kartenautomat blieben schliesslich wir stehen.

So mein Freund! Du fährst nun zurück nach Deutschland. Und am allerbesten fährst du nach Hause, zu deiner Familie und machst etwas gegen deine verdammte Sucht! Solltest Du wieder hier auftauchen und wir erwischen dich, kommst du nicht mehr so leicht davon!„, er hielt mich fest an meinem Oberarm und schüttelte mich immer wieder, um dem ganzen noch mehr Ausdruck zu verleihen.

Die Bullen kauften mir also tatsächlich ’n Ticket und beförderten mich höchstpersönlich in einen Schnellzug Richtung Deutschland. Sie warteten, bis sich der Zug in Gang setzte und ließen mich nicht mehr aus den Augen.

Ich war mehr als erstaunt über das eben abgespielte Szenario. Ich meine, ich hätte mit allem gerechnet, nur nicht damit! Na ja, rückblickend betrachtet, spiegelte diese Aktion der Staatsmacht wahrscheinlich auch nur deren pure Überforderung und Ratlosigkeit, bezüglich des immer größer werdende Drogen-Problems, wieder.

Es dauerte keine zehn Minuten bis zur nächsten Haltestelle.
Tja, ich überlegte, schaute mich  kurz um und hüpfte hinaus. Ich sprintete auf die gegenüberliegende Seite und saß zwei Minuten später, mit ’nem Grinsen in der Fresse, in ’nem Zug Richtung Zürich.

Ohne Shore zurück auf deutschen Boden? Ohne nein! „, dachte ich mir. Das lief einfach nicht und während mir dies durch den Kopf ging, trauerte ich weinerlich dem, in meiner Hosentasche, zerrissenen Päcken Shore nach.

Na ja, ich muss zugeben dass mir das Grinsen aber spätestens nach einer Bestandsaufnahme meines aktuellen Zustands, wieder ganz schnell verging.
Keine Kohle, kein Dope und auch sonstiges mehr auf Tasche.
Der letzte Druck lag mittlerweile nun mehr als 8 bis 9 Std. zurück und ich wusste, wenn ich mir nicht schnell etwas einfallen ließ, mich der „Tuck“ (Entzug) ganz mies von hinten penetrieren würde.

 

Es war es spät. Das Dunkle der Nacht legte sich über Zürich und kühle Luft machte sich breit.
Mir war kalt, war ich doch nur mit einem Pullover bekleidet.
Fuck Man, wer hätte denn auch gedacht, dass ich noch mitten in der Nacht in dieser verdammten Stadt rumlaufen würde?
Die Sesamstraße war schon vorbei und ich müsste schon längst im Bett liegen. Abendbrot in Form eines fetten „Gute Nacht-Drucks“ zu mir genommen haben und mir von Chris die Ohren vollschnarchen lassen.
Wohlgemerkt, ein Bett in Form eines kalten Zeltbodens.
 

Hauptbahnhof Zürich. 

„Jetzt bloß nicht von den Scheiß Bullen erwischen lassen und irgendwie an verdammte Kohle kommen!“,  ich zog mir meine Kappe tief ins Gesicht und hetzte schnellen Schrittes, mit hochgezogenen Schultern, durch den Bahnhof.

Alle Geschäfte hatten schon zu, und im Hauptbahnhof etwas mitgehen zu lassen, wäre wohl keine schlaue Idee gewesen.
Während ich zur Szene lief, observierte ich die Umgebung.

Vielleicht ’n Fahrrad? Oder ein Autoradio? „, gedanklich spielte ich die Optionen durch, doch ich kannte mich hier nicht aus und es wäre wohl klar, wie das enden würde.

Ich hoffte also auf irgendeine glückliche Fügung und marschierte weiter.
Vielleicht würde ich ja ein paar Deutsche auf der Szene treffen. So könnte ich etwas vermitteln oder das Glück haben auf einen sozialen Gönner zu stoßen. Wobei wohl die Chance auf einen Sechser im Lotto größer wäre, denn „Sozial“ ist nun wirklich die Letzte aller Eigenschaften, die an so einem Ort die Runde machte.
Vielleicht würde ich ja auch einen Beutel in irgendeiner Ecke finden.
Doch genug spekuliert. Fakt war nunmal dass 99 % dieser Dinge nicht eintreffen würden, und man sich selber etwas ausdenken musste um seinen Arsch zu retten.

Ankunft Letten!
Mir war kalt, ich war genervt und extrem gestresst.
Alles was ich wollte, war mein Opiat Spiegel wieder in die richtige Höhe zu katapultieren.
Es war dunkel. An der einen Ecke einige Afrikaner die sich lautstark am Streiten waren, der Boden übersät mit Junks.
Ob diese gerade am Schlafen waren, ihren Kick genossen oder Bodenproben zwecks Nährwertanalysen ausbuddelten, interessierte hier kein Schwein.

Vielleicht einfach einem der Afros den Beutel Shore entreißen, welche er wie eine Tüte Gummibärchen öffentlich in der Hand hielt?„, gierig begutachtete ich den fetten Beutel aus der Ferne.

Aber nee! Auch wenn der Affe so langsam im Anmarsch war …. Das Risiko in Kauf zu nehmen, auf dem Letten abgestochen zu werden und auszubluten wie ein Schwein beim Schlachter? Nee, dafür war er „noch“ nicht heftig genug.
Was hätte ich jetzt für einen gut ausgebildeten Drogenspürhund gegeben?
Einmal mit dem Köter über den Platz spaziert und ich hätte wahrscheinlich die Möglichkeit gehabt in den kommenden Wochen zum Mitarbeiter des Monats aka Top-Dealer, auf dem Letten, aufzusteigen.
So ’nen Hund, hatte sich wohl schon der ein oder andere Junkie herbei gewünscht. Nicht auszudenken wieviele Drogen hier schon in Ecken, Ritzen und Rillen verloren gegangen sein müssten. Kleine, mit Koks oder Shore, abgepackte Päckchen oder Blomben, die bei der Flucht vor den Bullen ausspuckt oder weggeworfen worden sind und jetzt in irgendeiner Ecke, unter den Mengen an Abfall, der den Letten verschönerte, auf ein neues Opfer warteten. Abgesehen von den ganzen Drogenbunker, die man mit so einem Wunderhund hätte knacken können.

Ich setzte mich auf die alten Bahnschienen und beobachtete das rege Treiben auf der Szene.
Ich quatschte jeden an, der auch nur einigermaßen etwas verloren und nach „Suche“ aussah. Doch nichts. Zum einen war es stockdunkel und die Leute die in diese Kategorie vielen, schienen genau zu wissen wo sie hingehen müssen.
Auch die verschiedenen Dealer, die ich ansprach, ließen sich nicht auf eine kleine Spende ein.
Eine erneute Inventur meiner persönlichen Sachen, gab immer noch nicht mehr als vorher her. Das Einzige an mir, was einen gewissen Wert darstellte, war der recht neue Marken Pullover, den der gute McFly noch vor ein paar Wochen, aus der kleinen Boutique in Überlingen für mich entwendet hatte.
Und da sich auch nach einer weiteren halben Stunden keine Möglichkeiten ergaben, die Panik vor dem Affen immer größer würde, tauschte ich ihn doch tatsächlich bei dem langen Afro gegen ein Päcken Braunes ein.
Meinen verfickten Pullover also! Na ja, immerhin noch besser als irgendeinen anderen radikalen Scheiss zu bauen. So `n  Mist, wie bei der damaligen „Handtaschen-Bank-Aktion“, schwor ich mir nicht nochmal durchzuziehen. Ich bin bis heute froh, dass es nicht geklappt hatte, denn das war und bin ich einfach nicht! Aber dennoch.


Beschaffungskriminalität
Ich, du, er sie es wird kriminell, um sich seine „illegalen“ Drogen zu beschaffen. 

Tja Man, die Panik vor dem Affen, dem üblen abgefuckten Entzug! Genau diese Umstände lassen Kurzschlussreaktionen entstehen. Lassen Abhängige unüberlegten, kontraproduktiven Scheiß produzieren, nur um irgendwie diesen anschleichenden Affen zu überlisten. Taten die Sie, währen sie nicht voll drauf, wahrscheinlich nicht mal im Traum durchziehen würden. Für Außenstehende absolut nicht nachvollziehbar, doch für Betroffene einfach nur der letzte Ausweg. So viel Übles, welches doch so simpel, mit einer etwas schlaueren Drogenpolitik hätte verhindert werden können und kann.

So schoss ich mir also den Markenpulli der Firma XYZ, aufgekocht und aufgelöst in einer meiner Lieblingsvenen.
Fucking Bingo! Mission erfüllt – Sucht befriedigt und Hirn gefickt!
Pullover war nun also weg. Wäre ja jetzt im Prinzip auch nicht allzu schlimm gewesen, wenn ich wenigstens noch ein T-Shirt drunter angehabt hätte. Oder wenigstens ein verficktes Unterhemd, meine Fresse!
Doch außer meinem nackten Oberkörper war da nun nichts mehr.
Würde der permanente Überfluss an Opiaten meinen Körper nicht davon abhalten, Standard-Krankheiten wie Erkältung, Husten, Schnupfen oder leichtes Fieber auch nur ansatzweise wahrzunehmen, würde ich mich mit Sicherheit, die kommenden Tage wie ein Häufchen Elend fühlen. Denn es war kalt. Oh ja man, verdammt kalt wurde es in dieser Nacht. Und so stolzierte ich also tatsächlich, mit freiem Oberkörper durch Zürich.

Auch wohl einer der Momente, wo man ja eigentlich definitiv merken sollte, wie sehr einem so eine Abhängigkeit doch im Griff hat. Wenn man die Klamotten die man an deinem Leib trägt hergibt, nur um etwas von dem braunen Pulver, in seine  Venen jagen zu können. Ja Man, spätestens dann sollte auch dem Letzten aller „Schnelldenker“ klar geworden sein, dass hier so etwas gar nicht mehr nach Plan läuft.
Na ja, rückblickend betrachtet ist das definitiv auch der Fall! Doch damals waren wir so in diesem Film drinnen. Selbst wenn man uns die „Abgefucktheit“ links und rechts um die Ohren gepfeffert hätte, wäre damals unsere Antwort ein fettes Grinsen, inklusive einer, aus den Fingern herbeigezogene Rechtfertigung!
Aber ich sage es noch mal. Heutzutage ist so ein Junk-Lebensstil schon fast komfortabel, im Vergleich zu damals.

Was nun? Ich wollte zurück nach Konstanz, doch die passende Idee um dort hinzukommen wollte mir partout nicht einfallen.
Ich war pleite und noch dazu fehlte mir nun auch ein Kleidungsstück, um meinen ausgelaugten Oberkörper zu bedecken.
So trampen? Ich meine, okay ….  Vielleicht mit ’nem durch trainierten Sixpack und ’ner Fresse die eines Armani Models, hätte sich eventuell irgendeine unbefriedigte Hausfrau dazu herabgelassen, mitten in der Nacht, für ’nen halbnackten männlichen Tramper, in die Eisen zu steigen. Doch alles was ich aktuell anbieten konnte, war mein Naturaler, vom Konsum gezeichneter, mit Einstichen verschönerter, Astralkörper. Es mag zwar für alles so seine Nachfrage geben, aber dennoch kam ich nach kurzer Überlegung zu dem Entschluss, es dann doch lieber sein zu lassen.
Wahrscheinlich wären spätestens nach ’ner halben Stunde sowieso die Bullen angerückt und hätten mich wieder einkassiert. Und darauf zu hoffen, dass die mich glatt noch mal in ’nen Zug Richtung Deutschland, inklusive  finanziertem Ticket setzen würden, wäre wohl etwas sehr weit her geholt gewesen.

 

So marschierte Ich also wieder Richtung Stadt einwärts. Immer geradeaus. Planlos und ohne Ziel.
Irgendein Platz wo ich die restliche Nacht verbringen könnte, um am darauffolgenden Tag die Steigerung meines Bruttosozialproduktes in Angriff nehmen zu können.
Als ich um die Ecke kam, sah ich am Ende der Straße eine Kirche. Ich lief drauf zu und betrat das Anwesen.
Es war eine kleinere Kirche, auf einem mittelgroßen Grundstück. Eine Wiese und viele Bäume grenzten diese von den anliegenden Häusern ab. Und nein Leute, weder Jesus noch ein anderer Heiliger kam darauf auf die Erde geschwebt, um mich kleinen Sünder zu segnen. Mir meine Sünden, meine Sucht und den Teufel, mit einem heiligen Halleluja auszutreiben.
Nee Man, wäre zwar auch ’ne coole Wendung in meiner Biografie, aber an Glaubwürdigkeit würde es wahrscheinlich nicht ganz zu beitragen.
Es war „ganz“ anders.

Ich schlich über das Grundstück, als mich ein helles Licht magisch anzog.
Und dann sah ich ihn.
Den hinter der Kirche liegenden, kleinen Holzschuppen, den Gott mir praktisch offenbarte. Oh ja, in dieser dunklen, kalten und aussichtslosen Nacht. Da stand dieser Schuppen, hell angeleuchtet vom Sterne Betlehems, der in all seiner Pracht, unmittelbar darüber schwebte. Und als ich hineintrat, offenbarte sich mir ein Bild, von Schönheit kaum zu überbieten.
Mehrere Engel, die im Chor mit Ihren lieblichen Stimmen ein Gesang von sich gaben. Ein Gesang voll göttlicher Einheit und Vollkommenheit.
Ich trat hinein. Ein heller Blitz traf mich, und dann  

ARGh!!!!….STOP!!!! GENUG JETZT!!!! ………

Falscher verfickter Film hier! Und auch wenn gerade Weihnachten war …. So ist es wirklich nicht abgelaufen. Wirklich!!

Der Schuppen war da, mir war Schweine kalt und ich war Hunde müde. Und außerdem dachte ich mir….. Falls man schon irgendwo erwischt wird, dann doch am besten an einem Ort, an dem Vergebung groß geschrieben wird. Immerhin sollten sich hier die Leute noch am sozialsten verhalten.
Der Schuppen war voller Geräte. Zwei Rasenmäher, Schaufeln, Besen, und sonstiges Werkzeug. Und tatsächlich fand ich auch eine alte Decke, die zusammengerollt, auf einer der beiden Regale, lag. Ich machte mir etwas Platz auf dem Boden und rollte die Decke aus. Auf eine Hälfte legte ich mich drauf und mit der anderen, deckte ich mich zu. Die Shore wirkte immer noch gut und so fiel ich schnell in den Schlaf.

Geräusche ließen mich, nach einigen Stunden wieder aufschrecken. Mein Nacken schmerzte und ich fror wie Sau.
Ich griff nach der letzten gedrehten Kippe, die ich mir extra für den Morgen aufbewahrt hatte und zündete sie mir an. Ich überlegte, während ich die kleine Spinne, die unmittelbar über mir an ihrem Netz arbeitete, beobachtete.
Zum Glück war es kein Sonntag, an dem der Pfarrer seine Schäfchen zur wöchentlichen Gebetsstunde aufrief.
Wäre wohl ein etwas seltsamer Anblick gewesen. Ein halb nackter junger Man, der aus der Scheune des Pfarrers heraus gestolpert kommt. Hier eine vernünftige und logische Erklärung zu finden? Definitiv kein einfaches Unterfangen.
Oder hätte ich mich etwa selbst als Wunder deklarieren können? Gezeugt aus dem Nichts, erschaffen in der Hinterhof Scheune, auf heiligen Boden.
MadMike, der neue Messias. Folget und huldigt Ihn. Oder wie oder was?! WTF?!

Ich rappelte mich auf, öffnete die Tür für einen kleinen Spalt und spingste hinaus. Die Luft war rein und vorsichtig schlich ich hinaus. Eigentlich wollte ich schnell die Fliege machen, doch dann entschloss ich mich einfach mal beim Pfarrer anzuklopfen.

Direkt neben der Kirche stand ein kleines Häuschen. Ich atmete kurz tief ein und betätigte die Klingel, mit der Aufschrift „Pfarrhaus“. Es dauerte etwas doch schließlich öffnete ein Man, mittleren Alters, die Tür. Die noch restlichen, grauen Haare zu einem Scheitel gekämmt und ein dicker, schon fast weißer Bart verzierte sein Gesicht. Der Kleidung nach zu urteilen, schien er wirklich der Pfarrer zu sein.
Wahrscheinlich kam es nicht allzu oft vor, dass Leute mit freiem Oberkörper bei ihm anklopften. Zumindest sagte mir dies sein etwas fragender Gesichtsausdruck inkl. weit geöffnetem Mund.

Meine Story war folgende:
Gestern war ich mit einigen Leuten aus Frankfurt angereist. Wir feierten etwas. Dann brach ein Streit aus, und das Ende vom Lied war, dass meine Kollegen mich glatt hier stehen ließen . All meine Sachen, mein Geld, waren noch im Auto und jetzt muss ich irgendwie wieder zurück auf deutschen Boden.
Warum ich obenrum nichts mehr anhatte?
Na ja, war halt so. Wir waren betrunken und ich bin so aufgewacht.

Es dauerte etwas, bis das faltige Gesicht des Pfarrers zu Leben erwachte und sein offener Mund anfing, sich zu bewegen.
Mit den Worten „Einen Moment„, schloss er die Tür vor meiner Nase und verschwand wieder.
Etwas ratlos stand ich vor der Tür.

„Sprintet er jetzt etwa geradewegs zu seinem Telefon und ruft die Bullen?“, ratlos stand ich da und es rattette in meinem Kopf. 

„Was heißt Bullen? Der wird wahrscheinlich direkt in der Psychiatrie anrufen und nachfragen, ob sich heute jemand aus der Gummizelle gegraben hat.“, ging es weiter.

Nervöse suchte ich meine Hosentaschen nach Kippen ab, obwohl ich genau wusste dass da keine mehr zu finden waren und gerade, als ich wieder die Fliege machen wollte, öffnete sich die Tür erneut.
Der Pfarrer drückte mir ein weißes T-Shirt in die Hand, das ich locker auch als Kleid tragen hätte können.
Er setzte sich auf die kleine braune Holzbank, welche direkt neben dem Eingang stand, und fing an mir für ein paar Minuten einen Vortrag über Dies und Jenes zu halten. Über Tugenden, über das Leben und sonstige Weisheiten.
Total übermüdet stand ich vor ihm, haute ab und zu ein „Nicken“ und ein „Ja“ heraus und gab mir wirklich Mühe, ihm einigermaßen zu folgen.
Und als er schließlich fertig war, gab er mir doch tatsächlich noch einen 50 Franken-Schein und einen Zettel, auf dem irgendetwas stand.

„Am Ende der Straße gibt es eine Metzgerei. Dort kannst du den Zettel abgeben und bekommst etwas zu Essen. Ich hoffe du belügst mich nicht mit deiner Geschichte“, er musterte mich noch mal eingehend, schloss dann die Tür hinter sich und war weg.

„Halleluja und ein Amen hinterher!“, ich dankte dem Herrn, zog mir das XXXL Shirt über und lief, wirklich total überrascht über diese Aktion, los.

In der Metzgerei bekam ich ’n Mettbrötchen und ’ne Cola in die Hand gedrückt.
Es schien wohl doch öfters vorzukommen, denn die Mitarbeiter dort, wussten sofort Bescheid, als ich den Zettel überreichte.

Natürlich könnt Ihr Euch denken, wo die 50 Schweizer Franken letztendlich landeten. Und Ihr denkt damit auch richtig. Obwohl ich ein kurzen Moment Zweifel hatte diesen, von Gott gesegneten Geldschein, für solch eine Schandtat zu nutzen, stand ich ’ne halbe Stunde später wieder auf dem Letten. Ich drückte ihn irgendeinem abgefuckten Dealer in die Hand und bekam dafür mein Wasser und Brot.
Ich meine, schon beim ersten Anblick des Geldscheins, blitzte das Wort „Cocktail“ in meinem Hirn auf. Natürlich kein Alkohol, denn dafür war es doch noch „viel zu Früh“ am Morgen. Nee Man, es war der gute alte Cocktail aus Braunem und Weißen, der mich praktisch in Lichtgeschwindigkeit zurück auf den Letten beförderte.
Ich kochte auf, dinierte und verpisste mich danach so schnell es ging.
Ich legte es nicht drauf an, länger als nötig, auf dem Letten zu verweilen. Das Risiko einzugehen, die kommende Nacht evtl. noch ohne meine Hose, in Zürich verbringen zu müssen, war mir dann doch eindeutig zu hoch.
 

Fortsetzung folgt……
MadMike  09.01.2017

 

-Rechtschreibfehler können gegen Bonuspunkte in eurem örtlichen Psychologie Zentrum für demenzkranke Menschen, eingelöst werden-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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PB aka Persönlicher Bullshit


SUCHTDRUCK

 
Der ganze Körper schreit. Jede Faser in dir giert förmlich nach dem Zeug.
Dein Magen dreht sich im Kreis und verlangt nur nach dem „Einen“.
Kalter Schweiß, zittrige Hände!
Unruhe schaukelt sich hoch bis zur puren Nervosität.
Du bist nicht mehr drauf. Nein Man, bist du nicht! Dein Körper ist clean, doch dein Kopf will sich dem einfach nicht anschließen.
Er fickt und fickt und fickt und fickt dich!  Penetriert dich und drückt dir immer wieder seine unrasierten Eier ins Gesicht.
Vergewaltigt dich immer wieder. Ungewaschen, mit seinem stinkenden Maul und seinen faulen Zähnen!
Tage, Wochen und noch Jahre danach. Es begleitet dich und du wirst es nicht mehr los. Wie ein ausgedrückter Pickel, der immer wieder kommt. Ein eitriges Geschwür, welches sich nicht entfernen lässt. Nur der Tod wird euch scheiden!
Du schwitzt, dir ist warm und dir ist kalt.

In deinem Kopf? Chaos! Wirre Gedanken drehen sich im Kreis, fahren Achterbahn um am Ende doch nur wieder bei der einen Sache zu landen.

Muss ich noch was einkaufen?            –    HEROIN!“

In einer std hab ich ’nen Termin.         –   HEROIN!“

Man ist das ein scheiß Wetter heute.    –   HEROIN!“

 

VERFICKTES HEROIN !!!!  Jpeg

 

Die ganze Welt besteht förmlich aus Heroin! Ein Erdball, gebacken aus dem „braunen“ Pulver. Flüsse und Seen aus einem Mix von Shore, Wasser und Ascorbinsäure.
Ein Magnet, der dich unaufhörlich in diese eine Richtung zieht.
Singende Meerjungfrauen, ein liebliches Lied – Schönheit, die dich in einen grausamen Tod reißen will.
Die Zeit war scheiße als du drauf warst? Zuviel Leid, zu viele Opfer? Oh ja Man, viel zu viele! Bezahlt mit dem Leben. Für den Moment, den Augenblick. Das Hier und Jetzt. Für den Schein und nicht das Sein.
Zu viele Niederlagen, Tag für Tag. Der Preis viel zu hoch!
Doch daran denkst du nicht. Nicht jetzt und nicht hier. Wenn der Suchtdruck anklopft, dich hinterlistig in seine Fänge zieht, sind plötzlich nur noch die positiven Seiten präsent.
Die tolle Zeit, die du hattest. Das tolle Gefühl!
Dieser Rausch, der dir alles nimmt und dich mit seiner schwarzen Seele küßt. Dich liebkost, dich behütet, dich umarmt und dir Wärme schenkt, nur um dich dann wieder wie einen alten, ausgelutschten Kaugummi auszuspucken.

Doch so schlimm war’s doch irgendwie gar nicht. Nur einen Tag. Nur heute und nur jetzt!
So schlimm war’s doch nicht. War’s nicht?

1 Jahr, ein Monat, ein Tag – und sei es nur eine verdammte Minute!
Du kannst stolz auf dich sein! Für jede Sekunde, die du dich dem widersetzt!
Dieser Macht, diesem Gefühl, welches so unendlich groß und stark ist und dich dein Leben lang begleiten wird.
Das was DU schaffst, das was DU leistest – Da gibt es nichts Vergleichbares!
Sie können es nicht verstehen? Sie erkennen es nicht an? Mach dir nichts draus – Verstehen kann nur der, der auch gekostet hat! Ich versteh es!
Jeder andere hätte schon aufgegeben, doch du machst weiter!
Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr.
Und wenn Du dann fällst, stehst Du wieder auf! Klopfst dir den Dreck von der Kleidung und machst weiter.
Und wenn Du mal verlierst, nimmst Du den Kampf wieder doppelt so stark auf.
Ein Fall in dieses Loch ist keine Schande.
Nein Man! Es ist die Regel und nicht die Ausnahme! Das was Du schaffst, ist einzigartig!
Du bist kein Junk, du bist kein Abfall – Du bist ein Kämpfer!

–   MadMike via Blechtänzer 7.11.2016

 

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TEIL 28 – Die Polizei dein Freund und Helfer

Schweiz! – Auf Platz 1 der reichsten Länder der Welt.
Die mickrige Zelle, in der ich mich gerade befand, profitierte wohl weniger davon. Die Breite der Zelle war gleichzusetzen mit der Spannweite meine ausgestreckten Arme. Kleiner ging’s wohl echt nicht mehr. Na ja, was soll’s. Hatte ja sowieso nicht vor hier dauerhaft einzuziehen.
Ich legte mich auf die extrem harte Holzpritsche und es dauerte nicht lange, bis ich in einen Schlaf verfiel.

Doch erst mal zurück:
Irgendetwas Feuchtes, spürte ich in meiner Fresse. Und nein, es war leider nicht die feuchte Zunge, der italienischen vollbusigen Schönheit, die gerade dabei war, mich in meinem Traum zu verwöhnen.
Wäre ja auch zu schön gewesen. Nee Man, ich schreckte auf. Das Erste was ich erblickte, waren zwei über mir baumelnde Hundeeier. Das feuchte Etwas, stellte sich als die pelzige Zunge des treudoofen Riesen Köters, der gerade dabei war mir diese horizontal auf’s Gesicht zu klatschen, heraus.

„Bah Man, Alter. Verpiss dich!“, Mit erheblichen Kraftaufwand verbunden, schob ich das halbe Pferd bei Seite und wischte mir mit der braunen Decke, die, mit deren aufgedruckten Blumenmuster an ein Überbleibsel aus der Hippiezeit erinnerte, die Sabber aus der Fresse.

„Haha. Sei froh, das erspart dir die Morgendusche.“, Chris, der wie es schien, schon etwas länger wach war, lachte laut.

Er kniete neben mir auf dem Boden und war gerade dabei einen großen Esslöffel von unten zu befeuern.

„Moin.“, ich rappelte mich auf, rutschte etwas nach hinten und lehnte mich gegen die, ursprünglich mal weiße, Wand. Mir war kalt und ich zog mir die Decke über meine Knie, bis zu meinem Hals hoch.

„Du machst Frühstück? Man, Frühstück ans Bett, was will man denn bitte noch mehr?“, ich grinste Chris an, holte dann zwei Kippen aus der Schachtel neben mir, zündete beide gleichzeitig an und legte eine in den überlaufenden Aschenbecher, der zwischen unseren Matratzen stand.

So sehr den meisten auch der Geruch von frisch gemahlenen Kaffeebohnen und warmen Brötchen am frühen Morgen die Sinne schmeichelt, so war es doch der bittere, unverkennbare und beißende Geruch des erhitzen Heroins, welcher uns zu neuem Leben erweckte.
Es gab nichts „besseres“, als den Tag mit ’nem dicken Knaller zu beginnen. Zumindest damals. Die kurze zwangseingelegte Pause, die sich Schlaf nannte, mit ’nem Druck zu brechen. Diese kleine Auszeit, machte den ersten Hit am Morgen zu dem einzigen Highlight, was den Konsum anging. Der restliche, über den Tag verteilte Shore Verzehr, war größtenteils nichts Besonderes mehr. Es war wie Essen, Trinken oder sogar Atmen. Etwas was getan werden musste, um zu überleben. Eine Notwendigkeit um nicht krank zu werden. Der übliche Alltag halt.

Tja, und genauso gab’s nichts Schlimmeres als den Tag mit einem Affen zu starten. Sich, in diesem üblen Zustand, aus dem Bett quälen zu müssen und Kohle klarzumachen! Aber das hatten wir ja alles schon mal.
Im Grunde sind diese beiden Zustände auch alles, worum es sich drehte.
Stoff haben oder Turkey schieben. Gesund sein oder auf dem verfickten Zahnfleisch gehen. Das war die Basis und darauf baute sich alles auf. Immer präsent. 24/7 und verdammte 364 Tage im Jahr.

Doch an diesem Morgen hatten wir noch jeder einen dicken fetten Druck übrig, inklusive einer extra priese feines, weisses Kolumbianisches.
Wir hätten zwar auch jeder zwei kleinere Dosen über den Tag verteilt nehmen können, doch wir entschieden uns an diesem Morgen für den totalen Schlag in die Fresse. Ein braun weißer Vorschlaghammer der dir unwiderruflich die Hosen auszog und den Start in den Tag versüßen sollte.
Und dieser kam, sah, siegte und schlug ein wie die imaginäre Bombe, mit der Adolf 1944 am liebsten den Rest der Welt gefickt hätte.
Meine Fresse hat es uns weggeschossen. Energisch, vom Koks im zweiten Gang angetrieben, den ersten belegte wie immer die Shore, flogen wir nach unten in die Küche, wo wir uns noch schnell ’n Kaffee gönnten. Wohlgemerkt rein für den Geschmack, denn Koffein war nun wirklich das allerletzte, worauf unsere Körper ansprechen würden.
Zum Glück war das Haus leer und so mussten wir uns nicht beherrschen oder mit irgendwelchen Rechtfertigungen aufhalten.

Wir machten uns erst mal auf nach Überlingen, denn immerhin wollte ich wissen, wo McFly sich gerade herumtrieb.
Doch Moment. Wo war er eigentlich an dem vorherigen Abend abgeblieben?
Na ja, kurz nachdem mich das große Pech, in Form der Bullerei gefickt hatte, schlug bei McFly das dicke Glück ein.
Ein Typ hatte seine prall gefüllte Brieftasche in der Telefonzelle liegen lassen und segnete McFly mit etwas Barem.
Wahrscheinlich um das weltliche Gleichgewicht in Waage zu halten.
Scheiße hier, Gutes da. Ying und Yang, oder wie war das verfickt noch mal?

Wobei „das Gute“ in diesem Fall natürlich im Auge des Betrachters lag.
Aber ja Man, solche glücklichen Zufälle gab es wirklich immer mal wieder.

Auch ich fand sogar mal ein prall gefülltes Portemonnaie, und dass sogar auch am Bodensee – auf einer öffentlichen Toilette.
Wir übernachteten grade bei so ’nem Alki für einige Tage. Oh Man, was für ein verrückter Typ das war. Ich kann mich noch erinnern, dass ich bei ihm in der Bude einmal eine üble allergische Reaktion nach einem fetten Druck (Heroinspritze) hatte. Mein ganzer Arm war voller Pusteln und ich wäre vor Panik fast durchgedreht.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Wie auch immer, ich war kurz draußen und was zu trinken zu holen und machte einen Abstecher auf den öffentlichen Scheißpott.
Ein alter Man der kurz zuvor die Toilette verließ, hatte wie es aussah, seine dicke Brieftasche dort liegen lassen. Asozial dass ich ihm diese nicht zurückgegeben habe?
Nun ja, dies in unserer damaligen Situation von mir zu verlangen wäre so in etwa das gleiche wie einem afrikanischem, von Hunger geplagten Kind vorzuwerfen, die letzte Schale Reis nicht gespendet zu haben.
Immerhin hatte ich nur das Geld entnommen und das Portemonnaie in einen Briefkasten geworfen.
Solche, für uns damals glücklichen Situation, waren so etwas wie ein Wink Gottes und schenkten uns einige Tage Ruhe. Eine kurze Auszeit von der ständigen Jagd.
Ein Leckerli, welches man uns vor die Füße warf.
Obwohl der „liebe Gott“, wer auch immer das auch sein mag, sehr wahrscheinlich recht wenig damit zu tun hatte.

Wisst Ihr, wenn ich heute durch die Stadt gehe und dort Leute treffe die gerade am Betteln sind, dann gebe ich Ihnen die Kohle, auch wenn mir bewusst ist, dass sie diese umgehend in Alk oder Drogen umsetzten.
„Warum“, werden einige fragen? Nun, diese armen Kerle haben genug Scheiße an der Backe und gehen wahrscheinlich gerade durch ihre ganz persönliche Hölle. Mit den paar Cents kannst du ihnen etwas Erleichterung verschaffen und da ist es nun mal scheißegal ob sie damit Ihre Sucht“-erkrankung“ in Eigenregie behandeln.

Doch nun zurück.
Das Bargeld reichte aus um McFly mit den zwei Mädels und noch ’nem Typen, via Großraumtaxi Richtung Zürich zu befördern und dort eine Koks Party anzuschmeißen.
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob sie dort schon auf der offenen Szene waren, oder McFly erst später mit mir zusammen dieses Wunderwerk an menschlicher Überlebungskunst betrachten durfte.
Immerhin gab es ja auch noch andere Plätze in Zürich, die für den Erwerb illegaler Substanzen geeignet waren, und der Typ der mit dabei war, kannte wohl auch ein paar Kneipen, in denen was lief.

Gefunden war McFly schnell. Das Kaff war ja nun mal nicht allzu groß.
An der Bushaltestelle saß er mit einem der Mädels, zu der er, wie es schien, ein etwas innigeres Verhältnis aufgebaut hatte. Alter Charmeur.
Wir verbrachten den Vormittag in Überlingen, hingen unten am Ufer des Bodensees ab, bis Chris und mich schließlich der Ruf des Allerheiligen Sugar Gottes nach und nach nervöser werden ließ und zurück, Richtung Konstanz, zog.
McFly probierte mich zwar mehrmals zu überreden hier zu bleiben, denn er wollte nicht mitkommen, doch ich ließ mich nicht abhalten.
So blieb er zunächst einmal in Überlingen und legte auch tatsächlich einige Tage Pause ein, was Shore ging.
Er warf sich glaub ich, öfters Teile (Ecstasy Tabletten) ein die Tage und konnte auch bei dem Typen pennen den er kennengelernt hatte.
Und wir zogen also erst mal wieder weiter nach Konstanz und kurbelten dort die hiesige Heroin Wirtschaft ordentlich an.
Um eines mal vorweg zu nehmen. Das eigentliche „Ur“-Ziel, für unseren erneuten Ausflug in das kleine Kaff Überlingen, kratzte ich diesmal nicht mal ansatzweise an.

Die ersten vier oder fünf Tage schliefen wir noch bei Chris zu Hause, doch die Vergangenheit hatte es nun mal immer wieder gezeigt, dass so ein Wohlstand nie lange anhielt.
Bei ihm hing der Haussegen ja auch schon etwas schief, bevor ich ankam und so war es nicht verwunderlich, dass nach ca. fünf bis sechs Tagen Schluss mit dem Luxus, in Form einer weichen Matratze, ’ner warmen Umgebung und freier Nahrungsaufnahme, war.
Als wir eines Abends klatschnass zu ihm nach Hause kamen, über eine Stunde standen wir in dem verfickten Regen und warteten darauf dass jemand auf unsere ausgestreckten Daumen reagierte, merkten wir beide schon beim Eintreten in das Haus, dass gleich etwas unangenehmes ablaufen würde. Zumindest für Chris. Na ja, so gesehen auch für mich.

Ein Szenario, ein Bild, welches ich irgendwie nur allzu gut kannte. Eine fast geleerte Flasche Wein zwischen Mutter und Vater, die um den dunklen, mahagonifarbenen Tisch, in angespannter Haltung, saßen. Der Raum etwas abgedunkelt, im Hintergrund eine Kerze, die keineswegs romantische oder gemütliche Atmosphäre vermitteln sollte. Nein Mann, schon beim Eintreten konnte man die angespannte Stimmung wahrnehmen. Die negative Energie, die hier in der Luft lag, war förmlich zu riechen.

Und dann ging es auch schon los:

„Wie kannst du das machen? Nicht schon wieder! Wie oft soll sich das denn noch wiederholen? Willst du uns denn ganz kaputt machen? Immer das Gleiche! Diese verdammten Drogen! Und glaubst du wirklich wir würden das mit dem Auto nicht merken (die Karre hatten wir uns übrigens noch ein weiteres Mal ausgeliehen)?, etc…etc..“

Fragen, Aussagen, Anschuldigungen, Verzweiflung. All dies brach in Intervallen von Sekunden über Chris hinein.
Und obwohl dies nicht mein Zuhause war, dies nicht meine verzweifelten Eltern waren, fühlte ich mich eben doch so als wäre ich hier gerade der Hauptdarsteller. Als würden meine Eltern hier gerade vor mir stehen.
Ich senkte meinen Kopf.
Ein kurzer Moment von Reue, Schuld, Mitgefühl machte sich in mir breit. Und wieder einmal tauchte es auf. Dieses komische Gefühl in meiner Magengegend. Dieser Druck. Als würde kein Blut mehr durch die Adern in dieser Gegend fließen. Alles verspannte sich und zog sich zusammen. Eben genau das Gefühl welches ich schon als kleines Kind manchmal hatte und nie richtig verstand. Ein Gefühl, welches ich hasste und noch schwerer einordnen konnte.
Aber Gefühle waren, eh etwas was ich nicht gut konnte. Nicht wollte. Zumindest nicht „nüchtern“. Und genau dieser Fakt verdrängte schnell diesen kurzen Anflug verschiedener Emotionen. Noch während die volle Batterie an Worten, auf Chris abgefeuert wurde, griff ich mit der Hand in meine Tasche und fühlte das Päcken.
Ich überlegte, wie viel noch da ist. Ob es noch ausreichen würde für den Abend, für den morgigen Affentöter. Und schon war meine Aufmerksamkeit wieder da, wo sie immer war, zu dieser Zeit.
Bloß nicht nachdenken! Nichts davon ranlassen.

Für Eltern kann so etwas schon echt schlimm sein, sind sie doch in der passiven Rolle. Die Seite, die nur ohnmächtig zuschauen kann. Die sich die verrücktesten und schlimmsten Sachen zurechtspinnen und ausdenken, während der abhängige Sohn oder Tochter, durch die Weltgeschichte zieht. Ist man der aktive Part dieses Dramas, der Teil der die Scheiße am eigenen Leib erlebt, dann weiß man was man macht. Man weiß, wie es ist. Wo man ist und was man ist.
Doch die andere Seite spekuliert nur, um schließlich irgendwann zu dem Punkt zu kommen, sein Kind praktisch ganz aufgeben zu müssen, um nicht alles Kollabieren zu lassen, Fuck Man, das ist nicht einfach!
Vieles war mir damals gar nicht bewusst. Ich meine, wenn man jung ist, denkt man generell nicht großartig über das Gefühlsleben seiner Eltern nach.
Wir kennen doch alle diese großartigen Sätze wie: „Wenn du mal erwachsen bist und eigene Kinder hast, dann weißt du wie das ist!“.
Und bist du auch noch voll drauf dann liegt der Fokus deiner Aufmerksamkeit sowieso nur auf dieser einen Sache.
Erst später prasselten diese ganzen Gefühle, Emotionen, Schuldgefühle auf mich hinunter.
Und auch dass ist alles andere als einfach.
Wie ich schon so oft schrieb. Opiate funktionieren nun mal so gut, weil sie jegliche Art von Gefühlen betäuben. Man ist geschützt, fühlt sich verstanden und aufgehoben.
Legt man diesen Schutzmantel nach vielen Jahren wieder ab, steht man erst mal wie ein kleiner zitternder Köter, den man das Fell weggerissen hat, da.

Ich weiß nicht mehr wie lange dieser Schlagabtausch noch ging.
Dieses Ping Pong Spiel. Auf der einen Seite, die so sehr verzweifelten, ohnmächtigen Eltern und auf der anderen Seite der arme Junkie. Und der Spielball, der alles am Laufen hielt, wahrscheinlich ein dicker Prall gefüllter fünf Gramm Shore Beutel.
Naja, das Ende vom Lied war, dass wir beide den Abgang machen mussten. Chris durfte nur wieder nach Hause wenn er bereit war sich für ’ne Therapie, bzw. Entgiftung anzumelden.

Also auf ein Neues. Wieder an der Titte von Mutter Natur nuckeln. Wenigstens konnte Chris noch ’n kleines Zelt organisieren, welches wir etwas außerhalb von Konstanz aufschlugen. (Für Leute die sich dort auskennen: Wenn man mit der Fähre von Überlingen ankommt, gab es da eine Haupt Bushaltestelle. Von dort einige Meter zu Fuß, kahm man an einen Park/Grünstreifen der direkt am Ufer des Bodensee’s entlang verlief. Dort platzierten wir unser Einfamilienhaus).
Tja, und dann widmeten wir uns wieder unserem Alltag.
Effizientes Wirtschaften zum besten Geben. Okay, ist ja schon gut. Man könnte es auch „Klauen“ nennen.
Der Shore hinterherlaufen. Der Job, der keinen Feierabend oder Pause kannte.
Ein Job der nicht allzu viele Aufstiegschancen bot und im Grunde sehr schlecht bezahlt wurde.
Zeit zum Entspannen gab es nur in Form eines kurzen Opiatrausches.
Man musste ständig an die nächsten Stunden denken, den Entzug, der sich hinterhältig und listig auf dich zu schlich, um dir dann den Boden unter den Füßen wegzureißen.
Zum Glück war es aber auch hier um einiges einfacher Kohle klarzumachen als in einer Großstadt und mit Chris hat ich wieder mal ’ne Begleitung, für den Klauen definitiv kein Fremdwort war.
Shore kauften wir zwar auch immer mal wieder, bei den Tickern in Konstanz ein, doch Ziel war es eigentlich immer genug Kohle zu machen und dann rüber nach Zürich zu fahren.

Chris hatte extreme Paranoia die Grenze zu Fuß zu überqueren, was mich etwas wunderte. Immerhin hatte er die Eier ohne Führerschein, mit dem Wagen seines Alten und mit Drogen auf Tasche, nach Zürich und zurück zu brettern.
Na ja, war halt so. Vor ca ’nem Jahr verbrachte er mit seiner Freundin einige Monate auf dem Letten und stürzte da komplett ab.
Er war sich nun nicht mehr sicher, ob er noch eine offene Sache in Zürich am Laufen hatte und zu Fuß wurde man, laut seiner Aussage, einfach zu oft an der Grenze kontrolliert.
Das erste Mal trampten wir noch zusammen, doch danach machte ich mich alleine auf nach Zürich um die Drogen zu besorgen.
Da gab es dann die eine Aktion, die im Grunde schon fast lustig war.
Mit ca. 300 Mark auf Tasche machte ich mich alleine auf nach Zürich.
Erst über die Grenze, zu Fuß nach Kreuzlingen. (Gruß an den Stefan, der mir mich wieder mit dem Namen des Ortes erleuchtet hat). Ein kleiner Ort unmittelbar hinter der Grenze.
Von dort hatte man noch die Möglichkeit mit dem Zug weiter nach Zürich zu fahren, was wir auch einmal in Anspruch nahmen, oder aber halt auf die gute Altmodische, per Daumen-Taxi.
Mit ’n bisschen Glück erreicht man so den Drogenmarkt nach 1,5 bis 2 Std.

Alles lief gut. Ich wurde schnell mitgenommen und das sogar überraschenderweise von einer Geschäftsfrau mit dickem Benz. Die Szene war so schnell erreicht.
Ich betrat gerade den Platzspitz (Park), als mir ein Typ, der definitiv in die Kategorie Junkie fiel, hechelnd entgegen kam.
Ich drehte mich kurz um und schaute ihm nach, dachte mir dann aber nichts dabei und marschierte weiter.
Einen kurzen Moment später zwei weitere Junkies, die mit vollem Speed um die Ecke bretterten.

„Okay. Da hat wohl jemand einen abgezogen.“, dachte ich mir und ging weiter.

Kennt ihr das Bild aus diesen Tier Dokus? Wenn eine panische Büffelherde vor etwas flieht und alles niedermetzelt, was in deren Weg steht?
Genau dies erwartete mich als ich um die Ecke kam.

„Was zum Teufel!“, dachte ich mir nur.

Eine Masse von Leuten raste auf mich zu! Junkies mit Ihren improvisierten Bretterbuden unter den Armen, Mädels die teilweise noch die Nadel in der Armbeuge stecken hatten, liefen panisch und unkoordiniert von A nach B. Von überall kamen die her und ich stand da total perplex in der Mitte und wusste nicht was abgeht.
Einer verlor auf der Flucht seinen Turnschuh. Ein anderer stolperte über seine eigenen Beine und rollte schreiend einen Abhang hinunter.
Was für ein Bild!
Irgendwann hörte ich die immer wiederkehrenden Wörter „Polizei, Polizei“, und wusste was Sache war.
Obwohl ich noch gar keine Drogen auf Tasche hatte, schloss ich mich dem fliehenden Mob an und lief.
Wahrscheinlich einer der automatischen Reflexe, die man ganz schnell aufnimmt, verbringt man eine gewisse Zeit in dieser Szene. Hörst du, siehst Du oder riechst du nur Bullen, nimmst du deine Beine in die Hand und rennst. Noch heute kommt es vor, dass ich kurz zucke, wenn mir die Polizei entgegen kommt.

Tja, solche Säuberungsaktionen zog die extrem überforderte Staatsgewalt immer mal wieder durch. Alle paar Tage fuhren sie mit mehreren Mannschaftswagen auf die Szene.
Angezogen wie beim Militär.
Dann liefen sie mit einem Aufgebot von 50 bis 60 Staatsdienern, einmal auf die öffentliche Szene ein, schnappten sich dort jeder den erstbesten der in Ihre Arme lief, sammelten die Junks ein führten sie ab.
Ob du was auf Tasche hattest oder nicht, ob du ein Junk warst oder nicht, dort nur zu Besuch oder grad in einer Ecke Pinkeln warst – Scheiß egal! Du hast die Nacht auf dem Revier verbracht.
Natürlich hatten solche Aktionen null Effekt auf die Szene und die Leute standen am nächsten Tag wieder genau am selben Platz.

Irgendwann entfernte ich mich wieder von dem Platzspitz, machte eine riesen Runde um diesen und landete schließlich auf dem Letten.
Nachdem ich mich für kurze Zeit mitten auf die Bahnschienen gesetzt und das rege Treiben beobachtet hatte, entschied ich mich für einen heimischen Dealer, bei dem die Leute Schlange standen.
Ist die Nachfrage groß, kann das Dope ja nicht allzuschlecht sein.
Natürlich setzte ich mir nach erfolgreichem Geschäftsabschluss, einen dicken Druck und machte mich dann auf den Rückweg.

Es gab eine Stelle, die gut geeignet zum Trampen war.
Kurz nach der Autobahnauffahrt Zürich-Kreuzlingen, gab es nach einigen Metern eine kleine Einbuchtung. Dahinter lag ein großer Park mit einem See (wenn ich mich richtig erinnere,) den wir auch, das ein oder andere Mal, zum Konsumieren nutzten.
Leider verlief das Trampen dieses Mal nicht so zügig wie auf der Hinfahrt und so kam es, dass ich bestimmt zwei verdammte Stunden wartete, bis jemand in die Bremsen stieg.
Ein Student hielt an. Ich setzte in mich in den kleinen Blechkasten, der vor langer langer Zeit mal wirklich in die Kategorie Auto einzuordnen war.
Der Mercedes, der meinen Arsch mit seinen weichen Sitzen auf der Einreise verwöhnt hatte, war zwar etwas gemütlicher, dafür war hier aber die Begleitung um einiges lustiger.
Der Typ war zum Schießen und quatschte am laufenden Band.
Ziemlich schnell unterhielten wir uns über das Thema Drogen. Er kiffte manchmal und warf ab und zu mal ’n Tripp ein, dennoch entschied ich mich dafür, ihm nichts von meinem Drogen Einkauf zu erzählen.

Es sind ja meistens offene aufgeschlossene Menschen, die sich bereit erklären für einen Tramper in die Eisen zu treten, und dieser hier bot mir sogar an, mich bis nach Kreuzlingen zu chauffieren.
Und das, obwohl er in ’nem kleinen Dorf, ca. 40 KM davor wohnte.
Er müsste nur vorher noch seine Freundin abholen, die bei ihm zuhause wartete.
Besser ging’s nicht und ich war erleichtert, in einem Rutsch zurückzukommen.

Tatsächlich sind wir in einem Stück bei ihm zu Hause angekommen, denn glaubt mir, dessen war ich mir alles andere als sicher.
Der Typ bretterte über die Autobahn als gäbe es kein Morgen. Ich dachte wirklich, er hätte mich nur mitgenommen, weil er nicht alleine sterben wollte.
Sicherheitsgurte? Fehlanzeige. Der auf meiner Seite war komplett abgerissen und von dem anderen baumelte nur noch eine traurige Hälfte im Innenraum herum. Den Fußraum unter mir verzierte ein großes rostiges Loch.
Zur Not hätte ich den Karren wahrscheinlich auch mit meinen Füßen abbremsen können.
Mehrmals dachte ich, dass uns die Rostlaube unterm Arsch zusammenbrechen würde und seinem Fahrstil nach zu urteilen könnte man glatt denken, dass der Typ gerade den Höhepunkt eines LSD Trips zelebrierte.
Doch wir kamen wie gesagt an. Tja und dann? Dann bekam ich ein Schauspiel allererster Güte vorgesetzt, von dem selbst Shakespeare sich ’ne Scheibe hätte abschneiden können.

Er parkte den Wagen vor dem Mehrfamilienhaus und da kam auch schon, wie es schien, seine Freundin aus der Haustür und hetzte auf ihn zu.
Ich erwartete ’ne nette freudige Begrüßung, doch was dann abging, war wirklich bühnenreif.
Ohne große Vorwarnung rastete Sie komplett aus. Sie schrie, schimpfte und schlug immer wieder auf den armen Kerl ein.
Das Mädel war so in Fahrt, dass ich nicht einen der Sätze verstehen konnte, die sie von sich gab.
Und ich saß da also extrem verdutzt auf dem Beifahrersitz und beobachtete das Schauspiel.
Wut ist das eine, doch die Alte hatte wirklich einen Tobsuchtsanfall, der jenseits von Gut und Böse war.
Die drehte komplett durch! Immer wieder, als der schlaksige Student probierte sich zu erklären, fing er sich links und rechts eine ein.

„Klatsch!“, „Klatsch“, hörte man es förmlich und er stolperte einige Schritte zurück.

Sie fauchte, spuckte, zog an seinen langen Haaren, als wäre sie vom Leibhaftigen selbst besessen.

„Was zum Teufel geht hier grade ab?“, dachte ich mir nur.
„Ich will doch nur, verdammt noch mal, mit meinen Drogen nach Hause kommen!“

Irgendwann erblickte sie mich, stampfte wie eine Wilde Furie auf das Auto zu.

„Oh nein Bitch! Lass mich bloß da raus. Ich habe nichts damit zu tun!“, ich rutschte nach hinten in den Sitz und verriegelte den Wagen.

Ich wusste wirklich nicht ob ich Grinsen, Lachen oder Angst vor dem Monster auf zwei Beinen haben sollte.
Fuck Man, das ganze grenzte schon ein einen psychotischen Anfall!
Als Erstes mussten die Scheibenwischer dran glauben, kurz darauf segnete die Antenne das Zeitliche und danach wurde der restliche Wagen bearbeitet. Wahrscheinlich bekam ich hier gerade die Antwort auf die Frage, weshalb die Karre von vornherein schon so schrottreif war, auf dem Silbertablett serviert.
Mit großen Augen und erhobenen Armen, schaute ich nur fragend zu dem Studenten rüber, nach dem Motto „Alter, mach doch mal was!“. Denn ich war sicherlich der Letzte, der sich in dieses Spektakel einmischen würde.
Doch der arme Kerl stand nur da, wie in einer Schockstarre und ließ alles Geschehen.
Das Mädel rotierte zwischen Auto und Student, teilte aus so gut sie konnte, bis sie letztendlich heulend auf dem Bürgersteig zusammenbrach.
Irgendwann reicht es mir und ich stieg kopfschüttelnd aus dem Auto aus. Mittlerweile hatten sich schon einige Nachbarn auf der Straße versammelt und ich hatte definitiv keine Lust mehr, hier weiter zu verweilen und eventuell noch Zeuge einer Tragödie zu werden.
Wahrscheinlich würden als Nächstes auch noch gleich die Bullen hier aufkreuzen.

Natürlich konnte es sich hier nur um das Eine gedreht haben. Ein anderes weibliches Wesen. Der Typ hatte irgendwo ordentlich eingelocht und seine Spuren nicht fachgerecht verwischt. Seien wir doch mal ehrlich. Was sonst kann eine Frau so zum Ausrasten bringen?
Wie auch immer, ich hatte die Schnauze voll von diesem hochpotenten Drama! Ich nahm die Beine in die Hand und verpisste mich.

Zum Glück war es nicht sehr weit. Ein kurzer Fußmarsch von einem knappen Kilometer und ich stand wieder auf dem Asphalt, wo ich erneut den Anhalter spielen durfte.
Es war keine Autobahn, sondern eher eine Schnellstraße. Links und rechts waren weite, offene Felder und in der Mitte trennte ein grüner Streifen die beiden Fahrbahnen.
Der Verkehr war ziemlich mau und so schlenderte ich langsam die Straße entlang.
Wann immer ein Auto von hinten auf mich zukam, drehte ich mich um und schleuderte dem Fahrer mein grinsendes Gesicht entgegen.
Manchmal kniete ich mich auch zum Spaß hin und öffnete weit meine Arme, als würde ich meiner Traumfrau einen Heiratsantrag stellen, oder tanzte auf der Stelle mit rausgestreckten Daumen.
So Sachen zogen manchmal wirklich, doch hier und heute schien es einfach keine Wirkung zu haben.

Frustriert marschierte ich weiter bis irgendwann ein Fahrzeug der Kategorie „Nicht so Toll“ auf der anderen Fahrbahn auftauchte.
Die Bullen verlangsamten etwas ihre Fahrt und musterten mich während sie an mir vorbei fuhren.
Ich lächelte nur scheinheilig, nickte freundlich mit dem Kopf und war heilfroh als der Wagen wieder Fahrt aufnahm.
Natürlich war das nicht die letzte Begegnung und es kam, wie es kommen musste. Einige Minuten später tuckerte die gleiche Bullenkarre auf meiner Spur auf mich zu.
Den Beutel, den ich schon beim ersten Erblicken der Staatsdiener fest in meiner Hand hielt, beförderte ich schnell mit einem geschickten Wurf auf den Grünstreifen, hinter mir.
Außer den Drogen in meiner Blutbahn, war ich jetzt sauber und da Trampen ja nun mal nicht illegal war, hatte ich, wie ich dachte, nichts Weiteres zu befürchten.
Die Polizeigondel parkte auf dem Seitenstreifen und einer der beiden stieg aus.

„Schönen guten Tag der Herr. Was machen wir denn hier.“, der etwas korpulentere Polizist zog sich seine Uniform zurecht und baute sich vor mich auf.

„Ähm. Trampen?! Ich habe einen Freund besucht und möchte zurück nach Konstanz.“, erwiderte ich und zeigte mit meiner Hand in die Wunschrichtung.

Der Bulle überlegte kurz um mir dann doch tatsächlich, mit einem Grinsen im Gesicht, das Angebot zu machen, mich bis zur Grenze mitzunehmen.
Ernsthaft jetzt?! Gerade jetzt? Gerade heute? Gerade, verdammt noch mal hier mussten die beiden Dorfpolizisten den Sozialen raushängen lassen? Konntet ihr euch denn nicht wie sonst auch verhalten? Irgendeinen dummen Spruch ablassen und euch dann wieder verpissen?
Aber nein! Ich hatte also wirklich und wahrhaftig das Glück die einzigen zwei, noch lebenden Exemplare der Gattung Polizei zu erwischen, die doch tatsächlich den Spruch „Dein Freund und Helfer“ ernst nahmen.
Doch was blieb mir anderes übrig als einzusteigen? Hätte ich etwa sagen sollen, dass ich eine Abneigung gegen Bullen Kutschen habe?
Ich antwortete mit einem Zögerlichen „Ähm ja, super. Ist ja toll! Wirklich nett.“, und setzte mich auf die Rückbank.
Wenigstens stand einige Meter weiter vorher ein ziemlich großes Verkehrs Schild, sodass ich mir den Standpunkt einigermaßen gut einprägen konnte.

Ich war abgefuckt. Ich war extrem genervt. Erst diese Live Aufführung einer Dreigroschenoper und jetzt auch noch diese Aktion.
Die beiden entschuldigten sich sogar fast noch dafür, dass sie mich „nur“ bis nach Kreuzlingen bringen konnten.

„Ja Man, wirklich sehr schade.“, dachte ich mir, murmelte einen „Danke“ in meinen Bart und stieg aus der Bullen-Karre.

Ich zündete mir ’ne Kippe an und setzte mich auf die Bank der Bushaltestelle an der, die beiden Vorzeige Bullen mich raus gelassen hatten.
Ich wartete noch einige Minuten und ging dann wieder los.
Wohin? Na wohin wohl schon?
Zur Schnellstraße Richtung Zürich.
Mein verficktes entlaufenes Dope wieder einfangen gehen.
Und wieder das gleiche Spiel von vorne. Trampen und warten.
Zum Glück konnte ich dem nächsten Fahrer irgendwie klar machen, mich mitten auf der Schnellstraße, an genau dieser Stelle wieder raus zu lassen. Keine Ahnung was ich ihm erzählt hatte, wahrscheinlich irgendein Ammenmärchen.
Doch drauf geschissen! Fuck Man, selbst bei 120km/h und Seitenwind hätte ich das Fenster runtergekurbelt und wäre rausgehüpft, nur um an mein heiß geliebtes Dope zu kommen.
Was wir Süchtige doch alles für Strapazen auf uns nehmen. Von wegen nur rumgammeln und high sein.

Auf allen Vieren kroch ich über das Terrain, um nach bestimmt 30 minütiger verzweifelter und fluchender Sucherei, endlich den verdammten Beutel Braunes in meinen Händen zu halten.
Und obwohl ich mir fast sicher war, dass bei meinem heutigen Glück, dieselbe Bullen Karre nun noch mal meinen Weg kreuzen würde, erreichte ich doch tatsächlich nach einer verdammten Stunde, ohne weitere Zwischenfälle, den kleinen Ort Kreuzlingen.
Noch schnell ’nen dicken Anti Stress Druck, auf einer der Toiletten des großen Supermarkts gesetzt und dann ab über die Grenze marschiert.

BALD GEHT’S WEITER (Und dann wird beim Intro angesetzt).

MADMIKE  30.10.2016

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